Sich entspannt zurücklehnen. Die Seele baumeln lassen. An nichts denken müssen. Das E-Bike zu diesem Gefühl möchte das Brekr F250 sein. Alle von euch mit einem Faible für den Look der 1960er und 1970er in den USA und einem erfreulich löchrigen Terminkalender könnten sich davon angesprochen fühlen. Wobei dieses E-Bike für weit mehr taugt als nur für das Cruisen durch euer Viertel.
1. E-Bike mit Motorrad-Genen
2. Kein Problem dank magnetischem Akkudeckel
3. Sitzbank lang und höhenverstellbar
4. Brekr F250 setzt auf 22 Zoll
5. Motor von Bafang mit besonderem Clou
6. Sicherheit im urbanen Alltag kostet zusätzlich
7. Stilikone und praktisches Alltagsrad in einem
8. Resümee zum Brekr F250
1. E-Bike mit Motorrad-Genen
Schon auf den ersten Blick wird klar – dieses E-Bike ist nicht wie alle anderen E-Bikes. Möchte es auch gar nicht sein. Der Vergleich zu einem kleinen Kunstwerk liegt ihm viel näher. Zu einem Gegenstand, der cool aussieht und seinen Glanz auf euch überträgt. Auf seiner Webseite gibt Brekr offen zu, dass das Design des F250 zwei Aspekten dient. Es soll das E-Bike gut fahren lassen. Und vielleicht sogar noch wichtiger – es soll die Aufmerksamkeit auf sich ziehen. In Teilen ist dieses Konzept definitiv bereits aufgegangen. So erhielt das Brekr F250 zum Beispiel 2024 den iF Design Award.
Leider geht aus der Begründung nicht hervor, welches Detail der Jury am besten gefallen hat. In jedem Fall vereint das Modell Elemente mehrerer bekannter Ikonen. Uns fallen da etwa die Mini Bikes von Taco aus den 1960er Jahren ein. Oder die Motoräder im Scrambler-Stil der 1970er Jahre. Nur dass hier in dem bauchigen Hauptrahmen eben kein ausrangierter Motor eines Rasenmähers steckt. Stattdessen füllt Brekr diesen freien Raum mit einem markanten, breiten Profil, das vom hinteren Ausfallende diagonal hinauf bis zum Steuerrohr verläuft. Seine massiven seitlichen Zierblenden aus Aluminium sind ein echter Hingucker. Die Blenden gibt es in etlichen unterschiedlichen Farben. Wer sich beim Kauf nicht für eine davon entscheiden kann, kauft einfach zwei. Oder drei. Brekr bietet sie als Zubehör an. Allerdings kostet ein Set auch 199 Euro.

2. Kein Problem dank magnetischem Akkudeckel
Im Inneren des Profils verbirgt sich der Akku. In seiner Standardgröße fasst der 540 Wattstunden und wiegt rund drei Kilogramm. Für größere Reichweiten könnt ihr alternativ einen Akku mit 720 Wattstunden wählen. Der fällt mir 3,6 Kilogramm entsprechend schwerer aus. Herausnehmen lässt sich der Akku nach oben. Der Deckel des Akkufachs öffnet sich folglich ebenfalls nach oben. Dort verläuft jedoch das Rahmenrohr mit der eingefassten Sitzbank. Es droht also ein kleines Platzproblem. Brekr löst dieses wirklich clever. Der Akkudeckel ist magnetisch und hält an der Unterkante der Sitzbank. Somit habt ihr beide Hände frei, um den Akku bequem zu entnehmen.
3. Sitzbank lang und höhenverstellbar
Wenn wir schon bei der Sitzbank sind, können wir noch kurz etwas zu ihr sagen. Schließlich bestimmt sie das Erscheinungsbild des F250 maßgeblich mit. Ihre Länge genügt, damit zwei Erwachsene auf ihr Plätz finden. Je nach Körpergröße und Umfang wird es dabei auch mal etwas enger. Aber grundsätzlich habt ihr die Option, jemanden quasi auf dem Rücksitz mitzunehmen. Seid ihr allein unterwegs, könnt ihr irgendeine Sitzposition zwischen maximal entspannt und ulkig nah am Lenker wählen.
Ein Vorteil des Brekr F250 gegenüber anderen Mitbewerbern ist die Tatsache, dass sich die Sitzbank in ihrer Höhe an eure Körperlänge anpassen lässt. Die drei Stufen niedrig, mittel und hoch sorgen dafür, dass laut Hersteller Menschen mit einer Länge von 150 Zentimeter und mehr als 210 Zentimeter angemessen Platz finden. Die Obergrenze erscheint aus unserer Sicht sehr optimistisch bemessen. Allerdings konnten wir bislang auch noch keine Runde mit diesem E-Bike drehen. Daher nehmt auch unsere Bedenken bitte ohne Gewähr.

4. Brekr F250 setzt auf 22 Zoll
Als Herzstück des Designs bezeichnet Brekr die breiten Reifen seines F250. Die Wahl solcher breiten Schlappen verbindet es mit ähnlichen E-Bikes wie dem Unimoke MK von Urban Drivestyle und diversen Modellen des US-amerikanischen Herstellers Super73. Auch diese erinnern in Teilen an ein Moped und setzen bei ihrem Retro-Stil auf die Breite von vier Zoll. Beim Durchmesser geht Brekr jedoch eigene Wege. Im Gegensatz zu den vorher Erwähnten setzt der Hersteller auf 22 Zoll statt auf die stärker verbreiteten 20 Zoll. Hinter der Entscheidung steckt angeblich der Versuch, sich bewusst vor allem von billigen Fatbikes abzugrenzen. Diese gelten in der Heimat von Brekr, den Niederlanden, trotz einer oftmals mangelhaften Qualität als sehr beliebt. Und die Sondergröße von 22 Zoll, die sonst kaum für Fahrräder produziert wird, soll eigenen Anspruch nach etwas Besonderem manifestieren.
Die massiven Reifen symbolisieren sowohl sicheres Fahren als auch die Robustheit. Letztere lässt sich unter anderem an der maximalen Zuladung von 160 Kilogramm ablesen. Gerade wenn zwei Erwachsene auf dem F250 fahren wollen, braucht es dieses Limit unbedingt. Der aus Aluminium gefertigte Rahmen kommt damit bedenkenlos klar. Das eher leichte Material kann jedoch auch nicht verhindern, dass beim Gesamtgewicht 33 Kilogramm zusammenkommen. Und diese Angabe klammert sogar das Gewicht der Akkus noch aus.
Unser Tipp lautet deshalb, sich beim Kauf unbedingt die optionale Schiebhilfe für rund 30 Euro zu sichern. Angesichts des Gewichts zählt diese Summe zu dem Lohnenswertesten, das ihr in dieses E-Bike investieren könnt. Für die meisten dürfte das Heben eines 36 Kilogramm schweren Fahrrades schon von vornherein ausscheiden. Aber selbst das Schieben dieses Gewichts zum Beispiel aus einer Unterführung heraus, kostet eine Menge Kraft.
5. Motor von Bafang mit besonderem Clou
Das Extra wird nötig, weil der im Brekr F250 verbaute Motor über keine eigene Schiebehilfe verfügt. Dafür punktet der Hinterradnabenmotor von Bafang mit einem anderen Detail. Er liefert nicht nur die gesamte Energie für das E-Bike-System, sondern verfügt zusätzlich über ein automatisch schaltendes Getriebe mit zwei Gängen. Falls ihr bislang auf den Bildern nach einer Gangschaltung gesucht habt – hier ist sie. Seit 2022 baut Bafang Nabenmotoren mit diesem Gear Variable Transmission, kurz GVT, genannten System. Je nach Fahrgeschwindigkeit seid ihr entweder in ersten mit der Übersetzung von 1,0 unterwegs oder im zweiten Gang mit der Übersetzung von 1,36. In zahlreichen Tests berichten die Fahrenden wie gleitend, leise und deshalb angenehm diese Schaltung im Motor funktioniert.
Davon abgesehen handelt es sich bei dem Aggregat vom Bafang um einen kraftvollen Motor für das Hinterrad. Zum Cruisen genügen die Dauernennleistung von 250 Watt sowie das Drehmoment von 55 Newtonmeter allemal. Um zwischen den drei Unterstützungsstufen hin und her zu wechseln, drückt ihr an dem kleinen LCD-Display auf den einzigen dort integrierten Knopf. Es gibt keine Bedieneinheit am Lenker. Das heißt, in dem Moment müsst ihr jedes Mal kurz eine Hand vom Lenker nehmen.
Bei den Reichweiten könnt ihr mit Strecken von 35 Kilometer bis rund 75 Kilometer rechnen. Das sind der Mindestwert, den Brekr für den kleineren Akku angibt, beziehungsweise der Höchstwert, den er für den größeren Akku nennt.
6. Sicherheit im urbanen Alltag kostet zusätzlich
Kein E-Bike heute mehr ohne App. Für sein F250 hat Brekr ebenfalls eine entwickelt Diese lohnt sich jedoch nur so richtig, wenn in dem E-Bike das optionale Konnektivitätsmodul verbaut ist. Nur mit diesem Modul könnt ihr den digitalen Diebstahlschutz nutzen, erhaltet Warnungen, wenn das F250 unerlaubt bewegt wird und könnt es im Falle eines Diebstahls sperren. Dann deaktiviert sich übrigens das komplette E-Bike-System. Außerdem beauftragt Brekr professionelle Dienstleister mit der Suche nach eurem Fahrzeug. Im Abonnement kostet das Paket für ein Jahr 219 Euro. Bucht ihr es für zwei oder drei Jahre, fällt der Preis noch günstiger aus.
7. Stilikone und praktisches Alltagsrad in einem
So auffällig das Brekr F250 auch daherkommt, verfügt es gleichzeitig über versteckte Talente. Zum Beispiel als praktisches City-E-Bike. Der Hersteller hat dafür den Rahmen mit zahlreichen Anschraubpunkten versehen. Das ermöglicht euch das Montieren schmaler Träger am hinteren Teil des Rahmens, an denen sich seitliche Gepäcktaschen anhängen lassen. Die Lösung ist zweiteilig konzipiert. Das heißt, möchtet ihr lediglich einen Träger für eine Tasche links oder rechts am E-Bike, könnt ihr den einzeln bestellen. Die Träger eignen sich vorrangig zum Anbringen von Gepäcktaschen der Marke Ortlieb mit den deren QL 3.1-System.

Soll eine Tasche oder Korb lieber ganz nach vorn an das F250 oder ganz nach hinten, lässt sich das auch bewerkstelligen. Brekr bietet sowohl Frontgepäckträger als auch einen an, der sich hinter der Sitzbank anschrauben lässt. Beide sind jeweils für eine Zuladung von zehn Kilogramm freigegeben. Sowohl die obere plane Fläche des Frontgepäckträgers als auch der hintere Gepäckträger sind mit dem MIK-System kompatibel. Der Frontgepäckträger erlaubt sogar das seitliche Anbringen der bereits erwähnten Taschen von Ortlieb.

Ihr braucht eigentlich ein E-Bike zum Befördern eines Kindes? Selbst das könnt ihr aus dem F250 machen. Bei Option eins nutzt ihr einen besonders stabilen hinteren Gepäckträger, der für eine Traglast von 27 Kilogramm zugelassen ist und einen Kindersitz von Urban Iki aufnehmen kann. Alternativ dazu gestattet Option zwei das Abschrauben des vorderen Teils der Sitzbank. Auf dem freiwerdenden Platz lässt sich ein Adapter von Brekr installieren, welcher wiederum den Weg für das Anbringen eines Kindersitzes frei macht. In diesem Falle darf es auch der Sitz einer anderen Marke sein. All dies bedeutet zwar Kosten, die auf den Startpreis von 2.895 Euro noch draufkommen. Allerdings steht dem auch ein entsprechender Mehrwert gegenüber, der für euch mindestens so wertvoll sein könnte.

8. Resümee zum Brekr F250
Unter dem Strich ist das Brekr F250 ein bemerkenswertes E-Bike. Es greift das Design einer vergangenen Epoche auf und überträgt es mithilfe moderner Technik in die Gegenwart. Gleichzeitig erweitert es das Potenzial seiner ästhetischen Vorbilder, die ganz klar von ihrem Spaßfaktor dominiert wurden. Dieses E-Bike fügt dem Ganzen eine starke praktische Note hinzu – und das zu einem erstaunlich fairen Preis.
Brekr F250 im Überblick
- Rahmen: Aluminium
- Höhen der Sitzbank: niedrig, mittel, hoch
- Motor: Bafang H720
- Akku: Standard mit 540 Wh, Long Range nit 720 Wh
- Display: LCD
- Bremsen: hydraulische Scheibenbremsen
- Gewicht: ca. 33 kg ohne Akku
- Maximal zulässiges Gesamtgewicht: n.a.
- Preise: ab 2.895 Euro
Bilder: Brekr B.V.









