Seit April dieses Jahres lĂ€sst es Specialized so richtig krachen. GefĂŒhlt erscheint alle zwei Wochen ein neues oder ĂŒberarbeitetes Modell. Ok, nĂŒchtern betrachtet sind es etwas weniger. Aber nach der Vorstellung vom Specialized Turbo Vado 3 X, Specialized Turbo Vado 3 und Specialized Levo 4 Evo, folgt mit dem Specialized S-Works Levo 4 X bereits die vierte Neuheit innerhalb kĂŒrzester Zeit. Da können einem schon mal die Superlative ausgehen. Was macht man dann? Genau, einfach einen neuen kreieren.
1. Specialized eröffnet Segment âElectric Overlandâ
2. Specialized S-Works Levo 4 X: Das Cargobike unter den E-MTB-Fullys?
3. Rahmen des Neulings mit viel Federweg und fein justierbar
4. GepÀck wird weich abgefedert
5. Schwieriges VerhÀltnis zwischen maximaler Zuladung und eurem Körpergewicht
6. SerienmĂ€Ăiges Geheimfach am Specialized S-Works Levo 4 X
7. E-Antrieb beim Levo 4 X auf Top-Niveau
1. Specialized eröffnet Segment âElectric Overlandâ
Wenn man eines den E-Bikes von Specialized nicht unterstellen kann, dann ist es ZurĂŒckhaltung. Das Gleiche lĂ€sst sich ĂŒber die MarketingaktivitĂ€ten des Herstellers sagen. Angesichts aufwendig â und stilistisch wirklich ansprechend â produzierter Videos, Bilder und Onlinekampagnen wirkt das aus der Ferne so, als ob es dem Unternehmen noch richtig gut geht. Gut so. Andernfalls wĂŒrden wir vielleicht nicht mehr in den Genuss solcher Formulierungen wie âkompromisslose Freiheitsmaschine fĂŒr jedes Terrainâ kommen. Ein StĂŒck weit ist das natĂŒrlich der Ăbersetzung geschuldet. Aber trotzdem bemerkenswert.
Offensichtlich entzieht sich die Freiheitsmaschine allen gĂ€ngigen Begriffen und Einteilungen, die Specialized bislang fĂŒr E-Bikes genutzt hat. Also erfindet der Hersteller fĂŒr das neue S-Works Levo 4 X kurzerhand eine eigene Produktkategorie. Electric Overland. So, so. Gemeint ist damit folgendes Prinzip: Man nehme den Antrieb und die Geometrie eines enorm potenten vollgefederten E-Mountainbikes und erweitere dies um den Aspekt des bequemen Transports von GepĂ€ck. Im Resultat entsteht ein E-Bike, mit dem ihr sportlich aggressiv Mountainbiken könnt, wĂ€hrend am Fahrrad reichlich zusĂ€tzliche AusrĂŒstung verstaut ist. Andere Hersteller hĂ€tten fĂŒr ein vergleichbares Modell womöglich auf die Bezeichnung SUV-E-Bike zurĂŒckgegriffen. Ob die Kombination aus Autovokabular und Fahrradsprech besser ist, sei dahingestellt. Zumindest könntet ihr aber vermutlich bereits vorstellen, was von einem so eingeordneten E-Bike zu erwarten wĂ€re.
2. Specialized S-Works Levo 4 X: Das Cargobike unter den E-MTB-Fullys?
Vielleicht liegt aber genau darin der Grund, weshalb Specialized seine Neuheit eben nicht als SUV-E-Bike bezeichnet. Gut vorstellbar, dass es etwas anderes sein möchte und daher auch nicht mit bereits bekannten Mustern assoziiert werden soll. Feststeht in jedem Falle, dass das S-Works Levo 4 X auf dem Specialized Turbo Levo 4 und seinen diversen Abwandlungen basiert. Es handelt sich um ein vollgefedertes E-Mountainbike der Allmountain-Kategorie mit reichlich Federweg, einem Full-Power-Motor sowie zwei massiven GepĂ€cktrĂ€gern vorn und hinten. Es soll sowohl im beladenen als auch im unbeladenen Zustand abseits der StraĂe jede Menge FahrspaĂ bieten. Das Konzept legt Wert darauf, einen möglichst einfachen Wechsel zwischen einem âreinenâ E-Mountainbike und einem Touren-E-Bike zu ermöglichen. An- und Abbau der GepĂ€cktrĂ€ger sind folglich berĂŒcksichtigt, wenn nicht sogar ein wesentlicher Charakterzug des Specialized S-Works Levo 4 X.

3. Rahmen des Neulings mit viel Federweg und fein justierbar
Wie erwĂ€hnt, nutzt Specialized als Ausgangspunkt den Carbon-Rahmen des aktuellen Levo 4. Damit ist das Setup aus einem 29 Zoll groĂen Vorderrad in Kombination mit einem kleineren 27,5 Zoll groĂen Hinterrad gesetzt. Das Federungssystem schafft mit einem Federweg von 160 Millimeter an der Federgabel und 150 Millimeter am Hinterbau gute Voraussetzungen fĂŒr das Fahren in technisch anspruchsvollem GelĂ€nde. Laut Hersteller lĂ€sst sich vordere Federweg wohl sogar bis auf 180 Millimeter erhöhen.
Ăber fĂŒnf RahmengröĂen hinweg empfiehlt sich das E-Bike fĂŒr Menschen mit einer KörperlĂ€nge zwischen 157 Zentimeter und 203 Zentimeter.
Von vergleichbaren Rahmen hebt sich der des S-Works Levo 4 X durch seine zahlreichen Möglichkeiten ab, die Rahmengeometrie an eigene Vorlieben beim Fahren, die Besonderheiten des Terrains vor der eigenen HaustĂŒr oder auch unterschiedliche Belastung durch mehr oder weniger Zuladung zu verĂ€ndern. Es gibt drei Stellen, an denen ihr eingreifen und gern auch experimentieren könnt:
- Flip-Chip am DĂ€mpfer: Zwei unterschiedliche Positionen verĂ€ndern die Höhe des Tretlagers. In der tieferen Position verbessert sich die FahrstabilitĂ€t, gerade in Kurven. Ein höheres Tretlager gewĂ€hrt im Gegensatz mehr Pedalfreiheit, was das Ăberwinden von Hindernissen erleichtert.
- EinsĂ€tze fĂŒr den Steuersatz: Bei der Wahl des Lenkwinkels ergeben sich durch spezielle Schalen insgesamt drei Positionen. Von der neutralen Einstellung mit einem Lenkwinkel von 64,5 Grad könnt ihr zu einem steileren oder flacheren Lenkwinkel wechseln. Ein steilerer Winkel lĂ€sst das Lenkverhalten sensibler, aber dadurch auch prĂ€ziser werden. Mit einem flacheren Winkel verliert das Bike etwas von seiner AgilitĂ€t, dankt es gleichzeitig mit einer besseren Kontrolle bei hohen Geschwindigkeiten.
- Flip-Chip an den Sitzstreben: AgilitĂ€t und Kontrolle sind erneut die beiden Aspekte, die ihr durch eine verĂ€nderte LĂ€nge der Sitzstreben beeinflussen könnt. Abermals sind zwei Optionen realisierbar. Das VerlĂ€ngern der Sitzstrebe mitsamt dem Anwachsen des Radstands spĂŒrt ihr in den Abfahrten durch eine gröĂere Spurtreue. VerkĂŒrzen sich beide, verringert sich der Wendekreis und ihr könnt engere Radien mit dem Bike fahren.
ErwĂ€hnung hat zu dem der Hinterbau des Levo 4 X verdient. Genauer gesagt, jedes einzelne seiner Lager. FĂŒr die gewĂ€hrt der Hersteller eine lebenslange Garantie. Gerade an einem E-Mountainbike, das zudem einiges an Gewicht transportieren möchte, ist das schon beachtlich. Zumal die Garantie auch gilt, solltet ihr das E-Bike einmal verkaufen oder selbst ein gebrauchtes Modell erwerben.
4. GepÀck wird weich abgefedert
Neben dem Fahren liegt im Mitnehmen von GepĂ€ck die zweite Kernkompetenz des Specialized S-Works Levo 4 X. Entscheidend dafĂŒr sind ein vorderer und ein hinterer GepĂ€cktrĂ€ger. Beide fallen eher schmal und lang aus. Der hintere TrĂ€ger besitzt Seitenstreben, die zur Stabilisierung von entsprechenden seitlichen GepĂ€cktaschen dienen. An den Streben lassen sich auf jeder Seite jeweils drei Befestigungsösen fĂŒr das Quick-Lock-3.1-System von Ortlieb montieren. Die LadeflĂ€che ist mit dem MIK-Standard kompatibel. Am vorderen TrĂ€ger findet ihr zwei Aufnahmen fĂŒr Flaschenhalter oder anderes Zubehör.
Gewöhnlich sind viel GepĂ€ck und ein Fully-E-MTB ja zwei Dinge, die sich gern mal gegenseitig ausschlieĂen. Grund dafĂŒr ist der Umstand, dass immer ein Weg gefunden werden muss, wie das Gewicht der Zuladung möglichst nicht zur gefederten Masse hinzukommt. Specialized löst dies durch das Montieren der GepĂ€cktrĂ€ger direkt am Rahmen. Keine Halterung sitzt an einem der Federelemente. Auf diese Weise leitet die Konstruktion die auftretenden KrĂ€fte ĂŒber das Fahrwerk ab. Ohne dem wĂ€re das E-Bike mit entsprechender Zuladung nicht wirklich gelĂ€ndetauglich.
5. Schwieriges VerhÀltnis zwischen maximaler Zuladung und eurem Körpergewicht
So aber sollte das GepĂ€ck unterwegs nicht zum Problem werden. Und mitnehmen könnt ihr tatsĂ€chlich einiges. FĂŒr eine Zuladung von zwölf Kilogramm ist der hintere GepĂ€cktrĂ€ger zugelassen. Vorn sind es zehn Kilogramm. DafĂŒr eventuell notwendige Riemen und Spanngurte mĂŒsst ihr euch allerdings selbst besorgen. Unseres Wissens gehören keine zur Serienausstattung dazu.
Mit wenigen Handgriffen lassen sich beide GepĂ€cktrĂ€ger an- und abschrauben. Wollt ihr ohne GepĂ€ck fahren, lohnt sich das Abmontieren schon. Immerhin gibt der Hersteller das Gewicht fĂŒr das gesamte TrĂ€gersystem mit rund 3,2 Kilogramm an. Es lĂ€sst sich nicht in GĂ€nze abnehmen. Aber spĂŒren werdet ihr das auf den Trails schon. Specialized bietet die TrĂ€ger ĂŒbrigens als eigenstĂ€ndiges Zubehör an. Wer möchte, kann damit ein aktuelles Levo 4 und Levo R ergĂ€nzen.
Unklar ist fĂŒr uns, in welchem VerhĂ€ltnis die Gesamtzuladung von 22 Kilogramm zum maximal zulĂ€ssigen Gesamtgewicht des E-Bikes steht. Diesen Wert konnten wir nirgends entdecken. Vermutlich liegt er jedoch bei 149 Kilogramm wie beim Specialized S-Works Turbo Levo 4. SchlieĂlich basieren beide Modelle auf dem identischen Rahmen. BerĂŒcksichtigt ihr das Gewicht das E-Bikes, das Specialized auf rund 27,2 Kilogramm beziffert, bleiben weniger als 100 Kilogramm ĂŒbrig, die ihr bei einem vollbeladenen Bike an eigenem Körpergewicht mitbringen dĂŒrft, um hier das Limit nicht zu ĂŒberschreiten. So kompromisslos zeiget sich die Freiheitsmaschine an der Stelle also nicht. Zum Vergleich sei auf das Tern Orox verwiesen. Das verfolgt einen Ă€hnlichen Ansatz, verzichtet jedoch auf jegliche Federung. DafĂŒr vertrĂ€gt dessen hinterer GepĂ€cktrĂ€ger eine Zuladung von 100 Kilogramm. Vorn sind 25 Kilogramm möglich. Und sein maximal zulĂ€ssiges Gesamtgewicht betrĂ€gt 210 Kilogramm.
6. SerienmĂ€Ăiges Geheimfach am Specialized S-Works Levo 4 X
Ein Teil eures Werkzeuges, einen Ersatzschlauch, die COâ-Kartusche oder andere kleine Utensilien könnt ihr beim Specialized S-Works Levo 4 X alternativ auch anderer Stelle unterbringen. Und zwar im Unterrohr. Richtig, da steckt der herausnehmbare Akku drin. Aber ĂŒber dem Akku ist im Rahmenrohr noch eine LĂŒcke. In diese passt eine kleine vom Hersteller zurechtgeschneiderte Tasche, die er als SWAT Bag bezeichnet. Kein schnell erreichbarer Platz, aber auf alle FĂ€lle ein trockener. Wer ihn nutzt, sollte höchstens darauf achten, dass darin nichts laut klappert. Das könnte im Laufe der Zeit vielleicht etwas nervig werden.
7. E-Antrieb beim Levo 4 X auf Top-Niveau
Der Motor ist ein weiteres Detail, das das S-Works Levo 4 X mit den anderen Mitgliedern der Levo-Familie verbindet. Der Specialized 3.1 S-Works verfĂŒgt ĂŒber die nötige Power, mit der ihr auch vollbepackt steile Anstiege hinaufkommt. Ein Drehmoment von maximal 111 Newtonmeter und Spitzenleistungen von bis zu 850 Watt dĂŒrften dabei sehr hilfreich sein.
Vom Akku war bereits einmal kurz die Rede. Mit einer KapazitĂ€t von 840 Wattstunden passt er perfekt zu einem E-Bike, mit ihr auf groĂen Reisen starten sollt. Da er sich seitlich herausnehmen lĂ€sst, sollte auch das Aufladen unterwegs leicht realisierbar sein. Zudem hĂ€lt der Hersteller einen Zusatzakku mit weiteren 280 Wattstunden parat. Damit ĂŒberschreitet ihr die ominöse Grenze von 1.000 Wattstunden deutlich. Welche Reichweiten sich daraus ergeben, hĂ€ngt bekanntermaĂen von etlichen Faktoren ab. Bei diesem E-Bike dĂŒrften die Zuladung, der Untergrund und das Profil der Strecke besonders ausschlaggebend sein.

Gute Dienste könnte bei solchen Unternehmungen das SchnellladegerĂ€t von Specialized leisten. Im enormen Preis eines S-Works-E-Bikes ist das GerĂ€t mit dem Ladestrom von zwölf Ampere glĂŒcklicherweise inklusive. Zum Laden des eines leeren Specialized Turbo X2-Akkus auf 80 Prozent benötigt es weniger als eine Stunde. Wer möchte, kann beim Laden aus den vier verschiedenen Lade-Modi den Eco-Modus wĂ€hlen. Dann stoppt das GerĂ€t den Ladevorgang automatisch bei 80 Prozent. So soll sich die Lebensdauer des Akkus verlĂ€ngern.

Mit vollem Akku könnt ihr euch dann wieder zurĂŒck auf die Piste begeben und die Freiheitsmaschine freilassen. Vorausgesetzt, ihr habt zuvor 14.499 Euro frei verfĂŒgbar gehabt. So viel kostet in diesem Falle die Freiheit nĂ€mlich.
Specialized S-Works Levo 4 X im Ăberblick
- Rahmen: Carbon
- RahmengröĂen: S2 bis S6
- Federgabel: Fox Factory 38
- DĂ€mpfer: Fox Float X Factory
- Motor: Specialized 3.1 S-Works
- Akku: Specialized Turbo X2 840Wh
- Display: Specialized Mastermind T3 TCU
- Antrieb: Sram XX Eagle Transmission
- Bremsen: Sram Maven Ultimate
- Gewicht: ab ca. 27,25 kg
- Maximal zulÀssiges Gesamtgewicht: n.a.
- Farbe: Fiery Red
- Preis: 14.499 Euro
Bilder: Specialized Bicycle Components, Inc.


















