Drei Modelle. Drei verschiedene E-Bike-Antriebe. Drei Preisklassen. So sieht das aktuelle Angebot bei Scott an urbanen E-Bikes für die Saison 2027 aus. Da geht noch was, oder? Auf alle Fälle. Das meint zumindest der Hersteller und präsentiert erstmals ein eigenes City-E-Bike mit einem Hinterradnabenmotor. Mit dem neuen Scott Sweep wird zudem erkennbar, wie groß der Preisvorteil ist, wenn ein E-Bike-Hersteller in ähnlichen Modellen den Bosch Hub Line statt eines Bosch Performance Line SX einsetzt.
1. Hinterradmotor bei Scott neu und dennoch vertraut
2. Scott Sweep folgt dem Ansatz des Scott Passage 20
3. Neues urbanes E-Bike kombiniert Bosch Hub Line mit Bosch PowerTube 360
4. Preis für Scott Sweep auffällig niedrig
5. Scott Sweep 20 mit Fokus auf Fahrkomfort und Alltagstauglichkeit
6. Künstlerisch wertvoll: das Scott Sweep 10
7. Sweep – War da nicht mal etwas?
1. Hinterradmotor bei Scott neu und dennoch vertraut
Inzwischen sind gut zwei Jahre vergangenen, seitdem Scott letztmalig eine Neuheit im Sinne eines wirklich neuen Modells im urbanen E-Bike-Segment vorgestellt hat. Scott Silence eRide und Scott Passage lauteten 2024 damals die entsprechenden Namen. Nun also rollt das Scott Sweep auf de Bühne. Und bei dem sitzt der Motor im Hinterrad – was bei zahlreichen E-Bikes dieser Kategorie ja der Fall ist.
Mit seinen sportlichen Modellen für Gravel und die Straße konnte Scott bereits etliche Erfahrungen mit solchen E-Antrieben sammeln. Dort vertraute der Hersteller aber stets auf Systeme von Mahle. Gut vorstellbar, dass der Griff jetzt zum neuen Hinterradmotor von Bosch, dem Hub Line, für die Entwicklungsabteilung die eine oder andere Hausaufgabe zusätzlich bedeutete.
2. Scott Sweep folgt dem Ansatz des Scott Passage 20
Das Resultat ähnelt aus unserer Sicht auffällig dem Scott Passage 20. In einem vollausgestatten E-Bike mit Schutzblechen, Gepäckträger, fest installierter Beleuchtung und Seitenständer stecken ein leichterer Motor und im Unterrohr ein kleinerer Akku, der sich entnehmen lässt. Geschalten wird mithilfe einer mechanischen Kettenschaltung mit neun Gängen. Dank einer Federgabel mit einem Federweg von 75 Millimetern bleibt ihr sowohl auf grobem Kopfsteinpflaster als auch auf befestigten Waldwegen jederzeit entspannt. Das Gewicht des Ganzen pendelt sich bei ungefähr 22 Kilogramm ein.
Vielleicht würden manche von euch beim Scott Sweep mit einem noch geringen Wert rechnen. Allerdings bringen dort der Bosch Hub Line und der dazugehörige Bosch PowerTube 360 sogar rund 400 Gramm mehr auf die Waage als der Bosch Performance Line SX mit dem Bosch CompactTube 400 am Scott Passage.
Im Grunde lassen sich die Unterschiede auf zwei wesentliche Punkte herunterbrechen: Erstens, zum neuen Scott Sweep zählen lediglich die beiden Rahmenformen Diamantrahmen und Tiefeinsteiger, während ihr das Scott Passage 20 zusätzlich mit einem Trapezrahmen kaufen könnt. Und die Motorunterstützung liegt entweder dank des Bosch Hub Line direkt am Hinterrad an oder wird vom Mittelmotor Bosch Performance Line SX über den Antriebsstrang auf das Hinterrad übertragen.
3. Neues urbanes E-Bike kombiniert Bosch Hub Line mit Bosch PowerTube 360
Leistungsmäßig bleibt der Hub Line hinter dem Performance Line SX kaum zurück. Wobei ein direkter Vergleich eher schwer fällt. Schließlich vermitteln Nabenmotoren und Mittelmotoren ein merklich unterschiedliches Fahrerlebnis. Da das Drehmoment des Hub Line von 45 Newtonmeter unmittelbar auf das Hinterrad einwirkt, wirkt er beim Anfahren zum Beispiel enorm spritzig. Im Vergleich dazu geht der Performance Line SX trotz des nominell größeren Drehmoments von 60 Newtonmeter kontrollierter zu Werke, was sich für manche aber etwas harmonischer, etwas natürlicher anfühlen kann.
Seine Energie bezieht der Hub Line vom neuen Bosch PowerTube 360. Der kleinste und schlankeste Intube-Akku von Bosch ermöglicht euch mit seiner Kapazität von 360 Wattstunden Reichweiten, die im Idealfall über 80 Kilometer hinausgehen sollen. Scott hat das Akkufach so gestaltet, dass er sich bei den Modellen des Sweep mit Diamantrahmen nach unten herausnehmen lässt. In manchen Situationen ist das nicht so bequem wie eine Entnahme nach oben heraus am Scott Sweep Wave, dem Modell mit tiefem Einstieg. Allerdings punktet der Diamantrahmen mit Anschraubpunkten zum Anbringen vom Zubehör sowohl am Unter- als auch am Oberrohr.
Für das Erweitern des E-Bike-System um einen Zusatzakku spielt dies keine Rolle. Den Bosch PowerMore 250 könnt ihr als Option bei beiden Rahmenformen einplanen.

4. Preis für Scott Sweep auffällig niedrig
Blickt man noch einmal auf das Scott Passage 20, hat es bezogen auf die Akkulösung mit dem Bosch CompactTube und dessen Kapazität von 400 Wattstunden knapp die Nase vorn. Jedoch nur so lange, bis das Scott Sweep seinen größten Trumpf spielt – und zwar den Preis. Die 2.499 Euro für das Scott Sweep 20 liegen genau 1.000 Euro unter der Summe für das Passage 20. Das etwas anders ausgestattete Scott Sweep 10 schlägt mit 2.599 Euro zu Buche. Derart geringere Kaufpreise bringen vielleicht manche von euch dann auch zum Überlegen, ob der bessere Griff doch der zum E-Bike mit Hinterradmotor sein könnte.
5. Scott Sweep 20 mit Fokus auf Fahrkomfort und Alltagstauglichkeit
Angesichts der geringen Preisdifferenz und des Wissens um ganz individuelle Ansprüche an ein E-Bike gibt es unserer Sicht beim Scott Sweep kein Top-Modell. Jede Ausführung adressiert einfach leicht unterschiedliche Vorlieben. Dank seiner Federgabel verspricht das Scott Sweep 20 etwas mehr Fahrkomfort, vor allem abseits asphaltierter Straßen. Sein Vorbau lässt sich Winkel verstellen, was stets das Finden der optimalen Sitzposition erleichtern kann. Zudem bringt es eine SP Connect-Schnittstelle mit. Auf der könnt ihr mit einer passenden Hülle zum Beispiel euer Smartphone sicher befestigen. Neben der verbauten Bedieneinheit Bosch Purion 200 mit ihrem recht kleinen Display kann dies eine lohnende Ergänzung sein, die sich bei der Navigation auf Fahrradtouren schnell bezahlt macht.
Auf solchen Touren wie auch im Alltag erweist sich zudem als Vorteil, wenn der Gepäckträger schwerere Lasten aufnehmen kann. Die hier erlaubten 25 Kilogramm an Zuladung helfen da merklich weiter. Trotzdem verwundert es ein wenig, warum Scott sich nicht für ein Modell entschieden hat, das noch zwei Kilogramm mehr verträgt und dann auch für das Anbringen eines Kindersitzes freigegeben ist. Immerhin sprechen wir hier von einem urbanen E-Bike. Da könnte man das Befördern von Kindern schon einplanen.
6. Künstlerisch wertvoll: das Scott Sweep 10
Im Falle des Scott Sweep 10 kommt ihr vermutlich erst gar nicht auf diese Idee. Schließlich handelt es sich bei seinem Gepäckträger lediglich um zwei in das hintere Schutzblech integrierte Bügel. An denen lassen sich seitliche Gepäcktaschen anhängen, die pro Seite jeweils acht Kilogramm wiegen dürfen. Ist funktionell also deutlich eingeschränkter, sieht dafür aber sportlicher aus.

Und ein sportliches Aussehen bei gleichzeitig einem möglichst geringen Gewicht sind diesem Modell besonders wichtig. Daher ersetzt hier eine aus Aluminium gefertigte Starrgabel die zuvor erwähnte Federgabel. Zusammen mit der schnittigen Lenker-Vorbau-Einheit, ebenfalls Aluminium, sinkt das Gesamtgewicht des E-Bikes von den 24,5 Kilogramm für das Scott Sweep 20 dann auf 22 Kilogramm.

Gefühlt könnte die Waage sogar noch viel weniger anzeigen. Denn mit seiner auffälligen Lackierung wirkt das Scott Sweep 10 richtig fetzig und flink. Farben und Muster erinnern ein wenig an die Pop-Art der 1980er Jahre. Trifft sicher nicht den Geschmack von allen. Aber diejenigen, denen das gefällt, werden es mit Sicherheit groß feiern.
7. Sweep – War da nicht mal etwas?
Bleibt zum Schluss nur noch eine Frage offen. Wieso heißt das neue Modell eigentlich Scott Sweep? Einige von euch erinnern sich vielleicht noch an das E-Sweep von Bergamont. Dafür braucht ihr im Gedächtnis nur zwei, drei Saisons zurückgehen. Schon stoßt ihr auf das – upps – urbane E-Bike mit Komplettausstattung, Hinterradnabenantrieb, 28 Zoll großen Reifen, Aluminiumrahmen und im Unterrohr befindlichen Akku. Kommt uns irgendwie bekannt vor, oder? 😉 Und wenn euch dann noch einfällt, dass Scott und Bergamont seit 2015 gemeinsam Scott Sports angehören, stellt sich dann das Gefühl ein, dass der eine vom anderen abkupfert?
Falls ja, seht das bitte Scott nach. Tatsächlich soll das Sweep von Scott ganz ausdrücklich kein Nachfolger des Bergamont E-Sweep sein. Anscheinend fand man in der Schweizer Zentrale der Unternehmensgruppe den Namen einfach passend. Von Bergamonts Seite sprach offensichtlich auch nichts gegen die Weitergabe des Namens. So werden E-Sweep und Sweep aus einer Firmengruppe für verschiedene Marken in die E-Bike-Geschichtsbücher eingehen.
Scott Sweep im Überblick
- Modelle: Scott Sweep 10, Scott Sweep 20, Scott Sweep 20 Wave
- Rahmen: Aluminium
- Rahmengrößen: S, M, L, XL, XXL
- Gabel: Aluminium-Starrgabel, SR Suntour NEX-E25-DS
- Motor: Bosch Hub Line
- Akku: Bosch PowerTube 360
- Bedieneinheit: Bosch Purion 200
- Antrieb: Shimano Cues U4000
- Bremsen: Shimano UR300, Shimano MT200
- Gewicht: ab 22 kg
- Maximal zulässiges Gesamtgewicht: 130 kg
- Preise: ab 2.499 Euro
- Farben: Signal White, Chrome Silver




















