E-Bike Vanmoof V

Modell V von Vanmoof: Ein Bike schreit „Hyper, hyper!“

Anfang dieser Woche hat der niederländische Hersteller Vanmoof mit markigen Worten auf sich aufmerksam gemacht. Er kündigte an, im nächsten Jahr erstmals ein S-Pedelec auf den Markt bringen zu wollen. Das Vanmoof V soll jedoch kein gewöhnliches S-Pedelec sein, sondern ein „Hyper Bike“. In einer Mitteilung spricht das Unternehmen von einer „Revolution der Kategorie der High-Speed Bikes“. Es werde die „Fortbewegung in Städten völlig neu definieren“. Nun, zumindest soll es euch bis zu einer Geschwindigkeit von 50 km/h unterstützen.

E-Bike Vanmoof V in der Seitenansicht

Hyper Bike „V“ von Vanmoof V

Hyper Bike, S-Pedelec oder was?

Allein dieser Umstand verdeutlicht, in welchen Dimensionen die Firmengründer Taco und Ties Carlier planen. Schließlich gibt es derzeit kein Land in Europa, in dem die Motorunterstützung eines S-Pedelec überhaupt über 45 km/h hinausgehen dürfte. Nicht, ohne gegen geltendes Recht zu verstoßen. Vielleicht grenzt sich der Hersteller deshalb ganz bewusst sprachlich ab und bringt die Bezeichnung „Hyper Bike“ ins Spiel. Denkbar wäre auch, dass, wer mit dem Vanmoof V tatsächlich sich so schnell vom Motor antreiben lassen möchte, das Gefährt in einer ganz anderen Fahrzeugklasse anmelden soll. In Deutschland gehören S-Pedelecs der Klasse L1-eB an. Diese deckt die von Vanmoof anvisierte Motorpower nicht ab.

Entscheidende Bedeutung dürfte an dieser Stelle dem kleinen Wort „bis“ zukommen. Über eine integrierte Geschwindigkeitsanpassung soll sich das Speedlimit am „V“-Modell regeln lassen. Ausschlaggebend seien lokale Richtlinien und die Registrierung des E-Bikes? Wer aber stellt die gesetzeskonforme maximale Unterstützung ein? Auf welche Weise? Geschützt vor jeglichen Manipulationsversuchen? Auf diese Punkte geht der Hersteller momentan nicht näher ein.

Auf überschaubares Marktsegment ausgerichtet

Aus wirtschaftlicher Sicht überrascht der Schritt von Vanmoof ebenfalls. Immerhin stellen S-Pedelecs eine absolute Nische unter den Pedelecs dar. Bei nicht einmal einem Prozent der 2020 in Deutschland verkauften E-Bikes handelte es sich um ein S-Pedelec. Andere europäische Staaten können mit höheren Zahlen aufwarten. Belgien verzeichnete etwa 12.000 Neuzulassungen im vergangenen Jahr. In der Schweiz waren nach Angaben des Verbandes VeloSuisse 3,9 Prozent aller verkauften 2020 Fahrräder ein S-Pedelec. Beide Länder gelten als Vorreiter in Sachen S-Pedelec-Nutzung und haben im Vergleich zu Deutschland deutlich nutzerfreundlichere Rahmenbedingungen, was das Befahren von Radwegen oder das Vergüten von Arbeitswegen in Bezug auf diese Art von Bikes anbelangt.

Vorsicht bei Änderungswünschen

Motorunterstützung bis zu Geschwindigkeiten nahe der 50 km/h mag für einige Menschen sehr verlockend klingen. Nach aktueller Gesetzeslage will diese Entscheidung aber gut überlegt sein. Das Vanmoof V ist nämlich mit lediglich einer Rahmengröße angekündigt. Diese soll für Menschen mit einer Körpergröße von 165 Zentimetern bis 205 Zentimetern eine passende Sitzposition gewährleisten. Andere Fahrradhersteller decken diese Spanne mit drei, vier oder gar fünf verschiedenen Rahmengrößen ab. Wohlwissend, dass jede Einheitsgröße den Fahrenden Kompromisse abverlangt.

Hinzukommt die Sonderregelung für ein S-Pedelec. Möchtet ihr serienmäßig gelieferte Teile wie Lenker, Griffe oder Sattel gegen euch angenehmere Varianten tauschen, ist dies alles genehmigungspflichtig. Die Komponenten müssen technisch abgenommen und als Änderung im Fahrzeugschein vermerkt werden. Verwaltungsaufwand und Kosten tragt ihr. Schließlich wird ein Hyper Bike nicht mehr als Fahrrad gelten.

Mächtiger Kraftprotz

Aus technischer Sicht besticht die Ankündigung dagegen mit einigen bemerkenswerten Details. Vieles davon kennt man bisher von keinem Bike dieses Herstellers. Ein gänzlich neu entwickelter Rahmen vermittelt durch eckige Rohre einen äußerst robusten Eindruck. Aus dem hinteren Ende des Oberrohrs lugt die massive Feder eines Dämpfers hervor, die dies noch einmal potenziert. Die Federgabel und enorm breit gewählte Reifen sprechen ebenfalls dieselbe Sprache. Da kommt auf alle Fälle ein Gefährt auf uns, das sich nicht so leicht aus der Spur bringen lassen wird.

Allerdings gilt es auch Einiges auszuhalten. Immerhin kommt das neue Flaggschiff mit zwei Motoren daher. Richtig gelesen: mit ZWEI Motoren. Verbaut sind sie jeweils in der Vorderrad- und Hinterradnabe. Maximal ein Kilowatt sollen beide gemeinsam leisten. Die dafür nötige Energie liefert ein Akku mit 700 Wattstunden an Kapazität. Das sind rund 200 Wattstunden mehr, als die aktuellen Pedelecs S3 und X3 bieten. Bisherige Abbildungen legen nahe, dass am Ende eine fest im Rahmen verbaute Lösung zum Zuge kommt. Obendrauf gibt es noch eine Schaltautomatik. Mal sehen, ob Vanmoof manches davon auch in den nächsten Versionen der Pedelecs integriert.

Interessenten müssen sich gedulden

Angesichts der angekündigten Ausstattung erscheinen die genannten rund 3.500 Euro als Preis relativ fair. Das endgültige Urteil darüber wird sicher erst das Fahrerlebnis erlauben. Offiziell befindet sich das Vanmoof V noch in der Entwicklungsphase.

Daher verwundert es kaum, dass der Hersteller die eigentliche Markteinführung erst für das Ende 2022 anvisiert. Jetzt schon derart offensiv die Werbetrommel dafür zu rühren, kann getrost als mutig bezeichnet werden. Denn reservieren könnt ihr das Bike ab sofort. Vorausgesetzt, ihr fahrt bereits ein Modell von Vanmoof. Zugriff haben nämlich zuerst diejenigen, die Kundin und Kunde sind. Alle anderen müssen von nun an die Webseite des Herstellers checken. Dort sollen regelmäßig öffentlich zugängliche Reservierungscodes veröffentlicht werden. Gegen eine Gebühr von 20 Euro. Dafür, dass zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht einmal verlässlich klar ist, wo und unter welchen Rahmenbedingungen ihr mit dem Bike fahren dürft, mutet auch diese Entscheidung etwas eigenwillig an.

 

Bilder: Vanmoof

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