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Vorderrad mit Geschwindigkeitssensor des Blubrake ABS für E-Cargobikes

ABS für E-Cargobikes von Blubrake: Alles unter Kontrolle

Update 2. Juli 2021

Nach dem Markteintritt 2019 hat der italienische Hersteller Blubrake jetzt die zweite Generation seines Antiblockiersystems (ABS) für E-Bikes vorgestellt. Im Vergleich zum Vorgänger fällt die überarbeitete Version kleiner und leichter aus. Grund dafür ist eine Vereinfachung der Konstruktion. Aus dem ehemals separaten Aktuator und der Elektronik ist nun ein einziges Bauteil geworden. Die neue Haupteinheit wiegt mit 380 Gramm 48 Prozent weniger als zuvor. Bezogen auf die Größe entspricht das sogar einer Einsparung von 65 Prozent.

„Dank der einfachen Installation und den kompakten Abmessungen des neuen Produkts können Hersteller das ABS jetzt problemlos in ihre Modelle integrieren und E-Bikes mit höherer Sicherheit und Zuverlässigkeit für ein unbeschwertes Fahrerlebnis anbieten“, sagt Fabio Todeschini, Gründer & Geschäftsführer von Blubrake. Angesichts der Weiterentwicklung dürfte die zweite Generation der Blubrake tatsächlich von den Fahrradherstellern einfacher installiert werden können. Innerhalb des Rahmens braucht es dafür beispielsweise nur noch den Anschluss zweier elektrischer Stecker.

Je nach Belag unterschiedliches Bremsverhalten

Fortschritte vermeldet Blubrake zudem auf Seiten der Software. Ein verbesserter Algorithmus erkennt inzwischen den Untergrund, auf dem ihr unterwegs seid, und passt daran die Steuerlogik beim Bremsen an. Laut Hersteller sollen insbesondere Asphalt, schlammiger Boden, Kopfsteinpflaster und Schotter vom System erkannt werden. Entsprechend natürlich und sanft soll sich das Bremsen jeweils anfühlen.

Neben der Option zur Integration im Rahmen lässt sich das ABS von Blubrake auch direkt an der Gabel – mit und ohne Federung – montieren. Ein spezieller Adapter, der mit den meisten Gabeln auf dem Markt kompatibel ist soll dies ermöglichen. Bevor sich die Bastelfreunde unter euch an freuen – auch diese Variante ist ausschließlich den Fahrradherstellern vorbehalten.

Zweite Generation des ABS für E-Bikes von Blubrake an der Fahrradgabel montierbar

Zweite Generation nicht auf alle E-Bikes ausgelegt

Nach all den guten Neuigkeiten nun der kleine Dämpfer: Sehr wohl werden zur Saison 2022 E-Bikes mit der neusten Variante der Blubrake auf den Markt kommen. Darunter sind allerdings keine E-Lastenfahrräder. Das Bremssystem für gängige E-Bikes wie City- und Trekking-E-Bikes, E-Mountainbikes und S-Pedelecs unterscheidet sich von dem für Cargobikes. Auf Nachfrage bestätigt der Hersteller, dass die zweite Generation explizit nur an den anderen E-Bike-Typen anzutreffen sein wird. Und mal wieder ist das Glück des einen, das Pech des anderen.

 

Originalbeitrag vom 23. März 2021

Allgemein kann Bremsen mit einem Fahrrad mitunter eine diffizile Sache sein. Dies gilt besonders für E-Lastenfahrräder. Bei Typen wie einem Longjohn befindet sich das Vorderrad weit vor dem eigentlichen Schwerpunkt des Bikes und fällt oftmals mit nur 20 oder 22 Zoll klein aus. Legt ihr damit eine Vollbremsung hin, kann das eine Schlingereinlage allererster Güte zur Folge haben. Ein Antiblockiersystem, ABS, für Lastenräder wäre da eine gute Idee, oder? Das wäre könnt ihr streichen. Die Idee ist gut und einen Anbieter dafür gibt es sogar auch.

Marktführer oder Einzelkämpfer – wie ihr wollt

Noch ist Blubrake das einzige Unternehmen auf dem Markt, das mit einem ABS speziell für E-Cargobikes aufwartet. Tatsächlich liegt es schon beinahe zwei Jahre zurück, dass die Italiener ihr System erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt haben. Das war im Juni 2019 beim International Cargo Bike Festival im niederländischen Groningen. Und an sich ist ein ABS für E-Bikes auch nichts komplett Neues. Hersteller wie Bosch und Magura sind seit mehreren Jahren auf dem Markt mit ihren Systemen präsent. Früher führte Sachs eine eigene Entwicklung für den Sachs RS-Antrieb im Angebot. Aktuell gibt es mit BrakeForceOne mindestens einen weiteren Player in diesem Segment.

Reihenfolge der Datenübermittlung beim ABS für E-Lastenräder von Blubrake

An einem klassischen E-Bike lassen sich die jeweiligen Komponenten des ABS von Blubrake am Vorderrad, im Rahmen und am Lenker montieren.

Neuen Schwung erhält das Projekt von Blubrake allerdings gerade durch ein Video, das eindrucksvoll die Vorteile dieser Form des dosierten Bremsens am E-Lastenrad demonstriert. Entstanden ist das Material in einer Zusammenarbeit von Blubrake mit dem Bike-Channel Radelbande. In dem Film ist ein Bike von Douze mit einem Brose-Antrieb zu sehen, das in Bremstests mit und ohne Zuladung gegen ein Bike von Urban Arrow ohne ABS antritt.

Vorderrad entscheidend

Ob im Straßenverkehr oder abseits der Straße, ob mit Waren oder Menschen an Bord – eine abrupte Vollbremsung birgt etliche Gefahren. Am ehesten droht der Verlust der Kontrolle über das Vorderrad. Auf losem, feuchtem oder holprigen Untergrund gerät es unter dieser Extrembelastung schnell ins Rutschen. Und rutscht das Vorderrad erst einmal weg, folgt der Rest des Bikes meist hinterher. Wie beim vom Auto bekannten ABS, verhindert das System am E-Lastenfahrrad ebenfalls das Blockieren des Vorderrades. Für Sekundenbruchteile geben die Bremszylinder die Bremsscheibe frei, sodass das Rad den Kontakt zum Boden behält. Es kommt zu dem typischen Stottern, dass vielleicht einige von euch aus eigenem Erleben heraus kennen. Gleichzeitig vermeidet das ABS so das Lupfen des Hinterrades. Die Traktion bleibt gewahrt und ihr behaltet die Kontrolle beim Bremsen.

Verständlicherweise setzt das System von Blubrake am Vorderrad an. Im Vergleich zum Hinterrad wirkt dort eine größere Masse, was die Bremskraft entsprechend erhöht. Aus diesem Grunde sind an zahlreichen Fahrrädern mit Scheibenbremsen die größeren Bremsscheiben vorn verbaut. Die Bremsbeschleunigung selbst wird wesentlich durch die Haftreibung zum Untergrund beeinflusst. Daher ist ein ABS, das auf einem bestmöglichen Bodenkontakt abzielt, auch so eine gute Idee.

System mit vier Komponenten

Für das E-Bike bedeutet die Lösung von Blubrake eine überschaubare Mange an Extrateilen. Folgende vier Komponenten gehören zum System:

Der Geschwindigkeitssensor

Mithilfe der Drehzahlen des Vorderrades sorgt der Geschwindigkeitssensor dafür, dass in der elektronischen Steuereinheit die exakte Geschwindigkeit berechnet werden kann. Sein Aussehen erinnert an eine zusätzliche Bremsscheibe, nur mit etwas kleinerem Umfang. Der Sensor, auch Hallgeber oder Phonic Wheel genannt, ist also direkt am vorderen Laufrad verbaut. Laut Blubrake erfasst er hundert Mal pro Sekunde neue Daten.

Die Elektronikeinheit

Die vom Sensor übermittelten Informationen bilden die Grundlage für die Berechnungen der elektronischen Steuereinheit. Sie kennt Geschwindigkeit und Trägheit des E-Cargobikes. Ein in ihr integrierter Algorithmus ermittelt schließlich, ob plötzliche Bremsmanöver eine Gefahr bedeuten würden und falls ja, welche. Letztendlich ist dieser Algorithmus das entscheidende Detail, das dieses ABS von dem für andere E-Bikes unterscheidet.

Der Aktuator

Hat die Elektronik eine Gefahrensituation erkannt, reguliert der Aktuator den hydraulischen Bremsdruck. Ziel ist stets, dass ihr sicher bremsen könnt und dabei die Kontrolle über das Fahrrad behaltet.

Das Human Machine Interface (HMI)

An der Anzeige erkennt ihr den Status des ABS-Systems. Das ist denkbar einfach: Grün bedeutet, das alles in Ordnung ist. Leuchtet die Anzeige gelb, stimmt etwas damit nicht. Entweder handelt es sich um einen Fehler oder ein Systemtest läuft. Sollte das System nicht zurück auf grün wechseln, bleibt euch nur der Gang zu einem autorisierten Händler. Blubrake rät von allen selbstständigen Eingriffen ab. Eine gute Nachricht gibt es an der Stelle trotzdem: Eure eigentlichen Bremsen bleiben von einem möglichen Defekt unberührt. Ihr fällt zurück auf ein Bremssystem ohne ABS, mehr passiert nicht.

Komponenten des ABS für E-Lastenräder von Blubrake

In dieser Reihenfolge kommunizieren die Komponenten des Systems von Blubrake untereinander.

Im normalen Betrieb benötigt das ABS Energie. Der E-Antrieb muss also eingeschaltet sein, damit ihr von dem Plus an Sicherheit profitieren könnt. Als Energiequelle dient der Akku des E-Bikes. Nach Angaben von Blubrake ist der Energieverbrauch aber nicht signifikant.

Letzter Schritt fehlt noch

Insgesamt erweckt das das ABS den Eindruck, als sei es bereit für den Einsatz in der Praxis. Unseres Wissens nach hat derzeit aber noch kein Hersteller serienmäßig ein E-Lastenrad damit ausgestattet. Die Voraussetzungen dafür scheinen an sich gegeben zu sein. Das mit Abstand größte Bauteil ist der Aktuator. Aufgrund seiner runden Form ließe er sich vermutlich relativ leicht in einem Rahmenrohr integrieren. Bei „gewöhnlichen“ E-Bikes dient dazu meist das Oberrohr. Zwar hat kaum ein E-Cargobike ein echtes Oberrohr. Dafür gibt es beim Fahrgestell etliche andere Rahmenrohre, die dafür herhalten könnten. Zudem kann sich Blubrake vorstellen, die entsprechenden Teile etwa unter einer Art doppeltem Boden in der Ladefläche unterzubringen. An einen bestimmten E-Antrieb, ein bestimmtes Bremssystem oder eine bestimmte Laufradgröße ist der Hersteller nach eigner Aussage nicht gebunden.

Mögliche Integration des Blubrake ABS für E-Cargobikes in Fahrradrahmen

Aktuator und zentrale Steuereinheit des ABS beanspruchen wenig Platz. Für Fahrradhersteller sollte das eigentlich die Integration erleichtern.

Mehr Sicherheit für alle, die mit einem E-Cargobike unterwegs sind, ist in jedem Falle wünschenswert. Vorausschauendes Fahren sowie das Bremsen von Vorder- und Hinterrad bleiben auch mit ABS gute Ideen. Im Notfall verschafft euch ein kürzerer Bremsweg mehr Zeit, um noch anderweitig zu reagieren. Dennoch bleibt er, was er ist, ein Bremsweg.

 

Bilder: Blubrake S.r.l.

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