"Fahrrad-Monitor 2015" legt Karten auf den Tisch

11.02.2016 10:07

"In diesem Jahr werden die Ergebnisse der Fahrrad-Monitor-Studie erstmals nicht im Rahmen einer Pressekonferenz präsentiert. Denn: Die Entwicklungen sind ernüchternd." In einem harten Urteil kritisiert der ADFC die fehlenden Impulse des Bundes. Demnach hat Verkehrsminister Dobrindt die Ziele des Nationalen Radverkehrsplans weit verfehlt.

"Es ist zum verweifeln"

ADFC-Bundesgeschäftsführer Burkhard Stork dazu: "Es ist zum Verzweifeln. Die Menschen wollen Fahrrad fahren, sie kaufen immer mehr und immer teurere Räder, Fahrradfahren gehört zum neuen, modernen Lebensstil. Aber die Politik tut zu wenig dafür. Paris, London, Wien, Madrid, Ljubljana, Odense ? moderne europäische Metropolen setzen massiv auf die Fahrradförderung, um Klimaprobleme in den Griff zu bekommen und die Innenstädte vom Autoverkehr zu entlasten. Nur in Deutschland fehlen mutige Impulse. Hier und da ein paar Markierungen auf die Fahrbahn zu pinseln, ist Symbolpolitik, aber keine Fahrradförderung!"

Das Bundesverkehrsministerium überprüft im zwei Jahres-Rhythmus mit dem "Fahrrad-Monitor" den Umsetzungsstand der selbst gesteckten Ziele des Nationalen Radverkehrsplans. Diesmal unterschrieben den Satz "Radfahren macht in meiner Gemeinde Spaß" nur noch 56 Prozent. 2013 waren es noch 65 Prozent der Befragten.

Deutschland verfehlt die Ziele

Dazu nochmal Stork: "Das liegt an den widrigen Verhältnissen, mit denen sich Radfahrer in den meisten Städten herumschlagen müssen. Wenn jetzt nicht gegengesteuert wird, verfehlt Deutschland die ohnehin nicht besonders hoch gesteckten Ziele des Nationalen Radverkehrsplans."

Als besonders problematisch bewertet der ADFC die Rückmeldung, dass fast die Hälfte aller Befragten sich beim Radfahren nicht sicher fühlt (48 Prozent). Die genannten Gründe sind: Zu wenig Radwege (67 Prozent) und zu viel Verkehr (67 Prozent).

Ambitioniertes Bundesprogramm für Radverkehr gefordert

Deshalb fordert der Allgemeine Deutsche Fahrradclub (ADFC) ein ambitioniertes Bundesprogramm zur Förderung von Radschnellwegen als Mittel zur Stauvermeidung, Planungshilfen für Kommunen ? und ein klares Bekenntnis des Bundesverkehrsministers zum Fahrrad als Lösung für viele Verkehrsprobleme. "Solange Minister Dobrindt unter Verkehrspolitik ausschließlich Auto-Politik versteht, wird sich kein Bürgermeister und keine Bürgermeisterin trauen, die Schwerpunkte anders zu setzen und der aktiven Mobilität den Vorrang zu geben. Der amerikanische Verkehrsminister Foxx macht vor, dass es auch in Autonationen möglich ist, die Verkehrswende von ganz oben voranzutreiben," so Storck.

Der "Nationale Radverkehrsplan 2020" mist der Förderung des Radverkehrs als Teil eines modernen Verkehrssystems einen hohen Stellenwert bei. Als anzustrebendes Ziel wird darin ein bundesweiter Radverkehrsanteil von 15 Prozent formuliert. Laut ADFC liegt Deutschland bei etwa zehn Prozent. Fahrradnationen, wie die Niederlande und Dänemark zeigen mit Radverkehrsanteilen von über 30 Prozent, dass auch wesentlich ambitioniertere Ziele möglich wären.

Die aktuelle Studie "Fahrrad-Monitor 2015" findet sich auf den Seiten des Bundesverkehrsministeriums.

  • männlicher Radfahrer