Nein, Menschen, die ungern Aufmerksamkeit auf sich ziehen, sollten kein E-Bike der Marke Esel fahren. Oder glaubt ihr, dass man mit einem Fahrrad, dessen Rahmen aus Holz besteht, unbemerkt durch den Alltag kommt? Dem Hersteller aus Österreich geht es jedoch nicht um möglichst viel Publicity für seine E-Bikes, Kundinnen und Kunden. Er nutzt das Material, weil er darin einen hervorragenden Werkstoff für ein Fahrrad sieht. So auch bei seinem neuen City-E-Bike – dem Esel eUrban.
1. Wieso Alu, wenn es auch Holz sein kann?
2. Rahmen aus Holz ökologisch wertvoll und bequem zugleich
3. Esel eUrban innen hohl
4. Effektiver Allwetterschutz für das City-E-Bike
5. Hinterrad-Nabenantrieb am Esel eUrban
6. Leichter Akku für sportliches Fahrgefühl
7. Holz – plus mehr oder weniger Carbon
8. Esel: erfahrener Hersteller mit klarem Motto
1. Wieso Alu, wenn es auch Holz sein kann?
Die moderne Fahrradwelt kennt etliche Materialien, mit denen sich Rahmen für E-Bikes und Fahrräder auch im industriellen Maßstab herstellen lassen. Über Aluminium, Carbon, Stahl und Titan wisst ihr vermutlich selbst eine Menge. Andere Stoffe wie Polyamid am Rahmen des Mocci oder das zu 40 Prozent aus recycelten Kohlenstofffasern bestehende Kunststoffgranulat vom Advanced Reco One sind da schon ausgefallener.
Und auch Holz gilt als ungewöhnlich, ist aber natürlich nicht komplett neu in der Branche. Vor nicht ganz fünf Jahren haben wir über Twmpa Cycles und deren E-Gravelbike berichtet. Inzwischen sind die E-Bikes aus dem Sortiment der Waliser verschwunden. Auf Esche als Rahmenmaterial setzen sie jedoch weiterhin. Dieses Holz scheint besonders populär. Schließlich arbeitet die in der Toskana beheimatete Marke Ornus ebenfalls damit. Auch dort entstehen unter anderem Gravelbikes – allerdings ohne E-Antrieb.
2. Rahmen aus Holz ökologisch wertvoll und bequem zugleich
Im Rahmen von Esel findet sich zum Teil auch Esche. Allerdings vertrauen die Hersteller im Gegensatz zu den vorherigen Beispielen auf einen Mix verschiedener Hölzer. Esche bildet zusammen mit Nuss die Außenschicht. Im Inneren nutzt das Team um Firmengründer Christoph Fraundorfer die leichtere Birke. Neben den Eigenschaften der Bäume ist ihm wichtig, dass sie aus der Region stammen und dort kontrolliert langsam wachsen können. Das lässt sich Esel mit einer Zertifizierung durch die Programme for the Endorsement of Forest Certification – kurz PEFC – nachweisen. Damit wird belegt, dass Holz aus ökologisch, ökonomisch und sozial nachhaltiger Waldbewirtschaftung nutzt.
Wir halten also fest, kaum ein anderes Rahmenmaterial kann von sich behaupten, dass es auf natürliche Weise vorkommt, nachwächst und beinahe vor der eigenen Haustür zu finden ist. Was aber macht Holz grundsätzlich attraktiv für den Rahmenbau? Nun, es kombiniert Eigenschaften, die bei anderen Werkstoffen in aufwändigen Fertigungsverfahren erst gezielt erzeugt werden müssen. Holz federt, dämpft Vibrationen und ist im Vergleich zu seinem Gewicht ziemlich stabil. Je nach Baum, gilt dies in unterschiedlichen Maßen. Daher kombiniert man Esel wie erwähnt drei verschiedene Sorten miteinander.

3. Esel eUrban innen hohl
Dies tut der Hersteller entsprechend fortschrittlich. Um am Ende bei einem möglichst geringen Rahmengewicht zu landen, sind Holzrahmen bei Esel innen hohl. Von dem Verbundholz entstehen zwei Halbschalen. Wie sie miteinander verbunden werden, ist ein Betriebsgeheimnis. Uns gegenüber verrät der Hersteller Immerhin, dass er mit formschlüssigen Verbindungen, Verdübelungen und einem speziellen dauerelastischen Klebesystem arbeitet.
Auf diese Weisen entstehen einzigartige Rahmen mit ihrer jeweils eigenen Maserung. Bei denen werden nicht nur die Züge und Kabel innen verlegt, sondern auch der Akku ist im Unterrohr integriert. Diese Liebe zum Holz treibt Esel jedoch nicht auf die Spitze. Mit der Carbongabel und dem aus Aluminium bestehenden Steuerohr gibt es zwei Komponenten, die andere Materialien nutzen. Grund dafür sind die Kräfte, die an der Gabel und dem Lenker angreifen. Diese sollen bestmöglich an den Holz-Rahmen weitergeleitet werden. Gleichzeitig möchte der Hersteller den Rahmen schlank und robust gestalten. Eigene Rahmenprüfungen haben gezeigt, dass die Kombination aus Holz, Aluminium und Carbon die besten Werte für die Systemfestigkeit und Robustheit erreicht. Theoretisch sei es durchaus vorstellbar, nicht nur Gabel und Steuerrohr, sondern sogar den Lenker und die Felgen ebenfalls aus Holz zu fertigen. Den technisch größten Mehrwert würde jedoch die aktuelle Lösung bieten.

4. Effektiver Allwetterschutz für das City-E-Bike
Sobald von einem Holzrahmen die Rede ist, werden sich manche von euch womöglich fragen, ob der nicht unter durch Regen, Schnee, massive Sonneneinstrahlung, rasche Temperatursprünge oder auch Streusalz im Winter leidet. Schließlich wissen wir aus eigener Erfahrung, wie schnell und wie stark Holz teilweise verwittert. Keine Sorge, das Esel eUrban ist ein E-Bike für jedes Wetter. Der Hersteller lackiert die Rahmen mit einer Schutzschicht, die vierfach vorsorgt:
- Holzschutz: Wirkstoff gegen Bläue und holzzerstörende Pilze
- Stirnholzversiegelung: Schutz gegen kapillare Wasseraufnahme
- Grundierung für Nasshaftung und Widerstand gegen UV-Strahlung
- Decklack: Schutz gegen Witterungseinflüsse und UV-Strahlung, kratzfest, blockfestig, chemisch beständig
Passend für ein urbanes E-Bike verfügt der Rahmen des Esel eUrban zudem über Anschraubpunkte für Schutzbleche und Gepäckträger. Während der Bestellung können Interessierte diverses Zubehör am Fahrrad hinzufügen. Zur Auswahl stehen unterschiedliche Pakete. Alles, was ihr zusätzlich bestellt, wird bereits ab Werk am Firmensitz in oberösterreichischen Traun montiert. Das kann auf Wunsch auch ein GPS-Tracker sein, den Esel stets optional anbietet.
5. Hinterrad-Nabenantrieb am Esel eUrban
Eigene Wege geht Esel nicht nur beim Rahmen. Auch beim E-Bike-System des eUrban mit dem Hinterradnabenmotor handelt es sich um eine eigene Entwicklung. Für einen kleineren Hersteller ist dies relativ ungewöhnlich. Schließlich gibt es mit Mahle, FSA, Bafang und anderen etliche namhafte Zulieferer, die bewährte System in unterschiedlichen Leistungsstärken anbieten. Esel setzt jedoch lieber auf eine eigene Lösung, um so flexibel auf die Anforderungen der eigenen E-Bikes eingehen zu können. Bei Punkten wie der Motorleistung, der Wicklung, dem Steuern der Controller und des Drehmoments sowie bei der Akkugröße habe man mit dem eigenen System deutlich mehr Spielraum. Jede zugekaufte Option würde an irgendeiner Stelle einen Kompromiss und ein Abweichen vom eigenen Ideal bedeuten.
Als ideal für das eUrban empfindet Esel offensichtlich einen Hinterradnabenantrieb mit einem Drehmoment von 42 Newtonmetern. Die liegen direkt am Hinterrad an und sind kein theoretisch berechneter Wert. Zusammen mit der moderaten Kapazität des Akkus von wahlweise 250 Wattstunden oder 350 Wattstunden kommt das dem Leichtbau und den Fahreigenschaften des E-Bikes bei Fahrgeschwindigkeiten jenseits der 25 Kilometer pro Stunde sehr entgegen. Wichtig war dem Hersteller den Sprung über die Grenze hinaus möglichst sanft zu gestalten, sodass ihr leicht über diese Schwelle kommt und schneller fahren könnt.

6. Leichter Akku für sportliches Fahrgefühl
Im Tretlager integriert Esel einen Drehmomentsensor für das System. Damit erfasst der E-Antrieb eure Tretbewegung und kann entsprechend reagieren. In der Praxis bedeutet dies: Je stärker ihr pedaliert, desto kräftiger unterstützt der Motor. Regulieren lässt sich dies im Rahmen von fünf Unterstützungsstufen. Diese könnt ihr über ein am Lenker montierten Display per Knopfdruck wechseln. Seine Energie bezieht der Motor aus dem im Unterrohr versteckten Akku. Dessen Kapazität von 350 Wattstunden liegt auf dem Niveau, was Mahle mit dem iX350 für den X20-Antrieb anbietet. Innerhalb von vier Stunden soll der vollständig aufgeladen sein. Alternativ ist wohl noch ein kleinerer Akku einer Kapazität von 250 Wattstunden verfügbar. Der ist bereits vom Esel eGravel bekannt. Aktuell lässt sich der beim Bestellen des eUrban auf der Webseite von Esel allerdings nicht auswählen.
Trotz aller betonten Eigenständigkeit arbeitet das Unternehmen natürlich mit Partnern zusammen. Bei der Herstellung vom Motor zum Beispiel kooperiert Esel mit Aikema. Das Unternehmen aus China gilt als einer der größten Nabenantriebshersteller weltweit. Er fertigt die Systeme nach den Vorgaben von Esel. Die Zellen für den Akku stammen dagegen von Panasonic.
Die leichteren Motoren und Akkus sind Merkmale, in denen sich das sportlicher ausgerichtete eUrban vom früheren E-Tour unterscheidet. Letztgenanntes ist in erster Linie für längere Touren konzipiert, besitzt die Geometrie für eine aufrechtere Sitzposition und wiegt mit der hochwertigsten Ausstattung rund 21,5 Kilogramm.

7. Holz – plus mehr oder weniger Carbon
Das sind genau fünf Kilogramm mehr, als das leichteste eUrban auf die Waage bringt. Ihr selbst dürft laut Esel immerhin 120 Kilogramm wiegen, ohne das City-E-Bike damit zu überlasten. Wer einen hinteren Gepäckträger nutzt, darf den mit zusätzlichen 27 Kilogramm beladen. In der Summe ergibt das ein maximal zulässiges Gesamtgewicht von 163,5 Kilogramm. Davon kann sich so manches leichtgewichtige urbane E-Bike der Konkurrenz mit einem Rahmen aus Aluminium oder Carbon eine Scheibe abschneiden. Und falls ihr doch einmal ein ungutes Knacken im Rahmen hören solltet – Esel gewährt eine fünfjährige Garantie auf Rahmenbruch.
Wenn von dem leichtesten eUrban Esel die Rede ist, dann gibt es logischerweise auch ein etwas schwereres. Der Hersteller bringt mit dem Esel eUrban Performance und dem Esel eUrban Basic zwei verschiedene Ausstattungen auf den Markt. Der Preisunterschied von 1.000 Euro zwischen beiden geht vorrangig auf den jeweiligen Laufradsatz, die verbaute Kettenschaltung und die Sattelstütze zurück. Für 4.990 Euro erhaltet ihr am Esel eUrban Performance Laufräder mit Carbonfelgen vom österreichischem Hersteller Panchowheels. Dazu gibt es eine Carbonsattelstütze. Als Schaltgruppe verbaut Esel hier die Shimano Deore XT in der Version mit elf Gängen.

Eine Stufe auf der Produktleiter von Shimano hinunter geht es beim Esel eUrban Basic. Dort schaltet ihr mit der Shimano Deore die dann nur zehn Gänge auf der Kassette. Laufräder und Sattelstütze sind aus Aluminium und damit entsprechend günstiger. Bei anderen wichtigen Details wie den Bremsen, den Reifen und der Gabel macht der Hersteller dagegen keine Abstriche und stattet beide Modelle identisch aus.
Esel eUrban im Überblick
- Modelle: Esel eUrban Performance, Esel eUrban Basic
- Rahmen: Esel Hollow Tec Holzrahmen
- Rahmengrößen: S, M, L, XL
- Gabel: Carbon-Gabel
- Motor: Hinterrad-Nabenmotor, 42 Nm
- Akku: 350 Wh, optional 250 Wh
- Antrieb: Shimano Deore XT, Shimano Deore
- Bremse: Shimano MT410
- Gewicht: ab 16,5 kg
- Maximal zulässiges Gesamtgewicht: ab 163,5 kg
- Preise: ab 3.990 Euro
8. Esel: erfahrener Hersteller mit klarem Motto
Für Firmengründer Christoph Fraundorfer bedeuten Fahrräder nach eigener Aussage mehr als ein Transportmittel, um sich von A nach B zu bewegen. Er betrachtet sie als ein Statement für Design, Nachhaltigkeit und ein einzigartiges Fahrerlebnis. Diesem Motto folgend entwickelt und vertreibt Esel bereits seit 2016 Fahrräder und E-Bikes. Zum Line-Up gehören inzwischen vier E-Bikes in verschiedenen Ausstattungen und zum Teil unterschiedlichen Rahmenformen. Als E-Bike-Systeme kommen neben einem eigenen Hinterradantrieb der Mittelmotor EP600 von Shimano zum Einsatz.
Bilder: My Esel GmbH




