Fahrradindustrie geht mit Selbstverpflichtung gegen illegales E-Bike-Tuning vor

Fahrradindustrie forciert Kampf gegen illegales E-Bike-Tuning

Höher, schneller, weiter. Manche E-Bikerinnen und E-Biker verstehen diese Maxime falsch. Statt am eigenen Leistungsvermögen zu arbeiten, hebeln sie mit unerlaubten technischen Mitteln die Grenzen ihres E-Antriebes aus. Gegen diese Form des E-Bike-Tunings haben sich zum wiederholten Male Teile der europäischen Fahrradindustrie ausgesprochen. Eine gerade verabschiedete Selbsterklärung soll den Worten Nachdruck verleihen.

Breiter internationaler Zusammenschluss

Die Unterschriften von insgesamt 15 nationalen Verbänden der Fahrradindustrie sowie 68 weltweit agierenden Unternehmen finden sich unter dem Papier. Schirmherr und Initiator der Initiative ist der Verband der europäischen Fahrradindustrie CONEBI. Zu den Unterzeichnern zählen Verbände aus den unter dem Aspekt des Fahrradfahrens bedeutenden Ländern wie den Niederlanden, Belgien, Frankreich, Italien, Spanien, Großbritannien und Deutschland. Bei den Herstellern fällt die Liste ähnlich prominent aus. Motorenhersteller wie Bafang, Bosch, Brose und Shimano haben sich ebenso angeschlossen wie zum Beispiel die Fahrradhersteller Focus, Giant, Haibike, KTM, Lapierre, Riese&Müller, Rose, Specialized, Stevens, Tern und Trek.

Alle gemeinsam lehnen das Fahren mit manipulierten E-Bikes auf öffentlichen Straßen strikt ab. Wer mithilfe einschlägiger Bausätze die Motorkraft erhöhen oder die Begrenzung für die Höchstgeschwindigkeit der Unterstützung aushebeln möchte, gefährde sich und andere. Erstens könnten das E-Bike-System und das Fahrrad selbst beschädigt werden. Zweitens drohen im Falle eines Unfalls mit einem derart veränderten E-Bike hohe Haftpflichtkosten sowie eine strafrechtliche Verfolgung. Wer nachweislich illegal sein E-Bike manipuliert hat, wird bei jeder Versicherung vergeblich auf eine entsprechende Unterstützung hoffen. Selbstverständlich erlöschen mit der verbotenen Bastelei auch jegliche Garantie- und Gewährleistungsansprüche gegenüber den Herstellern.

Fahrradindustrie geht mit Selbstverpflichtung gegen illegales E-Bike-Tuning vor

Selbstverpflichtung der Fahrradindustrie als nächster Schritt gegen illegales E-Bike-Tuning

Technische und inhaltliche Ansätze

Hinzukommt der nicht zu verachtende Image-Schaden, den ein solches Vergehen Weniger für das Ansehen einer großen Mehrheit hat, die sich an den jeweiligen aktuellen Rechtsrahmen hält. Genau dieser Rahmen ist aus Sicht von Conebi nicht nur ausreichend gestaltet, sondern ein entscheidender Faktor für den E-Bike-Boom der zurückliegenden drei, vier Jahre gewesen. Gemeint ist dabei vor allem die gesetzliche Gleichbehandlung von Pedelecs und Fahrrädern.

Zur Wahrheit gehört natürlich auch, dass die Fahrradindustrie den angesprochenen Manipulationen entschieden entgegentritt, weil sie ihr Geschäftsfeld dadurch bedroht sieht. In diesem Zusammenhang stellt die aktuelle Selbstverpflichtung ein Mittel dar. Deren Ziel ist es, illegales Vorgehen künftig effektiver zu unterbinden. Im Schreiben wird etwa angekündigt, dass die Unterzeichner

  • alle anwendbaren Anforderungen zum Schutz vor Manipulationen erfüllen,
  • bestehende Standards auf ihre Wirksamkeit hin bewerten und konstant weiterentwickeln,
  • bei Beteiligten wie beispielsweise Einzelhändlern, durch Schulungen, Dokumentationen, Workshops und Kampagnen das Bewusstsein für illegales E-Bike-Tuning schärfen,
  • die Marktaufsichtsbehörden und die Polizei bei der Identifizierung von manipulierten E-Bikes unterstützen und mit Regierungen sowie örtlichen Strafverfolgungsbehörden zusammenarbeiten,
  • und gemeinsam mit technischen Experten und anderen Verbänden zusätzliche Informationen ausarbeiten, um die eigenen Positionen gegenüber nationalen und europäischen Gesetzgebern zu verdeutlichen.

Hoffnung auf Gesetzesänderungen

CONEBI schließt gesetzgebende Organe gezielt in die eigenen strategischen Überlegungen mit ein. Von dieser Seite erhofft sich der Verband anscheinend nachhaltige Unterstützung. „Diese Selbstverpflichtung ist nur eine Säule unserer Gesamtstrategie“, sagt Erhard Büchel, Präsident von CONEBI. „Darüber hinaus muss die Marktüberwachung auf nationaler Ebene verstärkt und durch europäische Rechtsvorschriften unterstützt werden. Nicht zuletzt verurteilen wir aufs Schärfste den Verkauf von Manipulationssätzen, die die Sicherheit der Verbraucher gefährden, da das E-Bike nicht für eine derart erhöhte Geschwindigkeit ausgelegt ist. Wir appellieren daher an die europäischen Gesetzgeber, den Verkauf, die Anwendung und den Gebrauch von Manipulationsgeräten klar zu verbieten.“

Ernst Büchel Präsident des CONEBI

Ernst Büchel, Präsident des CONEBI

 

Bilder: CONEBI; Bosch eBike Systems

Ein Gedanke zu „Fahrradindustrie forciert Kampf gegen illegales E-Bike-Tuning“

  1. Es wäre wünschenswert, wenn Bosch die Rechtmäßigkeit seiner Technik auch im Zusammenhang mit der „Informellen Selbstbestimmung“ Nachdruck verleihen würde. Das aufgezeichnete Tourenprofil stellt in erster Linie eine ganz persönliche Information dar, die ich nicht erst aus der „Bosch-Cloud“ ziehen will.
    Wenn also gegen Tuningtechnik für E-Bikes vorgegangen wird, sollte zuerst sichergestellt werden, dass Tourdaten aus NYON bzw. KIOX auch ohne Cloudumweg dem Besitzer zur Verfügung stehen.
    Tuningtools, die den direkten Zugriff auf Tourendaten ermöglichen, stellen aktuell die einzige Möglichkeit dar, die Besitzrechte an den eigenen Daten wahrzunehmen.

    Mit freundlichen Grüßen
    Xavier

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