Mensch-Getriebe-Motor: Pinion-Schaltung entlastet Komponenten

04.06.2015 10:05

Mittelmotoren für E-Bikes haben sich, vor allem seit dem Siegeszug des Bosch-Antriebssystems, am Markt verstärkt durchgesetzt. Doch es gibt Kritiker, die diese Antriebstechnologie nicht für das Ideal halten. Christoph Lermen, der Geschäftsführer von Getriebespezialist Pinion stellt das Konzept "Mittelmotor in Kombination mit einer Schaltung am Hinterrad" aus technischer Sicht in Frage. Dabei betont Lermen die Vorteile einer alternativen Antriebs-/Schaltungskombination, die er bei Fahrradherstellern, als auch bei den Nutzern wieder stärker ins Gespräch bringen will.

Reihenfolge von Motor und Schaltung

"Die Reihenfolge von Motor und Schaltung spielt eine viel größere Rolle als allgemein angenommen und zum Verbraucher kommuniziert wird. In Bezug auf das Fahrgefühl, aber auch die Belastung der Komponenten ist es ideal, wenn die durch den Radfahrer eingebrachte Kraft nicht sofort verstärkt wird und dann mit Wucht auf die Kette und die nachfolgenden Schaltungskomponenten wirkt. Die unausweichliche Folge ist ein deutlich erhöhter Verschleiß," so Lermen im Gespräch mit dem Fachportal velobiz.de.

Vorteile einer Tretlagerschaltung

Außerdem müsse man die Entwicklung hin zu immer höheren Drehmomenten berücksichtigen. Dadurch werde die Belastung, insbesondere der Naben, weiter erhöht. Deshalb bringt für Lermen die Kombination einer Tretlagerschaltung mit einem Hinterradmotor entscheidende Vorteile: "Die Entkopplung der selbst eingebrachten Kraft am Tretlager und der Motorunterstützung am Hinterrad bringt dem E-Bike-Fahrer wieder das Gefühl für das Radfahren und den richtigen Schaltzeitpunkt zurück. Vielfach wird berichtet, dass bei E-Bikes kaum noch geschaltet wird. Unserer Einschätzung nach ist dieses Phänomen vor allem auf die kaum wahrnehmbare Rückmeldung aus dem Antriebssystem und eine dementsprechend wenig intuitive Bedienbarkeit zurückzuführen. Zudem sind die Schaltvorgänge unter der zusätzlichen Last hier sehr ruppig. Die Anbieter von Tretlagermotoren versuchen den systemischen Nachteil durch mehr Elektronik am Rad, wie zum Beispiel eine elektronisch gesteuerte Unterbrechung des Motors beim Schaltvorgang auszugleichen. Das gelingt teilweise recht gut. De facto bedeutet es aber immer einen höheren Aufwand und mehr störanfällige Komponenten."

Schaltung vorne, Antrieb hinten

Das heißt, die alternative Anordnung: Schaltung vorne und entkoppelter Antrieb bedeutet weniger Belastung für die Schaltungsbauteile und weil es sich um zwei geschlossene Systeme handelt geringerer Verschleiß, dazu kommt agileres Fahrverhalten mit präzisem Gangwechsel in jeder Fahrsituation und geräuscharmes Radfahren.

Für die Fahrradhersteller ist die sich daraus ergebende größere Freiheit im Design der Räder ein nicht zu vernachlässigender Vorteil.

  • Nabenschaltung Detail

Bitte melden Sie sich an, um einen Kommentar zu schreiben.