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Porsche zieht den Plänen für das eigene E-Bike-System endgültig den Stecker

Logo der Porsche eBike Performance GmbH, den Joint Venture von Porsche AG und Ponooc Investment B.V.

Das Geschäft mit Luxussportwagen in China massiv unter Druck. Hohe Einfuhr-Zölle in den USA. Enorme Kosten durch die Abkehr vom schnellen Umstieg auf E-Autos und Hybride verbunden mit der Kehrtwende zur Verlängerung der Verbrenner-Produktion. Als Folge dessen ein Rückgang des Ergebnisses nach Steuern um sage und schreibe 91,4 Prozent für 2025 im Vergleich zu 2024. Die Porsche AG hat definitiv schon bessere Tage erlebt. Jetzt begräbt der Autobauer sogar noch sein letztes E-Bike-Projekt.

1. Idee für echtes Porsche-E-Bike implodiert
2. Gründe für Aus von Porsche eBike Performance GmbH bleiben vage
3. Wie geht es weiter mit Fazua?
4. Zwei Joint Ventures – zwei Abwicklungen

1. Idee für echtes Porsche-E-Bike implodiert

Freitagnachmittag, kurz nach halb vier. Gewöhnlich trudelt um diese Uhrzeit so kurz vor dem Wochenende kaum noch eine wichtige Meldung aus der Fahrradbranche ein. Anders an diesem Freitag, dem 8. Mai 2026. Im Posteingang poppt eine Nachricht auf mit dem Betreff „Porsche eBike Performance Update“. Oh, etwas Neues von Porsche. Da sollte doch eigentlich demnächst mal etwas Konkretes zu dem ersten eigenen E-Bike-Antrieb kommen. Nach den Absagen großer Fahrradhersteller sowie des Zweirad-Industrieverband ZIV für die diesjährigen Eurobike böte der Juni in Frankfurt am Main ja eine tolle Bühne, auf der man sich vielleicht sogar als einfacher als in den Vorjahren ins Rampenlicht stellen könnte. Aber nein, die Nachricht verkündet das genaue Gegenteil. Porsche führt die Geschäfte Porsche eBike Performance GmbH nicht weiter.

Vision eines Motors für E-Bikes von Porsche
Vision eines Motors für E-Bikes von Porsche

Das ist ein echter Paukenschlag. Porsche verabschiedet sich von seinem mit großen Ambitionen gestarteten Vorhaben, eigene E-Bike-Systeme zu entwickeln und damit sowohl eigene E-Bikes als auch die anderer Hersteller auszustatten. Ein konkreter Zeitpunkt wird nicht genannt. Gut, in den fünf Zeilen, die sich explizit Porsche eBike Performance widmen, finden sich grundsätzlich kaum weiterführende Informationen. Gut möglich also, dass schon ab dieser Woche die Maßnahmen zur Abwicklung der Geschäfte beginnen.

2. Gründe für Aus von Porsche eBike Performance GmbH bleiben vage

Bei den Gründen für diese Entscheidung zieht sich Porsche auf Allgemeinplätze zurück. Dr. Michael Leiters, Vorstandsvorsitzender der Porsche AG, spricht von „strategischer Neuausrichtung“ und einer „Fokussierung auf das Kerngeschäft“. „Das zwingt uns zu schmerzhaften Einschnitten – auch bei unseren Tochtergesellschaften“, sagt er. Nach Einschätzung von Porsche haben sich die Marktbedingungen für E-Bike-Antriebe „grundlegend verändert“. Welche Veränderungen damit gemeint sind, lässt die Erklärung offen. Man stelle die Aktivitäten ein, weil dieser Schritt nur folgerichtig „mit der strategischen Konzentration auf das Kerngeschäft“ sei.

Direkt trifft diese Entscheidung in erster Linie rund 350 Beschäftigte. An den Standorten in Ottobrunn und in Zagreb hatten sie die Entwicklung eines Porsche-E-Bike-Systems vorangetrieben. Nun werden beide die Betriebe an beiden Orten geschlossen.

Vorstandsvorsitzender der Porsche AG Dr. Michael Leiters
Dr. Michael Leiters, seit Januar 2026 Vorstandsvorsitzender der Porsche AG, steht symbolisch für den strategischen Wechsel zurück zu Verbrennermotoren.

3. Wie geht es weiter mit Fazua?

Welcher Name in der Pressemitteilung von Porsche vom Freitag komplett fehlt, ist Fazua. Porsche hatte im Januar 2022 genau 20 Prozent an den Unternehmensanteilen der Marke erworben – nur, um im Juni 2022 daraus dann 100 Prozent zu machen und die Firma komplett zu übernehmen. Wie wirkt sich also das Ende von Porsche eBike Performance auf Fazua und alle mit einem E-Bike aus, in dem dieser E-Antrieb steckt? Was Porsche selbst hätte beantworten können, hat das Magazin Velobiz nachgefragt. Ein Pressesprecher der Porsche-AG kündigte in der Antwort an, dass Betroffene sowohl Ersatzteile als auch Serviceleistungen über den Handel beziehen könnten. Details dazu würde das Unternehmen „zeitnah“ mitteilen.

Service und Ersatzteile langfristig gesichert?

Inzwischen gibt es von Fazua selbst ein paar ergänzende Informationen. In einer Mitteilung an die Presse und den Handel betont der Hersteller, dass „der Support sowie die Verfügbarkeit von Fazua-Produkten uneingeschränkt bestehen bleiben“. Zusammen mit allen Beteiligten wolle man dafür sorgen, dass Marken, Handelspartner und ihr „die gewohnte Qualität und Performance“ erhielten. Die Aussagen gelten explizit für alle E-Bike-Systeme von Fazua, die aktuell in E-Bikes im Einsatz sind.

Wie genau dies bewerkstelligt werden kann, wenn der Betrieb am Standort Ottobrunn eingestellt wird, geht aus der Mitteilung nicht hervor. Derzeit erarbeite man Strukturen und Prozessen für eine solche Zukunft. Genaueres dazu sollen ihr und wir – genau – zeitnah erfahren. Schöne Formulierung. 😉 Bei Nachfragen könne man sich an den örtlichen Fazua-Händler wenden. Ob der dann wirklich mehr weiß, lassen wir mal offen.

E-Mountainbike mit E-Antrieb von Fazua
Insgesamt blickt Fazua gerade in eine ungewisse Zukunft. Die Marke will nach eigener Aussage zumindest den Service und die Versorgung mit Ersatzteilen fortführen.

Selbst mit Updates für die Systeme könnt ihr aber wohl noch rechnen. Offensichtlich gibt es ein paar Verbesserungen, die bei Fazua bereits fertig in der Schublade liegen und wie geplant ausgespielt werden. Sind diese aufgebraucht, dürfte das mit hoher Wahrscheinlichkeit gleichzeitig das Ende der Weiterentwicklung bedeuten.

Nach einem kompletten Abschied klingt die Mitteilung von Fazua allerdings nicht. Der Hersteller äußert sich sogar zu seiner langfristigen Perspektive. Man wolle weiterhin ein „hochwertiges Fahrerlebnis“ bieten und eine „zuverlässige Systemleistung“ sowie „eine starke Service- und Support-Infrastruktur“ gewährleisten. Es wird spannend zu sehen sein, welche konkreten Schritte auf diese noch recht allgemeinen Formulierungen folgen.

4. Zwei Joint Ventures – zwei Abwicklungen

Die Porsche eBike Performance GmbH ist eines von zwei Joint Ventures, die Porsche zusammen mit dem niederländischen Unternehmen Ponooc Investment B.V. im August 2022 gegründet hatte. Hinter Ponooc wiederum steht Pon Holdings mit Fahrradmarken wie Gazelle, Kalkhoff und Focus. Vom Firmensitzt in Ottobrunn aus sollte das Unternehmen ein komplettes E-Bike-System bestehend aus Motoren, Akkus und passender Software entwickeln und vermarkten. Im Rahmen der Gründung äußerte sich Lutz Meschke, damaliger stellvertretender Vorstandsvorsitzender der Porsche AG und Vorstand Finanzen und IT, ausgesprochen hoffnungsvoll über die Aussichten des Vorhabens. „Wir sehen für Porsche im E-Bike-Segment großes Potenzial. Deshalb bauen wir unsere Aktivitäten in diesem Bereich konsequent aus.“ Nun, aus dem Ausbau wurde jetzt ein maximaler Rückbau.

Lutz Meschke, ehemaliger stellvertretender Vorstandsvorsitzender der Porsche AG und Vorstand Finanzen und IT
Der ehemalige Visionär Lutz Meschke ist inzwischen bei Porsche ausgeschieden. Im Februar 2025 trat er als Finanzvorstand der Porsche AG ab. Ende 2025 entließ ihn die Muttergesellschaft Porsche Automobil Holding SE aus dem Vorstand.

Das gleiche Schicksal ereilte bereits Joint Venture Nummer zwei – die P2 eBike GmbH. In Stuttgart angesiedelt, sollten dort einmal fertige Porsche-E-Bikes vom Band laufen. Angetrieben von einem E-Antrieb Made by Porsche. Als Ziel für erste Modelle war ursprünglich der Mitte dieses Jahrzehnts ausgegeben worden. Dafür holte man vorübergehend kompetentes Fachpersonal wie zum Beispiel Moritz Failenschmid, Managing Director bei Focus Bikes. Zum 31. Dezember 2025 endete jedoch auch dieses gemeinsame Projekt von der Porsche AG und Pon Holdings. Übrigens mit folgenden Worten der damaligen Geschäftsführerin bei P2 eBike Gudrun Schaller gegenüber Velobiz: „Die Aktivitäten des völlig eigenständigen Unternehmens Porsche E-Bike Performance zur Entwicklung innovativer Antriebssysteme für E-Bikes werden ohne Unterbrechung fortgesetzt.“ Porsche ist ja bekannt für die rasante Beschleunigung seiner Sportwagen. Ähnlich schnell hat sich jetzt die Vision eines innovativen Akteurs auf dem Gebiet der E-Mobilität mit E-Bikes in Luft aufgelöst.

Bilder: Porsche AG; Porsche eBike Performance GmbH

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