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E-Bikes des Fahrradverleihers Citi Bike in New York

Wo dürft ihr mit E-Bikes in den USA fahren und wo nicht?

Immer mehr Pedelecs und E-Bikes tauchen auf den Straßen der USA auf. Nach Statistiken des Marktforschungsunternehmens NPD sind die Verkäufe von E-Bikes in dem Land zwischen Juli 2020 und Juli 2021 um 240 Prozent angestiegen. Bezogen auf diesen Zeitraum wurden mehr Fahrräder mit elektrischer Unterstützung abgesetzt als herkömmliche Fahrräder. Das zweite Jahr in Folge verdoppelte sich die Anzahl der verkauften E-Bike und Pedelecs.

Vor dem Hintergrund dieser Entwicklung zeigen sich grundsätzliche Probleme im Umgang mit solchen Fahrrädern in den USA noch deutlicher als zuvor. Dazu gehört die Frage, auf welchen Straßen und Wegen das Fahren mit Pedelecs erlaubt ist. Landesweit einheitliche Bestimmungen ähnlich der in Deutschland geltenden Straßenverkehrsordnung gibt es nicht. Jeder Bundesstaat darf eigene Regelungen beschließen, die wiederum den Countys, Verwaltungseinheiten ähnlich unserer Landkreise, noch reichlich Spielraum für weitere Präzisierungen lassen. An drei Beispielen hat das Magazin „Wired“ gerade gezeigt, wie die weltweit führende Industrienation nach einem festen Platz für E-Bikes sucht.

Beispiel 1: Nashville, Tennessee

Immer wieder seine Richtung ändernd, schlängelt sich der Cumberland River durch Nashville. Entlang seiner Ufer und durch mehr als 120 Parks verlaufen zahlreiche Fahrradwege. Die sogenannten Greenways erstrecken sich über gut 150 Kilometer. Bislang sind Pedelecs dort allenfalls geduldet. Der Bundesstaat Tennessee gibt vielerorts grünes Licht für E-Bikes, deren Motor bis zu einer Geschwindigkeit von höchstens 28 Meilen pro Stunde unterstützt. Dagegen untersagt ihnen die Stadt Nashville den Zugang zu den Greenways, auch wenn dies anscheinend nur sporadisch kontrolliert wird.

Fußgänger und Fahrradfahrer auf den Greenways in Nashville

Uneinigkeit unter Verbündeten

Im vergangenen Sommer stellte der örtliche Bikesharing-Anbieter BCycle seine Flotte komplett auf Pedelecs um. Und damit sollten die Menschen natürlich auch die Greenways befahren können. In der Folge entspann sich eine Debatte, in der Organisationen plötzlich miteinander stritten, die bisher gleiche Ziele verfolgten. So beanspruchte der Verein „Greenways for Nashville“ das Wegenetz eher für die Zufußgehenden, weil die Wege nicht gleichzeitig Bürgersteige und Fahrradwege sein könnten. Dem hielt die Initiative „Walk Bike Nashville“ entgegen, die Greenways seien sehr wohl beides. Es handle sich ganz allgemein um umweltfreundliche Verkehrswege, die beiden Personengruppen offen stünden.

E-Bike des Fahrradverleihers BCycle in Nashville

Fahrradverleiher BCycle möchte die Greenways in Nashville gern befahren können.

Die Entscheidung über die Zukunft der Greenways fällt der Stadtrat von Nashville. Laut Wired gehen unter dessen Mitgliedern die Meinungen ebenfalls auseinander. Zufußgehende könnten durch schnell und nahezu lautlos heranfahrende E-Bikes erschreckt werden. Fahrradfahrende würde anderseits durch ein Verbot zurück auf die Straßen verbannt werden, wodurch die Gefahr für Unfälle ansteige.

Um alle Beteiligten ausreichend zu Wort kommen zulassen, hat der Stadtrat eine Studie zur Beurteilung der Situation in Auftrag gegeben. In deren Rahmen konnten auch die Einwohner für ihre bevorzugte Regelung votieren. Aktuell ist die Studie noch nicht ausgewertet.

Plakat mit Aufruf zur Beteiligung an einer Umfrage zur E-Bike-Nutzung auf den Greenways in Nashville

Aufruf zur Beteiligung an der Umfrage zur E-Bike-Nutzung auf den Greenways

Beispiel 2: New York, New York

Parks gibt es nicht nur in Nashville, sondern auch in New York. Und ja, auch hier trifft man auf eine ganz ähnliche Problemlage. Erneut stehen sich städtische Institutionen und Unternehmen gegenüber. Für die Beibehaltung des Status Quo und damit das Fernhalten der Pedelecs spricht sich die Parkverwaltung der Millionenmetropole aus. Sie rechnet die Bikes zu den „motorisierten Fahrzeugen“, die laut Parkverordnung die Wege nicht benutzen dürften.

Ganz anderer Meinung ist das Unternehmen Lyft, Betreiber des New Yorker Bikesharing-Dienstes „Citi Bike“. Es verweist darauf, dass bereits seit 2020 E-Bikes von der Stadt legalisiert worden seien. Folglich solle ihnen auch der Zugang zu den Parks gewährt werden. Lokale Interessengruppen wie „Transportation Alternatives“ pflichten Lyft bei. Sie verweisen darauf, wie wichtig solche Änderungen wären, damit die Stadt ihre eigenen Klimaziele erfüllen könne.

E-Bikes des Fahrradverleihers Citi Bike in New York

Auf offiziellen Fahrradwegen sind E-Bikes in New York inzwischen erlaubt, in den Parks der Stadt noch nicht.

Beispiel 3: Grand County, Utah

Ortswechsel. Grand County im Bundesstaat Utah. Angesagte Adresse für Outdoorfans weltweit und ein Mekka der Mountainbike-Community in den Rocky Mountains. Auch viele E-Biker träumen vermutlich davon, die Trails um Moab und Umgebung zu erkunden. Momentan gestaltet sich das noch relativ schwierig. Pedelecs und E-Bikes sind hier meist nur auf asphaltierten Radwegen zugelassen.

In Moab selbst, dem Verwaltungssitz des Countys, ist auf den städtischen Wegen lediglich das Befahren mit einem E-Bike der Klasse 1 gestattet. Gleiches gilt für den Mill Creek Parkway, ein für Zufußgehende, Radfahrende und Rollerbladesfahrende gedachtes Wegenetz innerhalb der Stadt. Dort ist sogar eine Geschwindigkeitsbegrenzung von 15 Meilen pro Stunde zu beachten. Für europäische Verhältnisse klingt das nach einer starken Einschränkung. Tatsächlich haben sich Aktivisten vor Ort hart dafür eingesetzt, dieses Recht überhaupt zugesprochen zu bekommen.

Fahrradfahrende auf dem Mill Creek Parkway in Moab

Fahrradfahrende auf dem Mill Creek Parkway in Moab

Erlaubt sind E-Bikes der Klasse 1 weiterhin auf zwei auf Fahrradwegen in Grand County, die parallel zum Highway 191 North sowie zum Highway 128 entlang des Colorado River verlaufen. Diese waren bisher ebenfalls ausschließlich herkömmlichen Fahrrädern vorbehalten. Wer gegen die Bestimmungen verstößt, riskiert übrigens eine Haftstrafe von bis zu sechs Monaten und eine Geldstrafe von maximal 1.000 US-Dollar.

Freizeitspaß oder gemeingefährlich?

An Orten wie Grand County drehen sich die Diskussionen zudem um das Nutzen von Mountainbiketrails durch MTBs mit und ohne Motor. Ortsansässige und Naturschützer äußern immer wieder Bedenken, dass E-Bikes durch die hohen Motorleistungen und höhere Geschwindigkeiten sowohl Menschen als auch den Erhalt der Natur gefährden könnten. Organisationen wie „PeopleForBikes“ geben zu bedenken, dass es sowohl für Freizeitaktivitäten als auch für das Pendeln um urbanen Raum an der gewünschten Infrastruktur fehle. Dieser Feststellung würden sich sicher auch so manche Fahrradverbände aus Europa mit dem Blick auf ihr jeweiliges Land anschließen.

E-Biker in den Rocky Mountains

Bisher stehen E-Bikern in den Rocky Mountains nur wenige offizielle Trails offen.

Hintergrund: E-Bike ist nicht gleich E-Bike

Unter E-Bikes der Klasse 1 werden in den USA Elektrofahrräder zusammengefasst, die ausschließlich mit einer Tretunterstützung ausgestattet sind und bis zur Grenze von 20 Meilen pro Stunde beim Pedalieren unterstützen. Daneben gibt es die Klassen 2 und 3, die über einen Gashebel verfügen beziehungsweise deren Motoren bis zu einer Geschwindigkeitsbegrenzung von 28 Meilen pro Stunde unterstützen.

 

Bilder: BCycle LLC; Lyft Inc.; Greenways For Nashville; Metropolitan Government of Nashville and Davidson County, Tennessee; Moab Area Travel Council; Bureau of Land Management

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