Nächste Runde im Schlagabtausch zwischen Bosch und Avinox. So könnte man das Performance Update 2.0 von Bosch betiteln. Zugespitzt, sicher. Aber ein Teil der E-Bike-Fahrenden wird das jetzige Leistungsplus bei Drehmoment und Unterstützung für ausgewählte Motoren des Smart System als eben solchen bewerten. Erfahrt, was genau hinter dem Boost für die E-Antriebe von Bosch steckt, für welche Motoren sie gelten und wie das Update erfolgt.
1. Was steckt hinter dem Bosch Performance Update 2.0?
2. Welcher Bosch-Motor erhält das 120-Nm-Update?
3. Welcher Bosch-Motor erhält die maximale Unterstützung 600 Prozent?
4. Bosch zwischen Druck durch Amflow und Wahrung des Status quo für Pedelecs
5. Pro und Contra zu den 120 Newtonmetern
6. So aktualisiert ihr euer Bosch-E-Bike auf die 120 Newtonmeter
7. Ab wann ist das 120-Nm-Update von Bosch verfügbar?
1. Was steckt hinter dem Bosch Performance Update 2.0?
Starten wir mit den bloßen Fakten. Auf dem Bikefestival in Riva del Garda hat Bosch sein Performance Update 2.0 für das Smart System präsentiert. Gerüchte, dass der Hersteller seinen Motoren mehr Power verleihen möchte, kursierten in diversen Foren und Youtube-Kanälen ja bereits seit Beginn 2026. Nun ist es amtlich. Der Bosch Performance Line CX und weitere Motoren der aktuellen Generation erhalten einen kräftigen Boost. Das Drehmoment steigt von ehemals 100 Newtonmeter auf nun 120 Newtonmeter an. Gleichzeitig erhöht sich die maximale Unterstützung von 400 Prozent auf 600 Prozent.
Hinter den gestiegenen Leistungsdaten verbergen sich jedoch keine baulichen Veränderungen an den Motoren. In beiden Fällen – sowohl beim Drehmoment als bei der Unterstützung – zeichnet ein Update der Firmware für das Plus verantwortlich. Damit bleiben die Abmessungen der Motoren, ihr Gewicht und weitere technische Merkmale identisch zu den bisherigen Angaben. Ein Wechsel der Motoren oder das Warten auf neue E-Bikes mit diesen neuen Motoren ist damit vom Tisch.
2. Welcher Bosch-Motor erhält das 120-Nm-Update?
Erwartungsgemäß steht der Bosch Performance Line CX an der Spitze der Liste derjenigen Motoren, die dank des Performance Update 2.0 künftig ein Drehmoment von 120 Newtonmeter erreichen können. Zum einen dürfte er der E-Bike-Motor von Bosch mit der weltweit größten Verbreitung sein. Zum anderen treibt er vor allem mit E-Mountainbikes den E-Bike-Typ an, für den dieser Zuwachs an Agilität in erster Linie gedacht ist. Aus diesem Blickwinkel betrachtet, darf natürlich auch ein Motor wie der 2025 vorgestellte Bosch Performance Line CX R nicht fehlen – der sportlichste Vertreter im Line-Up von Bosch. Tut er auch nicht. 😉
Beim dritten Motor im Bunde handelt es sich um den Bosch Cargo Line. Auch diese Wahl erscheint absolut nachvollziehbar. Schließlich findet er sich in E-Lastenfahrrädern wieder, die grundsätzlich schon ein größeres Eigengewicht mitbringen. Und erst recht bei voller Beladung wird sich das höhere Drehmoment als ausgesprochen nützlich erweisen.
Damit werden dies die drei Motoren innerhalb des Bosch Smart System mit 120 Nm sein:
- Bosch Performance Line CX – BDU384Y
- Bosch Performance Line CX R – BDU386Y
- Bosch Cargo Line – BDU384Y
3. Welcher Bosch-Motor erhält die maximale Unterstützung 600 Prozent?
Auf das höhere Drehmoment kommt für die neuesten Bosch Performance Line CX, Bosch Cargo Line und den Bosch Performance Line CX R noch das Versechsfachen eurer eigenen Tretleistung obendrauf. Damit ist an der Stelle jedoch nicht Schluss. Den Luxus der Unterstützung von 600 Prozent in der Spitze spendiert Bosch gleichfalls ihren jeweiligen direkten Vorgängermodellen. Gemeint sind die mitunter als Bosch Gen.4 bezeichneten Bosch Performance Line CX, Bosch Cargo Line sowie der Bosch Performance Line CX Race.
Für manche vielleicht etwas überraschend erhält auch der Bosch Performance Line PX das höhere Maß an Unterstützung. Ursprünglich galt der Motor ja als Kandidat für Trekking-E-Bikes, Touren-E-Bikes und urbane E-Bikes. Hersteller wie Norco statten damit inzwischen aber auch E-Mountainbikes aus. Das passt dann wiederum voll ins Bild.
Wichtige Einschränkung: Hinauf das auf das Sechsfache der eurer eigenen Tretleistung geht es nur bis zu Geschwindigkeiten von maximal 15 Kilometer pro Stunde. Fahrt ihr schneller, geht es zurück auf das vorherige Maximum – zum Beispiel 400 Prozent.
So kommt man auf insgesamt sieben Motoren mit einer Unterstützung von bis zu 600 Prozent:
- Bosch Performance Line CX – BDU384Y
- Bosch Performance Line CX R – BDU386Y
- Bosch Cargo Line – BDU384Y
- Bosch Performance Line CX – BDU374Y
- Bosch Performance Line CX Race – BDU376Y
- Bosch Cargo Line – BDU374Y
- Bosch Performance Line PX – BDU347Y

Vorbildliche Modellpflege seitens Bosch
Erstaunlich finden wir an der Stelle, dass sich Bosch das Performance Update 2.0 auch auf ältere Motoren erstreckt. Schließlich sind diese teilweise schon seit fünf Jahren im Einsatz. Viele die damit unterwegs sind, dürften sich über dieses spürbare Extra vermutlich freuen. Im Vergleich mit dem Sprung auf 120 Newtonmeter sind die 600 Prozent Unterstützung vielleicht sogar die viel wertvollere Änderung durch dieses Update. Der zusätzliche Schub ist nicht an ein bestimmtes Drehmoment gekoppelt und kann mithilfe der eBike Flow App für die entsprechenden Fahrmodi als neue Obergrenze eingestellt werden. Ihr spürt ihn also in jeder Fahrsituation.
Ein kleines Rechenbeispiel zeigt anschaulich den Zugewinn des Sprungs von 400 Prozent auf 600 Prozent. Angenommen, ihr generiert beim Treten eine Eigenleistung von 80 Watt. Im Automodus vervierfacht der Motor bisher die Leistung. Ihr rauscht am Ende also mit 320 Watt dahin. Nach dem Update werden bei gleicher Eingangsleistung daraus 480 Watt. Das werdet ihr definitiv spüren.
Motor des eigenen E-Bikes identifizieren
Falls ihr rätselt, welcher Motor an eurem E-Bike verbaut ist und welche neuen Werte ihr nutzen könnt, sorgt ein kurzer Blick in die Bosch eBike Flow App für Klarheit. Wechselt vom Startbildschirm dafür kurz in den Einstellungen des E-Bikes. Unter den Komponenten findet ihr die Drive Unit aufgeführt. Mit einem Klick darauf zeigt euch die App die Motorbezeichnung inklusive der jeweiligen BDU-Nummer an.
Update nicht verfügbar?
Einen letzten Riegel könnte jedoch der E-Bike-Hersteller dem Update vorgeschoben haben. Manchmal begrenzt er ab Werk die maximale Leistung des Modells. Grund dafür sind meist andere verbaute Komponenten, deren Verschleiß er damit vorbeugen möchte. Das gilt insbesondere für E-Bikes mit Nabenschaltungen.
Schließt das Update den Motor eures E-Bikes ein, könnt ihr die 600 Prozent Unterstützung potenziell in den folgenden fünf Fahrmodi nutzen:
- Auto
- Turbo
- eMTB+
- Race
- Cargo
Als Randnotiz sei noch angemerkt: Die Spitzenleistung der jeweiligen Motoren bleibt unverändert. Für den Bosch Performance Line CX und den Bosch Performance Line CX R bedeutet das beispielsweise die bekannten 750 Watt. Diesen Wert legt der Radsportweltverband UCI auch als Obergrenze für den Rennsport mit E-Mountainbikes fest.

4. Bosch zwischen Druck durch Amflow und Wahrung des Status quo für Pedelecs
In einer Rennserie wie dem Enduro World Cup EDR oder im E-Mountainbike-Cross-Country-Weltcup der UCI dürfte demnach ein E-Mountainbike mit einem Antrieb von Avinox – ganz gleich ob mit älteren Avinox M1 oder dem aktuellen Avinox M2 beziehungsweise Avinox M2S – nicht starten. Ihre Spitzenleistung von 1.000 Watt und mehr wäre schlichtweg zu viel.
Für den Verkauf im Laden oder online ist dagegen die Motorleistung eines der schlagkräftigsten Argumente, wenn es um den Vergleich mit einem E-Bike geht, in dem ein Antrieb von Bosch verbaut ist. Dieses Feedback hat man auch beim Marktführer längst erhalten. Mit dem Performance Update 2.0 versucht Bosch, den Abstand in Grenzen zu halten.
Pedelec bald nicht mehr als Fahrrad eingestuft?
Vielleicht könnte das Unternehmen technisch ja sogar noch näher heranrücken. Dann würde sich an anderer Stelle jedoch eine Lücke auftun. Nämlich wenn es darum geht, das Spiel mit immer höheren Werten für Leistung, Drehmoment und Unterstützung nicht zu übertreiben. Bei Bosch – und nicht nur dort – befürchtet man, dass die Europäische Union bei einem Fortlauf dieser Entwicklung über kurz oder lang im E-Bike gar nicht mehr den Charakter des Fahrradfahrens erkenne. Damit könnte es von der Liste der nicht typgenehmigungspflichtigen EPACs (Electrically Power Assisted Cycles) gestrichen werden. Das würde das Pedelec mit dem S-Pedelec gleichsetzen. Auf dem Fahrradweg verboten, im Wald sowieso, jede Änderung am Fahrrad im Vergleich zum Zustand beim Kauf typgenehmigungspflichtig, Unterstützung auf 400 Prozent gesenkt – all dies wären mögliche Folgen.
Schon jetzt bewegt sich Bosch hier argumentativ auf einem schmalen Grad. Im Juli 2025 bezeichnete Claus Fleischer, Geschäftsleiter Bosch eBike Systems, in einem Interview mit dem Online-Magazin Heise die 6-fache Unterstützung – sprich 600 Prozent – als ein Extrem, das „eigentlich nur bei schweren Cargobikes über 300 Kilogramm und Mountainbikern eine Rolle spielt, die am liebsten mit einer Crossmaschine im Wald fahren würden.“ Genau dieses Extrem gibt Bosch nun frei.
5. Pro und Contra zu den 120 Newtonmetern
Klammert man die politische Dimension des Updates mal aus, gibt es etliche Gründe, die für und gegen das Fahren mit einem solch potenten Antrieb sprechen. Uns fallen gleich vier Argumente ein, welche die Waage in Richtung Pro kippen lassen:
- Sportlicher Ehrgeiz: Die Jagd nach Bestzeiten oder ganz allgemein nach dem persönlichen Optimum motiviert viele. Mehr Drehmoment könnte weniger Sekunden bedeuten.
- Extrem herausforderndes Gelände: Wird es besonders steil oder technisch anspruchsvoll, bedeuten zusätzlich 20 Newtonmeter vielleicht, dass ihr den Fuß eben nicht absetzen müsst, sondern eine Passage meistert, an der ihr bislang stets verzweifelt seid.
- Psychologischer Effekt: Gerade in ungewohntem Terrain oder nach einer längeren Pause senkt das Wissen um das enorme Leistungsvermögen des Bikes den Puls. Ihr fühlt euch für alles gewappnet und startet entspannt eure Touren.
- Sonderfall E-Lastenfahrrad: Bei diesem E-Bike-Typ verbessern die stärkere Unterstützung sowie das höhere Drehmoment direkt das Fahrerlebnis. Für diesen Anwendungsfall erscheinen Entwicklungen wie das Performance Update 2.0 von Bosch aus unserer Sicht unumstritten.
Gleichzeit bedeutet mehr Power kein empfehlenswertes Mittel für jede Fahrsituation und alle E-Bike-Fahrenden. Schließlich ist die Liste der „Nebenwirkungen“ nicht unerheblich:
- Höherer Materialverschleiß: Gerade auf Dauer werdet ihr merken, dass die Kraft auch dort einwirkt, wo ihr es vielleicht nicht direkt erwartet. Ketten, Ritzel, Kettenblätter und Reifen werden schneller einen Ersatz verlangen.
- Geringere Reichweiten: Irgendwoher muss die größere Energie für das Plus an Leistung stammen. Meist wird dies der E-Bike-Akku sein. Je öfter ihr den Motor maximal fordert, umso schneller sinkt die Akkukapazität und umso kürzer fällt eure Fahrt aus.
- Drohende Überhitzung: Nicht umsonst ist der Boost-Modus bei Avinox M2 ud Avinox M2S zum Beispiel auf sechse Minuten begrenzt. Danach brauchen die Motoren einfach eine Pause. Bosch legt bei seinen Aggregaten sehr viel Wert auf das Wärmemanagement. Zaubern kann auch dieser Hersteller jedoch nicht.
- Ausreichendes fahrerisches Können: Mehr Leistung bringt nur Vorteile, wenn sie beherrschbar ist – oder hier beherrscht wird. Als Fahrende gebt ihr dem E-Bike vor, was es tun soll. Das heißt, eure Fähigkeiten müssen parallel zu technischen Weiterentwicklungen mitwachsen oder vorher schon entsprechend überlegen sein.
6. So aktualisiert ihr euer Bosch-E-Bike auf die 120 Newtonmeter
Analog zu dem Performance Update 1.0 von Bosch von 2025 genügt erneut ein Update der Bosch eBike Flow App für das Smart System. Zum Prozedere gehören diesmal jedoch ein paar Arbeitsschritte mehr. Am Ende gebt ihr dann manuell das höhere Drehmoment ganz nach eigenem Ermessen für jeden einzelnen Fahrmodus frei. Wie genau das gelingt, erfahrt im Beitrag zu den weiteren Neuheiten des Updates auf die Bosch eBike Flow App 1.35.
7. Ab wann ist das 120-Nm-Update von Bosch verfügbar?
Nach eigenen Angaben wird Bosch das Update am 4. Mai 2026 freigeben und in den entsprechenden Online-Stores zum Download einstellen. Wie erwähnt, passiert dies alles im Rahmen eines Wechsels auf eine neue Version der Bosch eBike Flow App.
Bilder: Bosch eBike Systems; Elektrofahrrad24 GmbH










Hallo Leute.
Obwohl alle Voraussetzungen erfüllt sind und Centurion den Motor vom No pogo 3000i für das Update freigegeben hat ist bei mir in der Floe App noch kein neues Update zu sehen.
Dauert das solange?
Gruß aus der Rhön
Hallo,
ab dem Moment, in dem du de Version 1.35 der Flow App bei dir installiert hast, können bis zu 24 Stunden vergehen, bis du den Hinweis zum Performance Upgrade 2.0 angezeigt bekommst. Wartest du schon deutlich länger, melde dich mal in der App ab und dann wieder an. Sollte sich nichts getan haben, ist das Deinstallieren und ein erneutes Installieren auch oft ein erfolgversprechendes Mittel.
Sportliche Grüße, Matthias