Elektrofahrräder ersetzen 1000 PKW-Kilometer

23.10.2014 11:07

Das Schweizer Bundesamt für Energie (BFE) hat 2014 eine Studie zur Verbreitung, Nutzung und energetischen Auswirkung von Elektrofahrrädern in der Schweiz in Auftrag gegeben. Gemeinsam mit der Ecoplan AG und dem Institut für Marketing und Unternehmensführung der Universität Bern kam man zu interessanten Ergebnissen.

Markant ist das sozio-ökonomische Profil der Teilnehmer der Onlinebefragung. Demnach ist der Besitzer eines Elektrofahrrades zum Einen meist männlich und und zum Anderen durchschnittlich 53,5 Jahre alt, d.h. er ist erwerbstätig. Das Bildungsniveau von E-Bike-Besitzern liegt leicht über dem Landes-Durchschnitt. Der Lebensmittelpunkt ist häufig ein Zweipersonen-Haushalt oder in einer Familie mit Kindern. Der E-Bike Fahrer ist laut der Studie sportlich, bemüht sich um einen gesunden Lebensstil und besitzt zusätzlich zum Elektrofahrrad noch ein konventionelles Rad.

Als Gründe für den Kauf eines E-Bikes wurde überdurchschnittlich oft der Spass am Fahren und das Verbessern der körperlichen Gesundheit angegeben. Auch die Vorteile sich weniger anstrengen zu müssen, Strecken schneller zurücklegen zu können und der größere Komfort waren ausschlaggebend.

Bestimmende Faktoren, für welchen Typ bzw. Marke sich die Käufer entschieden, sind neben der Reichweite, die Service-Leistungen und die Art, wie der Akku in das Gesamt-System integriert ist.

In puncto Nutzung gaben rund 80 Prozent der Befragten an, dass das E-Bike inzwischen das wichtigste oder zumindest das zweitwichtigste Verkehrsmittel im Alltag sei. Mit rund 2600 km pro Jahr, die mit dem E-Bike zurückgelegt wurden, kommt man hier auf beachtliche Größen.Dabei wurden bei immerhin 84 Prozent von den gefahrenen Kilometern andere Verkehrsmittel, wie das Auto, ersetzt. Im Durchschnitt blieb das Auto zugunsten des E-Bikes bei knapp 1000 km pro Jahr, pro Person, stehen - der öffentliche Nahverkehr mit 570 km und das klassische Fahrrad bei rund 400 km.

Hauptzweck ist die Fahrt zur Arbeit, gefolgt vonFreizeit-Touren und Einkaufsfahrten. Über 60 Prozent der Befragten gaben an, das Auto nun "viel seltener" oder "seltener" zu nutzen.

Da E-Bikes im Vergleich mit anderen Verkehrsmitteln niedrigere CO2-Emissionen und einen geringeren Primärenergie-Verbrauch aufweisen, haben die Forscher eine Interessante Hochrechnung angestellt: Ausgehend von einem Bestand von rund 233 000 Schweizer E-Bikes im Jahr 2013 kann man von einer Fahrleistung von rund 600 Millionen Kilometer ausgehen. Davon sind rund 500 Millionen Kilometer substituiert von anderen Verkehrsmitteln.

Daraus resultierten im Jahr 2013 für die gesamte Schweiz Einsparungen von rund 680 Tera-Joule (TJ) und etwa 42 000 Tonnen CO2. Dies entspricht 0,4 Prozent der Treibhausgas-Emissionen von PKWs im Jahr 2010.

Die Studie zeigt das riesige Potenzial des E-Bike-Fahrens. Unter der Annahme eines gleichbleibenden Mobilitätsverhaltens könnten so zwischen 1900 TJ und 5500 TJ Primär-Energie pro Jahr eingespart werden. Emissionen würden sich entsprechend um 114 000 bis 322 400 Tonnen CO2 reduzieren. Immerhin bis zu drei Prozent der von Autos 2010 verursachten Treibhausgas-Emissionen.

Eine wesentliche Auswirkung der E-Bike-Nutzung sei auch auf die Belastung der Verkehrs-Infrastruktur messbar. Da die Mehrheit der Befragten Fahrten während den Spitzenzeiten am Morgen und am Abend unternimmt, leisten sie einen Beitrag zur Entlastung der Straßen- und Schienen-Infrastruktur.

Die Hindernisse für eine häufigere Nutzung seien neben der fehlenden Sicherheit im Straßenverkehr, die mangelnde Reichweite und das hohe Gewicht der Fahrzeuge, die hohe Diebstahl-Gefahr und die zu große Distanz zum Arbeitsort.

Resultierend aus den Ergebnissen der Studie rät das Bundesamts für Energie den Herstellern, bessere Serviceleistungen anzubieten, das Gewicht der E-Bikes zu reduzieren und die Reichweite der Akkus weiter zu erhöhen. Städten und Gemeinden wird empfohlen, noch mehr Wert auf die Verkehrssicherheit für Zweiräder zu legen und mehr Fahrrad-Korridore mit Winterdienst bereit zu stellen.Fördern könne man ein besseres Angebot an Weiterbildungs-Veranstaltungen zur Verkehrssicherheit und zum Radfahren im Winter. Desweiteren können man mehr öffentliche Lade-Stationen bereitstellen und mit Unternehmen zusammenarbeiten, damit diese die Nutzung von E-Bikes für den Arbeitsweg fördern.


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