Update 27. Juli 2021
Bei Classified wird sich das aktuelle Angebot erweitern. Ab August 2021 sind eigene 12-fach Classified-Kassetten erhältlich. Nach Angaben des Herstellers werden diese mit den 12-fach-Gruppen von SRAM kompatibel sein. Ihr könnt zwischen den folgenden vier Abstufungen wählen:
- 11-28 Zähne
- 11-30 Zähne
- 11-32 Zähne
- 11-34 Zähne
Damit eröffnen sich euch auch bei den Laufradsätzen von Classified künftig mehr Optionen. Generell sind diese sowohl mit 11- als auch mit 12-fach Classified-Kassetten kompatibel. Wer das möchte, kann also 11-fach-Kassetten ganz bequem durch eine 12-fach-Kassette ersetzen.
Update 12. Februar 2021
Jetzt gibt es auch einen ersten Hersteller aus Deutschland, der den Antrieb von Classified an einem seiner Bikes verbaut. Heute hat der Online-Versender Rose Bikes eine entsprechende Version seines Gravelbikes Backroad vorgestellt. Unter dem Namen „Backroad x Classified“ könnt ihr ab sofort ein solches Gefährt erwerben. Vorausgesetzt, ihr habt gerade die nötigen 5.299 Euro dafür übrig.
- Rose Backroad x Classified in Evil Pepper Green
- Rose Backroad x Classifed in Deepest Purple
Originalartikel vom 5. Februar 2021
Belgien gilt weltweit als eine der Hochburgen des Radsports und der Fahrradkultur allgemein. Viele EinwohnerInnen sind mit dem Rad unterwegs. Es gibt mindestens so viele legendäre FahrerInnen wie Radrennen. Aus dem kleinen Land kamen und kommen immer wieder Innovationen rund um das Fahrrad. Genau dort könnte sich demnächst auch Classified einreihen. Noch ist der Hersteller aus Turnhout nahe Antwerpen ein eher unbeschriebenes Blatt. Noch. Mit dem Powershift Hub könnte sich das schnell ändern. Das Konzept übersetzt die Kombination aus Schaltgetriebe und Kettenschaltung in das Hier und Jetzt.
1. Das Beste aus zwei Welten
2. Große Entfaltung, kleine Gangsprünge
3. Unauffällig und verdammt flink
4. Minimales Plus an Gewicht
5. Läuft alles reibungslos
6. Probefahrt wird schwierig
7. Geschlossene Veranstaltung
8. Zukunft rosig oder holprig?
Powershift Hub besteht aus einer Schalteinheit, einer Getriebenabe für das Hinterrad und speziell angefertigten Kassetten. Die Absicht des Systems ist relativ simpel: Es verwandelt eine Kettenschaltung mit nur einem Kettenblatt in einen 2fach-Antrieb. So werden zum Beispiel aus elf Gängen mit einem Klick 22 Gänge. Das Getriebe im Hinterrad verleiht euch quasi ein zweites Kettenblatt, während die Anzahl der Ritzel unverändert bleibt.
Das Beste aus zwei Welten
An sich steckt hinter dieser Idee der Versuch, die Vorteile des 1fach-Antriebs mit denen des 2fach-Antriebs zu verbinden. Schließlich haben die Marktriesen Shimano, Sram und Campagnolo nicht grundlos die minimalistische Variante mit nur einem Kettenblatt und wahlweise zehn, elf oder zwölf Ritzeln für Mountainbikes, Rennräder, Trekkingräder, etc. aus dem Hut gezaubert. Bessere Aerodynamik, weniger Anbauteile, damit geringeres Gewicht und niedrigerer Verschleiß waren und sind stichhaltige Argumente.
Allerdings lassen sich gewisse Nachteile nicht von der Hand weisen. Derartige Schaltungen weisen Unterschiede in der Abstufung zwischen den einzelnen Gängen auf, die manche als zu groß empfinden. Zudem ist das Limit von maximal zwölf Gängen nicht für jeden eine Auswahl, die zu allen Fahrsituationen passt. Wie Untersuchungen gezeigt haben, wirken außerdem beim Fahren auf dem kleineren Kettenblatt ungewollt größere Axial-Kräfte auf die Kette und die Lager von Kurbel und Nabe.
Je größer ein Kettenblatt ist, desto kleiner fallen diese Kräfte aus. Gleichzeitig steigt die Effizienz während des Pedalierens. Bei einer Kettenschaltung mit zwei Kettenblättern fällt eines davon stets relativ groß aus. Und gemeinsam mit dem kleineren zweiten Kettenblatt verringern sich ebenfalls die Gangsprünge. Der Preis dafür sind die bereits erwähnten Probleme in Bezug auf Verschleiß, Gewicht, mögliche Defekte sowie eventuelles Verschalten. Von beiden Varianten nur die Vorteile genießen zu können, klingt auf alle Fälle verlockend.
Große Entfaltung, kleine Gangsprünge
Das erwähnte zweite Kettenblatt versteckt Classified beim Powershift Hub in der Hinterradnabe. Zumindest bildlich gesprochen. Tatsächlich handelt es sich um ein dort integriertes Planetengetriebe, das zwei Gänge realisiert. Der erste hat eine Übersetzung von 1:1, beim zweiten beträgt das Verhältnis 0,686:1. In der Praxis sorgt diese Entwicklung dafür, dass euer fest installiertes Kettenblatt sich um den Faktor 0,686 kleiner fahren wird. Habt ihr beispielsweise eines mit 54 Zähnen montiert, wird sich das Übersetzungsverhältnis nach dem Schalten so fahren, als hättet ihr eines mit 37 Zähnen. Im Ergebnis ergibt sich zusammen mit einer 11-Gang-Kassette von Classified eine Entfaltung von 451 Prozent. Die Sprünge zwischen den einzelnen Gängen betragen weniger als zehn Prozent.
Damit ihr das in ein konkretes Verhältnis setzen könnt, seht ihr hier die Übersetzungsbandbreiten gängiger Schaltsysteme:
- Shimano Nexus 5-Gang Nabenschaltung – 206 Prozent
- Shimano Nexus 8-Gang Nabenschaltung – 306 Prozent
- Shimano Deore 10-Gang Kettenschaltung – 382 Prozent
- Enviolo Automatiq Schaltgetriebe – 380 Prozent
- Shimano Nexus 11-Gang Nabenschaltung – 409 Prozent
- Shimano XT 11-Gang Kettenschaltung – 464 Prozent
- Shimano XT 12-Gang Kettenschaltung – 510 Prozent
- Rohloff 14-Gang Nabenschaltung – 526 Prozent
- Pinion C.12 12-Gang Schaltgetriebe – 601 Prozent
- Pinion P.18 18-Gang Schaltgetriebe – 636 Prozent
Unauffällig und verdammt flink
Geschaltet wird am Powershfit Hub drahtlos. Als erstes Beispiel hat Classified dies an ausgewählten Bikes bereits mit einem Di2-Schalthebel von Shimano erfolgreich umgesetzt. Per Bluetooth gelangt das Signal zu einem Empfänger an der Steckachse des Hinterrades. Von dort wird mittels Induktion ein elektromagnetisches Signal ausgelöst, das den mechanischen Schaltvorgang initiiert. Der gesamte Schaltvorgang funktioniert viel schneller, als es mit einem klassischen Umwerfer zwischen zwei Kettenblättern hin und her möglich ist. Zwischen dem Betätigen des Schalthebels und der Reaktion der Mechanik vergehen laut Classified nur 150 Millisekunden.
Erste Fahrtests diverser Fahrradmagazine haben zudem gezeigt, dass dies auch problemlos unter Volllast funktioniert. Vom Hersteller werden sogar 1.000 Watt genannt, die während des Schaltens auf das System einwirken können. Damit ist theoretisch auch genügend Spielraum vorhanden, um über einen Einsatz am E-Bike nachzudenken.
Minimales Plus an Gewicht
Bei der Wahl zwischen Kettenschaltung und Naben- oder Getriebeschaltung spielt unter Anderem das Gewicht eine wichtige Rolle. Wie sieht das beim Blick auf das Powershift Hub aus? Nun, relativ entspannt. Wenig überraschend wiegt die Nabe mit dem Planetengetriebe mehr als eine herkömmliche Nabe. Dafür spart man das zweite Kettenblatt und den Umwerfer ein. Unter dem Strich bleiben 250 Gramm an zusätzlichem Gewicht. Laut Hersteller entspricht dies ungefähr dem Systemgewicht einer herkömmlichen hochwertigen 2×11-Kettenschaltung.
Läuft alles reibungslos
Neben der Frage nach dem Gewicht stellt sich bei Nabenschaltungen und Getrieben oft die nach der Reibung. Schließlich möchte niemand Energie, sprich Muskelkraft, aufwenden, die nicht in Vortrieb umgewandelt wird. Beim Powershift Hub wirkt sich positiv aus, dass das Planetengetriebe nur für einen einzigen Gang genutzt wird. Die nicht benutzten Gänge sind dann miteinander verriegelt und drehen sich als ein Ganzes. Dies ist bei Mehrgang-Getriebenaben nicht möglich. Vor diesem Hintergrund verspricht Classified einen Wirkungsgrad von 99 Prozent. Das scheint durchaus realistisch, da zudem im Getriebe keine Kugellager und Dichtungen verbaut sind, die für zusätzliche Reibung sorgen könnten.
Probefahrt wird schwierig
Wie genau sich das beim Fahren anfühlt, könnt ihr derzeit leider kaum selbst testen. Im Moment gibt es nur zwei Hersteller, die Bikes mit diesem Antrieb anbieten. Das ist zum einen die Marke Ridley mit ihrem Gravelbike Kanzo und zum anderen die Marke Jaegher. Beide stammen ebenfalls aus Belgien. Classified wird im Laufe des Jahres zwei weitere Fahrradhersteller mit dem Powershift Hub beliefern, damit diese dann Kompletträder aufbauen können. Welche das sein werden, ist derzeit noch unbekannt. Für PrivatkundInnen wird der Antrieb wohl frühestens 2022 als eigenständiges Set zu haben sein.
- Das Rennrad von Jaegher zählt zu den ersten Bikes mit Powershift Hub.
- Das größeres Einbaumaß der Nabe erschwert die Integration für Hersteller.
- Dafür gibt es das System mit einem entsprechenden kompletten Laufradsatz.
Geschlossene Veranstaltung
Zu einem solchen Set wird dann unter anderem eine eigens von Classified angefertigte Nabe gehören. Bislang hat der Hersteller Kassetten mit 11-27, 11-30, 11-32 und 11-34 Zähnen gezeigt. Alle sind aus einem vollen Block gefräst. Bedeutet im Umkehrschluss: Die Kassetten anderer Hersteller sind nicht kompatibel mit Powershift Hub. Grund dafür ist einfach der begrenzte Bauraum. Wo gewöhnlich Platz für den Freilaufkörper ist, landet bei Classified das Planetengetriebe.
- Laufradsatz R35 für Classified Powershift Hub
- Laufradsatz R50 für Classified Powershift Hub
- Laufradsatz G30 für Classified Powershift Hub
Zukunft rosig oder holprig?
Details wie dieses verdeutlichen, dass der Weg bis zum Etablieren am Markt für Classified kein einfacher werden wird. Auf folgende Fragen muss das Unternehmen die richtigen Antworten finden:
Welche Einbaubreiten lassen sich für das System künftig umsetzen?
Wie breit die Hinterradnabe ausfällt, ist absolut entscheidend. Schließlich existieren längst Standards, auf die Hersteller und Rahmenbauer zurückgreifen. Am E-MTB sind das beispielsweise 148 Millimeter. Bei Rennrädern und Gravelbikes mit Scheibenbremsen und Steckachsen misst die Nabe gewöhnlich 142 Millimeter. Das ist auch die momentane Einbaubreite des Powershift Hub. Eine Anpassung an den Mountainbikestandard steht folglich noch aus.
Welcher Durchmesser der Hinterradachse ist realisierbar?
Dieser Punkt ist unmittelbar mit dem Vorherigen verknüpft. Der Achsdurchmesser der meisten Steckachsen für das Hinterrad liegt bei zwölf Millimetern – sowohl beim Rennrad als auch beim Mountainbike. Damit ist die Richtung für Classified deutlich vorgegeben.
Wie viele Speichen kommen in den Laufrädern zum Einsatz?
Aufgrund der Motorunterstützung und des größeren Gesamtgewichts wirken auf das Laufrad eines E-Bikes größere Kräfte ein, als dies bei einem herkömmlichen Fahrrad der Fall ist. Möchte Classified in dieses Segment einsteigen, müssen sie diesen Fakt berücksichtigen und die dazugehörigen Laufräder mit der nötigen Anzahl an Speichern ausstatten. Aktuell landet man beim Durchzählen bei genau 24. Das klingt noch nicht unbedingt nach E-Bike-Kompatibilität.
Wird die Nabe kompatibel mit anderen Kassetten?
Auf die Classified-Nabe passt derzeit nur eine Classified-Kassette. Es bleibt abzuwarten, ob genügend Fahrradhersteller dies akzeptieren und das System im Ganzen kaufen. Vermutlich gibt es jedoch ein großes Interesse daran, bekannte Komponenten von Shimano, Sram, Campagnolo und Co. zu verwenden.
Bilder: Classified Cycling BV; Jaegher bvba











