Gibt es bald einen einheitlichen Software-Standard für E-Bikes?

06.07.2016 10:28

Professor Holger Hermanns von der Universität des Saarlandes hat eine Vision. "Viele Radfahrer sind in der Lage, ihre Räder selbst zu warten und sie wollen dies auch weiterhin tun", erklärte Hermanns im Web-Magazin seiner Universität. Deshalb forscht er an einem neuen, offenen Software-Standard für E-Bikes ? dem EnergyBus.

E-Bikes sollen durchschaubar bleiben

Grund für seine Bemühungen ist die Befürchtung, dass E-Bikes künftig so viele elektrische Komponenten enthalten werden, dass niemand mehr in der Lage ist, etwas selbst in Stand zu setzen. "Denn auch noch die Federung und Bremse per Software zu steuern, ist keine gute Idee, solange nicht sichergestellt ist, dass die Grenzen der Software und deren physikalische Auswirkungen bekannt sind", so Hermanns, der den Lehrstuhl für Verlässliche Systeme und Software leitet, in 'Campus'.

Frei verfügbare Software-Werkzeuge

Der engagierte Professor will nun Software-Werkzeuge entwickeln, die Batterie und angeschlossene Hardware- und Softwarekomponenten automatisch auf korrekte Zusammenarbeit überprüfen. Diese eingebettete Fahrrad-Software und die passenden Software-Werkzeuge sollen frei verfügbar und Komponenten-Hersteller unabhängig funktionieren. Da sich im Gegensatz zur Autobranche der Markt für eingebettete Systeme beim Fahrrad gerade erst entwickelt, kommt Herrmanns mit seiner Idee rechtzeitig.

Das Grundproblem sieht er darain, dass eben auch E-Bikes mit eingebetteten Systemen arbeiten und in der Regel nur die Hersteller selbst wissen, wie diese Systeme programmiert sind. Außerdem sind die Komponenten, wie zum Beispiel Akkupack, Ladegerät und Motor so aufeinander abgestimmt, dass sie mit Akkus oder Ladegeräten eines anderen Herstellers nicht kompatibel sind.

Vom Hersteller unabhängig machen

Der neue offene Software-Standard soll es jedem Informatiker erlauben den Programm-Code zu lesen und gegebenenfalls zu verbessern. Dass Geräte verschiedener Hersteller nach dem Plug & -Prinzip miteinander verknüpft werden können, ist ein weiterer Vorteil. So machen sich Kunden Produzenten unabhängig.

An dem internationalen Verbundprojekt Energybus arbeiten neben Herrmanns auch viele weitere Firmen. Dem Professor fällt die wichtige Aufgabe zu, für die Sicherheit des neuen Software-Standards zu sorgen. Denn baut man Komponenten unterschiedlicher Herstellern in einem Bike ein, können sich Fehler einschleichen. Deshalb arbeitet man an einer ISO-Norm.

Der Europäische Forschungsrat unterstützt schon jetzt die Arbeit von Holger Hermanns mit 2,4 Millionen Euro.

Der neue offene EnergyBus-Standard soll übrigens nicht nur für Elektrofahrräder, sondern auch für andere Elektro-Fahrzeuge funktionieren. Dafür müssen internationale Normungsgremien den Standard weltweit verbindlich machen.

  • Forscher mit E-Bike

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