Kommt bald das Elektrofahrrad mit Allradantrieb?

21.08.2013 09:37

Agilere und sicherere Elektrokrafträder sind die Vision von Ulmer Ingenieuren, die an einem Allradantrieb für elektrische Zweiräder tüfteln.

Was sich bei Geländewagen und Fahrzeugen der oberen Mittelklasse bewährt hat, könnte in Kürze auch bei E-Bikes machbar sein. Dr. Michael Buchholz versucht sich derzeit am Institut für Mess-, Regel- und Mikrotechnik der Universität Ulm an der Entwicklung eines rein elektrisch betriebenen Kleinkraftrades.

Durch einen zusätzlichen Antriebsmotor am Vorderrad soll das Elektrokraftrad agiler und vor allem sicherer werden. Der batterieversorgte Prototyp soll in spätestens drei Jahren auf Teststrecken erprobt werden können. Die Maximalgeschwindigkeit soll 45 km/h betragen.

Dass die Elektrokraftrad-Variant weiterhin einfach zu bedienen sein muss und der Kaufpreis erschwinglich bleiben soll, sind keine unerheblichen Voraussetzungen. "Wie kann ein Zweirad mit reinem Elektroantrieb in allen Fahrsituationen sicher betrieben werden, wenn beide Räder durch je einen Elektromotor mit einer funktionsintegrierten Gesamtsteuerung angetrieben werden?" Michael Buchholz steht vor einigen Herausforderungen.

Bis zur Verkehrstüchtigkeit der allradbetriebenen Zweiräder, haben die Ulmer noch viel Arbeit vor sich. Immerhin steht in der Versuchshalle an der Universität bereits ein Testfahrzeug für Messungen zur Verfügung.

So soll das Elektrorad der Zukunft funktionieren: Am Fahrzeug angebrachte Sensoren erfassen, in welcher fahrdynamischen Situation sich das Elektrokraftrad befindet, und leiten diese Informationen an ein Steuergerät weiter. Eine Software berechnet wahrscheinliche Aktionen des Fahrers und sendet entsprechende Signale an zwei Elektromotoren, die Vorder- und Hinterrad unabhängig voneinander antreiben oder abbremsen, oder an eine zusätzliche Reibbremse. Mechanische Bremsungen sind weiterhin möglich.

Um eine ausreichende Sicherheit bei Kurvenfahrten zu erreichen, ist die situationsbedingte Verteilung von Antriebs- und Bremsmomenten wichtig. Die beiden Motoren dienen allerdings nicht nur dem Antrieb, sondern auch der Energierückgewinnung. Ein solches Elektrofahrrad würde laub- oder schneebedeckten Wegen ein besseres Fahrverhalten zeigen.

Zu den Projektpartnern gehört GIGATRONIK Technologies. Das Unternehmen stellt Kompetenzen im Bereich der Leistungselektronik und dem Batteriemanagement zur Verfügung. Die Firma IPDD fördert das Projekt unter anderem mit einer elektrisch betätigten Fahrbremse.

Das nutzerfreundliche Elektrokraftrad soll am Ende jeder steuern können, der einen Mopedführerschein besitzt. Das Projekt "Sicherheitsfahrwerk mit Elektroantrieb für E-Bikes und E-Motorräder" wird vom Ministerium für Finanzen und Wirtschaft Baden-Württemberg sowie von den beteiligten Unternehmen finanziert.

Ein deutliches Indiz für den Erfolg ihres Projekts, ist den Entwicklern der international boomende Markt für Elektrofahrzeuge.

  • Ingenieure der Uni Ulm arbeiten am E-Bike mit Allradantrieb

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