E-Bike Backspin von Fixie Inc.

E-Bike Fixie Inc. Backspin: Wenn der Name verpflichtet

Hat sich jemand von euch früher als Fahrradkurier Geld hinzuverdient? Falls ja, kennt ihr aus der ersten Dekade der 2000er vielleicht noch die Marke Fixie Inc. Unter dem Label düsten hochwertige Singlespeed-Bikes weltweit über das Pflaster der Metropolen. Anfangs fast durchweg mit starrem Gang, also fixed, und meist von eben jenen Fahrradkurieren gefahren. Später waren viele Varianten mit Freilauf unterwegs, Crosser kamen hinzu und die Marke breitete sich unter einer jüngeren, von außen gern als „hip“ bezeichneten, Fangemeinde aus.

Jetzt hat Fixie Inc. die zweite Auflage des Backspin vorgestellt. Natürlich erneut mit Singlespeed. Allerdings ist dieses eines der selteneren E-Bikes, dessen Motor während der Fahrt wieder Energie zurückgewinnen kann. Hersteller wie Flyer oder Stromer sind damit auch schon erfolgreich gewesen. Tatsächlich ist das Aggregat das herausstechende Merkmal am Backspin. Es handelt sich um die neuste Version des italienischen Herstellers Zehus und heißt „All in one“. Der Name ist hier Programm. Die Hinterradnabe ist nämlich Motor und Akku zugleich.

Rückwärts treten, um länger vorwärts zu kommen

Und so funktioniert die Energierückgewinnung. Sobald ihr bremst, bergab rollt und während der Fahrt rückwärts pedaliert, wird die dabei entstehende kinetische Energie in elektrische Energie umgewandelt und lädt den Akku auf. Zumindest teilweise. Andere Hersteller haben den Gewinn dieser Rekuperation mit bis zu 30 Prozent beziffert. Bei Fixie Inc. findet sich keine Angabe dazu. Klar ist in jedem Falle – um das Aufladen kommt ihr natürlich nicht gänzlich herum. Immerhin vergrößert ihr aber die Reichweite des Bikes und könnt euch eine gewisse Reserve verschaffen.

Motor "All in one" von Zehus in der Explosionsdarstellung

Motor „All in one“ von Zehus in der Explosionsdarstellung

Ansonsten ist der E-Antrieb sehr einfach gehalten. Am Backspin selbst gibt es weder Display noch Bedieneinheit noch einen anders gearteten Ein- und Ausschalter für das System. Das „Anschalten“ funktioniert vielmehr über ein Anrollen. Ihr müsst eine Mindestgeschwindigkeit von 8 km/h erreichen und dann dreimal rückwärts pedalieren, um den Motor zu aktivieren. Am einsetzenden Surren des Motors erkennt ihr, ob das geklappt hat – oder nicht. Das Ausschalten erledigt der Antrieb dagegen automatisch. Dafür muss das Bike lediglich zwei Minuten lang stillgestanden haben.

Flexibles Motorenmanagement

Per App habt ihr sogar die Möglichkeit in begrenztem Maße die Motorunterstützung zu konfigurieren. Grundsätzlich verfügt der Zehus-Motor über drei Unterstützungsstufen: Eco, Turbo und Turbo-Custom. In eben jenem Custom-Modus lässt sich regeln, mit welchem Drehmoment bis zu welcher Geschwindigkeit ihr unterstützt werden möchtet. Auch den Grad der Rekuperation könnt ihr dort auswählen. Im Turbo-Modus ist sie übrigens standardmäßig deaktiviert.

Obwohl Akku und Motor im „All in one“ eine Einheit bilden, wiegt das System nur 3,2 Kilogramm. Das schlägt sich zudem im Gesamtgewicht des Bikes von ungefähr 13,5 Kilogramm nieder. Dank der geringen Masse schafft ihr im Turbo-Modus laut Hersteller bis zu 35 Kilometer. Dabei beläuft sich die Kapazität des Akkus auf überschaubare 172 Wattstunden. Das Aufladen funktioniert über eine Ladebuchse, die sich in der Hinterradnabe versteckt. Einfach Schutzkappe auf der Antriebsseite abziehen, Ladegerät anstöpseln und los geht’s. Wobei, lasst euch ruhig Zeit. Für das komplette Aufladen setzt Fixie Inc. nämlich drei Stunden an.

Sparfuchs als Designer

Während das E-Bike aufgrund des Motors aus der Masse hervorsticht, fallen die meisten weiteren Komponenten im Vergleich dazu deutlich ab. Mit dem Lenker und der Sattelstütze von Lightskin gibt es zumindest zwei Teile, die für ein gewisses Flair sorgen. Ihr vollintegriertes Licht hat uns zuletzt schon am Platzhirsch von Urwahn gefallen. Beim Backspin ist die Beleuchtung leider nicht mit dem Akku verbunden. Heißt für euch, dass beide Schweinwerfer regelmäßig über einen Micro-USB-Anschluss geladen werden wollen.

Sattel, Griffe, Pedale, Reifen, Schutzbleche etc. verdienen sich höchstens das Prädikat solide. Bei den Bremsen hat es sogar nur zu simplen Felgenbremsen von Tektro gereicht. Aus Sicherheitsgründen gehört so etwas aus unserer Sicht heutzutage an kein E-Bike mehr. Hier wird klar, weshalb unter dem Strich ein Preis von weniger als 2.000 Euro steht. Die Tatsache, dass statt einer Schaltung ein Singlespeed verbaut ist, interpretieren wir als Verpflichtung gegenüber dem Markennamen.

Was die ehemaligen Gründer von Fixie Inc., Recep Yesil und Holger Patzelt, zu diesem Bike sagen würden? Keine Ahnung. Ihr Verkauf der Marke an die Firma Internetstores liegt inzwischen mehr als zehn Jahre zurück. Wer weiß, wie groß die Identifikation da heute noch ist. Interessanterweise hat Recep Yesil immerhin eine direkte Beziehung zum Thema E-Bike. Er arbeitet heute als Produktmanager bei Coboc. Dort gehören Singlespeeds auch zum Sortiment. Allerdings nur mit Scheibenbremsen.

Fixie Inc. Backspin im Detail

  • Motor: Zehus „All in one“, Gen. 2, 250 W
  • Batterie: Zehus Bike, Lithium-Ionen, 172 Wh
  • Reichweite: 30 – 60 km
  • Antrieb: Singlespeed
  • Bremsen: Tektro RX1
  • Rahmengrößen: XS, S, M, L, XL
  • Gewicht: ca. 13,29 kg
  • Maximal zulässiges Gesamtgewicht: 120 kg
  • Preis: 1.899,99 Euro

 

Bilder: Internetstores GmbH; Zehus SpA, c2g-engineering GmbH

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