"In zehn Jahren wird nahezu jeder Fahrradtyp elektrifiziert sein"

05.02.2018 15:34

Zukunftsmarkt eBike! "Die Entwicklung des eBike-Markts ist rasant. Wir halten es für realistisch, dass in zehn Jahren jedes zweite neu verkaufte Fahrrad in europäischen Kernmärkten ein eBike ist“. Was Claus Fleischer, der Geschäftsleiter von Bosch eBike Systems prognostiziert, spiegelt die Meinung innerhalb der Branche insgesamt wieder. In Deutschland sind aktuell etwa fünf Prozent der 73 Millionen Fahrräder auf den Straßen eBikes – mit steigender Tendenz. Bosch eBike Systems hat dazu eine Marktanalyse durchgeführt und aufgrund dessen, ein Bild der modernen Form der Fortbewegung entworfen.

Zahlen zum aktuellen eBike-Markt

Hier ein paar nackte Zahlen für die Freunde der Statistik: Der Zweirad-Industrie-Verband (ZIV) hat für 2017 einen Absatz von 680 000 eBikes in Deutschland festgehalten. Das ist ein stolzer Zuwachs von satten zwölf Prozent. Europaweit geht man sogar von einem Wachstum von über 22 Prozent aus.
Bosch hat in sechs europäischen Ländern, 2017 rund 5000 Personen befragt und erstaunliches zu Tage gefördert: So besitzen bereits 10 Prozent der Befragten ein eBike, 16 Prozent ziehen demnächst den Kauf in Erwägung. 29 Pozent wollen sich für ein eCitybikes und 11 Prozent ein eTrekkingbike entscheiden. Während bei den Meisten der Fahrradhändler vor Ort die erste Anlaufstelle ist, zieht jeder Vierte den Kauf ein einem Online-Shop in Betracht.

Größter Vorteil des eBikes ist dessen Vielseitigkeit

Um den Markt im Detail abzubilden hat die Online-Plattform e-bike-finder.com eine Liste mit 2556 verschiedenen eBike-Modellen von insgesamt 80 Herstellern, 2016 aufgestellt. Die Kategorien eCity- und eTrekkingbike sind anteilsmäßig auch hier am größten.
Ein klares Plus für das eBike ist seine Vielseitigkeit: Laut der Bosch-Marktstudie spielt für jeden zweiten potentiellen eBike-Käufer die Fortbewegung in der Freizeit die zentrale Rolle, gefolgt von speziellen Ausflügen und Radtouren (40 Prozent). Die Förderung von Fitness und Gesundheit folgt auf Platz drei (38 Prozent).

eBike-Lifestyle

Ein weiterer springender Punkt: Das eBikes als Lifestyle-Produkt. Sie sind zum Statement geworden. Designintegration spielt eine immer wichtigere Rolle. Bei vielen Modellen lässt sich auf den ersten Blick kaum noch sagen, ob es sich um ein eBike handelt und das quer durch alle Modellgruppen.

Mit dem eBike im Stadtverkehr

Das am stärksten wachsende Segment innerhalb des eBike-Marktes sind allerdings die eMountainbikes. Der Anteil an verkauften eMTBs lag 2016 in der BRD bei rund 15 Prozent. Das trägt eindeutig zu einer Verjüngung der Zielgruppe bei. "Bereits heute entfällt jedes dritte System, das wir verkaufen, auf die leistungsstarke Performance Line CX. Der Antrieb ist speziell für den sportiven Einsatz konzipiert. Wir sind überzeugt, eMountainbikes gehört die Zukunft. Auf lange Sicht werden eMTBs klassische Mountainbikes bei den Verkaufszahlen überholen", so Fleischer.

Das vernetzte Fahrrad wird Standard

Auch passend zur jungen Zielgruppe: Das vernetzte Bike, dass in der Mobilität von morgen ganz sicher eine wesentliche Rolle spielen wird. So verbindet zum Beispiel der All-in-one Bordcomputer Nyon von Bosch die Off- und Onlinewelt auf intelligente Weise. Unlängst wurde das Startup COBI übernommen. Nun können auch Smartphone basierte Lösungen angeboten werden.

Mehr Sicherheit im Stadtverkehr

Ganz so glücklich sieht es allerdings mit der Fahrradkultur in Deutschland insgesamt nicht aus. Nach einer Studie des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) gab fast die Hälfte der Befragten an, sich im Straßenverkehr mit dem Bike nicht sicher zu fühlen. Zumindest die Hersteller wie Bosch haben reagiert und ein Antiblockiersystem (ABS) für eBikes entwickelt. Damit lässt sich das Blockieren des Vorderrads verhindern und das Abheben des Hinterrads begrenzen. Das reduziert den Bremsweg und verringert das Risiko von Überschlägen und Stürzen. Eine Studie der Technischen Universität Kaiserslautern ergab, dass jeder zweite Befragte ABS bei eBikes als sinnvoll erachtet. Das ABS bei Fahrerassistenzsystemen für ebike rangiert auf der Wunschliste ganz oben.

Doch das allein erhöht nicht das Sicherheitsempfinden. Laut Fleischer käme es neben einer "zuverlässigen Technologie auch auf eine adäquate Infrastruktur und verantwortungsbewusstes Handeln jedes Einzelnen an. Mehr Radwege, sichere Fahrradabstellanlagen und die Trennung der Radfahrer von Fußgängern wären entscheidende Maßnahmen.


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