E-Bike Trek E-Caliber 9.6 2021

Trek E-Caliber: Bemerkenswerter Lückenfüller

Selten definiert sich ein E-Bike über eine einzige Komponente. Doch das Trek E-Caliber macht in vielerlei Hinsicht eine Ausnahme. Und wer E-Caliber sagt, meint IsoStrut. Vor einem Jahr hat Trek dieses einzigartige System zur Dämpfung des Hinterbaus am Supercaliber vorgestellt, einem Fully ohne E-Motorunterstützung. Nun ziehen die US-Amerikaner aus Waterloo, Wisconsin, mit dem Pendant für die E-Bikes nach.

Was also ist IsoStrut? Ein Dämpfer, das ist schon klar. Aber eben nicht irgendeiner. Normalerweise ist ein Dämpfer ein ziemlich komplexes Konstrukt. Es besteht aus dem eigentlichen Dämpfer, einem Umlenkhebel oder mehreren sowie diversen Drehpunkten. Das Ganze ist mit dem Unterrohr verbunden. Während des Fahrens arbeitet das System in diverse Richtungen – horizontal, lateral, vertikal – und gleicht so die Unebenheiten des Geländes aus. Das ist bequem, aber mit Blick auf den Vortrieb nicht immer sehr effizient.

Vorwärts in jeder Situation

IsoStrut verzichtet auf Umlenkhebel. Stattdessen führen zwei breite, flache Sitzstreben in Richtung Oberrohr. Sie geben vertikal nach, jedoch nicht lateral. Der Dämpfer ist komplett im Rahmen integriert und wird von den beiden Streben und dem Oberrohr umschlossen. Trek schlägt dadurch der Torsion ein Schnippchen. Der Hinterbau bleibt jederzeit im Gleichgewicht und kann sich nicht verdrehen. Derart steif ermöglicht IsoStrut das ausgesprochen direkte Übertragen von Kräften. Ihr solltet das vor allem im Anstieg und auf flachen Passagen spüren.

Dämpfer im IsoStrut am Trek E-Caliber

Der Dämpfer im IsoStrut am Trek E-Caliber stammt von Fox.

Gleithülse und Schrauben des IsoStrut am Trek E-Caliber

Über vier Schrauben ist IsoStrut im Rahmen arretiert.

Trek IsoStrut

Von außen wirkt der IsoStrut-Dämpfer relativ schlicht.

Vom Komfort her hält das E-Caliber nicht mit einem E-Fully mit, das 120 Millimeter Federweg oder mehr bietet. Die 60 Millimeter des IsoStrut kompensieren deutlich weniger Schläge. Trotzdem könnt ihr den Hub per Lockout auf Wunsch auch vollständig blockieren. Zur Abstimmung auf euer Körpergewicht genügt eine klassische Dämpferpumpe. Die Zugstufe justiert ihr über ein Einstellrad.

Minimaler Federweg am IsoStrut des Trek E-Caliber

IsoStrut minimal eingefedert 

Maximaler Federweg am IsoStrut des Trek E-Caliber

IsoStrut maximal eingefedert 

Inbegriff des Cross-Country-Bikes

Für den im Vergleich zu anderen Lösungen geringeren Federweg hat sich Trek ganz bewusst entschieden. Schließlich fungiert das E-Caliber als Lückenfüller im Sortiment. Gravity und Enduro-Fans greifen bisher zum Rail – einem Bike für die härteste Gangart im Gelände. Wer ersten Erfahrungen beim Ritt über Stock und Stein sammeln möchte, tendiert eher zum Powerlfy. Dazwischen herrschte gähnende Leere.

In diese stößt nun ein Bike, das stark an ein traditionelles Cross-Country-Mountainbike erinnert. Relativ leicht und mit geringer dimensionierter Federung richtet es sich an sportliche Bikerinnen und Biker, die längere Touren planen und dabei extremes Gelände meiden. Das E-Caliber möchte euch absichtlich nicht jede körperliche und technische Herausforderung abnehmen. Seine Ausstattung ist so konzipiert, dass ihr jederzeit den Grad der Belastung, den ihr beim Fahren erleben möchtet, in feinen Abstufungen selbst festlegen könnt.

Dämpfung am IsoStrut des Trek E-Caliber mit Dämpferpumpe anpassen

Der IsoStrut-Dämpfer lässt sich einfach mit einer Dämpferpumpe anpassen.

Zugstufe am IsoStrut des Trek E-Caliber über Drehrad einstellen

Über ein Drehrad könnt ihr die Zugstufe am IsoStrut einstellen.

Zurückhaltung als Dogma

Das aktuelle Zauberwort in diesem Zusammenhang lautet „minimal assist bike“. Perfekt zu diesem Ansatz passt die Motorisierung mit dem Fazua Evation-Antrieb. Sowohl die maximal 250 Watt des Motors als auch die 250 Wattstunden an Akkuleistung liefern je nach Situation den gewünschten Anschub. Vom Drehmoment her ist der Motor mit seinen 55 Newtonmetern weit von den 85 Newtonmetern anderer Mitbewerber entfernt. Aber wie gesagt, das gehört zum Programm. Gleichzeitig erleichtert das geringe Gesamtgewicht des Systems von insgesamt 4,6 Kilogramm das Maßhalten mit Blick auf das Gewicht des kompletten Bikes. Ganz abgesehen davon, dass der Antrieb im Handumdrehen ausgebaut ist und ihr dann ein gewöhnliches Mountainbike fahren könnt.

Bleibt noch zu sagen, dass der Rahmen des E-Caliber dem Rahmen des Supercalibers entlehnt ist. Für das E-Bike hat Trek mit 120 Millimetern etwas mehr Federweg an der Gabel spendiert. Vom Doppelgänger ohne E-Motor hat das E-Caliber zudem die Variosattelstütze und die 29 Zoll großen Laufräder geerbt. Inzwischen fast obligatorisch ist außerdem der 1fach-Antrieb. Hier kommt von Shimano die Deore-Gruppe zum Einsatz. Entsprechend dazu gibt es hydraulische Scheibenbremsen mit zwei Bremskolben. Die vorderen Bremsscheiben haben einen Durchmesser von 203 Millimetern. Hinten sind 180 Millimeter verbaut.

E-Bike Trek E-Caliber 9.6 2021

Individualität maximal auskosten

Zur Exklusivität des Rades passend könnt ihr ihm mithilfe des Project One von Trek eure ganz eigene Note verleihen. Das Custom-Bike-Programm bietet euch die Möglichkeit beinahe jedes Detail nach den eigenen Wünschen gestalten. Das beginnt bei der Wahl der Lackierung. Glänzend oder matt. Farbe für den Rahmen. Farbe für den Schriftzug. Ihr könnt sogar einen kurzen Slogan, euren Namen oder Ähnliches auf dem Rahmen anbringen lassen. Selbst eine Fülle an Komponenten wie Laufräder, Schaltgruppe, Sattel, Vorbau, etc. sind frei wählbar. Einziger Wermutstropfen ist der Zähler für den Preis, der oben links relativ klein eingeblendet ist. Der macht, abhängig von euren Aktionen, schnell auch größere Sprünge nach oben.

Trek Project One

Hintergrund: IsoStrut kein Unikat

Die Idee eines in Bezug auf den Federweg zurechtgestutzten Full-Suspension-Bikes ist nicht neu. Um die Jahrtausendwende herum gab es mit dem Begriff „Softtail“ sogar eine spezielle Bezeichnung dafür. Und auch damals war Trek bereits mit von der Partie. Sein STP-Modell (Soft Tail Pro) verfügte über einen entsprechenden Luftdämpfer mit einem Federweg von 1,5 Zoll, also rund 38 Millimetern. Deutlich jüngeren Datums ist die Micro Travel Technology (MTT) des Schweizer Fahrradherstellers BMC. Er stattet ab 2016 Cross-Country-Bikes mit zusätzlichen 15 Millimeter Federweg aus. Hinter MTT verbarg sich im Grunde ein extrem belastbarer Gummi, der lange der Ermüdung beim Biken standhalten sollte. Das aktuelle IsoStrut-Federungssystem hat Trek übrigens in enger Zusammenarbeit mit Fox entwickelt.

 

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Bilder: Trek

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