Wenn ein E-Mountainbike mit einem E-Antrieb von Avinox, dann ein vollgefedertes, kompromissloses Sportgerät. So lautet bislang fast ausschließlich die Formel der E-Bike-Hersteller. Lediglich ein paar wenige Hardtails zeigen, dass es auch anders geht. Nun bringt Amflow hier mehr Abwechslung ins Spiel. Der Vorreiter unter den Marken mit Avinox zeigt erstmals ein SUV-E-Bike. Und das überrascht mit urbanen Qualitäten, die man so in der Art von einem vollausgestatteten E-MTB-Fully nicht erwartet hätte.
1. Ungewohntes Terrain für den Vorreiter
2. Viel Gepäck für neues Amflow TL Carbon kein Problem
3. SUV-E-Bike auf lange Touren ausgerichtet
4. Möglicher Wechsel zum reinen E-MTB erfordert Zeit
5. Sanft und materialschonend Schalten
6. Amflow kombiniert Avinox M2 mit großem Akku
7. Amflow TL Carbon leicht, aber kein Fliegengewicht
8. Zahlreiche digitale Features zu einem bemerkenswerten Preis
1. Ungewohntes Terrain für den Vorreiter
Also mal wieder Amflow. Die Marke, mit der Avinox 2024 sein E-Bike-System vorgestellt hat und die einen bemerkenswerten Eroberungszug in der Branche einläutete. Anfangs unternehmerisch noch direkt miteinander verbandelt, hat sich Amflow inzwischen analog zu einem Spinoff seine Eigenständigkeit erarbeitet. Nichtsdestotrotz sprechen wir hier mit hoher Wahrscheinlichkeit immer noch über den Hersteller, der am nächsten an Avinox dran ist.
Während Amflow mit dem PL Carbon und später mit dem PX Carbon und PR Carbon auf die sichere Bank vollgefederten E-Mountainbikes mit einem mittleren Federweg gesetzt hatte, begibt sicher der Hersteller nun auf ein deutlich schwierigeres Terrain. SUV-E-Bikes gelten als kein einfacher E-Bike-Typ. Der Kompromiss aus abfahrts- und klettertauglichem Mountainbike mit alltagsrelevanten Qualitäten wie dem Schutz vor den Elementen, Gepäcktransport und Straßenverkehrstauglichkeit kippt mitunter doch sehr schnell in die eine oder andere Richtung. Mit der Gefahr, die Hoffnung der einen zu enttäuschen und die Erwartungen der anderen nicht vollends zu erfüllen.
2. Viel Gepäck für neues Amflow TL Carbon kein Problem
Theoretisch kann dem neuen Amflow TL Carbon natürlich das gleiche Schicksal blühen. Allerdings hat die Marke diverse Details richtig gut gelöst. So erscheint ein Scheitern zumindest unwahrscheinlicher. Die erste Bestnote verdient sich der Neuling gleich bei eine der zentralen Anforderungen an ein SUV-E-Bike – dem Aufnehmen von Gepäck. Entscheidend sind an der Stelle die richtigen Antworten auf Fragen wie: Wie viel Gewicht darf man zuladen? Lässt es sich gut am E-Bike verteilen, sodass die Balance beim Fahrgefühl gewahrt bleibt? Mit welchem System für entsprechendes Zubehör ist das Trägersystem kompatibel?
Und das TL Carbon hält ein paar der richtigen Antworten bereit. Der Rahmen nimmt vorn und hinten jeweils einen großen Gepäckträger auf. Den Frontträger könnt ihr mit einem Gewicht von 20 Kilogramm belasten. Beim hinteren Gepäckträger sind es sogar 27 Kilogramm. An beiden könnt ihr Taschen, Körbe und weiteres Zubehör anklicken, das MIK kompatibel ist. Im Falle des hinteren Gepäckträgers darf das sogar ein Kindersitz sein. Ja, selbst dafür ist das neue Amflow freigegeben. Für ein vollgefedertes E-MTB ist das bemerkenswert. Wir kennen kein zweites Modell aktuell auf dem Markt, das dies ermöglicht.

Eine Schnittschelle für Fahrradanhänger nahe des Ausfallendes auf der Nichtantriebsseite des Rahmens ergänzt das Konzept rund um den Transport von Gepäck. Nutzt ihr die Option, beachtet an der Stelle lediglich, dass ungebremste Gepäckträger zum maximal zulässigen Gesamtgewicht eines E-Bikes hinzuzählen. Ob Kind, Hud oder Gepäck – schaut, dass ihr das TL Carbon nicht überlastet.
3. SUV-E-Bike auf lange Touren ausgerichtet
Wie aber steht es um die Mountainbike-Gene am Amflow? Im Vergleich zu den anderen E-Mountainbikes des Herstellers zeigen sich da erwartbare Unterschiede. Die Geometrie des TL Carbon fällt mit einem merklich flacheren Sitzwinkel und gleichzeitig steileren Lenkwinkel weniger aggressiv aus. Längere Kettenstreben und eine geringere Tretlagerhöhe folgen dieser Ausrichtung zu einer Fahrposition, die deutlich mehr Fahrkomfort für lange Tage im Sattel verspricht, bei denen es nicht ständig steil bergan oder bergab geht. Auf die zahlreichen Optionen am Rahmen zum Verändern der Geometrie, die ihr vielleicht bereits vom PR Carbon und PX Carbon kennt, hat der Hersteller verzichtet.
Beim Rahmen kommt abermals Carbon als Material zum Einsatz. Er bietet Platz für einen Federweg von 120 Millimeter an der Federgabel und 105 Millimeter am Dämpfer. Zum Vergleich: Bei den beiden „reinen“ E-Mountainbikes von Amflow sind es 160 vorn und 150 Millimeter hinten. Serienmäßig rollt das TL Carbon mit 27,5 Zoll großen Laufrädern an. Nach Aussage von Amflow könnt ihr auf Wunsch alternativ auch auf 29 Zoll wechseln.

4. Möglicher Wechsel zum reinen E-MTB erfordert Zeit
Innerhalb der EU-Norm EN 17406 ist der Rahmen bei den Leistungsklassen als Stufe 4 kategorisiert. Folglich wird empfohlen, bei Abfahrten auf unbefestigten Wegen nicht schneller als 40 Kilometer pro Stunde zu fahren. Sprünge sollen nicht über 120 Zentimeter hinausgehen. Innerhalb dieser Grenzen gibt das Amflow TL Carbon ein vollwertiges vollgefedertes E-Mountainbike ab. Um den Fahrspaß damit vollends auszureizen, scheint es jedoch ratsam Anbauteile wie die Gepäckträger, die Schutzbleche und den Seitenständer abzubauen. An der gesamten Kommunikation von Amflow lässt sich leicht erkennen, dass der Hersteller diese Option bewusst mitgedacht hat. Wie oft sich manche von euch dieses Wechselspiel von Ab- und Anbau wirklich gönnen, steht auf einem anderen Blatt.
Zumindest können wir festhalten, dass auf alle Fälle die typische Komplettausstattung eines SUV-E-Bikes vorhanden ist. Das schließt ausdrücklich auch eine komplette Lichtanlage mit ein. Den Avinox-eigenen Frontscheinwerfer verbaut Amflow ja inzwischen standardmäßig an seinen E-Bikes. Und auch ein passendes Rücklicht gibt es.

5. Sanft und materialschonend Schalten
Als Antrieb dient eine elektronische Kettenschaltung mit zehn Gängen. Ausnahmsweise stammt die mal nicht von Sram oder Shimano. Amflow greift hier auf ein Schaltwerk und eine Kassette von TRP zurück. Die anderen Teile wie Kettenblatt und Kurbel stammen aus der eigenen Fertigung. Im Zusammenspiel mit der Smoothshift-Funktion aus der App profitiert ihr so von einem Schalterlebnis auf höchstem Niveau. Die Schaltung wechselt situativ selbstständig den Gang, wenn ihr im Leerlauf unterwegs seid. Gleichzeitig nimmt sich der Motor während der Schaltvorgänge für den Bruchteil einer Sekunde zurück, damit Kette, Kettenblatt und Ritzel möglichst lange halten.

6. Amflow kombiniert Avinox M2 mit großem Akku
Zum E-Bike-System am Amflow TL Carbon inklusive des Avinox M2 braucht man keine großen Worte verlieren. Der Motor hat bereits bei seiner Vorstellung im Frühjahr 2026 für enormes Aufsehen gesorgt. Dabei handelt es sich ja quasi nur um den leicht eingebremsten Ableger des Avinox M2S. Doch allein schon die 1.100 Watt als Spitzenleistung und das maximale Drehmoment von 120 Newtonmeter im Boost-Modus stellen so gut wie jeden anderen aktuellen E-Bike-Motor in den Schatten. Einfangen lässt sich die beinahe grenzenlose Power mithilfe einer Traktionskontrolle. Sie soll das unkontrollierte Durchdrehen des Hinterrades gerade beim Anfahren an steilen Passagen oder auf losem Untergrund verhindern. Als weitere Sicherheitsmaßnahme sorgt sie dafür, dass der Motor seine Unterstützung aussetzt, sobald die Lagesensoren des E-Bikes feststellen, dass es sich um mehr als 45 Grad nach unten neigt.
Das übrige System setzt sich au bekannten Komponenten zusammen. Zur Bedienung nutzt Amflow die beiden kleinen Bedieneinheiten von Avinox am Lenker. Im Oberrohr integriert ist das DPC100 Control Display mit Touchscreen und USB-C-Ladeport. Beim Akku setzt der Hersteller auf maximale Reichweite und entscheidet sich für den Avinox RS800. Der bietet euch eine Kapazität von 800 Wattstunden und kann zum Laden aus dem Unterrohr entnommen werden. Für wen auch weniger genügt, steht wohl auch der kleinere Avinox RS600 als Option zur Wahl. Genauso gut könnt ihr jedoch noch draufsatteln und parallel einen zweiten Akku nutzen. Dieser schenkt euch zusätzliche 480 Wattstunden. Aus dem bisherigen Programm von Avinox oder Amflow kennen wir diesen Akku noch nicht. Anscheinend handelt es sich um eine neue Variante.
7. Amflow TL Carbon leicht, aber kein Fliegengewicht
Die Entscheidung für oder gegen einen bestimmten Akku beeinflusst direkt ja auch das Gesamtgewicht des E-Bikes. Das liegt beim Amflow TL Carbon nicht ganz so niedrig, wie manche vielleicht gedacht haben. Rund 22,6 Kilogramm gibt der Hersteller für das Modell an. Allerdings bezieht sich der Wert auf das Gewicht ohne die Gepäckträger. Ob auch die Schutzbleche und der Seitenständer davon ausgenommen sind, können wir nicht sagen. Genauso wenig kennen wir das entsprechende Gesamtgewicht inklusive aller Anbauteile. Nach allem, was wir wissen, dürfte es bei ungefähr 25 Kilogramm liegen. Das erscheint für ein SUV-E-Bike absolut ok. Ein Vordringen in bisher ungeahnte Sphären stellt es aber auch nicht dar.

8. Zahlreiche digitale Features zu einem bemerkenswerten Preis
Nicht zuletzt dank seiner zahlreichen digitalen Features bleibt das Amflow TL Carbon dennoch eine richtig gelungene Neuheit. Ob Offline-Navigation mit Import von Routen aus Komoot und Co, Fahren in Abstimmung zur eigenen Herzfrequenz, digitaler Diebstahlschutz, Anpassung der fünf Fahrmodi – da ist alles dabei, was ihr heutzutage an einem vernetzten, smarten E-Bike erwarten könnt. Wie viele Interessenten am Ende mit einem vollgefederten E-Mountainbike ihren Naschwuchs auf dem Gepäckträger zur Kita bringen, sei dahingestellt. Und wie sich die Limitierung auf lediglich zwei Rahmengrößen und eine einzige Rahmenfarbe beim späteren Verkauf auswirkt, können wir ebenso wenig vorhersagen. Feststeht, nicht zuletzt aufgrund des Preises von 3.499 Euro hat Amflow abermals ein Modell vorgestellt, das mit Sicherheit als Messlatte für Nachahmer dienen wird.
Amflow TL Carbon im Überblick
- Rahmen: Carbon
- Rahmengrößen: S/M, L/XL
- Federgabel: Fox AWL Sport
- Dämpfer: Fox Float Rhythm
- Motor: Avinox M2
- Akku: Avinox RS800
- Display: Avinox DPC100 Control Display
- Antrieb: TRP E.A.S.I
- Bremsen: Tektro TKD173
- Max. Zuladung beim hinteren Gepäckträger: 27 kg
- Max. Zuladung beim vorderen Gepäckträger: 20 kg
- Gewicht: ca. 22,6 kg ohne Gepäckträger, ca. 25 Kilogramm mit Gepäckträger
- Maximal zulässiges Gesamtgewicht: 200 kg
- Farbe: Silica Beige
- Preis: 3.499 Euro
Bilder: Amflow Bicycles Co.












