Smartphones natürlich. Tablets auch. Smartwatches und Kopfhörer. Sogar so manche Spielkonsole. All diese Geräte lassen sich kabellos laden. Elektrische Geräte, die den für den Betrieb nötigen Strom typischerweise von einem integrierten Akku beziehen. Genau wie beim E-Bike. Damit müssten sich doch auch Fahrräder mit einem E-Antrieb kabellos aufladen lassen, oder? Ja genau, sagt ein Unternehmen aus den Niederlanden und hat eine kabellose Ladestation entwickelt.
1. Akku kabellos und induktiv über den Fahrradständer laden
2. Tiler Ladestation: Pro & Contra
3. Von der Uni in die Praxis
4. Lösung bald auch in Deutschland erhältlich?
1. Akku kabellos und induktiv über den Fahrradständer laden
Sie ähnelt ein wenig einer Kachel und ist etwa so groß wie ein Pflasterstein – die Ladestation von Tiler. Seine Ladekachel nennt das aus Delft stammende Unternehmen, angelehnt an die englische Übersetzung, genau wie sich selbst, einfach Tiler. Mit ihr lässt sich der Akku eines E-Bikes kabellos laden. Und das funktioniert sogar automatisch.

Zur Lösung von Tiler gehören die erwähnten Ladestation und ein spezieller Seitenständer. Diesen montiert ihr an eurem E-Bike. Das bedeutet, gegebenenfalls müsst ihr dafür den vielleicht schon vorhandenen Ständer zuvor abbauen. Über den Ständer fließt der Strom zum Akku. Ein entsprechendes Adapterkabel verbindet beide miteinander. Je nach Art des vorhandenen Akkus könnt ihr das Adapterkabel zum Kabelbaum des E-Bikes hinzufügen, es geschickt am Rahmen befestigen oder in einen externen Ladeanschluss einstecken.

Die Ladekachel muss natürlich irgendwie an das Stromnetz angeschlossen werden. Dafür genügt das Verbinden mit einer handelsüblichen Haushaltssteckdose und einem Anschluss von 230 Volt und 16 Ampere. Wollt ihr den Akku induktiv laden, stellt ihr das E-Bike so ab, dass der Ständer im speziell gekennzeichneten Bereich auf der Kachel steht. Links leuchten fünf LEDs in einer Leiste der Kachel auf, sobald der Ladevorgang startet. Anhand der Anzahl der leuchtenden LEDs lässt sich der Ladefortschritt nachvollziehen. Übrigens, eine Haushaltssteckdose kann bis zu 24 Ladekacheln mit Strom versorgen, während diese gleichzeitig mit voller Leistung laden. Da sich mehrere Kachel zu einer größeren Einheit verbinden lassen, würde sich das auch als Option für die gesamte Familie anbieten. 😊
2. Tiler Ladestation: Pro & Contra
Großer Vorteil des kabellosen Ladens mit einer Station von Tiler ist auf alle Fälle die Tatsache, dass ihr den Akku jederzeit im beziehungsweise am E-Bike belassen könnt. Damit sinkt die Gefahr, dass er euch beim Herausnehmen aus dem Fahrrad oder dem Einsetzen versehentlich herunterfällt und dabei Schaden nimmt. Solche Ereignisse können Auslöser für den späteren Brand eines Akkus sein. Zudem brauch ihr zum nicht extra ein Ladegerät aus dem Schrank holen oder von einem andere n Ort holen und erst anschließen. Stattdessen stellt ihr das E-Bike ab und dem Moment beginnt auch schon das Laden. Dies funktioniert dann genauso schnell wie mit einem herkömmlichen Ladegerät. Bei eigenen Versuchen hat Tiler einen leeren Akku mit einer Kapazität von 500 Wattstunden innerhalb von 3,5 Stunden vollständig aufgeladen.
Trotzdem gibt es auch die eine oder andere Einschränkung. Die Größte ist der Umstand, dass nicht alle Menschen solch eine Ladekachel problemlos dort platzieren können, wo sie gewöhnlich ihr E-Bike laden oder einfach abstellen. Gleich darauf folgt der Zwang zu einem Fahrradständer. Manche von uns wollen einfach keinen an ihrem E-Bike. Und an manchen E-Bikes lässt sich wiederum keiner installieren. Außerdem geht aus den Informationen von Tiler nicht hervor, ob der Ladevorgang automatisch stoppt, sobald der Akku 100 Prozent Ladung erreicht hat. Falls nicht, müsstet ihr die Zeit im Blick behalten und das E-Bike rechtzeitig von der Ladestation trennen. Zu guter Letzt stellt sich die Frage, was mit dem jetzt überflüssigen Ladegerät passiert?

Kabellose Ladestation Tiler im Überblick
- Ladeleistung: 150 W
- Ladezeit: 3,5 Stunden für Akku mit 500 Wh
- Abmessungen: 260 mm x 245 mm x 15 mm
- Gewicht: 2 kg
- Schutzgrad: IP67
3. Von der Uni in die Praxis
Davon abgesehen wirkt das System aber sehr ausgereift. Entwickelt wurde die Technologie an der Fakultät für Elektrotechnik, Mathematik und Informatik der Technischen Universität Delft. Bereits 2016 entstand eine erste Generation des Tiler. Im Vergleich damit weist die neueste Version viele Verbesserungen auf. Die Kachel ist dünner und muss nicht mehr fest im Boden verankert werden. Früher erforderte der Ladevorgang noch weiteres Kabel. Heute kann der Hersteller bessere Leistungselektronik verbauen, wodurch das System mit mehr E-Bike-Systemen als früher kompatibel ist. Zudem sanken die Kosten für die Fertigung, sodass der Verkaufspreis statt 800 Euro jetzt nur noch 250 Euro beträgt.
Mit seiner Lösung hatte sich das Unternehmen vor allem auf größere Unternehmen und Bike-Sharing-Anbieter konzentriert. Aktuell orientiert sich Tiler jedoch um und richtet sich auch direkt an Privatpersonen. Dies liegt schlicht daran, dass der bei weitem größte Anteil der E-Bikes in den Niederlanden privat genutzt wird. Folglich steckt in diesem Markt ein wesentlich größeres wirtschaftliches Potenzial.

4. Lösung bald auch in Deutschland erhältlich?
Tiler fertigt derzeit zwei verschiedene Produkte – Tiler Compact und Tiler Cube. Beim Ersten handelt es sich um die eigentliche Ladestation. Tiler Cube ist ein kompaktes Ladegerät, das speziell für Cargobikes entwickelt wurde. Es lässt sich an einem massiven Zweibeinständer eines E-Lastenfahrrades montieren. Den Preis für die Ladekachel inklusive Ständer gibt der Hersteller 250 Euro an. Den Ständer wird es auch einzeln zu kaufen geben. So könnt ihr eine Ladestation für mehrere E-Bikes nutzen. Über dessen Preis als auch über den für Tiler Cube wissen wir jedoch nichts.

Das könnte sich schon bald ändern. Dafür sollte aber die aktuell auf CrowdCube laufende Crowdfunding-Kampagne von Tiler Erfolg haben. Das Unternehmen möchte auf dem Wege Geld sammeln, um die Markteinführung des neuen Systems in 2026 zu finanzieren. Nach eigener Aussage muss das Produkt noch zertifiziert werden, damit es später das CE-Zeichen erhält. Zusätzliche Finanzmittel kommen aus Forschungszuschuss, den das Start-up zugesprochen bekommen hat. Daneben ist Tiler nach eigener Aussage mit Investoren und Produktionspartnern in Gesprächen, um die weitere Entwicklung zu gestalten. Ziel dabei ist unter anderem, die künftige Produktion überwiegend in Europa anzusiedeln. Im nächsten Jahr soll dann der Markteintritt in den Niederlanden gelingen. Anschließend würde der Hersteller gern sein Geschäft auf Deutschland, Frankreich, Großbritannien und Skandinavien ausdehnen. Und auch die Pläne für die Installation größerer Ladeflächen, gern auch im öffentlichen Raum, sind längst nicht vom Tisch.
Wichtige Schlussbemerkung für alle, deren Interesse jetzt geweckt ist: Derzeit könnt ihr die Ladelösung an E-Bikes nutzen, deren Antriebe unter anderem von Bosch, Bafang, Gobao, Yamaha und Zehus stammen. Weitere kompatible Marken erfahrt ihr direkt von Tiler.
Bilder: Tiler B.V.




