Beim Marktführer Bosch herrscht in diesem Frühjahr reges Treiben. Nicht einmal einen Monat nach den letzten Neuerungen für die eBike Flow App stellt er bereits die nächste Entwicklungsstufe der App vor. Das Update auf die Version 1.35 hebt den Bosch Performance Line CX auf ein neues Level, lässt Bosch ganz nah an Garmin heranrücken und gibt euch mit dem Abo Flow+ einen detaillierteren Überblick über eure Touren des vergangenen Jahres.
1. Update 1.35 erhöht Motorleistung auf 120 Newtonmeter und 600 Prozent Unterstützung
2. E-Bike-Daten jetzt auf GPS-Fahrradcomputern von Garmin & Co.
3. Ziehen andere Hersteller mit Garmin gleich?
4. Einstellbarer Extended Boost
5. Mit Drivetrain Tensioner nach Zehntel und Hundertstel jagen
6. Bosch 12A Charger bringt euch schneller zurück auf den Trail
7. Jahresstatistik bietet künftig mehr Informationen
1. Update 1.35 erhöht Motorleistung auf 120 Newtonmeter und 600 Prozent Unterstützung
Gerade auch mit Blick auf den Wettbewerb stellt Bosch den Leistungsschub für ausgewählte Motoren des Bosch Smart System klar in den Vordergrund. Das ist durch berechtigt. Immerhin erhöht sich beim Flaggschiff des Herstellers, dem Bosch Performance Line CX, das Drehmoment von 100 Newtonmeter auf nun 120 Newtonmeter und die maximale Unterstützung von 400 Prozent auf 600 Prozent. In der Relation ist das noch einmal ein gehöriges Plus. Gleichzeitig reicht der Motor damit weder an die neuen Avinox M2 und Avinox M2S oder den älteren Avinox M1 heran. Zumal Bosch die Leistung für seinen Mittelmotor bei maximal 750 Watt belässt.
Alle Einzelheiten zu dem als Performance Upgrade 2.0 bezeichneten Boost findet ihr in einem separaten Beitrag ausführlich erklärt. Damit diese Informationen hier nicht den Rahmen sprengen, sei nur kurz erwähnt, dass dieses Upgrade mit dem gestiegenen Drehmoment und der höheren Unterstützung neben dem prominentesten Motor von Bosch zusätzlich zwei weitere Aggregate erhalten.
Motoren des Bosch Smart System mit 120 Nm und 600% maximaler Unterstützung:
- Bosch Performance Line CX – BDU384Y
- Bosch Performance Line CX R – BDU386Y
- Bosch Cargo Line – BDU384Y

Bei vier anderen Motoren könnt ihr nach einem Update auf Version 1.35 der Bosch eBike Flow App immerhin die Unterstützung auf das Sechsfache eurer Tretleistung anheben.
Motoren des Bosch Smart System mit 600% maximaler Unterstützung:
- Bosch Performance Line CX – BDU374Y
- Bosch Performance Line CX Race – BDU376Y
- Bosch Cargo Line – BDU374Y
- Bosch Performance Line PX – BDU347Y

Vorbereitung des Updates
Was sich mit der eBike Flow App 1.35 auf eurem E-Bike ändern kann, hängt folglich direkt damit zusammen, welcher Motor installiert ist. Entweder, ihr wisst dies aus dem Kopf oder schaut fix in der App nach. An die passende Stelle gelangt ihr über Startbildschirm, die Einstellungen des E-Bikes, die Komponenten zur Antriebseinheit. Dort seht ihr die Motorbezeichnung inklusive der jeweiligen BDU-Nummer.
Deckt sich die Nummer mit einer der hier aufgeführten kompatiblen Motoren, könnt ihr fortfahren und das Performance Upgrade 2.0 auf den Motor aufspielen. Vorausgesetzt, die erforderliche neue eBike Flow App ist installiert. Das lässt sich prüfen, in dem ihr auf dem Starbildschirm in der App unten rechts auf das Menü „Profil“ klicken. Dort angelangt, wischt ihr dann einfach mal ganz nach unten und seht die derzeitige Version aufgeführt. Ist hier noch nicht die Version 1.35 genannt, braucht ihr erst einmal die neue Version der eBike Flow App aus dem Google Play Store für die Android-Version oder dem App-Store von Apple für die iOS-Geräte.
Performance Upgrade 2.0 auf das E-Bike übertragen
Auf Grundlage der neuen App mit der neuen Firmware lässt sich das Performance Upgrade 2.0 mit dem Drehmoment von 120 Newtonmetern sowie den 600 Prozent als maximale Unterstützung freigeben. Dafür wechselt ihr in die Einstellungen des E-Bikes zur Liste der Komponenten. Tippt dort auf „Antriebseinheit“. Auf dem nächsten Screen sehr ihr ein blaues Infofeld, das euch mitteilt, dass der Motor für das Update bereit ist.
Sollte das blau unterlegte Feld nicht erscheinen, heißt es ein wenig Geduld zu haben. Nach 24 Stunden könnt ihr erneut nachschauen und habt dann vermutlich mehr Glück. Unter Umständen taucht der Hinweis aber auch an anderer Stelle in der App auf.
Tut sich selbst nach so vielen Stunden noch nichts, spricht alles dafür, dass der Hersteller eures E-Bikes das Update auf die 120 Newtonmeter ausgeschlossen hat, weil zum Beispiel nicht alle verbauten Komponenten für diese Belastung ausgelegt sind.
Erscheint jedoch das Infofeld, klickt darauf und stimmt dem Update zu. Anschließend beginnt die Installation.
Jetzt weist der Motor die passende Firmware auf. Dennoch seid ihr nicht automatisch mit den neuen Maximalwerten unterwegs. Diese müsst ihr final persönlich in den jeweiligen Unterstützungsstufen einstellen. Wechselt daher zu den individuellen Fahrmodi. Wählt dort diejenigen aus, bei denen ihr das Drehmoment oder die maximale Unterstützung oder beides erhöhen wollt. Infrage kommen dafür potenziell folgende fünf Fahrmodi:
- Auto
- Turbo
- eMTB+
- Race
- Cargo
2. E-Bike-Daten jetzt auf GPS-Fahrradcomputern von Garmin & Co.
Die zweite Neuheit haben wir so nicht kommen gesehen und sind daher echt überrascht. Eindeutig im positiven Sinne. 😉 Bosch öffnet für die E-Bike-Antriebe seines Smart System die Bluetooth-Schnittstelle. Dies ermöglicht den Export von Daten an Dritte. In der Folge können andere Anbieter Live-Fahrtdaten in eigenen Geräten oder eigenen Apps integrieren und dort anzeigen.
Bosch gibt für den Austausch folgende Informationen frei:
- Fahrgeschwindigkeit
- Eigenleistung der Fahrenden
- Trittfrequenz
- Gesamtstrecke
- Stillstandserkennung
- Uhrzeit
- Lichtstatus
- Umgebungshelligkeit
- Lichtreserve-Modus
- Status von eBike Lock
- Ladezustand des E-Bike-Akkus
- Ladegerät verbunden
- Bosch Diagnostic Tool verbunden
Als erster Interessierter hat Garmin diese Option genutzt. Damit könnt ihr künftig ein entsprechendes Gerät von Garmin mit eurem E-Bike verbinden und wichtige Fahrdaten einsehen. Das heißt, ihr seid dafür nicht mehr zwingend auf ein Display von Bosch oder die Bosch eBike Flow App angewiesen. Zum Start wird an folgenden GSP-Fahrradcomputern möglich sein:
- Garmin Edge 540
- Garmin Edge 550
- Garmin Edge 840
- Garmin Edge 850
- Garmin Edge 1040
- Garmin Edge 1050
- Garmin Edge MTB

Fremdprodukt der bessere Navigator
Das Beispiel Garmin zeigt, für welche Szenarien dieses Feature erdacht wurde. Mit der Option möchte Bosch E-Bike-Fahrende ansprechen, die von ihren Fahrrädern ohne Unterstützung den Umgang mit Fahrradcomputern von Garmin, Wahoo, Sigma, Bryton, Hammerhead und anderen gewohnt sind und diese Geräte gern auch ohne funktionelle Einschränkungen am E-Bike nutzen möchten. Vor allem die Navigation mithilfe von GPS-Daten können diese Anbieter besser umsetzen und in dafür besser geeignete Geräte verpacken. Klar, Bosch hat diesbezüglich zuletzt Fortschritte gemacht. Die Lösungen der genannten Spezialisten erweisen sich bei dieser konkreten Anwendung dennoch als geeigneter. Zudem könnte vielleicht manche E-Bike-Fahrende nun doch über einen Fahrradcomputer nachdenken, die bislang bewusst auf ein Display verzichtet haben.
Stellt sich allerdings die Frage, ob sich Bosch mit diesem Zug nicht sogar ein Stück weit selbst abschafft? Schließlich befähigt der Hersteller euch zum Fahren mit seinen E-Bikes, ohne dass ihr seine Displays oder die eBike Flow App nutzt. Das Ganze hat jedoch klare Grenzen. So können Dritte Daten lediglich lesen. An einem Computer von Garmin werden sich jedoch keine Einstellungen des E-Bikes ändern lassen. Und wer von euch smarte Features wie eBike Lock oder eBike Alarm nutzt, muss weiterhin zwingend zur App greifen. Zudem werden manche von euch zum Beispiel ihre individuellen Ride Screens auf einem Display unbedingt behalten wollen.
3. Ziehen andere Hersteller mit Garmin gleich?
Nach unseren Informationen hat sich Bosch intensiv in der Branche umgehört und den entsprechenden Firmen die eigenen Pläne erläutert. Vielerorts soll das auf großes Interesse gestoßen sein. Dem Vernehmen nach hat Garmin liebend gern den Vorschlag aufgegriffen. Von anderen Zusagen wissen wir nichts. Das heißt aber nicht, dass es keine gibt. Gut möglich, dass Firmen wie Sigma, Wahoo, Sram für den Hammerhead Karoo oder andere ebenfalls auf das Angebot eingegangen sind und nun einen solchen Datenimport anstreben oder bereits umgesetzt haben.
Womöglich ist dafür auch gar nicht so viel Entwicklungsarbeit notwendig. Schließlich haben die genannten Firmen meist über ANT+ bereits erfolgreich Verknüpfungen zu Antrieben von beispielsweise Mahle, Giant, Shimano, TQ und Yamaha integriert und bestimmte Informationen in die eigenen GPS-Fahrradcomputer integriert.
Theoretisch können sogar alle von euch die Daten vom Bosch Smart System auslesen. Dazu braucht es nur das nötige Wissen und Equipment. Wie gesagt, die Schnittstelle ist offen. Die Daten lassen sich somit auch auf anderen passenden Geräten und Apps einbinden.
4. Einstellbarer Extended Boost
Wer ein E-Mountainbike mit einem den Bosch Performance Line CX oder einem den Bosch Performance Line CX-R fährt, wird ihn kennen – den Extended Boost. Dieses kurzzeitige Ansprechen des Motors auf einen aktiven Pedalkick lässt den Motor etwas nachlaufen, sodass ihr für wenige Momente Schwung generiert, obwohl ihr nicht aktiv pedaliert. Das ist enorm hilfreich, wenn ihr Hindernisse überwinden möchtet, in der Situation aber fast gar nicht in die Pedale treten könnt.
Bosch stellte den Extender Boost bereits 2020 für die Motoren der zweiten Entwicklungsstufe vor. Später wurde das Feature für die Motoren des Smart System übernommen. Erst 2025 erhielt der Kick für den Fahrmodus „Race“ sowie standardmäßig für den Bosch Performance Line CX-R eine Verlängerung. Aktuell ist der Nachlauf auf zwei Meter begrenzt. Ab Mitte 2026 werdet ihr seine Länge in jedem Modus in der Bosch eBike Flow App einstellen können. Wie lang er in der Praxis wirklich ausfällt, soll dann davon abhängen, wie stark ihr auf die Pedale tretet, in welchem Fahrmodus ihr unterwegs seid und welche weiteren Einstellungen ihr in der App ausgewählt habt.
5. Mit Drivetrain Tensioner nach Zehntel und Hundertstel jagen
Noch tiefer ins Detail geht der Hersteller exklusiv bei den Motoren Bosch Performance Line CX und Bosch Performance Line CX-R. In den Fahrmodi eMTB+ und Race soll eine Funktion namens Drivetrain Tensioner den Freilauf zwischen Motor und Hinterrad schließen. Nach Angaben von Bosch funktioniert dies mithilfe verbesserter Software. Als Resultat lockt ein nahezu verzögerungsfreies Antreten, da der Motor sofort auf eure dynamische Tretbewegung reagiert. Fahrsituationen, in denen Drivetrain Tensioner seine Vorteile ausspielen kann, sind zum Beispiel das Antreten vor einer Stufe oder das Beschleunigen aus einer engen Kurve heraus. Auch diese Funktion bringt jedoch erst eine spätere Version der eBike Flow App, die Mitte des Jahres erscheinen soll.

6. Bosch 12A Charger bringt euch schneller zurück auf den Trail
Geduld ist auch beim Blick auf eine weitere Vorankündigung gefragt – und zwar bis Ende 2026. Allerdings dürfte sich das Warten lohnen. Schließlich soll das heiß ersehnte schnelle Ladegerät erscheinen. Laut unserer aktuellen Informationen wird der Bosch 12A Charger dank einer Ladeleistung von rund 500 Watt etwa dreimal so schnell laden wie der bekannte 4A Charger. Mit dem neuen Ladegerät wäre ein Bosch PowerTube 800 nach rund 60 Minuten zu ungefähr 50 Prozent aufgeladen.

Bei dem Gerät nutzt Bosch die GaN-Technologie. Sie basiert auf Halbleitern aus Galliumnitrid, die den Strom besser leiten. Zudem entsteht beim Laden weniger Abwärme. Avinox nutzt die Technologie ebenfalls bei seinem 12-A-Ladegerät.
Das Pendant kündigt Bosch als kompakt an. Es soll weniger als ein Kilogramm wiegen und mit allen Bosch-Akkus des Smart System kompatibel sein.
7. Jahresstatistik bietet künftig mehr Informationen
Für alle, die sich die App von Bosch im Abomodell Flow+ leisten, umfasst das Update 1.35 eine dritte Neuerung. Und zwar geht es um die Statistiken, die das E-Bike-System im Laufe eines Jahres erfasst. In denen steckt mitunter ja die eine oder andere Überraschung. Zum Beispiel, wenn man sieht, wie viele Kalorien man in einem Jahr auf dem E-Bike verbrannt hat und die Summe in Schokoladentafeln umrechnet. Oder bei welchem Wert sich die eigene Trittfrequenz im Jahr einpendelt.
In jedem Falle erweitert Bosch die Liste der Daten, die von nun in der Übersicht für ein Jahr dargestellt. Fünf Angaben kommen hinzu. Damit umfasst die Jahresstatistik jetzt insgesamt 13 Kategorien:
- Anzahl der Fahrten
- gesamte Fahrzeit
- Gesamtkilometer
- gesamte Höhenmeter
- Höchstgeschwindigkeit
- durchschnittliche Fahrgeschwindigkeit
- durchschnittliche Leistung
- durchschnittliche Trittfrequenz
- gesamtes eingespartes CO2
- gesamter Kalorienverbrauch
- Leistungsverteilung zwischen Mensch und Motor
- genutzte Fahrmodi – dargestellt in Anteilen
- in Trick Check erfasste Elemente

Wie bisher erreicht ihr die Jahresstatistik über das kleine Icon unten rechts auf dem Startbildschirm der eBike Flow App.
Bilder: Bosch eBike Systems; Elektrofahrrad24 GmbH












Habe das Garmin 1030 Plus, läßt sich das auch mit Bosch verbinden?
Hallo,
in der Liste im Artikel kannst du erkennen, dass dort der 1030 fehlt. Das heißt, für den Computer gibt es keine vorgefertigte Verbindung. Da das Modell grundsätzlich Bluetooth-fähig ist und Bosch seine API freigegeben hat, lässt sich mit dem nötigen Know-how ein Datenexport herstellen. Aber dafür musst du selbst in die Spur gehen. Jemand, der sich mit Informatik auskennt, könnte dir erklären, wie man das anstellt.
Sportliche Grüße, Matthias
Hallo,
ich hatte gehofft, dass mit dem nächsten update die induktive Ladeleistung von 1,5 Ampere etwas erhöht wird. Bisher bauche ich bei längeren Touren immer noch eine Powerbank zusätzlich, da die Ladeleistung für das Samsung Galaxy S24 FE nicht ausreicht.
Hallo,
ja, den Wunsch können wir absolut nachvollziehen. Bist du garantiert nicht allein mit. Ob da Bosch demnächst mal nachbessern wird, wissen wir leider nicht.
Sportliche Grüße, Matthias