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Mit dem Fahrrad zur Arbeit pendeln

Studie empfiehlt: Pendle mit dem E-Bike und werde gesünder

Hin und wieder werden E-Bike-Fahrende im Alltag von anderen Menschen sicher immer noch belächelt. Zum Beispiel, wenn es darum geht, ob sich das Fahren mit der Unterstützung des Motors überhaupt positiv auf den Körper auswirkt. Die ganze Arbeit verrichtet doch der elektrische Antrieb, heißt es mitunter. Eine Studie aus den USA zeigt, wie unberechtigt diese Annahme ist.

Im Land der unbegrenzten Möglichkeiten haben viele Menschen ihre Bewegung auf ein sehr begrenztes Maß heruntergeschraubt. Die meisten Erwachsenen sitzen am Tag länger, als dass sie sich körperlich betätigen. Auf die vom US-Amerikanischen Gesundheitsministerium empfohlenen mindestens 150 Minuten pro Woche an moderater körperlicher Belastung kommt nur noch eine Minderheit der Bevölkerung. Die Gründe dafür klingen hierzulande ganz ähnlich: Autofahren ist viel bequemer. Sitzen gehört zu meinem Job. Für Sport oder ähnliches bleibt nicht genügend Zeit. Forschende der Miami University – entgegen ihres Namens in Oxford im US-Bundesstaat Ohio beheimatet und nicht etwa in Florida – wollten wissen, ob bereits so eine gewöhnliche Sache wie das Pendeln zur Arbeit die Situation verändern kann. Immerhin verlassen auch in Zeiten von Homeoffice noch etliche Menschen tagtäglich ihr Zuhause, um dem Beruf nachzugehen.

Einfach das Transportmittel ändern

Also stellten die Forschenden genau diese Situation nach. Eine auch im europäischen Maßstab durchaus typische Distanz von drei Meilen, umgerechnet etwa 4,8 Kilometern, soll plötzlich nicht mehr mit dem Auto oder den öffentlichen Verkehrsmitteln, sondern mit dem Fahrrad bewältigt werden. An dem Versuch nahmen 30 Menschen teil, 14 Frauen und 16 Männer im Alter zwischen 19 und 61 Jahren. Bei Tag fuhren sie in unterschiedlichen Jahreszeiten auf einem flachen Oval ihre Runden im Dienste der Wissenschaft. Sensoren erfassten kontinuierlich Herzfrequenz, den Sauerstoffverbrauch, den Kalorienverbrauch und maßen die Zeit auf jeder Fahrt. Am Ende einer Strecke sollten sie bewerten, wie anstrengend sie das Fahren empfunden hatten.

Daten zu den Teilnehmenden an der Studie "Metabolic and Cardiovascular Responses to a Simulated Commute on an E-Bike"

Anhand der Tabelle ist erkennbar, dass die Gruppe der Teilnehmenden verhältnismäßig jung und fit gewesen ist. Daher empfehlen die Forschenden für künftige Studie u.a. das stärkere Einbeziehen älterer Menschen.

Da die Studie den Effekt des E-Bike-Fahrens untersuchen sollte, radelten die Teilnehmenden natürlich auf E-Bikes. Genauer gesagt, handelte es sich um ein Modell für den US-amerikanischen Markt. Dessen TransX-Mittelmotor leistete mit 350 Watt mehr als die in Europa für Pedelecs gestatteten 250 Watt. Die Unterstützung endete jedoch bei einer Geschwindigkeit von 20 Meilen pro Stunde, was ziemlich exakt den hier üblichen 25 km/h entspricht.

E-Bike Izip E3 Vibe Plus

Das in der Studie genutzte E-Bike war ein Tiefeinsteiger des US-amerikanischen Herstellers Izip aus dem Jahre 2017.

Analyse bei unterschiedlicher körperlicher Belastung

Als Referenzwert diente ein normales Tourenrad mit einer 21-Gang-Kettenschaltung und einem Gewicht von 13,4 Kilogramm. Damit war es mehr als zehn Kilogramm leichter als das E-Bike. Dafür fehlte natürlich ein Motor. Den durften die Teilnehmenden an dem E-Bike nicht beliebig ausnutzen. Die Vorgabe lautete, Durchgänge in der niedrigsten Unterstützungsstufe und in der mittleren Unterstützungsstufe zu absolvieren. Von jedem jeweils drei, sodass jede Person neun Mal die drei Meilen zum fingierten Arbeitsplatz radelte. Auf das Fahren in der höchsten von drei Unterstützungsstufen verzichteten die Forschenden, um die Teilnehmenden ohne E-Bike-Erfahrung nicht zu überfordern. Sie wollten verhindern, dass jemand in eine als bedrohlich empfundene Lage geriet. Gleichzeitig gab es kein vorgegebenes Tempo. Alle konnten mit jedem der drei Fahrräder die ihnen als angenehm empfundene Geschwindigkeit wählen.

Im Vergleich erwies sich das Fahren mit dem herkömmlichen Fahrrad als körperlich anspruchsvollste Übung. Die Forschenden ermittelten gegenüber dem Fahren mit dem E-Bike in der Unterstützungsstufe 1 als auch dem Fahren mit dem E-Bike in der Unterstützungsstufe 2 signifikante Unterschiede. Bei allen erfassten Parametern lag das Fahrrad ohne E-Antrieb deutlich jenseits der beiden E-Bike-Optionen. Mindestens genauso wichtig und für die Forschenden vermutlich weniger vorhersehbar war jedoch eine andere Beobachtung: Auch wenn das E-Bike-Fahren als weniger anstrengend empfunden wird, so hat die Intensität dennoch einen positiven Effekt auf die Physis der Teilnehmenden. Entscheidende kardiometabolische Werte wie die Herzfrequenz und der Sauerstoffverbrauch lagen innerhalb dessen oder in der Nähe davon, was das US-Amerikanische Gesundheitsministerium als moderate Intensität definiert – selbst beim Fahren mit mittlerer Unterstützung. Daher halten die Forschenden fest, dass die Nutzung des E-Bikes die gesundheitsbezogene Fitness fördern kann.

Gute Gründe für einen Wechsel

Für den Alltag ebenfalls ganz interessant zu wissen: Für das Fahren mit dem herkömmlichen Fahrrad ließen sich die Teilnehmenden rund 25 Prozent mehr Zeit. Unter Umständen sind also E-Bike-Fahrende deutlich schneller am Ziel als Menschen auf einem herkömmlichen Fahrrad. In der Praxis dürften Ampelphasen und weitere Rahmenbedingungen diesen Zeitgewinn vermutlich jedoch wieder schrumpfen lassen.

Grundsätzlich gelangt die 2021 veröffentlichte Studie zu einem optimistischen Fazit. Vor allem das geringere Maß der Anstrengung und die Zeitersparnis könnten Menschen zum Umstieg auf das E-Bike bewegen. Das wiederum käme deren Gesundheit und nicht zuletzt dem Schaffen eines klimaschonenden Miteinanders zugute. Nach dem Test hätte zumindest die überwiegende Mehrheit der Teilnehmenden eine positivere oder unveränderte Einstellung gegenüber dem Fahren mit einem E-Bike gehabt.

Wortwolke aus Begriffen zur Beschreibung von Vorteilen von E-Bikes in der Studie "Metabolic and Cardiovascular Responses to a Simulated Commute on an E-Bike"

Mit Worten wie „easier“, „commute“ und „travelling“ umrissen die Teilnehmenden der Studie die größten Vorteile von E-Bikes.

Studie:
Alessio, Helaine M.; Reiman, Timothy; Kemper, Brett; von Carlowitz, Winston; Bailer, A. John; Timmerman, Kyle L.. Metabolic and Cardiovascular Responses to a Simulated Commute on an E-Bike. Translational Journal of the ACSM: Spring 2021 – Volume 6 – Issue 2 – e000155 doi: 10.1249/TJX.0000000000000155

 

Bilder: Coboc; Translational Journal of the ACSM; Alta Cycling Group

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