Mit dem E-Bike fahren fühlt sich toll an. Wenn es nur den vielen Verkehr um uns herum nicht gäbe. So ähnlich empfinden mehr als jede und jeder Dritte, die in Deutschland im Straßenverkehr Radfahren. Das legt eine im November 2025 veröffentlichte Studie nahe, welche die deutsche Prüfgesellschaft Dekra und das französische Marktforschungsinstitut Ipsos zusammen erstellt haben. Aus den Ergebnissen der Studie geht hervor, dass sich 39 Prozent der Menschen in diesem Land unsicher oder sehr unsicher fühlen, wenn sie mit dem E-Bike oder dem herkömmlichen Fahrrad in der Stadt unterwegs sind. Für das Fahren außerhalb von Ortschaften liegt der Wert bei 33 Prozent.
Gefühl bestätigt negativen Trend
Die Unfallzahlen für Radfahrende in Deutschland sind ernüchternd. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes starben 445 Radfahrende im Jahr 2024 auf unseren Straßen. Das ist ein Anstieg um 11,4 Prozent im Vergleich zum Wert für 2014. Wichtig dabei zu wissen: Die Zahl aller in Deutschland im Straßenverkehr getöteten Menschen lag 2024 dagegen 18,3 Prozent niedriger als noch 2014.
Dieser gegenläufige Trend schlägt sich anscheinend in der Wahrnehmung der Radfahrenden nachhaltig nieder. Dabei wird vor allem das Radeln in der Stadt als bedrohlich empfunden. Hier sprachen 39 Prozent der Befragten von einer Unsicherheit, während 58 Prozent von ihnen sich sehr sicher oder sicher fühlen. Bezogen auf das Fahrradfahren auf Landstraßen liegen die Anteile bei 33 Prozent für eine Einschätzung als unsicher und 63 Prozent für eine Einschätzung als sicher.

Mehr und breitere Radwege gewünscht
Wie aber kann dieser Unsicherheit begegnet werden? Als häufigste Antwort auf diese Frage wurde eine Erhöhung der Anzahl der Radwege gefordert. Sowohl mit Blick auf den Stadtverkehr als auch auf das Fahren über Land rangierte diese Antwort unangefochten auf Platz 1. Vermutlich haben die Befragten den Eindruck, noch zu selten anderen Verkehrsteilnehmenden mit dem Fahren auf einem Radweg ausweichen zu können. Als weitere Vorschläge folgen das Verbreitern der Wege für den Fahrradverkehr sowie das Trennen des Radwegenetzes vom Straßenverkehr. Ob der letztgenannte Vorschlag eher eine bauliche Trennung oder eine alternative Streckenführung meint, geht aus der entsprechenden Pressemitteilung nicht hervor.
Unter den weiteren Vorschlägen für ein sichereres Fahrradfahren finden sich Wünsche, die ihr eventuell aufgrund eigener Erlebnisse sehr gut nachvollziehen könnt. So gibt es Rufe nach einer allgemein besseren Qualität der Fahrradwege, nach einem besseren Untergrund der Fahrbahn und besseren Beschilderungen beziehungsweise Markierungen.
E-Bike-Fahrende überproportional stark gefährdet
Solche Infrastrukturmaßnahmen benötigen Zeit. Folglich bleibt die Situation für den Moment leider erst einmal so unbefriedigend wie sie ist. Das gilt vor allem für diejenigen unter euch, die ein E-Bike fahren. Statistisch gesehen ist euer Risiko überproportional hoch, bei einem Verkehrsunfall auf einem E-Bike zu sterben. Von den 445 tödlich Verunglückten aus dem Jahre 2024 fuhren 195 ein E-Bike. Das sind beinahe 44 Prozent aller Fälle. Dabei gibt es immer noch viel mehr herkömmliche Fahrräder ohne Motorunterstützung auf Deutschlands Straßen. Wie der Zweirad-Industrieverband ZIV für 2024 ermittelte, zählten zu den rund 88,7 Millionen Fahrrädern nur 15,7 Millionen Pedelecs. Das ergibt gerade einmal einen Anteil von 17,7 Prozent.
Normalerweise wäre demnach ein geringerer Anteil an E-Bike-Fahrenden unter den Todesopfern zu erwarten. Dass es sich anders verhält, rechnet die Dekra dem schnelleren Fahren mit einem E-Bike zu. „Bei der Nutzung von Pedelecs ist die Durchschnittsgeschwindigkeit insgesamt höher als auf Fahrrädern ohne Tretunterstützung, womit auch das Unfallrisiko zunimmt“, sagt Peter Rücker, Leiter der Dekra-Unfallforschung.
Im Rahmen der Studie ließen Dekra und Ipsos insgesamt 1.000 Menschen, die ein E-Bike oder ein Fahrrad ohne Motorunterstützung besitzen, online einen Fragebogen beantworten. Die Befragung erfolgt im September 2025.
Bilder: Dekra e.V.; Allgemeiner Deutscher Fahrrad-Club e. V.



