Bergziege mit guten Flachland-Manieren: das KTM eStreet im Praxistest

16.03.2015 09:18

"Das e-Street Panasonic von KTM mit dem neuen Panasonic PCT ist ein eBike, das durchweg gute Laune und gründlich süchtig macht." Autor Peter Kaufhold schreibt nicht nur Romane und Bücher zur Pflanzenheilkunde, sondern ist auch passionierter Radfahrer. Deshalb fühlt er sich berufen, auch Elektrofahrräder auf Herz und Nieren zu testen. Sein Urteil zum KTM eStreet, das durchweg positiv ausfällt, wollen wir unseren Leser nicht vorenthalten:

Anders als viele andere eBikes mit Hinterradmotor, die einem bei niedriger Trittfrequenz und maximaler Unterstützung das Gefühl geben, jemand ziehe ständig am Gepäckträger und ließe dann wieder los, läuft der Panasonic PCT Hinterradmotor auf flacher Strecke absolut ruckelfrei. Sensorik und Software sind so perfekt abgestimmt, dass der Motor selbst in der höchsten Stufe bei 400 Prozent Unterstützung während einer konstanten Spazierfahrtgeschwindigkeit gleichmäßig unterstützt: man gleitet einfach ganz entspannt durch die Landschaft. Tritt man aber stärker in die Pedale, reagiert der Motor sofort und beschleunigt mit erstaunlich viel Schub, dass es ein Heidenspaß ist und man es als schade empfindet, dass er schon bei 25 km/h abregelt. Diese Geschwindigkeit hält er dann auch exakt, ohne dass man mehr treten müsste als zuvor.

Wer allerdings gern seine Muskeln spüren und auch mal ins Schwitzen kommen möchte, schaltet auf die niedrigste der drei Unterstützungsstufen zurück und bekommt dann genau das, was er will, denn hier ergänzt der Motor die eigene Trittkraft nur noch um das 0,9fache (5 kg Trittkraft + 4,5 kg Unterstützung). Die mittlere Stufe gibt das 1,5fache zur eigenen Trittkraft dazu (5 kg Trittkraft + 7,5 kg Unterstützung). In dieser Stufe fährt man bei mäßigem Muskeleinsatz recht bequem über große Distanzen bis zu 115 km weit. Den größten Spaßfaktor bietet allerdings die höchste, bisher noch von keinem anderen Pedelec erreichte Unterstützungsstufe mit dem 4fachen der eigenen Trittkraft (5 kg Trittkraft + 20 kg Unterstützung) bei einer Reichweite von ca. 80 km. Hier spürt man den Gegenwind anstatt in den Beinen nur noch im Gesicht und als Rauschen in den Ohren. Auch leichte Steigungen von 3-5 Prozent nimmt man entweder überhaupt nicht wahr, oder nur dann, wenn der Partner mit seinem weniger starken Pedelec infolge Luftmangels plötzlich einsilbig wird.

Steigungen zwischen 8 und 9 Prozent werden ebenfalls noch spielend leicht bewältigt, und zwar mit 19-20 km/h derart zügig, dass es man es kaum glaubt. So schnell ist das KTM eStreet an anderen E-Bikes vorbei, dass deren Fahrer schon fast unglücklich wirken. Ab 10-12 Prozent Steigung wächst dann der (gefühlte) Kraftaufwand kontinuierlich von anfangs noch "leicht" bis hin zu "merklich" an, und ab hier beginnt der untrainierte Fahrer, anders als der Sportler, seine Beinmuskeln zu spüren, zumal er nun ziemlich kräftig treten muss, um eine möglichst hohe Geschwindigkeit zu halten, damit der Motor mit einem akzeptablen Wirkungsgrad arbeiten und seine Kraft entfalten kann (diese Erfahrungswerte beziehen sich auf ein Körpergewicht von 85 kg und eine Fahrt ohne Gepäck).

Als Besonderheit bietet das KTM eStreet noch eine vierte Wahlmöglichkeit: den Automatik-Modus. Hier wird die Unterstützung nach Anforderung bzw. nach Trittkraft geregelt, ausgehend von der Standardunterstützung von 150-400 Prozent. Dieser Modus ist sehr komfortabel und energiesparend. Ebenso wird bei Gefälle die Rekuperation (Akkuladung durch den Motor), die ansonsten bei jedem Bremsvorgang aktiviert wird, automatisch zugeschaltet. Die Rekuperation dient gleichzeitig als elektrische Bremse, so dass Bremsscheiben und -beläge weitgehend geschont werden.

Der neue Panasonic PCT läuft angenehm leise, wird versorgt durch einen 560-Wh-Akku, der größere Reichweiten ermöglicht (bis zu 150 km bei 90 Prozent Unterstützung) und ist am Berg deutlich stärker als die Vorgängerversion. Durch Einsatz neuer Materialien und durch Änderung der Software-Ansteuerung wurde er zum einen thermisch so verbessert, dass er bei steilen Anstiegen nicht mehr so schnell überhitzt und damit automatisch seine Leistung drosselt, zum anderen spricht er bei Erhöhung der Trittkraft viel direkter an als der 2014er Motor.

Fazit: Das E-Bike KTM eStreet ist ein robustes Rad mit ausgereifter Technik, der Panasonic-Hinterradantrieb mit seiner ausgefeilten Sensorik und der hervorragenden Software-Ansteuerung eine technische Meisterleistung. Das KTM eStreet eignet sich sowohl für Leute, die sportliches Fahrverhalten lieben als auch für solche, die bei großer Reichweite mit minimalem Kraftaufwand einfach nur durch die Landschaft gleiten möchten (hier sei besonders auch an jene gedacht, die ihre Beine infolge von Knieproblemen zwar bewegen, aber nicht belasten sollen). Wer also mit einem leistungsstarken Motor gleichmäßig fahren und auch mal mit richtig viel Schub beschleunigen oder mal mühelos Steigungen bis zu 10 Prozent nehmen möchte, der wird mit diesem E-Bike glücklich.

Wir danken Peter Kaufhold für diesen ausführlichen und erhellenden Testbericht!

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