Ende 2025 hatte Aventon bereits angekündigt, künftig die eigenen E-Bikes auch in Deutschland anbieten zu wollen. Nun kommt mit dem Aventon Current das erste E-Mountainbike auf den deutschen Markt. Das Modell ist nicht nur das allererste vollgefederte E-MTB des Herstellers überhaupt. Es markiert generell einen deutlichen Einschnitt im Sortiment des Unternehmens aus den USA.
1. Teurer und leichter zum Erfolg in Europa?
2. Aventon Current mit neuer MTB-spezifischer Firmware
3. Aventon stark bei Sicherheitsfeatures
4. Motor Aventon Ultro X mit jeder Menge Power für neues E-Mountainbike
5. Auf Turbo folgt Boost
6. Akku verspricht große Reichweite bei langer Ladezeit
7. Aventon Current: E-Mountainbike in dreifacher Ausfertigung
1. Teurer und leichter zum Erfolg in Europa?
Seit 2018 fertigt Aventon E-Bikes. Von Anfang an lag der Fokus dabei auf einem Marksegment, in dem sich die Preise zwischen 1.500 US-Dollar und 3.000 US-Dollar bewegen. Zur Zielgruppe zählen sowohl Menschen, die nur gelegentlich E-Bikes benutzen und deshalb nicht zu viel Geld dafür ausgeben wollen, als auch diejenigen, die sich schlichtweg keine hochpreisigen Modelle leisten können. Vor der Vorstellung des Aventon Current war das Aventon Aventure M mit einem Preis von 2.899 US-Dollar das teuerste E-Bike im Sortiment. Die 5.999 US-Dollar für das Current EXP bedeuten einen Anstieg dieser Summe um mehr als 100 Prozent.
Neben dem Kaufpreis stellt das Aventon Current aber auch eine Premiere in Bezug auf die Art des E-Bikes dar. Gewicht spielte bislang für den Hersteller eine untergeordnete Rolle. Gerade einmal das Soltera 3 ADV, ein urbaner Stadtflitzer ohne Gepäckträger, Schutzbleche und Seitenständer, wiegt deutlich unter 20 Kilogramm. Ein Kompaktrad wie das Abound SR bringt dagegen rund 35 Kilogramm auf die Waage. Damit wird in einem gewichtssensibleren Markt wie Europa kaum ein Blumentopf zu gewinnen sein. Das weiß Aventon auch. Folgerichtig greift das Unternehmen erstmals zu Carbon und leichtem Aluminium. Dadurch landet das Topmodell Current EXP in der Rahmengröße L bei wirklich guten 24 Kilogramm.
Grundsätzlich scheint bei Aventon die Strategie für den Schritt, die Fühler nach Europa auszustrecken, zu passen. Nach dem Aventon Trava, einem Touren- und Trekking-E-Bike, das es noch nicht einmal auf dem nordamerikanischen Markt zu kaufen gibt, kommt jetzt das europäischste E-Mountainbike des Herstellers. Das vollgefederte Modell mit einem Federweg von 140 Millimeter am Heck und 150 Millimeter an der Gabel sowie den 29 Zoll großen Laufrädern dockt als Trailbike an einem Segment an, das auf dieser Seite des Atlantiks guten Absatz findet. An Motor und Akkuleistung lässt sich ebenfalls kaum herumkritteln.
2. Aventon Current mit neuer MTB-spezifischer Firmware
Überrascht könnten einige von euch reagieren, wenn sie erfahren, wie fortschrittlich sich das E-Bike-System von Aventon präsentiert. Von der sogenannten Aventon Control Unit (ACU) steuert es diverse smarte Features. Zwei davon, Wheel Lift Control und Jump Tracking, sind extra als Teil einer neuen Firmware gezielt für den Launch des Current entwickelt worden. Gleiches gilt für den Motornachlauf, den ihr in der App von Aventon prozentual regulieren könnt.
Hinter Wheel Lift Control verbirgt sich ein Algorithmus, der dafür sorgen möchte, dass das Vorderrad in besonders stielen Anstiegen den Bodenkontakt verliert. Dafür misst ein Sensor im Bike permanent den Neigungswinkel des Geländes. Sobald der Anstieg einen bestimmten Winkel erreicht, greift das System ein. Je steiler der Berg wird, desto mehr drosselt es das maximale Drehmoment am Hinterrad. Durch den reduzierten Vortrieb bleibt das Vorderrad sicher auf dem Trail. Wheel Lift Control könnt ihr über fünf Empfindlichkeitsstufen hinweg anpassen.
Mithilfe des Jump Tracking könnt ihr dagegen verfolgen, wie weit ihr mit dem E-Bike gesprungen seid und wie lange ihr dabei Luft unter den Reifen hattet. Das System erfasst die Daten automatisch, sodass ihr sie später in Ruhe anschauen könnt, wenn ihr noch einmal einen Blick auf die Aufzeichnung eurer Tour werft. Klar, das geht als pure Spielerei durch, die das E-Bike-Fahren nicht zwingend erfordert. Die Funktion steht jedoch sinnbildlich für das Fahrerlebnis, das euch Aventon bieten möchte. Und dann kann ja jede und jeder selbst entscheiden, ob ihr oder ihm das wichtig ist.
3. Aventon stark bei Sicherheitsfeatures
Mehr Einigkeit herrscht vermutlich bei Dingen wie dem elektronischen Diebstahlschutz mit der dazugehörigen Alarmfunktion. Über das am Aventon Current im Oberrohr integrierte Display oder die App könnt ihr das E-Bike digital blockieren und damit den E-Antrieb deaktivieren. Versuchen unbefugte Dritte ab dem Zeitpunkt das E-Bike zu bewegen, sendet das System eine Nachricht an euer Smartphone. Wer möchte, kann das E-Bike zusätzlich mit einem vierstelligen Zahlencode von einem unbefugten Zugriff schützen. Ihr gebt den Code am Display ein und erst danach lässt sich das E-Bike-System wieder aktivieren.
Die aktuelle Position des E-Bikes bekommt ihr dank eines GPS-Trackers angezeigt. Er ermöglicht nicht nur das bereits erwähnte Aufzeichnen der Routen, sondern ist auch der Schlüssel für das Geofencing. Wenn ihr bestimmte Gebiete festlegen möchtet, über die hinaus mit eurem Current nicht gefahren werden darf, könnt ihr dies in der App tun. Verlässt jemand mit dem E-Bike diesen Bereich, stellt das E-Bike-System seinen Dienst ein.
Mithilfe der 4G-Konnektivität lassen sich diese Funktionen alle im Fernzugriff über die App vom Smartphone aus einstellen.
4. Motor Aventon Ultro X mit jeder Menge Power für neues E-Mountainbike
Wie ernsthaft Aventon den Markteintritt vollzieht, unterstreicht der im Current verbaute neue Motor. Beim Aventon Ultro X handelt es sich um einen Mittelmotor, den der Hersteller gemeinsam mit Gobao entwickelt hat. Das Modell folgt im Grunde demselben Prinzip, das wir seit Jahren von Giant und Yamaha oder von Specialized und Brose kennen. In diesem Falle stammt die Software inklusive des gesamten Motor-Mappings und der Firmware von Aventon, während Gobao die Hardware beisteuert. Auch wenn der Name Gobao nicht allen geläufig sein dürfte, steht er für die nötige Kompetenz. Der chinesische Hersteller hat 2019 mit der Entwicklung eigener Antriebssysteme begonnen. Aktuell kooperiert er unter anderem mit dem E-Bike-Hersteller Hepha aus der Nähe von München.
In Bezug auf Volumen und Gewicht ähnelt der Aventon Ultro X bekannten Größen wie dem Bosch Performance Line CX oder dem Shimano EP801. Das heißt, er ist weder so klein noch so leicht wie ein Avinox M1. Ansonsten reiht er sich aber nahtlos in die Phalanx der Full-Power-Aggregate ein. Gleiches gilt für sein Leistungsvermögen. Auf den Einsatz am Pedelec ausgelegt, leistet er 250 Watt im Dauerbetrieb und unterstützt bis zu einer Geschwindigkeit von 25 Kilometer pro Stunde. In der Spitze schnellt die Leistung jedoch auf 750 Watt hinauf. Dabei generiert der Ultro X ein Drehmoment von 110 Newtonmeter. Dank seiner Unterstützung von 400 Prozent vervierfacht er die Leistung, die ihr selbst auf die Pedale bringt.

5. Auf Turbo folgt Boost
An der Stelle ist jedoch nicht Schluss. Analog zu vergleichbaren Motoren gibt es auch am Aventon Ultro X einen Boost-Modus. Mit dieser Unterstützungsstufe könnt ihr besonders anspruchsvolle Passagen auf den Trails in Angriff nehmen. Im Boost-Modus ruft der Motor für 30 Sekunden eine Spitzenleistung von 850 Watt sowie ein Drehmoment von 120 Newtonmeter ab. Die Unterstützung steigt für diese kurze Zeitspanne auf 500 Prozent. Allerdings hat diese extra Zündstufe auch ihren Preis. Erstens verschreibt Aventon dem Motor danach eine fünfminütige Cool-Down-Phase. Zweitens dürftet ihr die Anstrengung des Motors auch am dann spürbar gesunkenen Akkustand ablesen können.
Mit Eco, Trail und Turbo gibt es drei reguläre Unterstützungsstufen. Rechnet ihr den Boost-Modus und den Auto-Modus gleichwertig hinzu, ergibt dies insgesamt fünf Fahrmodi. Die ersten drei lassen sich mit Sicherheit in der App anpassen.
Aventon Ultro X im Überblick
- Dauernennleistung: 250 Watt
- Spitzenleistung: bis 750 Watt (850 Watt im Boost-Modus)
- Unterstützung bis: 25 km/h
- Drehmoment: maximal 110 Nm (120 Nm im Boost-Modus)
- Max. Unterstützung: 400 % (500 % im Boost-Modus)
- Gewicht: ca. 2,85 kg

6. Akku verspricht große Reichweite bei langer Ladezeit
Seine Energie bezieht der E-Bike-Motor aus dem im Unterrohr integrierten Akku. Auf dem Datenblatt von Aventon hat dieser keine konkrete Bezeichnung. Der Hersteller hat ihn zusammen mit Greenway entwickelt. Die Zellen im Akku stammen von Samsung. Laut Aventon reicht die Kapazität des Akkus von rund 800 Wattstunden für eine Reichweite von maximal 168 Kilometer. Dieser Wert erscheint enorm hoch. Vermutlich bezieht er sich auf das Fahren auf flacher Strecke in der niedrigsten Unterstützungsstufe bei einem geringen Körpergewicht, so gut wie keinem zusätzlichen Gepäck und optimalen Wetterbedingungen.
Zum Herausnehmen des etwas mehr als vier Kilogramm wiegenden Akkus müsst ihr nicht nur das Akku-Cover abnehmen, sondern zusätzlich drei Schrauben lösen. Rechnet also ein paar Sekunden extra dafür ein. Sollte der E-Bike-Akku gerade vollständig entleert sein und ihr wollt ihn komplett aufladen, werden diese Sekunden keinen großen Unterschied machen. Schließlich soll der Ladevorgang mit dem Standardladegerät ungefähr sechs Stunden dauern.
7. Aventon Current: E-Mountainbike in dreifacher Ausfertigung
Wenn wir über das neue Aventon Current sprechen, reden wir eigentlich über drei E-Mountainbikes. Zur Modellreihe gehören das Aventon Current EXP, das Aventon Current ADV und das Aventon Current REC. Deren Charakter ist zum Teil recht verschieden. Für alle gilt dagegen, dass ihre zugebenermaßen wirklich preiswert erscheinenden Preise nicht grundlos niedriger als die etlicher Mitbewerber ausfallen. Komponenten wie Federgabel, Dämpfer, Sattelstütze, Schaltung und Bremsen liegen eher auf einem Einstiegsniveau. Technische Finesse und minimales Gewicht werdet ihr hier selten entdecken. Es geht eher um solide Teile, die Grundbedürfnisse abdecken und recht zuverlässig funktionieren.
Am Topmodell, dem Aventon Current EXP, zeigt sich das beispielweise beim Blick auf die elektronische Schaltung. Die dort verbaute AXS S1000 Transmission ist die einfachste, die Sram aktuell anbietet. Gleichzeitig wird sie natürlich direkt vom Hauptakku gespeist, weshalb ihr euch keine Gedanken über das Aufladen zusätzlicher Akkus zu machen braucht. Der Rahmen des Current EXP besteht zur Hälfte aus Carbon und Aluminium. Beim vorderen Rahmendreieck kommt Carbon zum Einsatz, beim Hinterbau Aluminium. Zum Preis von 5.499 Euro ist das Gesamtpaket wohl für diejenigen interessant, die unbedingt ein möglichst leichtes Current fahren und dabei elektronisch schalten wollen.
Für glatte 1.000 Euro weniger erhaltet ihr das Aventon Current ADV. Der Preis von 4.499 Euro erklärt sich in erster Linie durch den Alurahmen und die mechanische Schaltung. Auch bei den Bremsen und dem Federsystem fällt die Ausstattung einfacher aus. Zudem steigt das Gewicht um rund ein Kilogramm auf 25,4 Kilogramm.

Während Aventon das Current EXP und das Current ADV als reine E-Mountainbikes konzipiert hat, richtet sich das Aventon Current REC an Menschen, die das Fahren abseits der Straße enger mit dem Fahren im Straßenverkehr verknüpfen möchten. Mitunter hätten andere Hersteller für dieses Modell vielleicht die Kategorie des SUV-E-Bikes gewählt. In jedem Falle kombiniert es einen etwas weniger performanten Motor, den Aventon Ultro S+, mit einem an der Federgabel um zehn Millimeter reduzierten Federweg, straßentauglicheren Reifen sowie der Ausstattung mit Licht, Schutzblechen, Gepäckträger und Seitenständer. Verständlicherweise steigt hier das Gewicht nochmals auf jetzt 27 Kilogramm an. Für 3.499 Euro bietet der Hersteller jedoch ein sehr vielseitiges E-Bike an, das ihr im Grunde für das Pendeln zur Arbeit genauso gut nutzen könnt wie für die lange Trekking-Tour durch den Wald am Wochenende.
Aventon Current 2026 im Überblick
- Modelle: Aventon Current EXP, Aventon Current ADV, Aventon Current REC
- Rahmen: Carbon/Aluminium, Aluminium
- Rahmengrößen: S, M, L, XL
- Federgabel: Rockshox Lyrik Select, RockShox Psylo Gold, X-Fusion E-Slide Boost RC
- Dämpfer: Rockshox Super Deluxe Select+, Rockshox Deluxe Select+, X-Fusion O2 Pro RL
- Motor: Aventon Ultro X, Aventon Ultro S+
- Akku: Aventon Integrated Battery, 800 Wh
- Display: Aventon Top Tube Display mit Touchscreen
- Bedieneinheit: Aventon Control Unit mit zwei Tasten
- Antrieb: Sram AXS S1000 Transmission, Sram Eagle 70 Transmission, Shimano Cues U6000
- Bremsen: Sram Maven Base, Sram DB8 Stealth, Magura Louise
- Gewicht: ab 24 kg (Rahmengröße L)
- Maximal zulässiges Gesamtgewicht: 150 kg
- Farben: Mindnight Black, Camouflage, Blue Onyx
- Preis: ab 3.499 Euro
Bilder: Ride Aventon Germany GmbH













