Trend Elektromobilität - Kampf mit der Windmühle?

10.07.2012 14:33

Mobilität wandelt sich derzeit rasant. Während die Mineralölpreise tendenziell immer weiter steigen, wagen viele Berufspendler den Umstieg auf öffentlichen Nahverkehr oder Fahrrad. Gerade der urbane bzw städtische Trend verlegt sich auf Zweiräder, auch wegen der größeren Unabhängigkeit vom sonstigen Straßenverkehr. Auch sportliche Aspekte und Lifestyle spielen eine immer größere Rolle. In allen Aspekten profitiert auch der sogenannte E-Bike-Boom.

Was jedoch in einem Land wie Deutschland, Heimat vieler Ingenieure, Wiege von globalen Automobil-Konzernen, überrascht ist der Fakt, dass das Elektroauto davon so gut wie nicht profitiert. Die Frage ist dabei, liegt es rein an der sprichwörtlichen deutschen Liebe zu ihrem PKW mit Verbrennungsmotor oder auch an mangelnder Praxistauglichkeit der Elektroautos oder gar an fehlendem Interesse der Branche an einem Umstieg auf die umweltfreundlichere, nachhaltigere Mobilität? Derartige Fragen kommen jedenfalls auf.

Kaum private Zulassungen bei Elektroautos (2011)

Die Kollegen vom Magazin Velobiz zeigten zuletzt Zahlen, nach denen Januar bis November 2011 in Deutschland nur 1800 Elektroautos zugelassen wurden, davon gar nur 101 von privaten Nutzern - Verglichen mit über 300.000 verkauften E-Bikes 2011 ein Witz.

Fehlende Würdigung des Trends durch politische Institutionen

Velobiz warf dabei eine weitere erschreckende Vergleichszahl auf, die nicht überbewertet werden soll, uns aber zu unserer provokanten Titelzeile motivierte: angesichts vorgenannter Zahlen verwundert, dass im zweiten Bericht der Bundesregierung zur Elektromobilität 22x das Wort "Auto" erwähnt wurde, jedoch genau 0x "Elektrofahrrad", "E-Bike" oder "Pedelec". Nun mag das manchem wie Kaffeesatzleserei vorkommen, eine Aussage zur Reaktion der Politik auf die Entwicklung der urbanen Mobilität kann man hierzu unserer Meinung nach dennoch machen.

Bestätigt wird dieser Schluss durch weitere Zahlen: So gibt eine als fahrradfreundlich vermutete Stadt wie Freiburg nur 1% seiner Ausgaben in den Personenverkehr für Radverkehr aus, gegenüber 87% für Autoverkehr. Währenddessen machen aber derzeit Fahrrad 19% und Auto 42% am Modal Split der Verkehrsmittel aus.

Automobilkonzerne drängen in E-Bike-Markt

Als unglücklich kann man hier auch die Rolle der Automobilkonzerne sehen, die entgegen urbaner Entwicklungen und trotz riesiger Ausgaben in Marketing kaum Wege zur Elektromobilität aufzeigen oder serienreife elektrisch betriebene Produkte (Autos) entwickeln konnten und dem Trend, hin wie her, nachhinken. Es scheint eher wie eine Flucht zur Marktsegmentsicherung, wenn Firmen wie BMW, Audi, Porsche, VW u.v.m. plötzlich in den scheinbar profitträchtigen Markt der E-Bikes mit eigenen Pedelecs einsteigen. Die Zweiradbranche jedenfalls hat, sicherlich auch auf Grund der unterschiedlichen Herkunft, die Nase bei Elektromobilität deutlich vorn und gar derart mitentwickelt, dass aus verschiedensten Ecken der Gesellschaft Firmen in den Markt drängen.

Ein Umdenken ist notwendig

Was wir uns aber wünschen ist mehr politische Würdigung von Trends, die maßgeblich in der Bevölkerung und deren Bedürfnissen aber auch der Notwendigkeit einer umweltschonenderen Zukunft der Zivilisation begründet sind. Speziell die Umgestaltung der örtlichen Infrastrukturen hin zur Zweiradmobilität ist hier ein Kernpunkt. Hier gibt es mit Städten wie Kopenhagen bereits positive Beispiele innerhalb Europas. Die Förderung von Pilotprojekten (wie in den Modellregionen Elektromobilität mit 500 Mio ? 2009-2011) kann nur eine Schiene sein. Dieses Umdenken ist trotz aller Trends notwendig, um Visionen von der elektromobilen Stadt, in der das Auto mit Verbrennungsmotor ein Nischenprodukt wird (wie vom Forscher Hannes Rose, Leiter Urban Mobility am Fraunhofe IAO Institut Stuttgart, in der Zeitschrift ElektroBike beschrieben), nicht erst 2050 (wenn überhaupt) Wirklichkeit werden zu lassen.

Für uns ist Elektromobilität also nicht nur Geschäft, sondern auch Überzeugung. Dies möchten wir transportieren und unseren Teil beitragen.


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