E-Cargobike e.Yoonit: In der Kürze liegt die Würze

E-Cargobike e.Yoonit

E-Cargobike e.Yoonit: In der Kürze liegt die Würze

Hamburg gilt als eine der Design-Metropolen Deutschlands. Tun sich Künstler der Hansestadt zusammen und entwerfen ein Lastenrad, wird das Ergebnis also mit großer Wahrscheinlichkeit mindestens optisch Eindruck hinterlassen. Tatsächlich ist das beim e.Yoonit so. Die schlanken Rahmenrohre aus stabilem Chromoly-Stahl lassen es wie ein Fliegengewicht erscheinen. Durch seine Länge von nur 1,77 Metern wirkt es enorm kompakt. Zum Vergleich: Das neue GSD von Tern ist drei Zentimeter länger. Ein klassisches Longjohn-E-Cargobike wie das Bergamont E-Cargoville LJ bringt es auf rund 50 Zentimeter mehr.

Obwohl gerade erst frisch präsentiert, hat das e.Yoonit bereits seinen ersten Preis eingeheimst. Und wie sollte es anders sein – es ist ein Design-Award. Anfang September hat designxport, eine städtische Initiative zur Förderung der Hamburger Designbranche, das Bike mit dem Silberstreifen-Award geehrt. Das, was Fotograf Johann Cohrs zusammen mit den beiden Designern Niels Römer und Sebastian Kühnel auf die Räder gestellt haben, stößt auch an anderer Stelle demnach auf Gefallen. Sie wollten eine Lösung entwickeln, die sich wie ein „normales“ Fahrrad anfühlt und gleichzeitig alle Vorteile eines Lastenrades vereint.

E-Cargobike e.Yoonit "smart" with bag

Größere Taschen transportiert ihr mit dem e.Yoonit problemlos.

Passt in die Öffis – aber nicht für jeden Fahrer

Nun, das Ergebnis geht erkennbar in diese Richtung. Das Lastenrad passt mit seinen Abmessungen mit Sicherheit eher in Bus und Bahn als der Großteil der anderen Packesel auf zwei oder mehr Rädern. Hinzukommt ein mit 26 Kilogramm absolut überschaubares Gewicht für ein E-Bike dieses Typs. Auch in Sachen Zuladung kann das e-Yoonit einiges vorweisen. Transportgut darf maximal 75 Kilogramm wiegen. Fahrerin oder Fahrer können sogar bis zu 100 Kilogramm auf die Waage bringen.
So weit, so gut.

E-Cargobike e.Yoonit "smart"

Aufgrund seiner Länge von nur 1,77 m findet ihr mit diesem Lastenrad auch in Bus und Bahn Platz.

Die Crux bei diesem Bike ist aus unserer Sicht ironischerweise identisch mit seiner großen Stärke. Kompakt impliziert in vielen Fällen nämlich einen Kompromiss. Das e.Yoonit basiert auf einem Einheitsrahmen. Seine Macher geben an, dieser eigne sich für Personen mit einer Körpergröße von 165 bis 200 Zentimetern. Auf seinen Produktbildern zeigt Yoonit Bikes eine Fahrerin, die nicht allzu groß gewachsen scheint. Ihre Sitz- und Fahrposition auf dem Bike wirkt harmonisch. Aus der Ferne vermuten wir anhand der Abbildungen dennoch, dass jemand, der über 190 Zentimeter misst, angesichts des doch recht begrenzten Reach schnell in eine gedrungene Haltung gezwungen wird. Das dürfte weder optimal für den Vortrieb noch bequem sein.

Auf kleinen Rädern entschleunigt unterwegs

Für etwas Abhilfe wird der höhenverstellbare Vorbau sorgen. Per Teleskopvorrichtung lässt er sich um zehn Zentimeter variieren. Wer auch mit einem E-Lastenrad gern sportlich unterwegs ist, sollte aber nicht zu viel Linderung erwarten. Zumal ein zweiter Fakt das Fahrerlebnis trüben könnte. Das e-Yoonit erkauft sich sein geringes Längenmaß mit recht kleinen Laufrädern. Hinten sind 18 Zoll verbaut, vorn sind es lediglich 16 Zoll. Auf das vordere Laufrad wirken bei beladenem Frontgepäckträger jedoch große Kräfte ein. Vermutlich wird sich das Bike in diesem Zustand ziemlich diffizil steuern lassen.

Selbst ohne Zuladung ist das e.Yoonit aufgrund der Dimension der Laufräder eher ein Freund der gemütlicheren Gangart. Wer das Fahrrad ähnlich einem Fahrradkurier auch mal die eine oder andere Bordsteinkante hinauf- und herunterjagt wird schnell merken, was gemeint ist. Nicht umsonst setzen Marken wie Omnium, die aus diesem Geschäft stammen, auf deutlich größere Laufräder. Gut durchdacht ist dagegen die Positionierung des Akkus relativ mittig und tief am Bike. Das verlagert den Schwerpunkt nach unten, sorgt für genügend Traktion und fördert die Balance des e.Yoonit.

Neuer Shimano-Motor als Highlight

Beim Akku handelt es sich übrigens um einen Shimano Steps mt 504 Wattstunden. Der sollte euch zuverlässig auf 60 bis 70 Kilometern Energie liefern. Abnehmer ist mit dem EP8 das neue Aushängeschild von Shimano. Damit zählt das e.Yoonit mit Sicherheit zu einem der ersten Lastenfahrrädern weltweit, das in den Genuss des derzeit leistungsfähigsten Aggregats der Japaner kommt. Die Freude darüber trübt ein wenig die Shimano-Nabenschaltung Nexus Inter-5E mit fünf Gängen. Deren Übersetzungsbandbreite von 263 Prozent genügt locker für den Hamburger Großstadtdschungel. Vollbeladen einen zwei-Kilometer langen Anstieg mit sechs oder sieben Prozent in Angriff zu nehmen, dürfte sich auf Dauer als äußerst schweißtreibend herausstellen.

Die anderen Komponenten sind auf ein Minimum an Wartung sowie Maximum an Haltbarkeit ausgerichtet. Das gilt vor allem für die hydraulischen Scheibenbremsen von Magura sowie den Carbon-Riemenantrieb.

Vielfalt eine der großen Stärken des e.Yoonit

Auswahl habt ihr beim e.Yoonit nicht nur zwischen den drei Farben Curcuma, Burgunder und Schwarz sondern in erster Linie zwischen drei Ausstattungsvarianten. Diese sind vom Antrieb her identisch. Sie unterscheiden sich allerdings durch den jeweiligen Aufbau auf der Frontpartie. Beim „smart“ ist dies ein Carrier, der sich in zwei Positionen befestigen lässt. In Position eins fungiert er wie ein länglicher Korb, in den ihr entsprechend großes Transportgut hineinstellen könnt. In Position zwei wird er horizontal um 180 Grad gedreht. Damit zeigt die Umrandung des Korbes nach unten und ihr habt oben dann eine plane Fläche. Auf der lassen sich mithilfe von Gurten, Stricken, etc. sperrigere Dinge befestigen und transportieren.

Das „family“ eignet sich für den Transport von Kindern. Dafür montiert ihr einen Kindersitz, der eher einer Art Wanne aus robustem Stoff gleicht. In der Wanne ist eine Rückenlehne quasi als Zwischenwand eingezogen. An der Lehne sind zwei Fünf-Punkt-Gurte befestigt. Theoretisch ist damit Platz für zwei Kinder. Anhand des Bildmaterials vom Hersteller wird ersichtlich, dass dies aber nur recht junge, kleinere Kinder sein können. Nach eigener Aussage wartet Yoonit-Bikes zudem noch auf die Abnahme des Sitzes durch ein entsprechendes Prüflabor. Der Hersteller hofft garantiert auf einen positiven Bescheid. Schließlich hält er sogar bereits einen Regenschutz für den Sitz parat.

E-Cargobike e.Yoonit "family"

Mit einem Kind ist der Kindersitz des e.Yoonit „family“ schon gut ausgefüllt.

Umrüsten leicht gemacht

Einem traditionellen Lastenrad am nächsten kommt die Version „job“. Deren plane Ladefläche verfügt über eine Rückwand und ist mit zahlreichen Aussparungen versehen. Mithilfe von Gurten und Ähnlichem könnt ihr darauf Transportgut unterschiedlichster Formen und Abmessungen befestigen und sicher von A nach B befördern.

Der Wechsel der verschiedenen Aufsätze gelingt übrigens denkbar einfach. Unique Adapt System heißt das dazu passende Zauberwort bei Yoonit-Bikes. Dahinter verbirgt sich ein System aus drei Schnellspanner. Jeder Aufsatz wird damit an drei Punkt fest am Rahmen arretiert und auf Wunsch auch bequem entfernt. Flexibler geht es kaum.

Einzelpreise für die Aufsätze:

  • „smart“: 220 Euro
  • „family“ ohne Sitz: 280 Euro
  • „job“: 180 Euro

Bei Vorbestellung kräftig sparen

Mit dem Preis von 4.720 Euro ordnet sich das e.Yoonit im Mittelfeld vergleichbarer E-Cargobikes ein. Dafür bekommt ihr ein Rad, das eine deutliche europäische Note mitbringt. Der Rahmen und die Aufsätze werden innerhalb der Europäischen Union gefertigt. Final montiert werden die Räder dann in Deutschland. Wer sich schon jetzt sicher ist, dass sie oder er unbedingt ein Exemplar davon haben möchten, sollte sofort zuschlagen. Bei einer Vorbestellung liegt der Preis aktuell nur bei 3.495 Euro. Die Auslieferung ist für das Frühjahr 2021 angekündigt.

Schon im Oktober 2020 wird Yoonit-Bikes eine Crowdfunding-Kampagne auf Kickstarter starten. Der Marktneuling möchte so seine Bekanntheit steigern und noch mehr Leute auf sich aufmerksam machen.

 

Bilder: Yoonit-Bikes

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