Platz für zwei Kindersitze auf dem Gepäckträger des E-Cargobike Momentum PakYak E+

E-Lastenrad Momentum PakYak E+: Exot aus Übersee

17Lastenräder mit elektrischem Antrieb stehen weiterhin hoch im Kurs bei den E-Bike-Fahrenden. Das unterstreichen die jüngsten Zahlen des Bundesamtes für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle. Dort startete Ende Februar dieses Jahres ein Förderprogramm für gewerbliche genutzte E-Cargobikes. In dessen Rahmen werden bis zu 2.500 Euro auf den Kaufpreis erstattet. Der Branchendienst „Velobiz“ berichtet, dass allein bis Mitte Oktober beinahe 2.500 Anträge eingegangen sind.

Ein möglicher Kandidat für eine solche Förderung wäre das PakYak E+ von Momentum. Dieses Modell wurde vor wenigen Wochen vorgestellt. Die Marke Momentum, ein Unternehmen unter dem Dach von Giant, tritt bisher ausschließlich in Asien und Nordamerika auf. Beim PakYak E+ handelt es sich anscheinend um das erste Lastenrad des Herstellers, das mit einer elektrischen Unterstützung aufwartet.

Und täglich grüßt das Lastenrad

Sofort mit dem ersten Blick auf das Lastenrad entstehen bei uns Assoziationen mit einigen populären E-Cargobikes, die derzeit auch auf den Straßen in unserem Land zu sehen sind. Beispiele gefällig? Bitte sehr. Bergamont E-Cargoville LT. Tern GSD. Moustache Lundi 20. Und so fort. Bei allen handelt es sich um ein Longtail. Damit wird das Gepäck auf einem großen Träger transportiert, der auf dem Rahmen des Hinterbaus angebracht ist. Bei manchen Vertretern dieses Fahrradtyps, wie dem Tern GSD, ist der Gepäckträger als fester Bestandteil im Rahmen verschweißt. In jedem Falle befindet sich die Hauptlast hinter den Fahrenden.

Ein wesentlicher Vorteil dieser Variante, und damit auch des PakYak E+, ist das in Teilen vertraute Fahrgefühl. Aufgrund der Konstruktion kommt es dem eines Fahrrades mit einem herkömmlichen Rahmendesign relativ nahe. Vorderes und hinteres Laufrad sind nur 128 Zentimeter weit voneinander entfernt. Bei einem vollgefederten E-Mountainbike wie dem KTM Macina Prowler misst dieser Abstand in der Größe M gut 123 Zentimeter. Solche Dimensionen sorgen zusammen mit der Lastverteilung auf dem hinteren Teil des Fahrrades dafür, dass das Manövrieren dem bereits erlernten Fahrradfahren stark ähnelt.

Im Unterrohr integrierter Akku am E-Cargobike Momentum PakYak E+

Im Unterrohr integrierter Akku

Eigene Note erkennbar

Dennoch wirkt das Lastenrad von Momentum nicht stupide der Konkurrenz nachempfunden. In einigen Details unterscheidet es deutlich von den Mitbewerbern. Bestes Beispiel dafür ist der hinter dem Sitzrohr am Rahmen angebrachte Behälter. Wem das massivere Unterrohr nicht sofort auffällt, der könnte vermuten, dass darin der Akku untergebracht ist. Damit läge die Person sogar fast richtig. Zwar ist im Unterrohr ein Akku verbaut. Allerdings bietet das PakYak E+ die Option für einen zweiten Akku. Und der kommt tatsächlich in die schwarze Box hinein. Darin integriert ist nämlich eine entspreche Aufnahme, in die sich der Akku einstecken lässt. Ist der zweite Energiespender nicht mit an Bord, wird aus der Box ein gewöhnliches Staufach, in das ihr kleinere Gegenstände hineinlegen könnt. Die Box ist abschließbar. Also sollte normalerweise auch nichts wegkommen.

Staufach für zweiten Akku am E-Cargobike Momentum PakYak E+

Box mit Staufach für den zweiten Akku

Kleiner Wermutstropfen: Die Box lässt sich nur zur Sattelstütze hin öffnen. Sobald der Sattel etwas niedriger eingestellt ist, kommt der Deckel folglich nicht mehr am Sattel vorbei. Mit einem Scharnier nahe der Sattelstütze hätte sich das vermeiden lassen können.

Zweites Alleinstellungsmerkmal dieses E-Cargobikes ist seine umfangreiche Serienausstattung. Der robuste Gepäckträger auf dem Hinterrad, der Frontgepäckträger, die Schutzbleche, die komplette Lichtanlage, der stabile Zweibeinständer – das alles kommt serienmäßig mit. Bei einem Preis von aktuell 5.500 US-Dollar, umgerechnet 4.799 Euro, kann sich das allemal sehen lassen.

Elektrisches Antriebssystem mit Licht und Schatten

Ausgestattet ist das Fahrrad mit einem SyncDrive Pro Motor. An der Stelle wird klar, dass Giant hinter dem Ganzen steckt. Diesen Antrieb findet ihr an zahlreichen E-Bikes von Giant und Liv verbaut. Wobei, auch das ist nur die halbe Wahrheit. Letztendlich verbirgt sich dahinter ein Aggregat von Yamaha, das Giant speziell modifiziert hat. Egal. Der Motor leistet auch in der Version für den US-amerikanischen Markt 250 Watt im Dauerbetrieb und verfügt über ein Drehmoment von 80 Newtonmetern. Zusammen mit der verbauten 5-Gang-Nexus-Schaltnabe von Shimano ergibt das ein zuverlässiges Gesamtpaket. Nicht Spektakuläres, aber etwas, das Kilometer macht und zwischendurch kaum für größere Sorgen Anlass geben sollte.

Ein wenig sparsam erscheint dagegen die Akkukapazität. Die Grundversion umfasst lediglich einen im Unterrohr integrierten Akku, der 500 Wattstunden mitbringt. In Relation zu dem Eigengewicht von rund 38 Kilogramm und der Tatsache, dass mit eurem Gewicht und dem der Ladung insgesamt bis zu 164 Kilogramm bewegt werden wollen, dürfte das gern auch üppiger ausfallen. Theoretisch hat Giant natürlich noch größere Kaliber in petto. Wer weiß, vielleicht hat das Baumaß einer anderen Lösung im Wege gestanden. Diejenigen, die das PakYak E+ intensiv nutzen und zum Beispiel öfter mit zwei Kindern in den jeweiligen Kindersitzen auf dem Bike unterwegs sind, werden wohl regelmäßig das Ladegerät hervorholen müssen. Oder sie gönnen sich einen zweiten Akku. Mit dem erweitert sich die Kapazität dann immerhin auf 1.000 Wattstunden. Eine mit beiden Akkus ausgestattete Testfahrerin gab im US-amerikanischen Fahrradmagazin „Bicycling“ an, rund 110 Kilometer mit einer Akkuladung geschafft zu haben. Sie habe hauptsächlich die mittlere Unterstützungsstufe genutzt und im Durchschnitt eine Ladung von ungefähr 30 Kilogramm transportiert.

Gepäckträger und Zubehör nicht durchweg überzeugend

Als Herzstück eines Longtails kommt dem hinteren Gepäckträger eine besondere Bedeutung zu. Der des PakYak E+ wirkt auf den Bildern nicht sehr groß. Dennoch passen anscheinend zwei Kindersitze hintereinander darauf. Beladen dürft ihr ihn mit einer Maximallast von 46 Kilogramm. Der Frontgepäckträger ist übrigens für 15 Kilogramm zugelassen.

E-Cargobike Momentum PakYak E+ mit Einkäufen beladen

Alle größeren Sachen, die sich auf dem Gepäckträger platzieren lassen, müssen angeschraubt werden. Er ist also nicht mit gängigen Klicksystemen von MIK oder anderen kompatibel. Das lässt ihn im Alltag ein wenig umständlich erscheinen. Wer an den Lastentransport denkt, kann darauf immerhin einen großen Korb und gleichzeitig ein Paar großer Gepäcktaschen anbringen.

Eingeschränkte Flexibilität

Bei den Gepäcktaschen fällt eine recht eigenwillige Lösung auf. Sie sind durch eine Mittelkonstruktion miteinander verbunden. Das sorgt dafür, dass erstens, die Taschen stets nur gemeinsam genutzt werden können, und zweitens, sie fest am Fahrrad verbleiben. Ihr könnt sie nicht einfach über Schnallen oder ein Klicksystem von der Halterung lösen. Zumindest ist das der Eindruck, der sich aus dem vorliegenden Bildmaterial ergibt.

Definitiv ausgeschlossen ist anscheinend das gleichzeitige Nutzen der großen Gepäcktaschen und eines Aufsatzes für den Transport von Personen, genannt Passenger Bar. Das geht aus dem Erlebnisbericht auf Bicycling hervor. Es deckt sich mit dem, was an Informationen auf den Webseiten von Momentum einsehbar ist. Beim Passenger Bar handelt es sich um einen Sitz mit umlaufender Reling aus Metall, ganz ähnlich dem Clubhouse von Tern.

Dafür steht mit einem Sitzpolster, großen Trittbrettern und Schutzverkleidungen für das hintere Laufrad das komplette Zubehör bereit, um Kinder komfortabel auf dem Gepäckträger mitzunehmen.

E-Cargobike Momentum PakYak E+ für Fahren mit Anhänger zugelassen

Pluspunkt: E-Cargobike Momentum PakYak E+ ist für das Fahren mit Anhänger zugelassen.

Komfort für jede Körpergröße

Erwähnenswert ist außerdem die höhenverstellbare Sattelstütze, die serienmäßig verbaut ist. Sie erleichtert das Auf- und Absteigen vom Rad merklich. Außerdem kann das Bike so bequem abwechselnd von Personen gefahren werden, die unterschiedlich groß sind. Über den Hebel am Lenker ist die Höhe im Nu verstellt. Gerade bei einem Fahrrad mit einem Rahmen in Einheitsgröße erweist sich dieses Detail als äußerst hilfreich. Nach Aussage von Momentum eignet sich das PakYak E+ für Menschen mit einer Körpergröße von 155 Zentimeter bis 190 Zentimeter. Da ist es erfreulich, wenn zum Einstellen der passenden Sitzhöhe nicht ständig am Schnellspanner hantiert oder sogar Schrauben aufwändig gelöst werden müssen.

Ob und wann jemand von euch das Für und Wider einer solchen höhenverstellbaren Sattelstütze am Momentum PakYak E+ bewerten kann, ist derzeit nicht absehbar. Nach unseren Informationen ist das Bike bisher nicht innerhalb von Europa verfügbar.

Momentum PakYak E+ im Überblick

  • Motor: SyncDrive Pro
  • Akku: EnergyPak Smart Compact, Range Extender optional
  • Display: RideControl Dash
  • Gabel: ALUXX Aluminium, Starrgabel
  • Bremsen: Tektro HD-E737, 203 mm vorn und hinten
  • Antrieb: Shimano Nexus 5-Gang
  • Farben: Traffic Yellow, Patina Green
  • Gewicht: 36 Kilogramm, ohne Ständer und Frontgepäckträger
  • Maximal zugelassenes Gesamtgewicht: 164 kg
  • Preis: 5.500 US$

 

Hintergrund: Angesagt und günstig

Wem die Marke Momentum bisher nichts sagte, dem sei versichert: Das geht uns genauso. Dabei gibt es sie schon seit 2015 auf dem Markt in den USA. In Taiwan, der Heimat von Giant, tauchten bereits 2012 erstmals Fahrräder mit diesem Label auf. Der US-amerikanische Ableger sollte die hippen urbanen Fahrradfahrenden ansprechen, die es am liebsten gemütlich angehen lassen. Zudem kosteten und kosten Momentum-Bikes deutlich weniger als das, womit man gewöhnlich bei Giant und Liv rechnen muss. Dahinter steckt der Versuch, die etwas niedrigen Preisesegmente in den USA nicht kampflos der weniger namhaften Konkurrenz zu überlassen. Die Marke hat sich auf Fahrräder zum Pendeln, für die Freizeit und jetzt eben auch den Lastentransport spezialisiert. Sie unterhält ein weit verzweigtes Händlernetz.

 

Bilder: Giant Bicycle Inc.

 

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