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Skarper DiskDrive Nachrüstset für E-Bikes

Skarper DiskDrive: Vom Bio-Bike zum E-Bike mit nur einem Klick

Mit Nachrüstsets für E-Bikes ist das so eine Sache. Es hat durchaus seinen Reiz, vielleicht ein seit Jahren gefahrenes Fahrrad mit einem zusätzlichen E-Antrieb an neue persönliche Gegebenheiten anzupassen. Oder so auf relativ günstigem Wege an dieser technischen Weiterentwicklung teilzuhaben. Oftmals muss man dafür jedoch das ursprüngliche Fahrrad mit teils unansehnlichen Bauteilen und etlichen Kabeln verschandeln oder sogar komplette Laufräder tauschen. Wenn sich das eigene Fahrrad überhaupt für das jeweilige Nachrüstset eignet. Ein in London ansässiges Unternehmen hat jetzt eine Lösung vorgestellt, die ebenfalls nicht mit jedem Fahrrad kompatibel ist, aber sowohl technisch als auch optisch sehr gelungen scheint.

1. Teile und Montage
2. Technische Spezifikationen
3. Wie fährt sich der Antrieb?
4. Wer sind potenzielle Zielgruppen?
5. Rechnet sich ein solcher Antrieb?
6. Mögliche Hindernisse
7. Das plant Skarper für die Zukunft
8. Skarper DiskDrive im Überblick

1. Teile und Montage

DiskDrive hat die Firma Skarper ihr Kit getauft. Es umfasst lediglich vier Teile:

  • die Antriebseinheit
  • eine Bremsscheibe
  • eine an der Kettenstrebe zu montierende Arretierung
  • einen Bluetooth-fähigen Trittfrequenzsensor

Anhand der Auflistung erkennt ihr vielleicht bereits eine wesentliche Einschränkung dieses Sets. Es setzt voraus, dass euer Bike mit Scheibenbremsen ausgestattet ist. Wer nur mit Felgenbremsen oder anderen Systemen aufwarten kann, geht leider leer aus. Alle anderen dürfen auf einen recht einfachen Umbau hoffen. Laut Hersteller genügen drei Arbeitsschritte:

  • hintere Bremsscheibe gegen die DiskDrive-Scheibe austauschen
  • Trittfrequenzsensor an der Kurbel befestigen
  • Halterung an der Kettenstrebe der Nichtantriebsseite anbringen

 

Ist dies erledigt, lässt sich die Antriebseinheit innerhalb von Sekunden an das Fahrrad anklicken und wieder abnehmen. Die Einheit soll nicht mehr als drei Kilogramm wiegen. Zusammen mit den 300 Gramm für die dazugehörige Bremsscheibe ergibt sich ein Systemgewicht von insgesamt 3,3 Kilogramm. Die genauen Abmessungen nennt Skarper auf seiner Webseite leider nicht.

2. Technische Spezifikationen

Dafür erfahrt ihr dort alle relevanten Angaben zur eigentlichen Leistungsfähigkeit des DiskDrive. Der Antrieb leistet die in Europa erlaubten 250 Watt im Dauerbetrieb. Nach jetzigem Stand wird er ein Drehmoment von 50 Newtonmetern entwickeln. Das ist ein beachtlicher Wert. Skarper bewegt sich damit auf einem Level mit Hinterradnabenmotoren wie dem X35+ von Mahle, dem HM 1.0 von FSA oder Motoren, die an den neuesten Modellen von Ampler und Cowboy verbaut sind. Zudem dürften die direkt an der Hinterradnabe angreifenden 50 Newtonmeter gefühlt locker 80 Newtonmetern eines Mittelmotors nahekommen.

Skarper DiskDrive Nachrüstset für E-Bikes

Womit DiskDrive auf den ersten Blick beeindruckt, ist die Tatsache, dass Motor und Akku zusammen in eine solch kompakte Einheit passen. Vermutlich war genau dies eines der primären Ziele von Skarper. Der Weg dorthin erforderte offensichtlich den einen oder anderen Kompromiss. Dazu zählt die Kapazität des Akkus von nur 202 Wattstunden. Bei der Unterstützung bis zu den hierzulande erlaubten 25 km/h rechnet der Hersteller mit einer Reichweite von maximal 60 Kilometern. Neben den vielen anderen Parametern, die darauf einen Einfluss haben, kommt in diesem Falle noch das Fahrrad als Variable hinzu, an dem das Nachrüstset verbaut wird. Aus einem flotten Stadtflitzer mit einem Gewicht von nur elf Kilogramm und 28 Millimeter schmalen Slicks wird sich mehr herausholen lassen, als aus einem 15 Kilogramm wiegenden Hollandrad.

Selbst wer die 60 Kilometer erreicht, wird entweder Ausflüge genau vorausberechnen müssen oder beim Pendeln zur Arbeit feststellen, dass eine Akkuladung womöglich nicht für eine ganze Woche genügt. Gut zu wissen, dass sich der Antrieb, und damit der Akku, im Handumdrehen abnehmen und ganz flexibel an so ziemlich jedem Ort mit einer Steckdose aufladen lässt. Für einen kompletten Ladezyklus veranschlagt Skarper 2,5 Stunden.

Trageschlaufe am Skarper DiskDrive Nachrüstset für E-Bikes

Selbst eine eigene Trageschlaufe kann der DiskDrive vorweisen.

3. Wie fährt sich der Antrieb?

Eine der großen Unbekannten in Bezug auf DiskDrive ist derzeit noch die Frage, wie sich das System beim Fahren anfühlen wird. Skarper hat bislang nur Prototypen gefertigt und die nur wenigen Journalisten für kurze Probefahrten zur Verfügung gestellt. Nach eigener Aussage soll das Fahren ein sanftes und gleichzeitiges kraftvolles Erlebnis sein. Aber welcher Hersteller würde von seinem Antrieb etwas anderes versprechen? Klar ist, dass Skarper einen eigenen Algorithmus namens DynamicClimb entwickelt hat. Dieser soll Daten mehrerer drahtloser Sensoren verarbeiten. Welche Sensoren außer dem Trittfrequenzsensor damit gemeint sind, lässt der Hersteller offen. Allerdings ist die Rede davon, dass sowohl die Leistung des Fahrers als auch die Steigung der Straße sowie die Parameter der Antriebseinheit tausende Male pro Sekunde abgefragt werden.

Zwischen den Zeilen lässt sich daraus erkennen, dass der Antrieb auf unterschiedliche Unterstützungsstufen verzichten wird. Das Ganze dürfte eher einer Schaltautomatik ähneln, die erst kräftiger unterstützt, wenn sie tatsächlich gebraucht wird. Das schont den Akku und könnte sich angenehm intuitiv anfühlen.

Detailaufnahme des Gehäuses des Skarper DiskDrive Nachrüstset für E-Bikes

Vermutlich wird die Handhabung des Antriebs eher einfach gehalten sein.

4. Wer sind potenzielle Zielgruppen?

Obwohl längst noch nicht alle zentralen Details bekannt sind, hat Skarper mit DiskDrive einige Aufmerksamkeit auf sich ziehen können. Beinahe jedes namhafte Fahrradmagazin hat die Meldung aufgegriffen. Gleiches gilt für etliche Tech-Magazine. Und das liegt vermutlich nicht nur an der Tatsache, dass mit Chris Hoy eine der größten britischen Radsportlegenden das Projekt mit Geld und seinem Namen unterstützt, der von der Queen sogar den Adelstitel Sir verliehen bekommen hat.

Markenbotschafter Chris Hoy wirbt für das Skarper DiskDrive Nachrüstset für E-Bikes

Der mehrfache Bahnrad-Olympiasieger und -Weltmeister Sir Chris Hoy ist nicht nur Markenbotschafter für das Projekt, sondern soll auch bei der Entwicklung mitgewirkt haben.

Vielmehr könnte es an dem einleuchtenden Vorteil liegen, den das Set mit sich bringt: Theoretisch wird mit ihm ein Großteil des aktuellen Angebots an herkömmlichen Fahrrädern zu potenziellen E-Bikes. Warum? Weil Scheibenbremsen seit Jahren auf dem Vormarsch sind. Längst haben sie auch in niedrigeren Preissegmenten Einzug gehalten. Es gibt sicher Menschen, die unter den Fahrradherstellern ihre Lieblingsmarke gefunden haben. Die fertigt vielleicht aber keine E-Bikes. Oder zumindest ein bestimmtes Modell nur als Bio-Bike. Oder jemanden gefällt die Optik des Teils der E-Bikes nicht, die auf Rahmen mit voluminösen Ausmaßen setzen. Oder jemand mag einfach die Vorstellung ein und dasselbe Rad abwechselnd mal mit reiner Muskelraft zu betreiben und dann wieder den Luxus eines E-Motors genießen zu können. All diese Menschen gehören zur potenziellen Zielgruppe des DiskDrive.

5. Rechnet sich ein solcher Antrieb?

Wenn es um die eigene wirtschaftliche Ausrichtung geht, schaut Uri Meirovich, Chief Operating Officer von Skarper, auch nicht vorrangig auf die Anbieter anderer Nachrüstsets. Gegenüber dem britischen Fahrradmagazin „Bikeradar“ betonte er, man wolle eher „eine praktikable Alternative zu teuren Systemen mit Mittel- oder Nabenmotoren zu bieten, ohne dass ein komplettes Elektrofahrrad gekauft werden muss.“

Team von Skarper

Das Team von Skarper um COO Uri Merovich (5. v.l i.), Chris Hoy (7. v. li.), CEO Ean Brown (5. v.re.) und Chef-Entwickler Alastair Darwood (3. v. re.).

Ein Beispiel zeigt, worauf Skarper es angelegt haben könnte. Für 1.000 Euro sind heute auf dem Markt Trekkingbikes. Mountainbikes, Gravelbikes, Rennräder und City-Bikes erhältlich, deren Komponenten und Anbauteile ziemlich hohen Ansprüchen genügen. Den Preis für ein DiskDrive veranschlagt Skarper derzeit bei 1.000 Britischen Pfund. Laut aktuellem Wechselkurs entspräche dies ungefähr 1.170 Euro. Vergleicht man jetzt ein E-Bike mit einem Preis von 2.200 Euro mit dem Gedankenspiel von Skarper, zeigt sich, dass das E-Bike in den allermeisten Fällen technisch schlechter ausgestattet ist und schwerer sein dürfte. Außerdem lässt es sich nicht, wann man möchte, in wenigen Sekunden in ein herkömmliches Fahrrad verwandeln. Und wieder zurück. Sehr gut möglich, dass einige Menschen an dieser Theorie Gefallen finden.

6. Mögliche Hindernisse

In der Praxis sind dennoch berechtigte Bedenken angebracht. Das offensichtlichste betrifft die Garantie. Ein herkömmliches Fahrrad ist weder auf den Betrieb mit einem E-Motor ausgelegt noch dafür zugelassen. Auch wenn das Umrüsten problemlos erscheint, dürfte jeder Hersteller seinen Kundinnen und Kunden bedeuten, dass sie ab dem Moment auf eigenes Risiko fahren.

Sollte ein Teil den zusätzlichen Belastungen nicht standhalten, müssen wohl die Fahrradfahrenden die Folgen komplett allein verantworten. Das bringt uns direkt zum zweiten wichtigen Aspekt: Stellt der Dauerbetrieb eines herkömmlichen Fahrrades mit einem System wie dem DiskDrive ein Sicherheitsrisiko dar? Gerade das Hinterrad und die Kettenstrebe sind dabei im Fokus. Dr. Alastair Darwood, Chefentwicker bei Skarper, gibt diesbezüglich Entwarnung. Die Kraft, die beim Bremsen auf die Bremsaufnahme, die Bremsscheibe und auch die Kettenstrebe einwirke, sei viel größer als diejenige, die vom DiskDrive ausgehe, sagte er Bikeradar. Das System funktioniere innerhalb der bestehenden Normen gut.

7. Das plant Skarper für die Zukunft

Ob dem so ist, dürften erst längerfristige Tests zeigen. Die werden voraussichtlich ab dem kommenden Jahr möglich. Vom jetzigen Prototypenstatus will Skarper dann den Schritt zur Serienreife gemacht haben und 2023 sein System zum Verkauf anbieten. Der Preis wird in der Nähe der erwähnten 1.000 Britischen Pfund liegen. Intern richtet das Unternehmen den Blick bereits weiter voraus. Es bestätigte Angaben, wonach es an einer Version es DiskDrive arbeite, die speziell auf Mountainbikes ausgerichtet sei. Partner bei diesem Projekt ist niemand geringerer als Red Bull. Damit dürfte Skarper sich auch künftig einer gewissen Aufmerksamkeit der Medien gewiss sein.

8. Skarper DiskDrive im Überblick

  • Motorleistung: 250 W
  • Geschwindigkeit: 25 km/h
  • Drehmoment: 50 Nm
  • Akku: 202 Wh
  • Ladedauer: 2,5 h
  • Reichweite: maximal 60 km
  • Gewicht: 3 kg + 300 g für Disk

 

Bilder: Blue Sky IP Ltd.

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