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Antrieb Enduo Cargo für schwere Lastenfahrräder

Antrieb Enduo Cargo: Beißt kräftig zu trotz weniger Zähne

Mit der Vorstellung des Heavy-Duty-Systems von Bafang haben wir uns erst kürzlich den schweren Lastenfahrrädern mit elektrischer Unterstützung zugewandt. Der Antrieb ist das perfekte Beispiel dafür, welche Sonderlösungen für Cargobikes inzwischen auf dem Markt sind, die für Gesamtlasten von 300 Kilogramm und mehr freigegeben sind. Damit ein Motor wie der von Bafang sein Potential zuverlässig ausspielen kann, bedarf es hochwertiger Komponenten, die mit Kräften von bis 1.000 Watt und mehr als 100 Kilogramm an Transportgut umgehen können.

Bislang sind solche E-Lastenräder oftmals mit einem mit Carbonfasern verstärkten Riemen von Gates und anderen Herstellern ausgestattet. Die Praxis zeigt, dass gerade bei schweren Lastenrädern diese Riemen mitunter reißen. Aus den New Motion Labs aus dem britischen Exeter kommt nun ein Produkt, das Abhilfe für solche Fälle verspricht. Enduo Cargo heißt ein Antrieb, der Kettenräder für das Antriebs- und das Abtriebsrad sowie eine Kette umfasst. Er eignet sich für E-Bikes mit Singlespeed oder Nabenschaltung, einem 250-Watt-Motor sowie einem maximalen zulässigen Gesamtgewicht von 300 Kilogramm.

Antrieb Enduo Cargo für schwere Lastenfahrräder

Antrieb Enduo Cargo für schwere Lastenfahrräder

Tragen und stützen

Auf den ersten Blick erinnert Enduo Cargo sehr wohl an herkömmliche Kettenblätter, Ritzel und Ketten. Beim genauen Betrachten zeigen sich jedoch etliche Unterschiede. Am deutlichsten wird dies bei den Kettenrädern. An denen „fehlt“ jeder zweite Zahn, sodass die Anzahl halbiert ist. Natürlich fehlen die Zähne nicht. Sie wurden bewusst ausgespart, sodass ein komplettes Kettenglied mit zwei Rollen zwischen jeden Zahn passt.

Entscheidender für die Wirkung von Kettenrad und Kette ist der Umstand, dass die Kette jeweils mit zwei Rollen auf beiden Seiten des Zahns Kontakt hat. Enduo nennt dies „Dual Engagement“. Auf beiden Seiten des Zahns wird Kraft übertragen. Unter den zwei beteiligten Rollen herrscht allerdings ein Jobsharing. Rolle Nummer eins überträgt in erster Linie die Last zwischen Kettenrad und Kette. Auf der anderen Seite des Zahns stützt Rolle Nummer zwei ab. Sie trägt nicht aktiv zum Vortrieb bei und übt kein direktes Drehmoment auf das Kettenrad aus. Allerdings verhindert sie störende Bewegungen der ersten Rolle, was die Verluste auf den Zahn minimiert.

Dank optimiertem Zusammenspiel kaum Verschleiß

Gleitet dagegen eine herkömmliche Kette über ein herkömmliches Kettenrad, ist jede Rolle tragend und der damit verbundenen Belastung ausgesetzt. Im Vergleich dazu entsteht beim abwechselnden Tragen und Stützen des Enduo Cargo viel weniger Reibung. Damit einhergeht eine höhere Effizienz als auch eine deutlich längere Lebensdauer der Kette. Enduo spricht von bemerkenswerten 30 Prozent.

Für zusätzliche Entlastung sorgt eine selbst entwickelte und inzwischen patentierte Geometrie der Zähne. Sie reduziert die Kräfte, die an den Kontaktpunkten innerhalb der Kette auftreten.

Kette bleibt Kette

Ein großer Vorteil des Riemens gegenüber der Fahrradkette ist die Tatsache, dass ein Riemen über einen deutlich größeren Zeitraum seine ursprüngliche Länge behält und von seiner Leistungsfähigkeit im Grunde kaum etwas einbüßt. Erwiesenermaßen dehnen sich Ketten im Laufe der Zeit wesentlich stärker. Enduo selbst nennt 0,75 Prozent als einen üblichen Wert. In der Folge verringert sich ihr Wirkungsgrad und alle weiteren beteiligten Antriebskomponenten leiden ebenfalls.

Auch die Kette des Enduo Cargo ist vor einer solchen Streckung nicht gefeit. Der Effekt soll laut Hersteller allerdings ein anderer sein. So verändert sich die Position der tragenden und stützenden Rollen auf dem Kettenrad geringfügig. Ihre Funktion und die damit verbundene Wirkung des Antriebs bleiben trotz dessen erhalten. Weitergedacht würde dies den Vorteil der Enduo-Lösung gegenüber herkömmlichen Ketten auf lange Sicht sogar vergrößern.

Kleiner und massiver

Aussagen wie diese erscheinen glaubwürdig, wenn man sich die Konstruktion der Ketten anschaut. Im Vergleich zu einer herkömmlichen Kette fallen die Laschen um 30 Prozent breiter aus. Ganze 60 Prozent größer sind die Flächen der Lager der Gelenke. Einwirkende Kräfte können sich so auf einen größeren Bereich verteilen. Dagegen haben die Hersteller die Kettenglieder kürzer dimensioniert, was zu kürzeren Gleitwegen bei kleineren Gelenkwinkeln führt.

Bei den Gelenken der Kette ersetzt Enduo die sonst üblichen Stiftgelenke durch Buchsen- und Rollengelenke. Auch dieses Detail soll sich positiv auf die Kraftverteilung innerhalb der Ketten auswirken. Nach außen schützt eine Zink-Aluminium-Beschichtung die Ketten gegen verschiedenste Witterungseinflüsse.

Im Alltag von großem Vorteil

Unter dem Strich dürfte der Antrieb wohl vor allem bei gewerblichen Anwendern auf Interesse stoßen. Sicherer Betrieb selbst bei sehr hohen Belastungen, entsprechend weniger Ausfälle, Zeitersparnis dank geringer Wartungsaufwände – das alles klingt in den Ohren von Logistikunternehmen und Handwerkern vermutlich wie Musik. Erst recht die mehr als 15.000 Kilometer an Laufleistung, die der Enduo Cargo im Dauerbetrieb verspricht. Die aktuell aufgerufenen 239 Euro für ein Set könnten sogar für manche private Anwendung verlockend sein.

 

Bilder: New Motion Labs

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