Radurlauber reisen nachhaltig und vor allem mit steigernder Zahl

14.03.2017 13:21

Radtourismus eine der nachhaltigsten Reiseformen überhaupt. Zu diesem und anderen spannenden Ergebnissen kommt die Radreiseanalyse 2017 des ADFC. Der Club gab vergangene Woche die aktuellen Zahlen heraus und konnte ein 16 prozentiges Wachstum verzeichnen. "Kaum ein Urlaubssegment wächst so dynamisch, wie der Radtourismus in Deutschland. 5,2 Millionen Bundesbürger haben 2016 einen Radurlaub unternommen, das sind 16 Prozent mehr als im Vorjahr. Da Radurlauber sechs Mal häufiger als Durchschnittsurlauber mit der Bahn und äußerst selten mit dem Flugzeug anreisen, ist Radtourismus eine der nachhaltigsten Reiseformen überhaupt." Darauf wies der ADFC bei der Vorstellung seiner Travelbike-Radreiseanalyse 2017 auf der Tourismusmesse Berlin hin. Bei der Wegweisung und der Durchgängigkeit des Radwegenetzes sehen Radreisden deutlich Verbesserungsbedarf, im Vergleich zum Beispiel zu den Niederlanden.

Radreisen sind nachhaltig

Auch ein spannender Vergleich: Während im Durchschnitt nur fünf Prozent aller Reisenden __öffentliche Verkehrsmittel __nutzen, treten 1/3 der Radreisenden An- und Abreise mit der Bahn an. "Das Flugzeug spielt als Anreise-Verkehrsmittel der Radreisenden mit knapp 5 Prozent fast gar keine Rolle. Und jeder fünfte Radtourist startet - CO2-neutral - gleich auf dem Rad?, so die Analyse des ADFC.

Wo gehen die meisten Radreisen hin?

Bei der Frage, wo die Radreisenden ihr Geld ausgeben, ist die Antwort klar: in Deutschland. So planen rund 84 Prozent der befragten Radurlauber eine oder mehrere Radreisen im Inland und nur 36 Prozent davon wollen ins europäische Ausland und drei Prozent nach Übersee. 61 Prozent machen in Deutschland Radurlaub. Der Gegenvergleich: Von allen Bundesbürgern planen nur etwa 30 Prozent 2017 einen Urlaub in Deutschland zu machen. "Radurlauber geben ihr Geld nicht auf Mallorca aus, sondern hier bei uns in Deutschland. Der Radtourismus ist damit ein wichtiger Wachstumstreiber des Deutschlandtourismus!? so Thomas Froitzheim, ADFC-Tourismusexperte.

Vor allem junge Leute auf dem Rad unterwegs

Dabei scheint Radurlaub eher etwas für die jüngere Zielgruppe zu sein: Im Schnitt sind Radurlauber 48 Jahre alt und legen am Tag 65 Kilometer zurück. Wobei die durchschnittliche Streckenfahrt sieben bis acht Etappen umfasst. Die Reisen dauern im Schnitt neun Tage mit sieben reinen Fahrradtagen.

Reiseanalyse

Ein neuer Trend: Im Vergleich zum Vorjahr waren __deutlich mehr Frauen __unterwegs. Der Anteil stieg von 33,5 auf 42 Prozent. Naturerlebnisse, sportliche Betätigung, die Gesundheitsförderung und vor allem eine Entschleunigung des Alltags nannten die meisten Radreisenden als Motivation.

Selten werden Bikes im Urlaub gemietet

Gemietet wird das Rad für den Urlaub eher selten. Die Meisten schwören auf ihr eigenes Rad. Nur sieben Prozent der Befragten nehmen am Urlaubsort ein Mietrad, wobei es jeder fünfte Radreisende wichtig findet, dass es am Urlaubsort auch Elektrofahrräder zur Miete gibt. Gute Qualität der Mieträder steht dabei ganz oben auf der Prioritätenliste.

Wohin geht die Reise? Das Wasser liegt in der Gunst der Radreisenden ganz vorn. So wurde zum dreizehnten Mal in Folge der Elberadweg zur beliebtesten Strecke gewählt. Seine enorme landschaftliche und kulturelle Vielfalt waren das Hauptargument.

Top 10-Liste der beliebtesten Radfernwege in Deutschland

  1. Elberadweg (±0)
  2. Weserradweg (±0) u. RuhrtalRadweg (gleichauf, +1)
  3. Rheinradweg (+3)
  4. Donauradweg (±0) u. Ostseeküsten-Radweg (gleichauf, +1)
  5. MainRadweg (+3)
  6. Mosel-Radweg (+1)
  7. Bodensee-Radweg (+2)
  8. Altmühltal-Radweg (+3)
  9. Bodensee-Königssee Radweg (+5)10.Oder-Neiße-Radweg (+3)

Bei den beliebtesten Radreiseregion im Inland belegte Bayern zum sechsten Mal in Folge den ersten Platz, gefolgt vom Münsterland und der Bodensee-Region. Der Schwarzwald (+6) und das Ruhrgebiet (+3) haben beachtloich aufgeholt. Dazu Froitzheim: "An den Aufsteigern können wir sehen, dass sich Investitionen in eine hohe Wegequalität und in die Vermarktung auszahlen."

Navigation per Smartphone

Zur Navigation nutzt bereits jeder zweite Radreisende das Smartphone, dabei liegen Google Maps und Komoot als meistgenutzte Apps ganz vorn. Essenziell für die Orientierung vor Ort ist aber nach wie vor die klassische Karte und vor allem die Wegweisung. Hier äußerten Befragte Kritik. "Aus dem Nachbarland Dänemark sei man eine perfekte, omnipräsente Wegweisung und ein durchgängiges Radwegenetz analog zum Autoverkehrssystem gewohnt ? dahinter bleibe Deutschland deutlich zurück." Dem schließt sich der ADFC an: "Unsere weltweit gelobten touristischen Radwege reichen nicht aus, um Deutschland zum Fahrradland zu machen. Wir brauchen komfortable Radrouten auch für den Alltagsverkehr. Das System muss durchgängig werden. Dasselbe gilt auch für die Wegweisung ? hier kann jeder Landstrich machen, was er will. Und manche machen so gut wie gar nichts. Wir brauchen ein hochqualitatives Orientierungssystem als verbindliche Regelung in der Straßenverkehrsordnung."

Für die ADFC-Travelbike-Radreiseanalyse wurden zum 18. Mal online 7.000 Bundesbürger befragt.