Im Sommer 2025 hat Bafang die Branche mit einem seltenen E-Antrieb überrascht. Der H730 bringt einen Hinterradnabenmotor und eine 3-Gang-Schaltung in einer Einheit zusammen. Nun erscheint mit dem neuen Volt Urban eines der ersten E-Bikes weltweit, in dem dieser Motor zum Einsatz kommt.
1. Urban ein typisches Volt
2. Vorreiter unter City-E-Bikes mit Bafang H730
3. Urban Volt mit großer Reichweite und geringem Gewicht
4. Im eigenen Sortiment abgeschaut
5. Guter Fahrkomfort und unerwartete Ladeoption
6. Wer ist Volt?
1. Urban ein typisches Volt
Seit seiner Gründung 2010 hat sich Volt von einem kleinen familiengeführten Unternehmen zu einem der führenden einheimischen E-Bike-Hersteller in Großbritannien entwickelt. Anfangs gehörten hauptsächlich E-Falträder und E-Bikes mit tiefem Einstieg zum Sortiment. Inzwischen sind Trekking-E-Bikes und sogar ein Hardtail-E-Mountainbike hinzugekommen. Ganz allgemein möchte Volt Mobilitätslösungen für einen urbanen Kontext anbieten, die im Vergleich zum Wettbewerb etwas weniger kosten. So sollen möglichst viele Menschen Zugang dazu bekommen.
Was der Hersteller konkret darunter versteht, lässt sich stellvertretend am vor kurzem präsentierten Volt Urban ablesen. Dieses City-E-Bike verzichtet auf Glitzer und Glamour. Stattdessen erhaltet ihr ein Modell, das sehr wenig Wartung erfordert, einen verlässlichen Antrieb nutzt und die Akkukapazität zugunsten eines leichteren Gewichts sowie des Fahrens von eher kürzeren Strecken bewusst in Grenzen hält. Davon abgesehen will es einfach nur ein praktisches Fahrrad sein. Volt hat seinen Stammsitz ja in London. Um hier im Bild zu bleiben, könnte man sagen, das Urban versprüht eher den Charme einer Arbeitergegend wie dem East End statt der Noblesse von Mayfair.
2. Vorreiter unter City-E-Bikes mit Bafang H730
Dieses gewisse Maß an Ehrlichkeit bedeutet allerdings nicht den Verzicht auf innovative Technik. Bestes Beispiel dafür ist der E-Antrieb mit dem Bafang H730. Im vergangenen Jahr haben wir diesen speziellen Hinterradnabenmotor bereits ausführlicher beleuchtet und dabei vermutet, dass urbane E-Bikes zu den ersten zählen dürften, an denen er auftauchen wird. Volt bewertet seine Qualitäten mit dem automatischen Schalten der drei Gänge anscheinend ähnlich. Deren Übersetzung von 0,76, 1,0 und 1,31 passt einfach gut zum Fahren in einer Stadt, in der es höchstens einmal moderat bergan geht und für die häufiges Anhalten und erneutes Anfahren typisch ist.

Wie gut das Wechseln der Gänge in der Praxis funktioniert, können wir leider nicht sagen. Dafür fehlen uns die Erkenntnisse einer Probefahrt mit dem System. Mit dem integrierten Drehmomentsensor gibt es aber zumindest schon einmal einen wichtigen Faktor, der bei gelungener Abstimmung für ein intuitives Anpassen an euer Fahrverhalten sorgen kann. Feststeht, dass die Integration von Motor und Schaltung in das Gehäuse der Hinterradnabe sich gerade bei feinstem britischem Regenwetter als großer Vorteil erweisen dürfte. Alles ist wunderbar vor der Witterung geschützt. Nichts kann verdrecken. Und durch die Kombination mit einem Carbonriemen gibt es nicht einmal eine Kette, die regelmäßig nach Pflege verlangt.

3. Urban Volt mit großer Reichweite und geringem Gewicht
Mit Blick auf seine Leistung von 250 Watt im Dauerbetrieb und dem maximalen Drehmoment von 50 Newtonmeter dürfte die Einheit aus Motor und Schaltung genügend Vortrieb, um euch schnell auf die 25 Kilometer pro Stunde zu beschleunigen, bei denen dann die Motorunterstützung endet. Den dafür nötigen Strom bezieht der Bafang H730 von einem im Unterrohr integrierten Akku. Dieser stammt von Panasonic und bietet eine Kapazität von 360 Wattstunden. Laut Volt ergeben sich daraus Reichweiten, die im Idealfall bis zu 90 Kilometer betragen. Für das Laden lässt sich der Akku seitlich aus dem Rahmen entnehmen.
Neben ihren praktischen Vorzügen bedeutet die Lösung von Bafang allerdings auch ein gewisses Zusatzgewicht. Immerhin wiegt die Einheit 3,6 Kilogramm. Trotzdem bleibt das Volt Urban mit 19,5 Kilogramm noch knapp unter der 20-Kilogramm-Marke. Dies schafft das Qwic Signal – ein durchaus vergleichbares City-E-Bike – nicht. Und dass, obwohl es mit dem Singlespeed-Antrieb nicht einmal eine Schaltung aufweist.
Gemein haben Qwic Signal und Volt Urban einen aus Aluminium gefertigten Rahmen. Beim letztgenannten E-Bike ist sogar ein Teil seiner Schweißnähte verschliffen. Das gilt für prominente Stellen wie Steuerrohr und Sitzrohr.
4. Im eigenen Sortiment abgeschaut
Das Design des Urban in der Variante mit dem Diamantrahmen erinnert an das des Volt London. Auffällig ist zum Beispiel das für Volt typische Sitzrohr, welches oben schmal beginnt und sich nach unten in Richtung Tretlager verbreitert. Das London erschien 2022. Es besaß noch einen klassischen Hinterradnabenmotor von Bafang. Trotz der Kombination mit einem Singlespeed-Antrieb wog es rund drei Kilogramm mehr als das Volt Urban. Ein Grund dafür definitiv sein massiver großer Frontgepäckträger. Interessanterweise kostete das Volt London mit 2.399 britischen Pfund damals genauso viel wie jetzt das neue Volt Urban. Die Summe entspricht ungefähr 2.767 Euro.
Neben dem Diamantrahmen gibt es vom Volt Urban noch eine Version als Tiefeinsteiger. Diese heißt Volt Urban LS. Beide bietet der Hersteller lediglich einer einzigen Rahmengröße an – und zwar 19 Zoll. Vermutlich bezeichnet der Wert die Länge von der Mitte des Tretlagers bis zur Oberkante des Sitzrohrs. Umgerechnet sind das ein wenig mehr als 48 Zentimeter. Volt lässt leider offen, für Menschen mit welcher Körperlänge dies empfehlenswert sein soll. Sowohl den Diamantrahmen als auch den mit tiefem Einstieg gibt es in den drei Farben Grey, Light Blue und Sand.

5. Guter Fahrkomfort und unerwartete Ladeoption
Angesichts des erwähnten Preises ist es durchaus beachtlich, wie viele nützliche Details Volt dem Urban mitgibt. So sucht ihr zwar eine Federgabel vergeblich, stoßt im Gegenzug aber auf eine gefederte Sattelstütze. Diese dämpft nicht nur bis zu einem gewissen Maß Erschütterungen während der Fahrt, sondern kann euch zudem das Auf- und Absteigen bei dem E-Bike erleichtern. Auf den Fahrkomfort zählt weiterhin ein Vorbau ein, bei dem ihr einstellen könnt, wie stark dieser aufragt und wie weit dadurch der Lenker vom Sattel entfernt ist. Vor dem Hintergrund der Einheitsrahmengröße erscheint uns dies als wichtige Komponente, mit der ihr besser zu der gewünschten Position auf dem E-Bike findet.

Etwas genauer muss man dann schon hinschauen, um den USB-C-Anschluss am E-Bike-Display zu entdecken. Ihr entdeckt ihn an der rechten Stirnseite des Displays. Falls es sich bei dem Display um das Bafang DP C245.CAN handelt, lädt es Smartphones, Fahrradcomputer und andere mobile Geräte mit einem zugegebenermaßen bescheidenen Ladestrom von 500 Milliampere auf. Andererseits ist das besser als nichts. Zumal ihr euer Smartphone dafür in der am Vorbau platzierten Quad-Lock-Halterung befestigen könnt.
James Metcalfe, Mitbegründer von Volt, sagt zum neuen Urban, man habe es „so konzipiert, dass der tägliche Weg zur Arbeit zu einem Erlebnis wird, das die Menschen wirklich genießen – einfach, flüssig und zuverlässig vom ersten Tritt in die Pedale an.“ Nach unserer Einschätzung stehen die Chancen gut, dass das Volt Urban diesem Anspruch gerecht werden kann.

Volt Urban im Überblick
- Modelle: Volt Urban, Volt Urban LS
- Rahmen: Aluminium
- Rahmengröße: 19 Zoll
- Motor: Bafang H730
- Akku: 360 Wh
- Bedieneinheit: n.a.
- Display: LCD
- Bremsen: Tektro Auriga E-Comp
- Gewicht: ca. 19,5 kg
- Maximal zulässiges Gesamtgewicht: n.a.
- Farben: Grey, Light Blue, Sand
- Preis: £2.399

6. Wer ist Volt?
Die in London angesiedelte Marke Volt tauchte 2010 erstmalig auf dem E-Bike-Markt auf. Mit dem fast namensgleichen Hersteller Volt Bikes aus Kanada ist das Unternehmen in keiner Weise verbunden. Volt legt Wert auf seine britische Herkunft und die Tatsache, dass alle eigenen Modellreihen im eigenen Werk in Milton Keynes gefertigt werden.
Anfangs trat das Unternehmen als klassischer Billiganbieter auf. Im Lauf der Jahre baute er ein großes Händlernetzwerk auf und hob das Niveau der eigenen Produkte stetig an. Beinahe folgerichtig erhielten Modelle von Volt seit 2020 verstärkt prominente Auszeichnungen. Im Jahre 2023 kürte das britische Branchenmagazin BikeBiz die Marke zur Marke des Jahres im Bereich Mikromobilität. Im selben Jahr zeichnete TechRadar das Volt Infinity als bestes E-Bike aus. Und das Volt London gehörte 2023 zu den Finalisten in der Kategorie „Best Electric Bike“ des britischen Lifestyle- und Technologiemagazins T3.
Bilder: Electric Bike Store Ltd.







