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Aktuelle E-Gravelbikes: So weit haben sich Modelle anno 2025 entwickelt

E-Gravelbikes aus dem Kalenderjahr 2025

E-Gravelbikes liegen weiterhin im Trend. Die Hersteller präsentierten auch 2025 zahlreiche neue Modelle. Bei einem Vergleich zeigt sich, dass deren Vielfalt wächst. Die Fahrräder bieten inzwischen ein paar Optionen, die früher so nicht zu finden gewesen sind. Daher geben wir euch zum Endes Jahres mal einen kleinen Überblick darüber, was ihr von einem aktuellen E-Gravelbike erwarten könnt.

1. Anteil der E-Gravelbikes am E-Bike-Markt in Deutschland
2. Systeme mit Mittelmotor aktuelle Favoriten bei E-Gravelbikes
3. Hinterradnabenmotoren bei E-Gravelbikes weiterhin relevant
4. Neu am E-Gravelbike: Anschraubpunkte am Oberrohr
5. Aktuelle E-Gravelbikes bald ohne Display?
6. Federgabel für besonders geländetaugliche E-Gravelbikes
7. Zusätzliche Federelemente im Rahmen
8. Wie viel Reifenfreiheit bieten E-Gravelbikes derzeit?
9. Die Nische in der Nische: E-Gravelbikes mit Komplettausstattung
10. Weniger bekannte E-Bike-Systeme für E-Gravelbikes

1. Anteil der E-Gravelbikes am E-Bike-Markt in Deutschland

Gerade beim Blick in den Alltag haben wir das Gefühl, dass uns immer mehr E-Gravelbikes auf den Straßen und abseits davon begegnen. Exakte Zahlen kann in dem Zusammenhang der Zweirad-Industrieverband ZIV liefern. Er ermittelte für das Kalenderjahr 2024 für den Fahrradmarkt in Deutschland einen Anteil von ungefähr einem Prozent der E-Gravelbikes unter allen neu gekauften E-Bikes. Angesichts von insgesamt 2,05 Millionen verkaufter Stück verbirgt sich dahinter noch eine überschaubare Anzahl. Allerdings ist dies das einzige E-Bike-Segment, das im Vergleich zum Kalenderjahr 2023 ein Wachstum von rund 100 Prozent aufweisen kann. Sollte sich das in den kommenden Jahren in ähnlichem Umfang fortsetzen, werden die Hersteller sicher auch ihre Sortimente in dieser Richtung ausbauen.

Übersicht zum Anteil der verschiedenen E-Bike-Typen beim Verkauf in Deutschland für das Jahr 2024
Übersicht zum Anteil der verschiedenen E-Bike-Typen beim Verkauf in Deutschland für das Jahr 2024

2. Systeme mit Mittelmotor aktuelle Favoriten bei E-Gravelbikes

Die Motorisierung ist einer der ersten Fragen, die sich ein E-Bike-Hersteller stellt, wenn er ein E-Gravelbike entwickelt. Soll es einen Mittelmotor oder einen Hinterradnabenmotor erhalten. Inzwischen setzen auffallend viele Marken auf einen Mittelmotor. Dies sind einige der Aggregate, die dabei zum Einsatz kommen.

Bosch Performance Line SX für E-Gravelbikes

Zur Präsentation seines leichtesten Mittelmotors, des Bosch Performance Line SX, hatte Bosch ganz bewusst extra eigene E-Gravelbikes produzieren lassen, die dann auch den Medien als Modelle für erste Tests zur Verfügung standen. Seit 2023 hat der Antrieb in dem Segment richtig Fuß gefasst. Mit seinen kompakten Abmessungen, dem Gewicht von nur zwei Kilogramm sowie dem seit kurzem auf 60 Newtonmeter erhöhten Drehmoment passt der Motor ausgesprochen gut zu den Anforderungen an ein E-Gravelbike. Gibt der Hersteller das jeweilige Modell sogar noch für den eMTB+-Modus frei, erweitern sich dessen Einsatzmöglichkeiten vor allem auf Waldwegen und Trails zusätzlich.

Motor Bosch Performance SX als Neuheit für die Saison 2024

Motor Bosch Performance Line SX

Zu den ersten Anwendern des Bosch Performance Line SX gehörte KTM. Der Hersteller nutzt das System in seinem ersten E-Gravelbike überhaupt, dem KTM Macina Gravelator SX. Zur Saison 2026 vergrößert sich die Palette um das KTM Macina Gravelator SX Elite auf jetzt vier Modelle. Nach Aussage von KTM war dies eine Reaktion auf eine spürbar gestiegene Nachfrage. Ein Grund dafür könnte der Umstand sein, dass der Hersteller den Akku entnehmbar integriert hat. Zudem lässt er sich mit einem Range Extender, dem Bosch PowerMore 250 kombinieren, was euch mehr Wahl bei der Länge eurer Touren verschafft.

E-Bike KTM Macina Gravelator SX Prime für die Saison 2026

Während das KTM Macina Gravelator SX als etabliert gelten kann, handelt es sich bei einem weiteren Anwender des Bosch Performance Line SX um einen absoluten Neuling. Mit dem Lombard E hat die kalifornische Kultmarke Marin vor wenigen Tagen ihr allererstes E-Gravelbike auf den Markt gebracht. Mit seinem stark nach unten gezogen Oberrohr und der dazugehörigen Geometrie gibt es unmissverständlich zu erkennen, dass beim Design die mountainbikelastige Geschichte von Marin durchscheinen sollte. Als Marin Lombard E1 bleibt es mit 3.899 Euro deutlich unter der Marke von 4.000 Euro.

E-Bike Marin Lombard E1
Marin Lombard E1

TQ HPR50 für E-Gravelbikes

Unsere Überschrift wird den Antrieben von TQ gar nicht vollumfänglich gerecht. Neben dem HPR50 eignen sich die in diesem Jahr vorgestellten HPR60 und HPR40 genauso zur Integration in einem E-Gravelbike. Nichtsdestotrotz hat der HPR50 den anderen beiden Systemen definitiv den Weg geebnet. Kaum ein Wettbewerber reicht an die geringen Abmessungen und das niedrige Gewicht dieses Motors heran. Sein Potenzial mit einer Spitzenleistung von 300 Watt und einem Drehmoment von 50 Newtonmetern erachten viele E-Bike-Hersteller als passend für ein E-Gravelbike. Und für Wünsche nach höherer Leistung oder noch geringerem Gewicht gibt es mit dem HPR60 und dem HPR40 exzellente Alternativen.

E-Bike Scott Solace eRide mit Motor HPR50 von TQ
Motor HPR50 von TQ

Der sich gern sportlich darstellende Hersteller Scott liegt mit E-Gravelbikes ganz auf einer Welle. In seinem Programm führt er Modelle sowohl mit Mittelmotor als auch mit Hinterradnabenmotor. Beim Solace Gravel eRide nutzt Scott bereits seit der Saison 2023 den TQ HPR50. Neben einem Carbonrahmen setzt der Hersteller bei den verschiedenen Ausführungen auf teilweise sehr hochwertige Ausstattung.

E-Bike Scott Solace Gravel eRide 30 für die Saison 2025

Shimano EP801 für E-Gravelbikes

Der Ansatz mit einem leichteren Motor und etwas geringerer Leistungsfähigkeit ist natürlich nur einer von mehreren. Genauso gut funktionieren Konzepte mit einem Full-Power-Motor wie dem Shimano EP801. In einem solchen Falle verlagern sich einfach nur die Schwerpunkte. Technische Eigenschaften wie Spitzenleistung, Drehmoment und maximale Unterstützung werden höher gewichtet als ein zum Beispiel ein geringes Gesamtgewicht mit schlanken Akkus. Bezogen auf das Niveau, ähnelt der EP801 damit stark einem Bosch Performance Line CX.

Motor Shimano EP801 am E-Bike Orbea Denna
Motor Shimano EP801

Sehen könnt ihr dies etwa beim Orbea Denna. Der spanische Hersteller kooperiert seit langem sehr eng mit Shimano. Typisch für Orbea ist die inhouse entwickelte Firmware für die Antriebe. Das Denna verfügt zum Beispiel über eigene spezielle Motorprofile. Diese bieten unterschiedliche Dynamiken und sollen das Fahrerlebnis noch individueller darauf abstimmen, ob ihr mit dem E-Gravelbike im Gelände oder auf der Straße unterwegs seid.

E-Bike Orbea Denna in der Farbe Escape Green Gloss/Foggy Matt

Mahle M40 für E-Gravelbikes

Ein noch junges Gesicht unter den Antriebssystemen für E-Gravelbikes ist der Mahle M40. Er schlägt eine ähnliche Richtung ein wie der Shimano EP801. Angesichts einer Spitzenleistung von 850 Watt, einem Drehmoment von 105 Newtonmeter und einer Unterstützung von maximal 400 Prozent wird deutlich, dass auch dieser Motor zur Kategorie Full Power zählt. Gegenüber einem Bosch Performance Line CX und Shimano EP801 hat der Mahle M40 jedoch den Vorteil zum Teil deutlich geringeren Gewichts. Gerade einmal 2,5 Kilogramm bringt er auf die Waage.

Mittelmotor für das Antriebssystem Mahle M40 für E-Bikes

Motor Mahle M40

Obwohl der Mahle M40 erst frisch zur Eurobike 2025 vorgestellt wurde, gibt es bereits einen ersten Einsatz in einem E-Gravelbike. Und dieses Modell hat es wirklich in sich. Das Impervia der italienischen Designer von Pard Design basiert auf einem CNC-gefrästen Rahmen aus Aluminium. Kurbeln und Bremsen stammen von der italienischen Nobelmarke BCA Performance. Als Schaltung ist eine Sram Force verbaut – natürlich die elektronische Variante. Für zusätzlichen Fahrkomfort sorgt ein Upside-Down-Federgabel von Cane Creek. Und so lauten lediglich ein paar Details einer Beispielkonfiguration, die Pard Design auf seiner Webseite zeigt. Kostenpunkt schlappe 15.700 Euro. Aud Wunsch kann das sicher problemlos noch edler ausfallen. Ihr seht, das E-Gravelbike arbeitet an seinem Platz in der Reihe der modernen Luxusgüter.

E-Bike Pard Design Impervia
Pard Design Impervia

ZF Centrix für E-Gravelbikes

Noch seltener als der Mahle M40 ist aktuell ein ZF Centrix an einem E-Gravelbike zu entdecken. Vom Hersteller bereits auf der Eurobike 2024 in Frankfurt am Main gezeigt, haben bisher nur wenige E-Bike-Hersteller dieses Aggregat implementiert. Dabei bietet vor allem der ZF Centrix 75 ein reizvolles Profil mit einem Gewicht von 2,5 Kilogramm, einem Drehmoment von 75 Newtonmetern, einer Spitzenleistung von 450 Watt und einer Betriebsspannung von 48 Volt.

Motor des E-Bike-Antriebs ZF Centrix
Motor des ZF Centrix

Anscheinend angetan vom ZF Centrix 75 ist der französische Hersteller Ultima Mobility und nutzt den Motor in seinem eGravel Yin Sport. Dabei handelt es sich erneut um ein sehr hochwertiges Konzept, bei dem Fahrradrahmen und Laufradsatz aus Carbon gefertigt sind. Beim Design geht Ultima Mobility sichtbar eigene Wege, was zum Beispiel bei der Position und Formgebung der Sitzstreben deutlich wird. Bis auf das recht voluminöse Unterrohr für den gut 500 Wattstunden fassenden entnehmbaren Akku wirkt das insgesamt sehr stimmig.

E-Bike Ultima Mobility eGravel Yin Sport
Ultima Mobility eGravel Yin Sport

3. Hinterradnabenmotoren bei E-Gravelbikes weiterhin relevant

Den Antrieb schonend, Kettenschaltung oder Nabenschaltung. Für ein relativ geringes Gesamtgewicht beim E-Bike sorgend. Den Look eines herkömmlichen Fahrrades ohne elektrische Unterstützung einfach nachempfindend. Für den Einsatz eines Hinterradnabenmotors sprechen etliche gewichtige Argumente. Mit dem verzögerten Ansprechverhalten und der ungünstigeren Gewichtsverteilung am E-Bike gibt es natürlich auch ernstzunehmende Gründe dagegen. Nichtsdestotrotz zählen E-Gravelbikes zu den bevorzugten Anwendungen eines solchen Motors.

Banner E-Gravelbikes

Mahle X20 für E-Gravelbikes

Was wir für TQ bei den Mittelmotoren gesagt haben, gilt gleichfalls für Mahle bei den Hinterradnabenmotoren. Der Antriebsspezialist hält im Grunde insgesamt vier Systeme bereit, die alle an einem E-Gravelbike vorstellbar sind. Neben dem X20 sind dies das X30, X35 und selbst das XS. Im Falle von Mahle kann man ziemlich gesichert auch vom Marktführer in diesem Segment sprechen.

Der Mahle X20 ist der leistungsstärkste dieses Quartetts. Mit einem Update im September 2025 hat er diese Position noch einmal zusätzlich untermauert. Angesichts seines technischen Vermögens lässt er sich durchaus mit einem TQ HPR50 und einem Bosch Performance Line SX vergleichen. Gleichzeitig wiegt er mehr als 1.000 Gramm weniger. Und als Nabe fungiert er ja ebenfalls noch. Also fällt der Gewichtsvorteil im Vergleich zu Systemen mit Mittelmotor sogar noch etwas größer aus.

Hinterradnabenmotor des E-Antriebs Mahle X20
Hinterradnabenmotor des Mahle X20

Diesen potenziellen Vorteil spielt das Urwahn Waldwiesel nicht komplett aus. Wenn man weiß, dass der im 3D-Druckverfahren hergestellte Rahmen aus Stahl besteht und zudem ein Schaltgetriebe mit zwölf Gängen von Pinion verbaut wird, klingen 15 Kilogramm aber auch mehr als akzeptabel. Die ausgefallene Silhouette des Softride-Rahmens sowie die enorme Entfaltung der Schaltung von rund 600 Prozent sind aus unserer Sicht eine gute Entschädigung.

E-Gravelbike Urwahn Waldwiesel
Urwahn Waldwiesel

Giant SyncDrive Move Plus für E-Gravelbikes

Eine noch etwas kräftigere Unterstützung als der Mahle X20 bietet der SyncDrive Move Plus von Giant. Bei einer Dauernennleistung von üblichen 250 Watt generiert er ein Drehmoment von 30 Newtonmeter. Giant setzt dieses Drehmoment auf der Grundlage eigener Messungen mit einem Drehmoment von 75 Newtonmeter eines Mittelmotors gleich. Das läge folglich in dem Bereich eines ZF Centrix.

Motor SyncDrive Move am E-Bike Giant Talon E+ 24/26 für Kinder

Motor Giant SnycDrive Move Plus

Gegenüber den Motoren von Mahle hat der Giant SyncDrive Move Plus einen entscheidenden Nachteil. Er wird nie auch nur annähernd deren Marktanteile erreichen. Das liegt natürlich daran, dass er eben ausschließlich von Giant und Liv genutzt wird. Am Giant Defy Advanced E+ konnten wir schon testen, wie gut das funktioniert. Neben seiner Durchzugskraft und dem sparsamen Akkuverbrauch hat der Antrieb zusätzlich durch den einfachen Aus- und Einbau des Hinterrades überzeugt, der dank eines Konnektors zum Kinderspiel wird.

E-Bike Giant Defy Advanced E+ Elite 1 für die Saison 2026

4. Neu am E-Gravelbike: Anschraubpunkte am Oberrohr

Wie bei den meisten anderen Fahrradtypen gab es auch bei den E-Gravelbikes zuerst die Variante ohne Motor. Und die hatte den Modellen mit elektrischer Unterstützung lange etwas voraus – nämlich zahlreiche Anschraubpunkte am Rahmen. An denen lassen sich spezielle Taschen, zusätzliche Flaschenhalter und weiteres Zubehör anbringen.

Bei Gravelbikes, die sich auch für das Bikepacking eignen wollen, ist eine dieser zusätzlichen Aufnahmen typischerweise die auf dem Oberrohr. Bei einem E-Gravelbike ist an der Stelle jedoch oftmals ein Display oder eine Bedieneinheit integriert. Das beißt sich also miteinander. Was tun? Mittlerweile gehen die E-Bike-Hersteller dazu über, an der Unterseite des Oberrohrs alternative Anschraubpunkte im Rahmen einzufügen. Wie am kürzlich präsentierten Trek Checkpoint+ SL könnt ihr auf diese Weise zumindest im Rahmendreieck nun Taschen anbringen. Da sie am Rahmen verschraubt sind, bleiben sie während der Fahrt sicher am Bike. Und der Verzicht auf Klettverschlüsse oder ähnliche Hilfsmittel zum Anbringen verhindert, dass Kratzer euch die Lackierung ruinieren.

E-Bike Trek Checkpoint+ SL 6 AXS für die Saison 2026

5. Aktuelle E-Gravelbikes bald ohne Display?

Das Anbringen einer Tasche an der Unterseite des Oberrohrs bleibt dennoch nur ein Kompromiss. Zumindest, wenn ihr lieber eine kleine Tasche doch vorn oben auf dem Oberrohr platzieren möchtet. Mal sehen, auch hier könnte es künftig mehr E-Gravelbikes geben, an denen ihr diesen Kompromiss nicht eingehen müsst. Das aktuelle Ridley E-Astr zeigt, dass man auch ohne Display und Bedieneinheit auskommen kann. Ausgestattet mit dem TQ HPR40 benötigt dieses E-Bike nur das kleine Display von TQ am rechten Lenkerende sowie kleine Schalteinheiten am Lenker. Mit diesem minimalistischen Konzept lassen sich während der Fahrt lediglich die Unterstützungsstufen wechseln und der aktuelle Akkustand anzeigen. Mehr Informationen könnte euch ein Fahrradcomputer anbieten, der sich per ANT+ mit dem System von TQ koppeln lässt.

Mit einem solchen Setup wird plötzlich das Oberrohr komplett frei für das Integrieren von Anschraubpunkten. Gleichzeitig beweist es, wie wenig Bedienoption bereits genügen, um einfach E-Bike zu fahren.

E-Bike Ridley eAstr
Ridley eAstr

6. Federgabel für besonders geländetaugliche E-Gravelbikes

Das E-Gravelbike möchte eine Brücke zwischen dem E-Mountainbike und dem E-Rennrad sein. Folglich benötigt ihr einen gewissen Fahrkomfort, wenn ihr den Asphalt verlasst und in den Wald, auf die Wiese oder andere Wege abbiegt. Dies kann zum Beispiel eine Federgabel übernehmen. Zugegeben, die Minderheit der E-Gravelbikes bietet diese Option. Aber wenn ihr gezielt danach sucht stoßt ihr auf Modelle wie das bereits erwähnte Trek Checkpoint+ SL oder das Mondraker Dusty RR. Beide setzen auf die Rudy Ultimate von RockShox. Diese Federgabel wurde ganz gezielt für den Einsatz am Gravelbike entwickelt. Mit 40 Millimetern bietet sie einen deutlich geringeren Federweg, als ihr das vom Mountainbike her kennt. Dank der Luftfederung und einer Druckstufeneinstellung liegt sie technisch auf Augenhöhe mit den langhubigeren Versionen. Wer mit seinem E-Gravelbike die Straße nur als Verbindung zum nächsten Offroad-Abschnitt sieht, sollte unbedingt ein Blick auf die Modelle mit Federgabel werfen.

E-Bike Mondraker Dusty RR
Mondraker Dusty RR

7. Zusätzliche Federelemente im Rahmen

Nicht jeder fährt mit seinem E-Gravelbike mehrheitlich auf technischem Gelände und rauem Untergrund und benötigt daher eine Federgabel. Doch selbst auf asphaltierten Radwegen und Kopfsteinpflaster leitete das E-Bike über die Reifen und den Rahmen kleine Erschütterungen an uns weiter. Fahrradhersteller haben das längst erkannt und wirken dem mit Federelementen im Rahmen, leicht schwingenden Streben oder flexiblen Sattelstützen entgegen. Je nach Marke haben diese Lösungen dann Namen wie Isospeed, Kingpin, MTT, D-Fuse oder Future Shock. Letztgenannte findet ihr zum Beispiel am Specialized Turbo Creo 2. Future Shock ist ein im Steuerrohr integriertes Federungssystem von Specialized. Ein auf 20 Millimeter begrenzter Dämpfer schluckt vom Vorderrad kommende Vibrationen. Mithilfe eines Drehreglers könnt ihr dessen Empfindlichkeit sogar während der Fahrt verändern.

Zur Wahrheit gehört allerdings auch, dass solche Federungskonzepte derzeit in erster Linie namhafte Marken wie BMC, Giant, Specialized und andere bieten. Und neben dem bekannten Namen fließt eben auch dieser technologische Vorsprung in den Preis mit ein.

E-Bike Specialized S-Works Turbo Creo 2
Specialized S-Works Turbo Creo 2

8. Wie viel Reifenfreiheit bieten E-Gravelbikes derzeit?

Zum Glück gibt es ein Federelement, dass serienmäßig an jedem E-Gravelbike verbaut ist. Gemeint sind die Reifen. 😉 Sowohl die Reifenbreite als auch der Luftdruck in den Reifen beeinflussen den Fahrkomfort maßgeblich. Die grobe Formel dabei lautet: Je breiter der Reifen und je geringer der Luftdruck, desto weniger Erschütterungen sind spürbar. Natürlich solltet ihr den minimal empfohlenen Luftdruck eher nicht unterschreiten. Auf der blanken Felge fühlt sich die Fahrt erfahrungsgemäß sehr holprig an. 😉

Heutzutage gelten Reifenbreiten von 45 Millimeter an einem E-Gravelbike als guter Standard. Alles, was über 50 Millimeter hinausgeht, kann als in gewissem Maße besonders eingeschätzt werden. Der Durchmesser beträgt in aller Regel die üblichen 28 Zoll. Modelle wie das 3T Ultra Boost erhaltet ihr zum Beispiel aber auch in der Größe 650B. Bei diesem E-Gravelbike liegt das Maximum bei einer Breite von 50 Millimeter. Am Specialized Turbo Creo 2 dürfen es sogar 56 Millimeter bei einem Durchmesser von 29 Zoll werden. Für alle, denen dieser Aspekt besonders wichtig, ein kleiner Tipp. Lest aufmerksam in die Spezifikationen rein. Oftmals ist die maximale Reifenfreiheit an bestimmte Vorgaben geknüpft, zum Beispiel die Ausstattung mit nur einem Kettenblatt oder den Verzicht auf Schutzbleche.

E-Bike 3T Ultra Boost
3T Ultra Boost

9. Die Nische in der Nische: E-Gravelbikes mit Komplettausstattung

Wie tief das E-Gravelbike bereits in die Welt der E-Bikes eingedrungen ist, erkennt ihr daran, wie häufig es inzwischen als Fahrrad für den Alltag angeboten wird. In seiner Reinform verlangt es weder nach Schutzblechen noch nach einem Seitenständer oder einem Gepäckträger. Aber viele Leute mögen das Fahrgefühl, die Vielseitigkeit und ein Stück weit sicher auch das Image, das ein E-Gravelbike präsentiert, und haben darüber hinaus weitere praktische Anforderungen an ein solches Fahrrad.

Recht früh hat dies etwa Bergamont erkannt. Die auf Sankt Pauli in Hamburg beheimatete Marke führt von seinem E-Grandurance seit gefühlten Ewigkeiten mehrere vollausgestattete Modelle im Programm. An denen findet sich natürlich auch eine fest verbautet Lichtanlage. Anfangs nutzte das E-Grandurance noch einen Hinterradnabenmotor von Mahle. Vor zwei, drei Jahren erfolgte der Wechsel auf den TQ HPR50.

E-Bike Bergamont E-Grandurance RD 8 Neuheit zur Saison 2024

Andere Hersteller haben entsprechend nachgezogen. So könnt ihr bei Conway zum Beispiel das Nyvon Adventure mit dem Rennlenker in fünf verschiedenen Ausführungen fahren. Zwei davon bringen schon ab Werk Schutzbleche, Gepäckträger, einen Seitenständer sowie eine festinstallierte Lichtanlage mit. Und mit dem Bosch Performance Line SX gibt es einen Antrieb, der das sportliche Konzept des Bikes gut abrundet.

E-Bike Conway Nyvon 8.0 C

10. Weniger bekannte E-Bike-Systeme für E-Gravelbikes

Abseits bekannter Marken und Antriebsysteme begegnet man bei den E-Gravelbikes auch Namen, die unterstreichen, wie interessant dieses breit gefächerte Segment auch für weniger prominente Unternehmen ist. Oder zumindest für Unternehmen, die auf dem deutschen und teilweise dem europäischen Markt bislang nur eine untergeordnete Rolle spielen.

Kynamic eVO250

Ein Beispiel dafür ist das für Dezember angekündigte El Camino des britischen Herstellers Sonder. Für seine überarbeitete Version des E-Gravelbikes nutzt das Unternehmen aus Nottingham einen Hinterradnabenmotor des taiwanesischen Herstellers Kynamic. Der ist 2024 erstmals mit eigenen E-Bike-Systemen in Erscheinung getreten. Der Antrieb mit dem Namen Kynamic eVO250 leistet 38 Newtonmeter. Mit dem 250 Wattstunden fassenden Akku lassen sich laut Hersteller Reichweiten von maximal 70 Kilometer erreichen. Bei einem Gewicht von voraussichtlich knapp unter 14 Kilogramm wird das El Camino rund 4.000 Euro kosten.

E-Bike Sonder El Camino
Sonder El Camino

Estarli Cycle Systems

Noch ein kleines Stück darunter beginnt bereits das Estarli EG700. Bezogen auf ein paar Eckdaten ähnelt es recht stark dem Sonder El Camino. Mit einem Carbonrahmen und Antrieb am Hinterrad ausgestattet, kommt es auf ein Gewicht von offiziell 13,5 Kilogramm und einen Preis von 3.850 Euro. Der Motor mit dem Namen CSG 4.0 T stammt von Estarli selbst. Er verfügt über einen Drehmomentsensor und generiert aus der Leistung von 250 Watt ein Drehmoment von maximal 40 Newtonmeter. Den dazu passenden Akku steuert Samsung bei. Dessen 250 Wattstunden reichen laut des in London angesiedelten Unternehmens für Reichweiten von 40 Kilometer bis 60 Kilometer.

E-Bike Estarli G700
Estarli G700

Polini E-P3+

Hinter dem Dolan GXE steckt eine britisch-italienische Koproduktion. Die wählt einen sehr leistungsstarken Mittelmotor als Antrieb für ihr E-Gravelbike. Dabei fiel die Wahl auf den Polini E-P3+. Den trifft man außerhalb Italiens tatsächlich recht selten an. Mit einem Drehmoment von 75 Newtonmetern und einer Spitzenleistung von 500 Watt bietet er die Durchzugskraft, die ihr von einem Motor dieser Größe erwarten könnt. Mit gut drei Kilogramm wiegt er entsprechend auch etwas mehr als zum Beispiel die Aggregate von TQ. Aus der Masse der aktuellen E-Gravelbikes sticht das Dolan GXE hervor, weil es erstens auf einen Antrieb mit zwei Kettenblättern, was etwas aus der Mode zu kommen scheint. Außerdem bietet Dolan tiefgehende Optionen für das Personalisieren der technischen Ausstattung an. Los geht es bei einem Basispreis von £4999,99.

E-Bike Dolan GXE
Dolan GXE

Bilder: 3T Cycling S.r.l.; Alpkit Ltd.; Belgian Cycling Factory nv; Bergamont Fahrrad Vertrieb GmbH; Blue FactoryTeam S.L.U.; Dolan Bikes Ltd; Estarli EV Limited; Giant Deutschland GmbH; Hermann Hartje KG; KTM Fahrrad AG; Marin Mountain Bikes, Inc.; Orbea S. Coop. N.I.F.; Pard Design; Scott Sports SA; Specialized Bicycle Components, Inc.; Trek Bicycle Corporation; Ultima Mobility; Urwahn Engineering GmbH

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