Superstrata E: Federleicht und einfach ausgedruckt

E-Bike Superstrata E Beach

Superstrata E: Federleicht und einfach ausgedruckt

Manchmal genügt ein Blick und sofort ist klar: Hier kommt etwas Besonderes. Beim Superstrata E, dem ersten E-Bike von Superstrata, ist das definitiv der Fall. Kein Sitzrohr. Alle anderen Rohre dennoch auffallend dünn. Keinerlei Kabel oder Züge zu sehen. Das soll ein E-Bike sein? Ja, und zwar eines des leichtesten der Gegenwart. Ganze 1,7 Kilogramm bringt der Rahmen auf die Waage – auch wenn unklar ist, ob die Gabel dazugerechnet wurde. Unter dem Strich stehen elf Kilogramm Gesamtgewicht für ein komplettes E-Bike mit 28-Zoll-großen Laufrädern. Das ist eine Ansage.

Carbon zum Abheben

Das Geheimnis liegt im Rahmenmaterial. Superstrata nutzt einen ganz speziellen Kohlenstofffaser-Verbundwerkstoff. Das Unternehmen aus Kalifornien spricht von einem speziellen thermoplastischen Carbon, welches in der Raumfahrt Verwendung findet. Im Gegensatz zu duroplastischen Harzen wie Epoxid soll es sogar recyclebar sein. In jedem Falle wird es nicht wie üblich in Schichten übereinandergelegt, sondern kommt direkt aus dem 3D-Drucker. Das Ergebnis ist eine Oberfläche ohne jeden Spalt, ohne jede Kante. Schrauben, Nähte, Leim, andere Verbindungselemente – das sucht ihr hier alles vergeblich. Laut Superstrata handelt es sich weltweit um den ersten Fahrradrahmen, der per 3D-Druck aus Carbonfasern aus einem Stück gefertigt ist.

E-Bike Superstrata E in seine Einzelteile zerlegt

Beim Superstrata E könnt ihr Lenkerform, Laufradsatz und vieles mehr konfigurieren.

Ist das wirklich eine gute Idee, fragen sich vielleicht manche von euch. Aus einem derart anspruchsvollen Werkstoff ein solch stark belastetes Werkstück wie ein Fahrradrahmen konstruieren? Schließlich ist dieser simultan Stoß-, Zug-, Druck-, Torsions- und Vibrationskräften ausgesetzt. Wiener Mondesir, Mitbegründer und CTO bei Superstrata, greift derartige Vorbehalte direkt auf. Carbon werde schon seit Jahrzehnten im Radsport eingesetzt. Es gelte als leicht und wunderbar formbar, sagt er in einem Video. Aber eben auch als sehr anfällig für Risse oder sogar Brüche im Rahmen. Mitunter genüge ein Schlag und ein Bike für 10.000 Euro ist plötzlich nur noch die Anbauteile wert.

Laut Mondesir hat Superstrata dieses Problem gelöst. Und in bester US-amerikanischer Marketingmanier verkünden sie das lauthals. Das eigene Spezial-Carbon sei 61-mal stabiler als Stahl, 15-mal stabiler als Titanium, 1,5-mal stabiler als Kevlar.

Optik von bekanntem Star-Designer

Nachprüfen lässt sich das an der Stelle nicht. Das futuristische Design würdigen können wir dagegen schon. Superstrata hat dafür mit dem bekannten Industriedesigner Bill Stephens von StudioWest zusammengearbeitet. Stephens gilt als absoluter Expertes seines Faches. Seine Entwürfe haben mehrfach internationale Preise eingeheimst. Allein die vier Eurobike Gold Awards sprechen für sich. Hersteller wie Niner, Factor, Yeti, Cannondale, Marin und LeMonde haben bereits auf seine Dienste zurückgegriffen. Unter anderem hat er ein Rennrad entworfen, dessen Fahrer die Tour de France gewann.

E-Bike Superstrata E

Aus einem Guss: Der Rahmen des Superstrata E wirkt beeindruckend filigran.

Stephens startete 2017 die Kooperation mit Superstrata. Noch im selben Jahr stellte er das erste Concept Bike vor. Dessen Rahmen bestand noch aus drei Einzelteilen. Der erste fahrbare Entwurf sah im Januar 2018 die Straße. Auf der Ausgabe des Sea Otter im Mai 2018 gab es bereits den zweiten Entwurf zu sehen. Bei der jetzt präsentierten Version des Bikes handelt es sich nach Angaben von Superstrata um die siebte Fassung. Vom Beginn geblieben sind die abgeflachten Rohre, weil dies die Herstellung im 3D-Druck erleichtert. Neuer dagegen sind Details wie das im Steuerrohr eingelassene Frontlicht. Dieses sieht recht chic aus. Vom Winkel her verstellen könnt ihr es natürlich nicht, was sich schnell eher als Nachteil erweisen kann. Ihr merkt schon, trotz aller Formschönheit hat dieses E-Bike natürlich auch Schwächen. Zum Beispiel fehlen Aufnahmen am Rahmen für Taschen oder Flaschenhalter. Dabei eigne sich das Superstrata E für die Straße sowie als Gravel- und Tourenbike. Wird dann wohl nur eine kurze Tour.

 

Wird das E-Bike der Zukunft gedruckt und nicht geschweißt und geklebt?

Neben dem Design könnte vor allem die Fertigung des Superstrata aufzeigen, wohin sich die Fahrradproduktion in absehbarer Zeit entwickeln könnte. Der 3D-Druck wischt bekannte Muster einfach beiseite. Ihn zeichnet beispielsweise eine wesentlich agilere Entwicklungsphase aus. Einfach entwerfen, drucken, testen, ändern, drucken, testen. Und irgendwann folgt dann nur noch drucken, verkaufen, drucken, verkaufen. Die Vorteile für die Unternehmen liegen auf der Hand. Sie sind mit ihren Produkten schneller am Markt. Investments fallen generell geringer aus. Auf neue Trends aus dem Markt lässt sich schneller reagieren.

Wovon ihr profitieren könnt, beweist Superstrata schon heute. Das Superstrata E ist nämlich in keiner festgelegten Rahmengröße bestellbar. Ihr sendet einfach eure entsprechenden Körpermaße inklusive bevorzugter Sitzposition und Charakteristik des Bikes an das Unternehmen. Auf dieser Grundlage bekommt ihr von dort ein E-Bike mit einem maßgefertigten Rahmen. Das soll für Menschen mit Körpergrößen von 1,40 m bis 2,20 m funktionieren.

Das E-Bike Superstrata E lässt sich auch als Gravel-Bike konfigurieren.

Das E-Bike Superstrata E lässt sich auch als Gravel-Bike konfigurieren.

Technische Details zum E-Antrieb noch vage

Während solche Informationen bereitwillig auf den Internetseiten ausgebreitet werden, bleiben andere zentrale Angaben etwas vage. Das betrifft beispielsweise die, bei einem E-Bike nicht ganz unwichtigen, Komponenten des elektrischen Antriebs. Verbaut ist ein Hinterradnabenmotor, der 250 Watt leistet. Hersteller unklar. Beim Akku ist die Entscheidung wohl bisher noch nicht gefallen. Fest steht anscheinend nur, dass die Zellen dafür von Samsung, Panasonic und LG kommen und für 125 Wattstunden sorgen. Integriert ist der Akku im Unterrohr. Herausnehmbar wird der aufgrund der Konstruktionsweise des Rahmens sicher nicht sein. Wo eine Anschlussbuchse für das Ladegerät platziert ist, geht aus dem veröffentlichten Bild- und Videomaterial nicht hervor.

Im Original für den US-amerikanischen Markt bietet der Motor eine Unterstützung bis zu 32 km/h. Die EU-konforme Version wird auf 25 km/h gedrosselt sein. Was das unter dem Strich für die Reichweite bedeutet, lässt sich hier nicht sagen. An sich rechnet Superstrata mit einer Reichweite von maximal 96 Kilometern. Ist der Akku dann erschöpft, könnt ihr ihn innerhalb von zwei Stunden wieder komplett aufladen. Das entsprechende Ladegerät kommt mit sieben Amperéstunden daher.

Bei der Frage, Kettenschaltung oder Nabenschaltung, habt ihr alle Freiheiten. Online zeigt Superstrata verschiedene Ausstattungsvarianten. Darunter sind auch Antriebe mit Gates Carbon-Riemen. Was genau dort für euch wählbar ist, erfahrt ihr wohl erst nach der Bestellung genauer. Auf dem Datenblatt spricht der Hersteller lediglich von Shimano-Gruppen.

Per Crowdfunding ordentlichen Rabatt sichern

Wen die Fragezeichen nicht abschrecken, kann sich noch bis Mitte August eines dieser Hingucker sichern. So lang läuft die derzeitige Crowdfunding-Kampagne von Superstrata auf Indiegogo. Gestartet ist das Vorhaben zumindest sehr vielversprechend. In den ersten beiden Tagen fanden sich bereits rund 1.300 Unterstützer, die insgesamt US $1,875,898 vorgestreckt haben. Die Bikes gibt es in dem Rahmen zu deutlich reduzierten Preisen. Das günstigste Superstrata E ist von US $3.999 auf US $1.999 gesenkt. Das entspricht 1.724 Euro. Pünktlich zu Weihnachten könnte dann ein Exemplar bei euch unter dem Baum stehen. Für den Dezember ist die erste Versandwelle angekündigt. In dem Zusammenhang nicht vergessen: Zum Kaufpreis kommen noch die Versandkosten von mindestens US $199 und die Zollgebühren bei der Einfuhr hinzu.

Mit den Einnahmen der Kampagne möchte Superstrata die Serienproduktion finanzieren. Außerdem gibt es etliche Ideen zu Weiterentwicklung der Bikes. Dazu gehören u. a. eine Anti-Diebstahlsicherung, zusätzliche Motorvarianten, ein integriertes GPS, die optionale Kraftmessung im Pedal, ein Ladeanschluss für euer Smartphone und das Aufzeichnen der Fahrten.

Hintergrund: Superstrata steht drauf, Arevo steckt drin

So richtig notwendig hätte Superstrata die Sammelaktion vermutlich nicht. Hinter dem Namen verbirgt sich nämlich nur eine Marke. Eigner ist ein Unternehmen namens Arevo. Die Firma aus Milpitas, Kalifornien, vor den Toren von San Jose, verdient ihr Geld hauptamtlich mit im 3D-Druckverfahren hergestellten Produkten für die Raumfahrt und das Militär. Sie profitiert nicht nur von den Erkenntnissen, die dortige Forschungs- und Entwicklungsabteilungen sammeln, sondern verfügt eben auch über das nötige Kleingeld, um ein Projekt wie Superstrata erfolgreich zu stemmen.

Bilder: Arevo Inc.

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