Auf Spanisch bedeutet Aventón so viel wie Mitfahrgelegenheit. Eine neue eröffnet sich für euch demnächst in Deutschland. Der US-amerikanische Hersteller Aventon expandiert nach Deutschland und wird ab dem Frühjahr 2026 auf dem hiesigen E-Bike-Markt mitmischen. Für den Schritt nach Europa sollen eigens spezielle Modelle entstehen. Hier erfahrt ihr, was bislang über die Entscheidung von Aventon bekannt ist.
1. Was für E-Bikes wird Aventon in Deutschland auf den Markt bringen?
2. Welche Strategie steckt hinter dem Markteintritt?
3. Werden jetzt US-Modelle von Aventon in Europa zugelassen?
4. Welchen E-Bike-Motor wird Aventon verbauen?
5. Welche Funktionen bietet das E-Bike-System des Herstellers?
6. Wer ist Aventon?
1. Was für E-Bikes wird Aventon in Deutschland auf den Markt bringen?
Auf seiner Webseite hat Aventon angekündigt, seine Geschäfte künftig auf den europäischen Kontinent ausdehnen zu wollen. Im Frühjahr möchte er hier mehrere E-Mountainbikes, City-E-Bikes und Touren-E-Bikes zum Verkauf anbieten. Dafür möchte der Hersteller eine entsprechende Webseite erstellen und Partnerschaften mit dem lokalen Fachhandel knüpfen. Auf welchem der Kanäle ihr die E-Bikes tatsächlich kaufen könnt – auf einem oder auf beiden – , bleibt zum jetzigen Zeitpunkt noch offen.
2. Welche Strategie steckt hinter dem Markteintritt?
Hinter der Expansion nach Deutschland steht anscheinend der Versuch, nachhaltig auf dem europäischen Markt Fuß zu fassen. Aventon spricht von einem langfristigen Engagement für internationales Wachstum. Der deutsche Markt solle dabei als eine Art Gradmesser dienen, mit dem man die eigenen Potenziale in einem stark umkämpften Umfeld ausloten möchte. „Deutschland ist nicht nur das Herz der europäischen Fahrradkultur, sondern auch einer der anspruchsvollsten und ausgereiftesten E-Bike-Märkte weltweit“, erklärt Firmengründer Jianwei Zhang. „Wir kommen nicht nach Deutschland, um nur eine weitere Marke zu sein. Wir bringen Innovation, zukunftsweisende Produktionsprozesse, einfache Zugänglichkeit und unsere Leidenschaft für das Produkt mit.“
Mit seinem Vorhaben startet das in Kalifornien beheimatete Unternehmen nicht von null. Schon seit Anfang 2025 habe ein Team von München aus mit ersten Vorbereitungen begonnen. Dessen Fokus habe darauf gelegen, globale Erfahrung mit lokalem Fachwissen zu verknüpfen.
3. Werden jetzt US-Modelle von Aventon in Europa zugelassen?
Es wird spannend zu sehen sein, welchen Weg Aventon genau einschlagen wird. Ein einfaches Übertragen der in Nordamerika vorhandenen Modelle kann schon einmal ausgeschlossen werden. Das liegt primär an den technischen Vorgaben in Bezug auf die Zulassung der E-Bikes für den Straßenverkehr. Hier gelten auf beiden Kontinenten unterschiedliche Vorgaben.
Derzeit umfasst das Sortiment des Herstellers insgesamt sieben Modellreihen mit Mittel- und Hinterradnabenmotoren. Diese zählen zu den E-Bikes der Klasse 1 oder der Klasse 2. Bei der Klasse 1 unterstützt der Motor ausschließlich, während ihr pedaliert. Es handelt es sich also um ein Pedelec wie es in Europa zulässig ist. Allerdings darf die Motorunterstützung bis zu einer Geschwindigkeit von 20 Meilen pro Stunde, rund 32 Kilometer pro Stunde, oder sogar bis von 28 Meilen pro Stunde, rund 45 Kilometer pro Stunde, aktiv bleiben. Beide Limits hätten in Deutschland eine Eingliederung in der Gruppe der S-Pedelecs zur Folge.
Ein E-Bike der Klasse 2 verfügt in den USA dagegen zusätzlich über einen Gashebel. Der Motor unterstützt euch also, ohne dass ihr zwingend pedalieren müsst. Ein solches Fahrzeug gilt in Deutschland als E-Bike und ist von der Nutzung von Radwegen ausgeschlossen.
Um eine möglichst breite Zielgruppe anzusprechen, bleiben Aventon im Grunde zwei Möglichkeiten. Erstens, der Hersteller beschränkt sich auf die E-Bike-Klasse 1 und drosselt zudem die Motorunterstützung auf die passende Geschwindigkeit. Zweitens, Aventon fährt zweigleisig und entwirft neue ausschließlich für Europa bestimmte Modelle.
4. Welchen E-Bike-Motor wird Aventon verbauen?
Feststeht, dass es einen Wechsel im Motor-Lineup geben wird. Auf seiner für Deutschland konzipierten Webseite präsentiert Aventon einen Mittelmotor namens Ultro. Dieser taucht an keinen der aktuellen E-Bikes für die USA auf. Stattdessen ist dort als Mittelmotor in der Regel der Aventon A100 verbaut. Der Aventon Ultro entspricht europäischen Richtlinien. Im Dauerbetrieb soll er 250 Watt leisten, die in der Spitze bis auf 850 Watt hochschnellen können. Als Drehmoment ist ein Wert von maximal 115 Newtonmeter angekündigt. Damit würde der Aventon Ultro in diesem Detail sogar einen DJI Avinox mit seinen 105 Newtonmetern übertreffen.
Analog zu anderen E-Bike-Motoren soll der Ultro eine Schaltautomatik unterstützen. Aventon spricht davon, dass er auf die Kraft, Trittfrequenz und Geschwindigkeit der Fahrenden reagiert und davon abhängig den passenden Gang wählt.
5. Welche Funktionen bietet das E-Bike-System des Herstellers?
Das Herz des zum Motor dazugehörigen E-Bike-Systems nennt sich Aventon Control Unit, kurz ACU. Nach unserem jetzigen Wissensstand dürfte es der Steuerzentrale des Smart Gateway 2.0 von Giant nahekommen. Zumindest steuert es diverse smarte Features des Antriebs.
Startpasswort
- Code zum Start des E-Bikes
- zum Beispiel eine Tastenkombination an der Bedieneinheit
Elektronische Verriegelung
- Sperre für das E-Bike
- wahlweise über Display oder Aventon-App aktivierbar
Schlüssellose Akkuentnahme
- Akku entnehmen und sichern über Display oder Aventon-App
Intelligente Aktivitätserkennung
- Alarm über Display oder Aventon-App aktivierbar
- Erkennung unerlaubter Bewegung des E-Bikes durch das System
- Info per Nachricht auf das Smartphone
GPS-Tracking
- kontinuierliche Erfassung des Standorts des E-Bikes in Echtzeit
Geofencing
- Festlegung bestimmter Zonen innerhalb derer das E-Bike gefahren werden darf
- bei Verstößen automatische Deaktivierung der Tretunterstützung
Fahrrad-Finder
- Bestimmt auf Grundlage des Echtzeit-Trackings den Standort
- E-Bike über diese Funktion im Ernstfall als gestohlen melden
- Deaktivierung der Tretunterstützung durch Service von Aventon
Over-the-air-updates
- automatische drahtlose Übertragung neuer Funktionen und Firmware
6. Wer ist Aventon?
Der gebürtige Chinese Jianwei Zhang gründete Aventon im Jahre 2013. Damals verkaufte das Unternehmen minimalistische Fixies, die mit ihren Aero-Rahmen und der Aero-Sattelstütze schnell im Straßenverkehr auffielen und auch in Europa zahlreiche Fans hatten.
Fünf Jahre später folgte eine komplette Neuausrichtung des Sortiments und das Umschwenken auf Elektromobilität. In der Folge entwickelte sich Aventon zu einem der am schnellsten wachsenden E-Bike-Hersteller in Nordamerika. EqualOcean, ein chinesisches Marktforschungsunternehmen, das sich auf Analysen zu Chinas Industrie spezialisiert hat, berichtet von einem Versandvolumen Aventons von 50.000 Einheiten für das 2020. Im Jahr darauf, also 2021, sei dies bereits auf 100.000 Einheiten gestiegen.
Gemessen an seinen E-Bike-Verkäufen zählte Aventon 2024 zu den fünf führenden Marken in dem Segment. Die Agentur Global Market Insights Inc. ermittelte einen Marktanteil von 29 Prozent, den Aventon sich gemeinsam mit Cannondale, Lectric eBikes, Rad Power Bikes und Trek teilte. Die meisten Verkäufe davon gingen jedoch auf das Konto von Trek. Nach Aussage von Global Market Insights Inc. besitze Aventon einen Wettbewerbsvorteil in Bezug auf eine vertikal integrierte Fertigung. Zudem könne das Unternehmen mit technischen Verbesserungen, der Konnektivität der Modelle und den im mittleren Bereich angesiedelten Preisen punkten.
Im Oktober 2025 kürte das Time Magzine Aventon zu einer der besten fünf Marken 2025 in der Kategorie „E-Bikes & Pedelecs“ in den USA. In der zusammen mit Statista erstellen Rangliste landete das Unternehmen auf Platz drei, hinter Trek und Electra, aber vor Giant und Biktrix.
Nach eigener Aussage unterhält Aventon derzeit ein Netzwerk von mehr als 1.800 Händlern in den USA.
Bilder: Avant Enterprises, Inc.

















