Ähnlich zu vielen anderen Objekten werden auch E-Bikes oftmals von bestimmten Dingen inspiriert. Sie möchten eine Stimmung widerspiegeln, eine Region, an eine bestimmte Zeit erinnern oder sogar an eine Person. Ganz selten dient ein Auto als Vorbild für ein Fahrrad. Das Traildiva des italienischen Herstellers Clorofilla Bike Lab soll die Fahrradversion eines Land Rover Defender sein. Schon an diesem Gleichnis erkennt ihr, dass dieses Longtail kein gewöhnliches E-Bike sein kann.
1. Streben nach grenzenloser Freiheit
2. Mit Traildiva von Clorofilla Bike Lab einmal um die Welt – oder nur kurz zum Bäcker
3. Fertigung mit High-End-Materialien und modernster Technik
4. Leichtes Longtail erlaubt moderate Zuladung
5. E-Cargobike in Weltcup-Kulisse getestet
6. Sichere Ungewissheit rund um den E-Antrieb
7. Leidenschaft statt Profit Triebfeder für Traildiva und Clorofilla Bike Lab
1. Streben nach grenzenloser Freiheit
Der Land Rover Defender also, soso. Unbestritten ein absoluter Klassiker der Automobilgeschichte. Scheinbar unverwüstlich. Modular aufgebaut. Unglaublich viel Platz bietend für Passagiere und Ausrüstung. Aber vor allem ein Fahrzeug, mit dem sich gefühlt jeder Winkel dieser Erde erreichen lässt.
Genau an solche Attribute knüpft das Traildiva von Clorofilla Bike Lab an. Es lädt euch ein, einfach loszufahren. Entdecken statt performen lautet das Motto. Der Hersteller spricht diejenigen an, die gern dem Tempo und der Flüchtigkeit unserer Zeit entkommen möchten. Und das gelingt aus seiner Sicht am besten abseits asphaltierter Straßen und Wege. Die dafür nötige Federgabel bringt das E-Bike ebenso mit wie den massiven hinteren Gepäckträger eines Longtails, der all das aufnehmen kann, was ihr bei euren Abenteuern dabeihaben wollt.
2. Mit Traildiva von Clorofilla Bike Lab einmal um die Welt – oder nur kurz zum Bäcker
Mit dieser Attitüde ist das Traildiva natürlich nicht allein. Nicht einmal unter den E-Bikes, die sich einiges von einem herkömmlichen E-Lastenrad abgeschaut haben. Als quasi Seelenverwandte kommen uns zum Beispiel das Santos Adventure Cargo Bike oder das Tern Orox in den Sinn. Genau wie diese beiden stellt das Modell von Clorofilla Bike Lab eine Plattform dar, von der aus ihr verschiedene Wege einschlagen könnt. Das gilt sowohl technisch als auch gedanklich. Vom Hersteller als „Adventure Utility Bike“ bezeichnet, spielt es seine Stärken aus, wenn ihr damit zum nächsten Campingplatz aufbrecht, die Morgensonne an einem abgelegenen Ort beim Angeln genießen wollt oder zu einem mehrtägigen Bike-Urlaub startet. Genauso gut könnt ihr daran aber auch euren Kontrabass festschnallen und zur Probe fahren. Oder mit großen Seitentaschen den Wocheneinkauf in Angriff nehmen. Sprich, auch auf Asphalt im urbanen Kontext erweist sich das Traildiva als ausgesprochen praktisch.
Dennoch bleibt unübersehbar, dass Trails der Spielplatz sind, für den dieses Longtail entwickelt wurde. Vermutlich, weil das der Ort ist, an dem sich der Mann zuhause fühlt, der es erschaffen hat. Lorenzo Buratti ist der Gründer und Inhaber von Clorofilla Bike Lab. Und offensichtlich haben es ihm die Fahrzeuge mit zwei Rädern besonders angetan. In der Mitte der1980er Jahre galt seine Leidenschaft dem BMX Freestyle. In den frühen 2000er Jahren fuhr er auf einem Motorrad die Ralley Paris-Dakar. Später traf man ihn auf einem Gravelbike oder beim Bikepacking wieder.
3. Fertigung mit High-End-Materialien und modernster Technik
So viel Erfahrung können auch etliche andere Firmenchefs in der Bikebranche vorweisen. Besonders macht Lorenzo Buratti sein tiefes Verständnis von Metallbearbeitung und dem Umgang mit CNC-Fräsen. Auf diesen beiden Pfeilern baut der Rahmen des Traildiva auf. Er besteht aus Aluminiumrohren, die in Muffen mit Epoxidharz verklebt werden. Durch das Eloxieren der Muffen lassen sich auffällige Farbakzente setzen. Beim Aluminium handelt es sich um eine Aluminium-Zink-Magnesium-Kupfer-Legierung, die wahlweise als Ergal, Duraluminium oder auch Aluminium 7075 bezeichnet wird. Fester als reines Aluminium kommt sie heutzutage verstärkt dort zum Einsatz, wo die Kombination aus einem geringen Gewicht und einer hohen mechanischen Leistung gefragt ist. Das gilt beispielsweise für Anwendungen in der Luft- und Raumfahrt, dem Automobilbereich, Uhren – und den Rahmenbau bei E-Bikes. 😉
Rohre und Muffen bilden den kompletten Rahmen inklusive des großen Gepäckträgers. Alles geht organisch ineinander über. Durch den modularen Aufbau lassen sich alle einzelnen Teile verändern, Rahmen anpassen und damit individuelle Vorstellungen umsetzen. Eine ideale Bauweise für Hersteller wie Clorofilla Bike Lab, die sich nicht für Trends und große Stückzahlen interessieren. Ihr Fokus liegt auf einer hohen Flexibilität, mit der sie ihr Konzept an die Vorstellungen von Kunden anpassen können. Das reicht von Details am Hauptrahmen bis hin zu Lösungen am Gepäckträger, wenn dort spezielle Wünsche umgesetzt werden sollen.
Leitungen und Kabel am Rahmen verlaufen größtenteils innerhalb der Rohre. Der in einer Einheitsgröße gefertigte Rahmen weist einen Radstand von 1.325 Millimeter auf. In verschiedenen Setups kann er maximal 27,5 Zoll große Reifen mit einer Breite von 2,6 Zoll aufnehmen.

4. Leichtes Longtail erlaubt moderate Zuladung
Angesichts der Größe des E-Bikes erscheint sein Gewicht von 28,5 Kilogramm durchaus beachtlich. Das vom Typ her recht ähnliche Tern Orox wiegt in jeder seiner Ausstattungen mindestens 34 Kilogramm in Rahmengröße M. Dafür kann das Traildiva bei der Zuladung nicht ganz mithalten. Den hinteren Gepäckträger könnt ihr aber immerhin mit maximal 40 Kilogramm beladen. Ihr selbst dürft nicht mehr als 110 Kilogramm und solltet dann beachten, dass das E-Bike für ein maximal zulässiges Gesamtgewicht von 160 Kilogramm freigegeben ist. Zum Vergleich: Der Gepäckträger am Tern Orox verträgt 100 Kilogramm. Im Gelände darf das E-Bike mit einem maximal zulässigen Gesamtgewicht von 180 Kilogramm gefahren werden.

Dafür punktet das Traildiva mit seiner Individualität. Ein Beispiel dafür ist ein Aufbau für den Lenker. Entstanden im Vorfeld einer Bikepacking-Tour besteht er aus einem gefrästen Aluminium-Gerüst und drei waagerechten rund 300 Millimeter langen Stangen aus Carbon. An den unteren beiden Stangen lässt sich ein Packsack befestigen. Die obere Stange dient als Aufnahme für ein Frontlicht, einen Fahrradcomputer und potenzielles weiteres Zubehör. Der Aufbau sitzt auf dem Gabelrohr direkt unter dem Vorbau und ersetzt damit einige Spacer. Im Inneren der Carbon-Stangen könnt ihr zum Beispiel Schnüre verstauen, die beim Zelten eine perfekte Wäscheleine abgeben. Auf der können am Ende des Tages verschwitze Klamotten trocknen und auslüften.

5. E-Cargobike in Weltcup-Kulisse getestet
Ein weiterer Unterschied zu anderen Herstelllern ist die Tatsache, dass die Testfahrten des Prototyps noch Chefsache sind. Dafür ist Lorenzo Buratti im Dezember 2025 in das italienische Mountainbike-Mekka Finale Ligure gereist. Auf dem weitverzweigten Trailnetz oberhalb des Mittelmeeres trifft sich die Elite des Mountainbikesports regelmäßig zu ihren Weltcups. Dort wanderten dann mit Wasser gefüllte Fünf-Liter-Kanister in die insgesamt vier Gepäcktaschen am Gepäckträger des Longtails. Derart bepackt galt es anschließend die Trailtauglichkeit des Traildiva zu testen – bergauf und bergab. Wie viel später am E-Bike noch verändert wurde, wissen wir leider nicht. Allerdings spricht einiges dafür, dass ihr mit ihm Passagen meistert, an denen herkömmliche E-Lastenfahrräder reihenweise scheitern würden.

6. Sichere Ungewissheit rund um den E-Antrieb
Nicht unerwartet für ein E-Bike aus Italien wird das Traildiva auch von einem italienischen E-Bike-System unterstützt. Der Hersteller greift auf eine Lösung von Oli mit einem Mittelmotor zurück. Der Oli Sport leistet die gewohnten 250 Watt im Dauerbetrieb und generiert daraus ein Drehmoment von 85 Newtonmeter. Seinen Strom bezieht er aus einem zwischen Sitzrohr und Gepäckträger außen montierten Akku mit einer Kapazität von 720 Wattstunden. Der entstand beim italienischen Hersteller Dalen extra für dieses Projekt. Gleiches gilt wohl auch für den 360 Wattstunden fassenden Range Extender.
Mit diesem Setup möchte Clorofilla Bike Lab allerdings nur kurzzeitig arbeiten. Bei einem Gespräch auf der Fahrradmesse Bespoked im September in Dresden erzählte Lorenzo Buratti uns, dass er den Tausch gegen einen Bosch Cargo Line erwäge. Auch das werde wohl aber keine Entscheidung für die Ewigkeit bleiben. Dafür herrsche auf dem Markt gerade zu viel Bewegung. Buratti werde genau beobachten, welchen Eindruck ein Avinox MG Concept oder die X-Serie von Gobao vielleicht schon 2027 hinterlassen. Abwarten könnte zu diesem Zeitpunkt die passende Strategie sein. Wohl dem, der sich diesen Luxus leisten kann.
7. Leidenschaft statt Profit Triebfeder für Traildiva und Clorofilla Bike Lab
Clorofilla Bike Lab kann warten. Schließlich hat die Marke eine wirtschaftliche Absicherung in der Hinterhand. Die heißt Buratti Meccanica und ist das Mutternunternehmen. Wie der Name nahelegt, befindet sich hier alles noch in Familienhand. Lorenzo Buratti ist in die Fußstapfen von Vater und Großvater getreten und hat den klassischen Maschinenbauer zu einer hochspezialisierten Metalldreherei weiterentwickelt, die Auftraggeber von der Prototypenentwicklung bis zur Serienfertigung begleitet. 5-Achsen-Fräsmaschinen. 3D-Drucker. CAD-Konstruktion. CAM-Programmierung. Industrie anno 2026.

Das Unternehmen scheint gut zu laufen. Anders wäre es vermutlich kaum denkbar, dass der Chef die Freiheiten für Projekte wie das Traildiva findet und dabei keinen Gedanken an möglichst große Gewinne und Margen verschwenden muss. Stattdessen können er und sein Team leidenschaftlich dem Traum nach dem perfekten Fahrrad nachjagen. Welches auch immer das sein mag. Da alles von Anfang bis Ende als Kleinstserie am Firmensitz in Cesena entsteht, liegt der finale Preis höher als das, was „normale“ E-Bike-Hersteller mit größeren Stückzahlen aufrufen können. Aber das erscheint uns nur fair. Den Land Rover Defender gab es auch nicht für einen Apfel und ein Ei.
Clorofilla Bike Lab Traildiva im Überblick
- Rahmen: Aluminium, geklebt
- Federgabel: SR Suntour Mobie34, 100 mm
- Motor: Oli Sport
- Akku: Dalen Battery, 720 Wh
- Display: Oli D500Antrieb: Sram Eagle 90 Transmission
- Bremsen: Magura Gustav Elite
- Gewicht: 28,5 kg
- Maximales Fahrergewicht: 110 kg
- Maximale Zuladung Gepäckträger hinten: 40 kg
- Maximal zulässiges Gesamtgewicht: 160 kg
- Preis: ab 8.500 Euro
Bilder: Buratti Meccanica SRL; Elektrofahrrad24 GmbH











