Wie lief das Fahrradjahr 2025 aus Sicht der Industrie? Gemischt, wie ein Blick auf die Zahlen des Vorjahres zeigt, die der Zweirad-Industrieverband ZIV jetzt zusammen mit dem Verbund Service und Fahrrad (VSF) und Zukunft Fahrrad präsentiert hat. So zog die Produktion im Inland etwa an, während Verkauf und Umsatz schwächer ausfielen als noch 2024. Man habe die Herausforderungen 2025 gespürt, sei als Fahrradwirtschaft jedoch stark und widerstandsfähig geblieben. Was das genau bedeutet, erfährst du hier im Überblick.
1. Welche Faktoren bestimmten das Verkaufsjahr 2025?
2. Wie viele E-Bikes wurden 2025 in Deutschland verkauft?
3. Wie viel Geld wird für ein E-Bike ausgegeben?
4. Was sind die beliebtesten E-Bike-Typen?
5. Wo kaufen die Menschen in Deutschland ihre E-Bikes?
6. Wie viele Fahrräder gibt es in Deutschland?
7. Wie viele E-Bikes wurden 2025 in Deutschland gefertigt?
8. Wie viele E-Bikes wurden 2025 aus Deutschland exportiert?
9. Wie viele E-Bikes wurden 2025 nach Deutschland importiert?
10. Prognose für 2026
1. Welche Faktoren bestimmten das Verkaufsjahr 2025?
Bei Fahrradherstellern, Teileproduzenten und Händlern herrschte im vergangenen Jahr eher schlechte Stimmung. Der von der Eurobike, dem Fachjournal Bike Europe sowie dem Marktforschungsinstitut IFH Köln ermittelte Global Bicycle Purchasing Index GBPI lag im Herbst 2025 mit 98,8 Punkten deutlich unter der neuralgischen Marke von 100 Punkten. Ein Grund dafür waren zum Beispiel sinkende Auftragszahlen. Zudem waren vielerorts die Lager von den Nachwehen der Corona-Krise noch immer zu gut gefüllt. Um hier Luft zu schaffen, wurde teilweise hart miteinander verhandelt. Daraus resultierten zum Beispiel sinkende Margen für alle Beteiligten.
Gleichzeitig bilanzierte das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung aus Nürnberg ein um lediglich 0,2 Prozent gestiegenes Bruttoinlandsprodukt für Deutschland. Die Ausgaben für den privaten Konsum stiegen um lediglich 1,4 Prozent an. Kommt dann bei den Menschen noch eine berufliche Unsicherheit hinzu, halten viele ihr Geld lieber zusammen.
2. Wie viele E-Bikes wurden 2025 in Deutschland verkauft?
Ziemlich genau zwei Millionen E-Bikes haben die Menschen 2025 in Deutschland gekauft. Im Vergleich zu 2024 bedeutet dies einen leichten Rückgang um 4,8 Prozent. Damals sind es noch 2,1 Millionen Stück gewesen.
Burkhard Stork, Geschäftsführer des Zweirad-Industrieverbandes ZIV, bewertet die Zahl positiv. Die etwas geringere Summe sie akzeptabel und kein Ausdruck einer „Mega-Krise“. „Wir verkaufen stabil“, betonte Stork auf der Pressekonferenz in Berlin. „Die Fahrbranche präsentiert sich viel resilienter als andere Industrien.“
Tatsächlich bewegt sich diese Kennziffer seit Beginn der Corona-Pandemie auf einem konstanten Niveau. Sie pendelt abwechselnd zwischen 2,2 Millionen und zwei Millionen verkaufter E-Bikes. Auch das Verhältnis zu den verkauften Fahrrädern ohne elektrische Unterstützung bleibt unverändert. Für das Jahr 2025 lag es erneut bei 53 Prozent für die E-Bikes und 47 Prozent für die herkömmlichen Fahrräder.

Der ZIV rechnet damit, dass sich die Anteile langfristig zu einem deutlicheren Übergewicht für E-Bikes entwickeln werden. Noch schlägt das Pendel jedoch nicht zu deutlich in diese Richtung aus. Grund dafür sind relativ starke Verkäufe bei den Fahrrädern. Nach eigener Aussage haben die selbst den Industrieverband ein wenig überrascht. Wie der VSF bestätigte, kurbelten vor allem Gravelbikes, Rennräder und Cyclocrosser diesen Teil des Geschäfts spürbar an.

3. Wie viel Geld wird für ein E-Bike ausgegeben?
Ein in Deutschland gekauftes E-Bikes hat 2025 durchschnittlich 2.550 Euro gekostet. Das sind ein Minus von 3.8 Prozent und genau 100 Euro weniger als 2024. Auf den Preis gedrückt haben laut ZIV in erster Linie zahlreiche Rabattaktionen. Mit denen haben Unternehmen versucht, bereits ältere Modelle aus den Lagern zu bekommen. Zudem würden die Menschen hierzulande angesichts einer angespannten wirtschaftlichen Lage und der zahlreichen geopolitischen Krisen stärker sparen als in anderen Zeiten.
Erfreulicher sieht die Bilanz für Fahrräder aus. Bei denen zeigte sich der Durchschnittspreis überraschend stabil. Teurere Renn- und Gravelräder hätten die Summe bei 500 Euro gehalten, was dem Wert des Vorjahres entspricht.

4. Was sind die beliebtesten E-Bike-Typen?
Nach wie vor kaufen die Menschen in Deutschland am liebsten ein E-Mountainbike. Mehr als jedes dritte verkaufte E-Bike zählt zu dieser Kategorie. Den Gründen für die Beliebtheit geht der ZIV in seiner Analyse nicht nach. Einen Ausschlag könnte beispielsweise die Konsequenz sein, mit der Hersteller wie Bosch die Weiterentwicklung ihrer für diesen Einsatzzweck geeigneten Motoren vorantreiben. Vielleicht hat sogar das Erscheinen starker neuer Antriebssysteme wie des DJI Avinox zusammen mit dem Erscheinen entsprechender neuer Bikes von Amflow, Crussis, Atherton und Co. einen Einfluss darauf.
Mit dem E-Trekkingbike, dem E-Citybike und dem E-Lastenfahrrad folgen auf den Plätzen zwei bis vier der Verkaufsschlager E-Bikes, die stark im Alltagsleben und der Freizeitgestaltung der Menschen verwurzelt sind. Etwas unerwartet könnt für manche sein, dass der Siegeszug von E-Rennrad und E-Gravelbike für den Moment erst einmal auf sich warten lässt. Beide galten als Kandidaten, die sich in den kommenden Jahren größere Marktanteile sichern sollten. In 2025 blieben sie bei einem Anteil von 1,5 Prozent für das E-Gravelbike und 0,5 Prozent für das E-Rennrad noch ganz klar in der Nische stecken.
Ihren Platz nachhaltig gesichert scheinen sich dagegen die E-Lastenfahrräder zu haben. Ihre verkaufte Menge pegelt sich in den zurückliegenden drei Jahren robust bei rund 185.000 Stück ein. Anscheinend setzen sich die jeweiligen Konzepte mit dem Fokus auf dem Transport von Gepäck oder das Befördern von Menschen tatsächlich durch.

5. Wo kaufen die Menschen in Deutschland ihre E-Bikes?
Die Deutschen kaufen ein E-Bike am häufigsten in einem klassischen stationären Fahrradladen. Ziemlich genau zwei von drei E-Bikes fanden 2025 auf diesem Wege ihre Besitzerin oder ihren Besitzer. Alles deutet darauf hin, dass ein ausführliches Testen des E-Bikes und die kompetente Beratung vor Ort zwei Argumente sind, die Interessierte zu dieser Entscheidung bewegen. Im Jahr davor, also 2024, lag der Anteil sogar noch bei exakt 70 Prozent.
Mit großem Abstand dahinter und gleichzeitig als unangefochtener zweiter Platz folgt der Online-Verkauf des Fachhandels. Er wuchs von 20 Prozent auf nun 23,8 Prozent. Ein Grund für den Anstieg liegt in der Tatsache, dass immer mehr stationäre Läden ihr Geschäft verstärkt im Internet ausbauen. Vermutlich wird sich dieser Trend in den kommenden Jahren fortsetzen.
Supermärkte, Baumärkte und andere Unternehmen im Einzelhandel bietet ebenfalls E-Bikes an. Deren Anteil am Absatz sinkt jedoch zusammengenommen. Vor allem das Online-Geschäft ist rückläufig.
6. Wie viele Fahrräder gibt es in Deutschland?
Auf rund 17,2 Millionen Stück schätzt der ZIV die Anzahl der E-Bikes für 2025 in Deutschland. Das sind rund 1,5 Millionen mehr als noch 2024. Da im gleichen Zeitraum mehr als zwei Millionen E-Bikes verkauft wurden, müssen folglich rund eine halbe Million entsorgt worden sein. Mit letzter Sicherheit lässt sich dies jedoch nicht sagen. Schließlich beruhen die Angaben des ZIV auf Hochrechnungen. Eine statistisch verlässlichere Erhebung dieser Statistik gibt es aktuell nicht.
E-Bikes und herkömmliche Fahrräder kommen in Deutschland zusammen auf 90,6 Millionen Stück. Zumindest ist die Zahl für 2025. Bei rund 83,5 Millionen Menschen in diesem Land bedeutet dies jedoch nicht, dass alle mindestens ein eigenes Fahrrad besitzen. Stattdessen haben viele Menschen gar keines und andere mehrere. Der ZIV sieht den Trend bei den Fahrradfahrenden zum zweiten und dritten Fahrrad nach eigener Aussage ungebrochen.

7. Wie viele E-Bikes wurden 2025 in Deutschland gefertigt?
Einbußen musste 2025 auch die Produktion von E-Bikes und herkömmlichen Fahrrädern vor Ort hinnehmen. Bei den E-Bikes standen am Ende rund 1,3 Millionen in Stück zu Buche – und damit rund drei Prozent weniger als im Jahre 2024. Da die Anzahl der in Deutschland gefertigten Fahrräder sich kaum änderte, fiel der Rückgang überschaubar aus. Damit erreicht die Fertigung ein Niveau, das ungefähr auf dem von 2018 und 2019 liegt, spricht einer Zeit vor den Boom-Zeiten der Corona-Pandemie.
Anderes gilt für die Produktionsstätten deutscher Unternehmen im Ausland. Sie wurden spürbar weniger ausgelastet. Statt 480.000 Einheiten aus 2024 entstanden 2025 nur noch 280.000. Das ist ein kräftiges Minus von 42 Prozent. Rechnet man die Summen der deutschen Unternehmen in In- und Ausland zusammen, relativiert sich der Rückgang auf neun Prozent beziehungsweise 2,22 Millionen E-Bikes und Fahrräder.

8. Wie viele E-Bikes wurden 2025 aus Deutschland exportiert?
Mit rund 650.000 Stück wurden 2025 aus Deutschland so viele E-Bikes ins Ausland ausgeführt wie nie zuvor. Die bisherige Rekordsumme von 610.000 E-Bikes war zuletzt 2023 erreicht worden. Im Vergleich zu 2024 bedeutet des Allzeithoch ein Plus von zwölf Prozent.
Rund 85 Prozent der E-Bikes werden innerhalb der Länder der Europäischen Union verkauft. Der mit Abstand größte Teil davon geht mit 23 Prozent in die Niederlande. Dahinter folgen in der Rangliste Frankreich mit zwölf Prozent auf Platz zwei und Österreich mit elf Prozent auf Platz drei.
9. Wie viele E-Bikes wurden 2025 nach Deutschland importiert?
Im dritten Jahr in Folge nimmt die Anzahl der E-Bikes ab, die als Import nach Deutschland gelangen. Von 860.000 Stück aus dem Jahre 2024 ging es für 2025 auf 780.000 zurück. Das ist ein Minus von 9,4 Prozent. Zieht ihr 2023 heran, tritt der momentane Trend noch deutlicher hervor. Damals importierte Deutschland mit ungefähr 1,22 Millionen E-Bikes beinahe die doppelte Menge. Einen Grund für diese Entwicklung sieht der ZIV in der geringeren Nachfrage.
Analog zu den Exporten ist die EU auch in Bezug auf die Importe der wichtigste Handelspartner von Deutschland. Knapp drei Viertel der E-Bikes stammen von dort. Wirft man allein einen Blick auf die Länder, zeigt sich Tschechien mit einem Anteil von 18 Prozent als wichtigstes Herkunftsland. Je zwölf Prozent der Importe entfallen auf die Niederlande sowie Vietnam.

10. Prognose für 2026
Nach Einschätzung von ZIV, VSF und Zukunft Fahrrad hat sich die hiesige Fahrradwirtschaft auf hohem Niveau stabilisiert. Von dieser Basis ausgehend könne den Markt künftig innovativ und dynamisch weiterentwickeln. Dabei soll ein Fokus auf der Gewinnung neuer Zielgruppen liegen. Von besonderem Interesse seien Frauen und Kinder. Von der Politik erhofft sich die Branche Unterstützung bei der Schaffung der nötigen Rahmenbedingungen mit mehr Sicherheit im Fahrradalltag und der Gleichbehandlung bei den Förderungen der Verkehrsmittel.
Bilder: ZIV Zweirad-Industrie-Verband




