Sharing-Anbieter VOI stellt E-Bikes in der britischen Stadt Peterborough zur Verfügung

E-Bike-Sharing: Niedrige Leihkosten sorgen für hohen Zuspruch

Peterborough zählt zu insgesamt vier sogenannten Umweltstädten im Vereinigten Königreich. Die rund 100 Kilometer nördlich von London gelegene Stadt mit ihren etwa 200.000 Einwohnern möchte Umwelthauptstadt werden. Aus diesem Grund hat die bürgermeisterliche kombinierte Behörde für das Gebiet Cambridgeshire und Peterborough ein E-Bike-Programm aufgelegt. In dessen Rahmen haben von Januar bis August dieses Jahres 1.000 Radfahrende mehr als 30.000 Kilometer zurückgelegt, hauptsächlich um zur Arbeit zu pendeln.

Mehrere europäische Städte fördern zunehmend Fahrräder und E-Bikes als Mittel ökologischer urbaner Mobilität. Tatsächlich verbreiten sich E-Bikes in Europa schneller als herkömmliche Fahrräder. Erstere haben größeres Potenzial, das Auto auf maximal zehn Kilometer langen Strecken zu ersetzen. Insbesondere bergauf fährt es sich mit einem E-Bike gegenüber dem Fahrrad zudem deutlich entspannter. Obwohl die Stadt Peterborough völlig flach ist, hat sie sich entschieden, E-Bikes statt Fahrräder zu fördern.

Kommune arbeitet mit namhaftem Sharing-Anbieter zusammen

Ihr E-Bike-Programm ermöglichte einen kostengünstigen Verleih. Dafür kooperierte die englische Stadt mit Voi, einem schwedischen Start-up, das in mehreren Städten in Skandinavien, Deutschland, Italien, Spanien, Frankreich und dem Vereinigten Königreich Flotten von E-Scootern und E-Bikes bereitstellt. Gegen eine Entriegelungsgebühr von 1 £ plus 0,15 £ pro Minute oder 10 £ für 24 Stunden und 40 £ für 30 Tage konnten E-Bikes gemietet werden. Der Durchschnittspreis für die Anmietung eines E-Bikes in Europa ist gewöhnlich mindestens drei- oder viermal so hoch. Vermutlich wurden die Preise in diesem Falle mit Beiträgen der Steuerzahler kofinanziert.

Nach der Nutzung mussten die E-Bikes in festgelegten Bereichen abgestellt werden.

Das System von Peterborough bietet folgende Vorteile:

  • Die Menschen müssen kein Monatsgehalt investieren, um ein E-Bike zu fahren.
  • Sie können es ohne großen Aufwand und kostengünstig ausprobieren.
  • Die Wartung des E-Bikes übernimmt der Verleiher.
  • Er trägt zudem die Kosten für die nachlassende Akkuleistung.
  • Die Menschen können zuverlässige E-Bikes nutzen und vermeiden Fehlentscheidungen beim Kauf eines eigenen E-Bikes.
Für den Sharing-Anbieter VOI hergestelltes E-Bike von Vaimoo

Das in Peterborough vom Sharing-Anbieter VOI eingesetzte E-Bike stammt vom italienischen Hersteller Vaimoo.

Die Nachteile dieser Regelung

Dennoch ist der in Peterborough verfolgte Ansatz eher „ein“ Weg als „der“ Weg. Im Vergleich zu anderen Programmen, die den Kauf von E-Bikes fördern, hat er auch Nachteile:

  • Mit gemieteten E-Bikes gehen Menschen in der Regel weniger vorsichtig um als mit ihren eigenen, was eine schnellere Abnutzung und mehr Schäden nach sich zieht.
  • Nutzerinnen und Nutzer können weder den Typ des E-Bikes noch dessen Farbe, Ausstattung usw. wählen.
  • Mittel- und langfristig ist es teurer, ein E-Bike zu mieten als es zu kaufen.
  • Der Kauf eines solchen Verleihs bei einem privaten Unternehmen kann für die öffentlichen Haushalte recht teuer werden. In diesem Fall gehen wir davon aus, dass die Mietpreise aufgrund öffentlicher Subventionen, die unweigerlich zu weiteren Steuern führen, erheblich unter den Marktpreisen liegen.
  • Andererseits ist die Subventionierung des Kaufs von E-Bikes, wie sie in der Europäischen Union praktiziert wird, mit begrenzten öffentlichen Ausgaben verbunden. Sobald die Einführung von Elektrofahrrädern durch öffentliche Zuschüsse angekurbelt wurde, werden für künftige Käufe keine weiteren Subventionen mehr benötigt.
  • E-Bikes eines Verleihers müssen an festgelegten Orten abgeholt und wieder abgestellt werden. Nutzerinnen und Nutzer müssen sich dorthin begeben, auch wenn dies nicht auf ihrem eigentlichen Weg liegt.

 

Drei alternative öffentliche Fördermaßnahmen für eine höhere E-Bike-Nutzung:

1. Fahrradwege
Die Einrichtung ausreichender Radwege und Fahrradabstellplätze ist für die Verbreitung von E-Bikes von größter Bedeutung. Es gibt viele solcher Beispiele in Europa. In Berlin haben gelb markierte Radwege viel in Bewegung gesetzt. Sie wurden im Zuge der Corona-Pandemie eilig angelegt, um Radfahrern mehr Platz und Sicherheit zu bieten.

Im Jahr 2021 wird es in Frankreich 18.848 Kilometer Fahrradstraßen und -wege geben. Im Jahr 2030 sollen es 25.587 Kilometer sein. Die Europäische Union ist dabei, ein Netz von Fahrradstraßen und -wegen mit dem Namen EuroVelo zu errichten, das nach seiner Fertigstellung insgesamt 90.000 Kilometer umfassen wird.

2. Finanzierung von Anschaffungen
In Europa finanzieren viele lokale, regionale oder nationale Behörden den Kauf von E-Bikes. Wir haben bereits über öffentliche Subventionen für den Kauf von E-Bikes in Frankreich berichtet. Dort, wie auch in Italien und anderen europäischen Ländern, reichen die Zuschüsse der lokalen und nationalen Behörden für den Kauf eines Elektrofahrrads im Allgemeinen von 100 Euro bis 500 Euro, in einigen Fällen sogar bis zu 1.000 Euro. Diese Beträge hängen vom Einkommen, dem Preis des E-Bikes, seiner Nutzung und sogar vom Alter des Käufers ab.

3. Mit dem Rad zur Arbeit
Einige europäische Behörden, zum Beispiel in Frankreich, unterstützen Personen, die mit einem E-Bike zur Arbeit fahren, mit bis zu 50 Euro monatlich. Andere, wie im Vereinigten Königreich, subventionieren den Kauf von E-Bikes für den Weg zur Arbeit. Im Gegensatz dazu haben die mehr als 4,5 Millionen Deutschen, die ein E-Bike besitzen, bisher kaum von öffentlichen Fördermitteln profitiert.

 

Bilder: Vaimoo

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