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Livall Pikaboost 2: Preisgekröntes Umbau-Kit für den günstigen Umstieg auf ein E-Bike

E-Bike-Umbau-Kit Livall Pikaboost 2

Die CES gilt als eine der wichtigsten Tech-Messen weltweit. Besonderen Eindruck hat dort im Januar 2026 ein Umbau-Kit-für E-Bikes hinterlassen. Hersteller Livall erhielt bei der diesjährigen Ausgabe für sein Pikaboost 2 gerade einen CES Innovation Award in der Kategorie „Sustainability & Energy Transition“. Mithilfe des Sets könnt ihr ein herkömmliches Fahrrad recht einfach zu einem E-Bike nachrüsten. Livall konnte zahlreiche Funktionen in dem Set integrieren. Den Zeitgeist trifft das Produkt aber vermutlich auch aufgrund seines erschwinglichen Preises.

Für ein neues E-Bike investieren die Menschen in Deutschland durchschnittlich etwa 2.650 Euro. Diesen Wert hat zumindest der Zweirad-Industrieverband ZIV in seiner Verkaufsstatistik für 2024 ermittelt. Eine Summe, die nicht alle ausgeben wollen und können. Beim Radfahren von einer Motorunterstützung zu profitieren und das Ziel erholter und ohne lästigen Schweißgeruch in den Klamotten zu erreichen, klingt für viele dennoch sehr verlockend. Also sind Alternativen gefragt. Eine davon könnte das erwähnte Pikaboost 2 von Livall sein. Schließlich werden dafür lediglich 439 Euro fällig.

1. Dein neues E-Bike ist … dein altes Bio-Bike
2. Umbau mit Lival Pikaboost 2 keine Einbahnstraße
3. Leistungsstark und etwas schwerer als gedacht
4. Gewohnter Komfort kombiniert mit ungeahnten Extras
5. Nachrüst-Kit für E-Bikes mit intelligenter Bremse
6. Kompromisse bei Unterstützung und Reichweite
7. Die zwei Stimmungskiller des Lival Pikaboost 2

1. Dein neues E-Bike ist … dein altes Bio-Bike

Neben dem Preis punktet das E-Bike-Umbau-Kit mit weiteren praktischen Argumenten. Es lässt sich zügig installieren, ist enorm kompakt und verbirgt in seinem Inneren so manches nützliche digitale Feature. Typisch für ein solches Set zum Nachrüsten, dockt es an einer Stelle an, die von großem Vorteil ist. Nämlich an dem Fahrrad, mit dem ihr aktuell fahrt, das euch vielleicht sogar ans Herz gewachsen ist und das nur eine Schwäche hat – ihm fehlt ein Motor. Durch das Pikaboost 2 könnte sich das innerhalb von wenigen Minuten ändern.

E-Bike-Umbau-Kit Livall Pikaboost 2
Umbau-Kit Livall Pikaboost 2 für das Nachrüsten eines E-Bike-Antriebs an einem herkömmlichen Fahrrad

Das Gerät wird mit einer Halterung an der Sattelstütze montiert. Mit einer Laufrolle setzt es direkt auf dem Hinterrad auf. In der Rolle ist der E-Bike-Motor integriert. Dessen Leistung überträgt sich per Reibung auf das Hinterrad und sorgt für den zusätzlichen Schub. Der direkte Kontakt zwischen der Laufrolle des Pikaboost 2 und dem Hinterrad macht es erforderlich, dass ein vorhandenes Schutzblech abgebaut wird. Im Idealfall verfügt das Ausgangsfahrrad erst gar nicht über ein Schutzblech. Davon abgesehen ist das Kit mit beinahe jedem Fahrrad ohne Motorunterstützung kompatibel., dessen Laufrad zwischen 16 Zoll und 29 Zoll misst. Bezogen auf die Reifenbreite nennt Hersteller Livall sogar keine Einschränkung.

E-Bike-Umbau-Kit Livall Pikaboost 2 an einem Singlespeed-Fahrrad
Den eigenen Retro-Stadtflitzer fix mal in ein E-Bike umgewandelt.
E-Bike-Umbau-Kit Livall Pikaboost 2 an einem Rennrad
Das funktioniert genauso gut an einem Rennrad.

2. Umbau mit Lival Pikaboost 2 keine Einbahnstraße

Anhand des Konzeptes wird schnell deutlich, dass sich das Umwandeln in ein E-Bike auch leicht umkehren lässt. Dazu müsstet ihr lediglich die Einheit aus der Halterung abschrauben oder ihr entfernt sie zusammen mit der Halterung von der Sattelstütze. In jedem Fall sollte dies vermutlich keine fünf Minuten dauern. Mit einem einzigen Fahrrad derart flexibel zu sein, gelingt im Grunde nur mit einem ähnlichen Umbausatz wie dem Clip Bike oder dem Skarper DiskDrive. Zumindest bei dem System von Skarper gestaltet sich das Montieren und Demontieren jedoch aufwändiger.

Montage des E-Bike-Umbau-Kits Livall Pikaboost 2
Im ersten Montageschritt schraubt ihr die Halterung für die Einheit an der Sattelstütze an.
Montage des E-Bike-Umbau-Kits Livall Pikaboost 2
Sobald ihr die Laufrolle mittig am Reifen ausgerichtet habt, drückt ihr auf den Powerbutton. Danach senkt sich der Antrieb so weit ab, bis er mit genügend Druck auf dem Reifen aufliegt.
Montage des E-Bike-Umbau-Kits Livall Pikaboost 2
Als Nächstes befestigt ihr die Haupteinheit an der Halterung.

3. Leistungsstark und etwas schwerer als gedacht

Zum System von Livall gehören nur wenige Komponenten. Die Haupteinheit umfasst die Laufrolle inklusive des Motors sowie einen Akku. Beim Motor handelt es sich um einen Reibungsmotor. Vom Akku angetrieben leistet der die bekannten 250 Watt im Dauerbetrieb und maximal 500 Watt in der Spitze. Diese Leistung überträgt er durch die Reibung der Rolle auf den Reifen des Hinterrades am E-Bike. Erreicht euer Fahrrad mit der zusätzlichen Motorkraft eine Geschwindigkeit von 25 Kilometer pro Stunde, stellt der Motor seinen Dienst ein. Er erwacht erst wieder, wenn ihr unter die genannte Geschwindigkeitsgrenze zurückfallt.

Motor des E-Bike-Umbau-Kits Livall Pikaboost 2
Damit der Motor des E-Antriebs euch wirklich unterstützen kann, muss die Laufrolle mit den nötigen Druck auf dem Hinterrad aufliegen. Daraus resultiert der höhere Verschleiß am Reifen.

Die in Europa verkaufte Version des Livall Pikeboost 2 bietet einen Akku mit einer Kapazität von 220 Wattstunden. Das Maß hängt direkt mit der Anforderung zusammen, dass der Akku in die als schmaler Zylinder gestaltete Haupteinheit passt. Livall gibt das Gewicht des Akkus mit einem Kilogramm an. Angesichts der relativ geringen Kapazität klingt das verhältnismäßig viel.

Akku für das E-Bike-Umbau-Kit Livall Pikaboost 2
Im Akku sind Zellen des Typs 18650 verbaut.
Akku für das E-Bike-Umbau-Kit Livall Pikaboost 2
Unter einer seitlichen Abdeckung verbirgt sich der entnehmbare Akku.

Auf der CES 2026 war zudem eine weiterentwickelte Version des Umbau-Kits für E-Bikes für den US-amerikanischen Markt zu sehen. Deren Akku fällt mit 158 Wattstunden sogar noch kleiner aus. Zu ihrer Leistungsstärke gibt die Webseite des Herstellers widersprüchliche Angaben. Mal ist die Rede von einer Unterstützung bis 25 Kilometer pro Stunde, dann wieder von 32 Kilometer pro Stunde. Beim Systemgewicht wird für beide Versionen ein Wert von drei Kilogramm genannt.

Sowohl Größe als auch Gewicht eröffnen euch theoretisch die Option, den E-Bike-Antrieb sogar per Flieger in den Urlaub mitzunehmen. Als Teil des gewöhnlichen Gepäcks, sorgsam verpackt, sollten das einige Fluglinien gestatten. Die finale Wahrheit findet ihr vermutlich im Kleingedruckten.

Ladefunktion am E-Bike-Umbau-Kit Livall Pikaboost 2
Mit diesem Umbau-Kit könnt ihr unterwegs sogar euer Smartphone aufladen.

4. Gewohnter Komfort kombiniert mit ungeahnten Extras

Wie aber fährt sich ein E-Bike mit einem solchen Umbau-Kit? Nun, aus der Ferne spricht alles für ein ganz passables Fahrerlebnis. Die vier Fahrmodi Assist, Cruise, Workout und Off deuten schon einmal auf eine brauchbare Abstimmung hin. Im Assist-Modus greift der Motor wohl nur ein, wenn die Sensoren eine Steigung erkennen. Der Cruise-Modus lässt sich am ehesten mit einem Eco-Modus vergleichen, der für eine möglichst große Reichweite sorgen möchte. Und im Workout-Modus erhaltet ihr die maximale Unterstützung.

Ansonsten legt Livall einen merklichen Fokus auf die Sicherheit beim Fahren. Sobald das System bemerkt, dass sich das Hinterrad nicht mehr dreht oder es auf nassem Untergrund die Traktion verloren hat, pausiert es die Unterstützung. Ein anderer integrierter Sensor unterbricht die Leistung, sobald sich das Fahrrad um mehr als 30 Grad zur Seite neigt. Eine solche Lage gilt als Indiz für eine brenzliche Fahrsituation. Verschlimmert sich die Schräglage auf mehr als 60 Grad, sendet das System automatisch einen Notruf an einen vorher in der Livall Riding App hinterlegten Notfallkontakt.

Bedieneinheit am E-Bike-Umbau-Kit Livall Pikaboost 2
Die Bedieneinheit gibt es exklusiv nur in der teureren Ausführung des Livall Pikaboost 2.

5. Nachrüst-Kit für E-Bikes mit intelligenter Bremse

Minimalistisch, aber vermutlich effektiv funktioniert das, was Livall eine intelligente Bremse nennt. Zum Lieferumfang des Pikeboost 2 gehören ein Sensor und ein Magnet dazu. Der Sensor ist per Kabel mit der Bedieneinheit am Lenker verbunden. Er soll dort angebracht werden, wo der innere Teil des Bremshebels nah an die Bremsklemme heranreicht. Der Magnet ist für eine Position direkt gegenüber an der Klemme vorgesehen. Ist der Abstand zwischen Sensor und Magnet gering genug, ist der Motor betriebsbereit. Zieht ihr jedoch beim Bremsen den Bremshebel, vergrößert sich der Abstand und die Verbindung zum System wird unterbrochen. Auf diese Weise ist der Motor bei jedem Bremsmanöver mit der betreffenden Bremse deaktiviert. Folglich erscheint es ratsam, die Bedieneinheit und damit Sensor und Magnet der intelligenten Bremse links am Lenker zu installieren. So gibt die Vorderradbremse den Ausschlag für die Unterbrechung. Schließlich ist sie die Bremse, die das Fahrrad am stärksten verzögert und typischerweise öfter betätigt wird.

Übrigens, dass ihr bremst, erkennt der Verkehr hinter euch am hell aufleuchtenden Rücklicht. Das fungiert zusätzlich als Bremslicht. Auch nicht übel.

Intelligente Motorunterbrechung über die Bremse am E-Bike-Umbau-Kit Livall Pikaboost 2
Bei den beiden ungewöhnlichen "Knubbeln" an der Bremse handelt es sich um den Sensor und den Magneten für die Motorunterbrechung.
Bedieneinheit für das E-Bike-Umbau-Kit Livall Pikaboost 2
Sowohl die Bedieneinheit als auch Sensor und Magnet für die intelligente Bremse sind eher einfach gehalten.

6. Kompromisse bei Unterstützung und Reichweite

Analog zu anderen E-Bike-Antrieben hat natürlich auch dieses Umbau-Kit die eine oder andere Schwäche. Zum Beispiel erreicht die Unterstützung bei weitem nicht das Niveau, das ihr von einem klassischen E-Bike-System mit Mittel- oder Hinterradnabenmotor kennt. Livall spricht davon, dass sich mit dem Pikeboost 2 die Anstrengung halbieren ließe, die sich bei einem herkömmlichen Fahrrad ergäbe. Zum Vergleich: Ein Bosch Performance Line CX unterstützt bis zu 400 Prozent.

Grenzen ergeben sich gleichfalls für die Reichweite. Bei der Version des Sets mit dem größeren Akku könnt ihr laut Hersteller mit einer Reichweite von maximal 70 Kilometer rechnen. Wenn ihr überwiegend im Workout-Modus fahrt, dürften es deutlich weniger sein.

7. Die zwei Stimmungskiller des Lival Pikaboost 2

Nicht wegzudiskutieren ist zudem der erhöhte Verschleiß am Mantel des Hinterrades. Wer anderes vorhersagt, macht sich aus unserer Sicht unglaubwürdig. Schließlich kommt zum Kontakt des Reifens mit dem Untergrund noch die Belastung durch die Laufrolle des Motors hinzu. Das kann nicht ohne Effekt auf den Reifen bleiben. Wie groß dieser ausfällt, können wir leider nur schätzen. Eine um die Hälfte reduzierte Haltwertzeit für den Reifen wäre aber sicher deutlich zu pessimistisch angesetzt. Livall prognostiziert für die Laufrolle übrigens eine Laufleistung von 3.000 Kilometer bis 5.000 Kilometer. Dieser Ersatz käme dann ebenso noch darauf.

Während der Preis für einen neuen Reifen verschmerzbar scheint, dürfte für etliche Interessenten wesentlich stärker ins Gewicht fallen, dass sich mit diesem Nachrüst-Set kaum ein wirksames hinteres Schutzblech kombinieren lässt. Damit würde diese Lösung fast zu einem Schön-Wetter-Bike degradiert. Das geht dann vermutlich an der Lebensrealität vieler Menschen genauso vorbei, wie ein Preis von mehr als 2.500 Euro für ein neues E-Bike. Um Nässe und Schmutz einigermaßen im Zaum zu halten, wäre vielleicht das eine oder andere Schutzblech denkbar, das sich an der Sattelstütze anklicken, anklemmen oder auf anderen alternativen Wegen befestigen lässt, und das dann über dem Pikeboost 2 hinwegläuft. Oder ihr greift auf Mini-Bleche á la Ass Savers zurück, die direkt am Sattel Halt finden und immerhin einen minimalen Schutz bieten.

Livall Pikaboost 2 im überblick

  • Motor: Reibungsmotor
  • Nenndauerleistung: 250 W
  • Spitzenleistung: 500 W
  • Unterstützung bis: 25 km/h
  • Akku: 220 Wh
  • Ladezeit: komplett aufgeladen innerhalb von 4 h
  • Reichweite: maximal 70 km
  • Systemgewicht: 3 kg
  • Kompatibilität: Fahrräder mit Laufrädern von 16‘‘ bis 29‘‘
  • Konnektivität: App kompatibel mit Android und iOS
  • Preis: 439 Euro

Bilder: Livall

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