Fahrradbranche widerlegt ganz klar Testergebnisse des Elektrofahrradtests von Stiftung Warentest

29.10.2013 12:31

Der Anfang des Jahres von der Stiftung Warentest zusammen mit dem ADAC durchgeführte Test von Elektrofahrrädern beschäftigt die Industrie noch immer. Waren die Ergbnisse doch niederschmetternd für die Branche: Neun von 16 getesteten Modellen hatten die Note Mangelhaft bekommen, nur zwei bekamen ein Gut. Das Fazit im test-Magazin lautete damals: "Das Risiko fährt beim E-Bike mit."

Das konnten und wollten die Hersteller nicht hinnehmen. In einer gemeinsamen Aktion melden sich nun mit Biketec (Flyer), Bosch eBike Systems und Derby Cycle (u. a. Kalkhoff / Raleigh) drei führende Elektrofahrad- und Komponentenhersteller zu Wort. Das Ganze sei pure "Panikmache". Mit "sachlicher Verbraucherinformation" habe das nichts zu tun. Wir berichteten bereits hier.

Die Unternehmen haben inzwischen wesentliche Teile der Testergebnisse und Behauptungen widerlegt. "Stiftung Warentest und ADAC bezeichnen das Ergebnis des Pedelec-Tests als ?katastrophal?. Unsere Ergebnisse lassen dagegen ? bei allem Respekt für die renommierten Tester ? eher auf einen fehlerhaften, oder, um bei der Wortwahl der Beteiligten zu bleiben, ?katastrophalen? Testaufbau und ebenso fehlerhafte, um nicht zu sagen ?katastrophale? Interpretationen schließen," heißt es in der gemeinsamen Pressemitteilung.

Gerade aufgrund des hohen Vertrauensvorschuss, den Stiftung Warentest und ADAC in Deutschland als renommierte Tester genießen könne man eine besondere Sorgfalt bei den Tests und der Interpretation der Testergebnisse und auch Rückfragen bei Herstellern und erfahrenen E-Bike-Testern erwarten.

Der Test hatte deutschlandweit nicht nur für Schlagzeilen, sondern auch zur Verunsicherung bei den Verbrauchern und zu existenzbedrohenden Schäden in Millionenhöhe bei Fahrradherstellern und Händlern geführt. "Dieser Verantwortung müssen sich die Stiftung Warentest und der ADAC jetzt und in Zukunft stellen", fordern die Vertreter von Biketec, Bosch und Derby Cycle. Biketec, Bosch und Derby Cycle haben sich intensiv mit den Testergebnissen auseinandergesetzt und mit Hilfe zertifizierter Prüfinstitute eigene Tests initiiert.

Die Stiftung Warentest hat ihre Aussagen zur Elektromagnetischen Verträglichkeit (EMV) in Teilen inzwischen auf ihrer Internetseite korrigiert. So hieß es im Mai noch in der Zeitschrift "test Ausgabe 06/2013": "Die Elektrik der E-Bikes sendet Funkstörungen aus. Dafür gibt es gesetzliche Grenzwerte. Vier Modelle überschreiten das Limit so stark, dass sie Funkdienste von Polizei, Feuerwehr und Rettungskräften stören können. Die Räder dürfen nicht verkauft werden." Das wurde nun revidiert.

Derby Cycle: Kalkhoff E-Bike entlastet und Stiftung Warentest in der Pflicht

Dennoch bleibt diese Korrektur für Derby Cycle unzureichend, denn das EMV-Testergebnis für das Kalkhoff E-Bike Impulse Premium i8R war in Nachtests nicht reproduzierbar und erscheint damit zufällig. Die von der Stiftung Warentest behaupteten Störungen des Funkverkehrs von Polizei, Feuerwehr und Rettungsdiensten waren nicht nachzuweisen. Im Gegenteil: Das Kalkhoff E-Bike ist durch verschiedene Nachtests zertifizierter Institute entlastet worden.

Der Verbraucher habe einen Anspruch auf Richtigstellung mit gleicher medialer Aufmerksamkeit, wenn sich die ursprüngliche Behauptung als haltlos erweist. Genau das ist hier der Fall.

Deutliche Kritik kommt auch von Claus Fleischer, Bereichsleiter von Bosch eBike Systems. Im Test gehörte das Elektrofahrrad Pegasus Premio E8, das mit einem Bosch-Antrieb ausgerüstet ist, zu den angeblichen Störsendern. Hier lautet das Urteil der Tester in der ursprünglichen Fassung: "Stört. Starke elektromagnetische Strahlung kann den Funkverkehr, unter anderem von Polizei, Feuerwehr und Rettungsdiensten beeinträchtigen." Elektromagnetische Störungen, die auf das eingesetzte Bosch Antriebssystem zurückzuführen sind, hätten hier drastische Auswirkungen gehabt, denn inzwischen verbauen rund 50 E-Bike-Hersteller den Mittelmotor von Bosch. "Die erzeugten Testergebnisse wurden ohne Rücksprache mit den Herstellern kommuniziert. In aufwendigen und langen Diskussionen konnte nachträglich der Nachweis erbracht werden, dass die von der Stiftung Warentest getroffenen Aussagen falsch sind."Durch anschließende Nachmessungen seitens Bosch und TÜV an baugleichen Rädern, konnten die von den Warentestern behaupteten Überschreitungen der Grenzwerte nicht reproduziert werden.

Biketec: Warentester missachten Prüfgrundsätze und verursachen Schäden in Millionenhöhe

Besonders hart getroffen hatte es den den Schweizer Premiumanbieter und E-Bike-Pionier Biketec AG, mit seiner Marke Flyer. So hieß es in der Eröffnung des Artikels in der Zeitschrift "test": "Plötzlich sackt das Hinterrad seitlich weg und blockiert. Das Teil, an dem das Hinterrad am Rahmen befestigt ist, das Ausfallende, war gebrochen. So passiert beim 2 690 Euro teuren Flyer C5R Deluxe ? schon nach wenigen tausend Kilometern im Dauertest".

"Wir hatten in den letzten 10 Jahren, in denen mehrere zehntausend Exemplare der C-Serie verkauft wurden, noch nie Kenntnis von einem Rahmenbruch am Ausfallende", so Biketec Geschäftsführer Kurt Schär. Seine Aussage deckt sich mit den Erfahrungen von Handelsorganisationen, Verbänden und Fachhändlern. Auch hier sind solche Schadensfälle an Flyer Elektrofahrrädern unbekannt. Im Nachgang erhöhte Flyer seine Garantie für Rahmen rückwirkend auf 10 Jahre.

Die Aussage des seitens "test" beschriebenen "plötzlichen Wegsackens" des Hinterrades ist nach Schär dabei "umso erstaunlicher bzw. schlicht falsch, da beim Testaufbau das Rad gar nicht eingebaut war, die reißerisch dargestellte Situation also gar nicht eingetreten ist!" Die Ursache und die Verantwortung für das schlechte Abschneiden des Flyer E-Bikes, das abgesehen vom festgestellten Rahmenbruch gute Noten attestiert bekam, sieht Biketec bei der Stiftung Warentest. "Durch Nachtests konnten wir die Ergebnisse der Stiftung Warentest inzwischen eindeutig widerlegen?, betont der Biketec Geschäftsführer.

Biketec prüft nun mögliche Ansprüche auf Schadensersatz: "Wir behalten uns aufgrund unserer Erkenntnisse eine Schadensersatzklage vor, da uns durch das aus unserer Sicht abwegige Vorgehen des Prüflabors und die Publikation der durch den unvertretbaren Testaufbau verursachten Ergebnisse durch die Stiftung Warentest bzw. den beauftragenden ADAC ein Schaden in Millionenhöhe entstanden ist, welcher unser Unternehmen existenziell gefährdet hat. Die juristische Würdigung und das weitere Vorgehen wird derzeit mit unseren deutschen Rechtsanwälten geklärt."


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