Fahrradsättel

Sticken mit Edelstahl für den perfekten Fahrradsattel

Fahrradfahren und Fahrradsattel sind eine schier unendliche Geschichte, zu der gefühlt jeder etwas beizutragen hat. Längst ist daraus im wahrsten Sinne des Wortes eine Wissenschaft geworden. Zum Glück. Schließlich entstanden so zahlreiche Innovationen, die uns inzwischen den Alltag erleichtern.

Dieses Ziel verfolgt auch Sigrid Rotzler. Die wissenschaftliche Mitarbeiterin der Technischen Universität Berlin beschäftigt sich mit druckempfindlichen Sensoren. Mit deren Hilfe lässt sich nämlich die Geometrie des Gesäßes exakt abbilden. Auf der Grundlage bei solchen Abmessungen gewonnener Daten können später individuell geformte Fahrradsättel gefertigt werden.

Bildliche Darstellung der Druckverteilung auf einem Fahrradsattel

Bildliche Darstellung der Druckverteilung auf einem Fahrradsattel

Zwei nach rechts, einen nach oben

Bis es soweit ist, stickt Sigrid Rotzler noch ein wenig. Nein, natürlich nicht den nächsten Rennsattel, sondern textilbasierte Messmatten. Das sind spezielle Stoffe, auf denen Leiter aus Edelstahl angebracht werden. Die Leiter messen gerade einmal 0,2 Millimeter im Durchmesser. Im Abstand von 2,5 Millimeter werden sie auf einen Stoff aufgestickt. Dafür hat die Wissenschaftlerin sogar zwei verschiedene Methoden des Stickens gegeneinander getestet. Zum einen den „Umweg“ über das „Tailored Fibre Placement“, bei dem ein mehr oder weniger gewöhnlicher Faden den Leiter auf dem Textil fixiert. Zum anderen das direkte Sticken der Leiterbahnen mit leitendem Stickgarn. Am Ende haben sich beide Arten als brauchbar erwiesen.

Eine Messmatte besteht aus drei Lagen. Zuerst kommt eine Schicht des mit den Leitern bestickten Stoffes. Dann folgt eine schwachleitende Zwischenschicht, deren Widerstand sich ändert, sobald darauf Druckkräfte einwirken. Den Abschluss bildet eine zweite Lage des bestickten Stoffes. Fertig ist ein textiler Drucksensor.

Druck ist nicht gleich Druck

Der Großteil der wissenschaftlichen Arbeit von Sigrid besteht in der Suche nach der perfekten Kombination. Welches Material eignet sich am besten für unterschiedlichste Belastungen? Denn textile Drucksensoren helfen nicht nur bei der Entwicklung von Fahrradsätteln. Bei der Herstellung weicher Roboter oder sensorischer Funktionshandschuhe wird gleichfalls damit geforscht. Entsprechend breit ist das Spektrum der jeweiligen Testszenarien – von der kurzzeitigen, punktuellen Belastungsspitze bis hin Dauertest mit geringeren Kräften. Was wozu am besten taugt, verrät der in der Zwischenschicht des Drucksensors gemessene Widerstand. „Als Messmatte für den Fahrradsattel wirken auf den Sensor größere Kräfte für einen längeren Zeitraum ein. Deshalb ist es hier wichtig, dass sich der Widerstand bei gleichbleibender Dauerbelastung nicht über die Zeit ändert“, sagt Sigrid Rotzler.

Ist die optimale Kombination gefunden, soll der Erkenntnisgewinn auf direktem Wege der Fahrradindustrie zugutekommen. Immerhin hat sich die Wissenschaftlerin vorgenommen die Grundlage für einen Demonstrator zu schaffen, der dann das Herstellen maßgeschneiderter Sättel ermöglicht.

Praxis bereits auf ähnlichen Wegen unterwegs

Im Rahmen eines Bikefittings könnt ihr schon heute der Druckmessung am Sattel begegnen. Spezialisten wie Gebiomized und SQlab nutzen vergleichbare Methoden bei der Produktentwicklung sowie bei der Betreuung von Profisportlerinnen und Profisportlern. Die Arbeit von Sigrid Rotzler bringt hoffentlich auch Bikerinnen und Biker wie uns dem Gefühl ein Stück näher, selbst nach langen Touren entspannt vom Bike abzusteigen. Zumindest, was unseren Allerwertesten betrifft.

Mithilfe der Druckmessung entwickelter Fahrradsattel von Gebiomized

Gebiomized entwickelt mithilfe der Druckmessung Fahrradsättel

 

Bilder: Pexels; Medilogic; Gebiomized

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