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E-Bike Moto Parilla Tricolore

E-MTB Moto Parilla Tricolore: Carbon, Hanf und reichlich Power

Traditionell feiert die EICMA, eine der bedeutendsten Zweiradmessen Italiens, das Motorrad. Seit ein paar Jahren gibt es zudem einen Ausstellungsbereich für E-Bikes. Ein Fahrrad, das bei der diesjährigen Austragung so gut wie kaum ein anderes in genau diesen Spannungsbogen gepasst hat, war das Tricolore von Moto Parilla. Selten hat ein E-Bike mehr Motorcross-Esprit verströmt als dieses.

E-Bike Moto Parilla Tricolore

Moto Parilla Tricolore

Moto Parilla, die kleine Edelschmiede aus dem Herzen der Emilia Romagna, liebt seit jeher ausgefallene Designs und lebt diese Leidenschaft in vollen Zügen aus. Neuester Liebesbeweis ist ein Enduro-E-Mountainbike, das fast schon brachial daherkommt. Sein Rahmen erinnert an ein zum Sprung bereites Raubtier und man fragt sich, welche Filme die Entwickler während der zweijährigen Entstehungsphase geschaut haben. Wahrscheinlich sind ein paar Fans des Kult-Regisseurs Ridley Scott unter ihnen.

Skizze im Designprozess des E-Bikes Moto Parilla Tricolore

Wer von euch sieht ein Mountainbike? Und wer ein Alien auf Rädern?

In vielerlei Hinsicht besonders

Bestimmt wird das Tricolore von seinem massiven geschwungenen Hauptrahmen, der wie die Wirbelsäule des Fahrrades wirkt. Vorderrad, Hinterrad und Sattelstütze entspringen aus ihm quasi als seine Extremitäten. Das aus Carbon gefertigte Monocoque umschließt alle lebenswichtigen „Organe“ des E-Bikes, also Motor, Akku, Kabel und den Frontscheinwerfer. Im oberen Teil, der sich nach vorn Richtung Lenker beugt, hat Moto Parilla ein komplett verschließbares, wasserdichtes Staufach eingelassen. Serienmäßig befindet sich darin ein medizinisches Notfallset. Zusätzlich bleibt jedoch noch Platz für ein wenig Werkzeug, einen Notriegel und ähnliche Kleinigkeiten.

E-Bike Moto Parilla Tricolore mit im Rahmen integriertem wasserdichten Staufach

Das im Rahmen integrierte wasserdichte Staufach ist gut erreichbar. sodass ihr schnell an dessen Inhalt gelangt.

An der Unterseite des Rahmens zeichnen sich fünf großflächige Rippen ab. Sie sollen dem Bereich zusätzliche Stabilität verleihen. Teile der Verkleidung müssen deutlich geringeren Kräften standhalten. Dort greift der Hersteller zu Hanffasern als alternatives Rahmenmaterial. Bei der Ausformung dieser Rahmenteile kommen ausschließlich natürliche Harze zum Einsatz. Deshalb lassen sie sich am Ende ihrer Lebensdauer vollständig recyceln.

Experimentierfreudig und regional

Dass die Geometrie so gut wie nichts mit der eines klassischen Diamantrahmens gemeinsam hat, offenbart bereits ein erster Blick auf das Tricolore. Da passt es ins Bild, wenn Moto Parilla bei der Umsetzung anderer Details ebenfalls ungewohntere Wege einschlägt. So ist zum Beispiel die Einarmschwinge über ein paar Aluminium-Gitterplatten mit dem Rahmen verschraubt. Aluminium verstärkt zudem die Schwinge an den Ausfallenden oder dort, wo der Bremssattel angebracht ist.

Einarmschwinge am E-Bike Moto Parilla Tricolore

Am Topmodell, dem Moto Parilla Tricolore MX, sind Kassette und Kette im Kashima-Farbton gehalten.

Analog zur Einarmschwinge sind auch der Dämpfer sowie der Teil des Rahmens, der die Sattelstütze aufnimmt, als eigenständige Elemente am Hauptrahmen verschraubt. Dies alles entsteht übrigens bei Zuliefern, die in einem Umkreis von rund 50 Kilometern um Reggio nell’Emilia, den Stammsitz von Moto Parilla, angesiedelt sind. Ganz im Sinne einer umwelt- und ressourcenschonenden Produktion.

Dämpfer des E-Bikes Moto Parilla Tricolore

Verschraubte Halteplatten sichern den Dämpfer am Hauptrahmen.

Motor auf Augenhöhe mit dem Wettbewerb

Von nicht viel weiter her und immerhin ebenso aus Italien stammt der Motor des Tricolore. Hierzulande dürfte der Polini E-P3+ MX relativ unbekannt sein. Unter den italienischen E-Bike-Herstellern sieht das naturgemäß anders aus. Von den technischen Kennziffern her ist das Aggregat von Polini unter internationalem Maßstab absolut konkurrenzfähig. Bei einer Leistung, die in der Spitze bis auf 600 Watt hinaufschnellt, beträgt das Drehmoment satte 90 Newtonmeter. Das Ausmaß der Unterstützung könnt ihr über fünf Fahrmodi wählen. Drei davon sind vorgegeben: Touring, Dynamic und Race. Zwei lassen sich individuell einstellen. In Sachen Tretfrequenz ist erst bei maximal 120 Umdrehungen pro Minute Schluss.

Motor Polini E-P3+ MX am E-Bike Moto Parilla Tricolore

Motor Polini E-P3+ MX am Moto Parilla Tricolore

Den knapp drei Kilogramm wiegenden Motor ergänzt ein herausnehmbarer Akku. Dessen Kapazität beläuft sich auf beträchtliche 880 Wattstunden. Entsprechend realistisch klingt es, wenn Moto Parilla für das Tricolore Reichweiten von mehr als 100 Kilometer verspricht. Das dazugehörige 2,5 Zoll große Display mit TFT-Bildschirm lässt sich mit einem Lenkerhalter so platzieren, dass es links oder rechts neben dem Vorbau sitzt. Direkt darauf wäre manchen womöglich lieber. So wirkt es relativ sperrig.

Überraschende Option

Euch sagt dieser Antrieb nicht zu? Dann könnt ihr bei Moto Parilla anfragen, ob ihr auch einen anderen Motor fahren könnt. Theoretisch ist das nämlich machbar. Der Hersteller hat das Fahrrad modular konzipiert. Im Rahmen sind Aufnahmen für einen Motor integriert, die sich universell nutzen lassen. Nach Aussage des Unternehmens kann mithilfe spezieller Platten „fast jeder Motor“ montiert werden. Wer möchte, kann zum Beispiel zu einem Mittelmotor von Bafang greifen, der Leistungen von 750 Watt oder sogar 1.000 Watt in der Spitze leistet. Den passenden Akku gibt es ebenfalls dazu.

Im Vergleich damit fallen andere Merkmale des E-MTB fast kaum noch auf. Dabei sind etwa das komplett im Rahmen integrierte Front- und Rücklicht oder das Flip-Chip-System zur Veränderung der Geometrie überaus nützliche Features.

Kostbares Gut

Vom Tricolore bietet Moto Parilla drei verschiedene Ausstattungsvarianten an. Beim Blick auf die verbauten Komponenten und Teile lassen sich das Tricolore MX, das Tricolore MR und das Tricolore M eigentlich nur irgendwo zwischen edel und „holy moly“ einordnen. Bei einem Startpreis von 11.990 Euro für das Tricolore M als günstigstes Modell verwundert das allerdings nicht. Für das Tricolore MR müsst ihr 14.990 Euro einrechnen, während das Tricolore MX als Topmodell 17.990 Euro kostet.

Günstig ist definitiv anders. Wobei, Moto Parilla möchte wohl auch kaum günstig sein. Besonders leicht ist übrigens auch anders. Denn mit 23,5 Kilogramm wiegt das Tricolore für heutige Verhältnisse doch einiges. Ihr selbst dürft inklusive Rucksack etc. nicht mehr als 110 Kilogramm auf die Waage bringen. Wenn ihr diese italienische Köstlichkeit fahren wollt, solltet ihr den kulinarischen Genüssen des Landes also nicht zu sehr zusprechen.

Moto Parilla Tricolore im Überblick:

  • Varianten: Tricolore MR, Tricolore MX, Tricolore M
  • Rahmen: Carbon, Monocoque
  • Federgabel: Bright NEXT, Fox 38E 180 mm Kashima, Rock-Shox ZEB Select
  • Motor: Polini E-P3+ MX
  • Akku: Polini 880 Wh
  • Display: Polini TFT, colour, 2,5″
  • Bremsen: BCA, Magura MT7 Pro, Magura MT5/MT7 Pro
  • Antrieb: Sram GX electronic
  • Gewicht: 23,5 kg
  • Maximalgewicht Fahrende: 110 kg

 

Bilder: Motosuv S.R.L.

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