Wie weit komme ich mit einer Akkuladung? Diese Frage stellen sich fast alle, die ein E-Bike kaufen möchten oder bereits eines besitzen. Und das aus gutem Grund: Die Reichweite entscheidet darüber, ob ihr entspannt zur Arbeit pendelt, spontane Umwege nehmen könnt oder ob ihr bei längeren Touren ständig auf die Akkuanzeige schielt.
Die gute Nachricht: Moderne E-Bikes bieten heute Reichweiten zwischen 40 und weit über 200 Kilometern. Die schlechte Nachricht: Die tatsächliche Reichweite hängt von so vielen Faktoren ab, dass Herstellerangaben oft mehr verwirren als helfen. Fahrt ihr im Flachland oder in den Bergen? Bei Gegenwind oder Rückenwind? Im Eco-Modus oder im Turbo? In diesem Blogbeitrag erfahrt ihr alles, was ihr über die Reichweite beim E-Bike-Akku wissen müsst.
1. Wie weit kann ich mit meinem E-Bike fahren?
2. Für jeden Zweck den richtigen Akku finden
3. Was beeinflusst die E-Bike-Akkureichweite?
4. Finde passende Reichweite mit dem Bosch Reichweiten-Rechner
5. E-Bike-Akku-Reichweite erweitern: Range Extender, Ersatzakkus & Ladegeräte
6. Worauf muss ich beim E-Bike-Akku-Kauf achten?
7. Unsere E-Bike-Akkus Empfehlungen
1. Wie weit kann ich mit meinem E-Bike fahren?
Die Wahl der richtigen Akkukapazität ist eine der wichtigsten Entscheidungen beim E-Bike-Kauf. Zu klein gewählt, und ihr erlebt ständig Reichweitenangst. Zu groß, und ihr zahlt unnötig viel Geld für Kapazität, die ihr nie braucht – plus zusätzliches Gewicht, das ihr jeden Tag mit euch herumtragt. Die gute Nachricht: Mit der richtigen Einschätzung eures Nutzungsprofils findet ihr schnell die ideale E-Bike-Akkugröße.
2. Für jeden Zweck den richtigen Akku finden
Die optimale Reichweite für euren E-Bike-Akku ergibt sich direkt aus eurem Fahrverhalten. Wie, wo und wie lange seid ihr mit euerem E-Bike unterwegs. Hier sind unsere Empfehlungen für häufige Szenarien:
2.1 Pendeln und Kurzstrecken (täglich 10 km – 30 km)
Wenn ihr euer E-Bike hauptsächlich für den Arbeitsweg nutzt und täglich zwischen 10 und 30 Kilometer zurücklegt, reicht ein E-Bike-Akku mit einer Kapazität von 400 Wattstunden oder 500 Wattstunden völlig aus.
- Empfohlene Akkugröße: 400 Wh – 500 Wh
- Reichweite 400 Wh: 40 km – 100 km (je nach Bedingungen)
- Reichweite 500 Wh: 60 km – 120 km (je nach Bedingungen)
2.2 Touren und intensive Nutzung im Alltag (Tagestouren 80 km – 120 km)
Wer regelmäßig längere Strecken fährt, ambitionierte Tagestouren unternimmt oder häufig in bergigem Gelände unterwegs ist, sollte zu einem E-Bike mit großer Reichweite greifen.
- Empfohlene Akkugröße: 625 Wh – 750 Wh
- Reichweite 625 Wh: 60 km – 160 km
- Reichweite 750 Wh: 75 km – 200 km
2.3 E-Mountainbiken (Touren abseits der Straße mit vielen Höhenmetern)
Steigungen sind Reichweiten-Killer. Wer ein E-Mountainbike fährt, braucht ein E-Bike mit deutlich höherer Batterieleistung als jemand, der Touren auf flachen Strecken zurücklegt.
- Empfohlene Akkugröße: 625 Wh – 750 Wh (oder Dual-Battery-System)
- Reichweite 750 Wh im Gebirge: 50 km – 100 km mit 1.000 – 2.000 Höhenmetern
2.4 Mehrtägige E-Bike-Reisen und Fernfahren mit Gepäck
Wer mit Gepäck auf Mehrtagestouren geht, braucht maximale E-Bike-Reichweite.
- Empfohlene Akkugröße: 750+ Wh oder Dual-Battery
- Reichweite Dual-Battery (1.000+ Wh): 120 km – 250+ km (je nach Gelände)
3. Was beeinflusst die E-Bike-Akkureichweite?
Warum ergeben sich aus identisch großen Akkus mitunter so große Reichweitenunterschiede? Die Antwort: Die Reichweite eures E-Bikes hängt von einem komplexen Zusammenspiel verschiedener Faktoren ab. Manche davon könnt ihr aktiv beeinflussen, wie die Unterstützungsstufe. Auf andere hingegen habt ihr keinen Einfluss, wie zum Beispiel äußere Bedingungen wie das Wetter.
3.1 Wahl der Unterstützungsstufe
Die gewählte Fahrmodus ist der Faktor mit dem größten Einfluss auf euere Reichweite. Die meisten E-Bike-Systeme bieten zwischen drei und fünf verschiedene Modi.
- Eco / Eco+: minimale Unterstützung (ca. 30 % – 50 % Motorleistung), maximale Reichweite
- Tour: ausgewogene Unterstützung (ca. 60 % – 100 %), guter Kompromiss zwischen Reichweite und Komfort
- Sport / eMTB: kräftige Unterstützung (ca. 120 % – 200 %), deutlich höherer Verbrauch
- Auto / Smart: kräftige Unterstützung (bis. 340 %), passt die Unterstützung automatisch an Gelände, Geschwindigkeit und Tretkraft an
- Turbo / Boost: maximale Unterstützung (bis 400 %), höchster Energieverbrauch
Praxis-Tipp: Fahrt auf flachen Abschnitten im Eco-Modus und wechselt nur bei Steigungen oder Gegenwind in höhere Stufen. So holt ihr das Maximum aus euerem Akku heraus. Nutzt Auto- oder Smart-Modi, wenn ihr entspannt fahren oder eure Aufmerksamkeit auf den Verkehr richten möchtet. Das System wählt dann automatisch den optimalen Kompromiss zwischen Unterstützung und Reichweite.
3.2 Körpergewicht und Zuladung
Je höher die Gesamtlast aus Fahrenden, E-Bike und Gepäck, desto mehr Energie braucht der Motor, um euch beim Pedalieren zu unterstützen. Das gilt besonders beim Beschleunigen und an Steigungen. Ein Zusatzgewicht von zehn Kilogramm reduziert die Reichweite um rund fünf bis acht Prozent.
3.3 Streckenprofil und Steigungen
Steigungen sind der größte „Reichweiten-Killer“. Bergauf zu fahren, erfordert ein Vielfaches der Energie im Vergleich zur Fahrt im in der Ebene – selbst mit Motorunterstützung.
- Flachland-Tour (100 km, 200 Höhenmeter): 500 Wh reichen problemlos
- Hügelland-Tour (80 km, 800 Höhenmeter): 500 Wh knapp ausreichend
- Alpen-Tour (60 km, 1.500 Höhenmeter): 500 Wh werden eng, besser 625+ Wh
Faustformel: Pro 100 Höhenmeter benötigt ein E-Bike-Akku etwa zwischen zehn und fünfzehn zusätzliche Wattstunden, abhängig von Gesamtgewicht und Steigung.
3.4 Fahrweise und Geschwindigkeit
Ständiges Anfahren und Bremsen, typisch im Stadtverkehr, kostet deutlich mehr Energie als gleichmäßiges Fahren auf Landstraßen oder Radwegen. Das Beschleunigen aus dem Stand ist besonders energieintensiv.
3.5 Luftwiderstand
Der Luftwiderstand steigt mit dem Quadrat der Geschwindigkeit. Bei 25 km/h ist er bereits spürbar, bei Geschwindigkeiten von mehr als 30 km/h wird er zum dominierenden Faktor. Das spielt vor allem beim S-Pedelec eine größere Rolle.
3.6 Temperatur
Lithium-Ionen-Akkus sind temperaturempfindlich. Besonders Kälte macht ihnen zu schaffen.
Temperatur-Effekt:
- 20 °C – 25 °C: 100 % Akkuleistung
- 10 °C – 15 °C: ca. 95 % Akkuleistung
- 0 °C – 5 °C: ca. 80 % – 85 % Akkuleistung
- unter 0 °C: ca. 70 % – 75 % Akkuleistung (bei -10 °C noch weniger)
Das bedeutet: Bei Wintertouren mit Außentemperaturen unter dem Gefrierpunkt verlieren E-Bike-Akkus bereits zwischen 15 Prozent und 25 Prozent ihrer Reichweite allein durch die Kälte – zusätzlich zu allen anderen Faktoren.
Warum ist das so?
Bei niedrigen Temperaturen laufen die chemischen Prozesse im Akku langsamer ab. Der Innenwiderstand steigt, die verfügbare Leistung sinkt. Mehr über die Akkupflege im Winter könnt ihr in unserem Blogbeitrag „Wieso sinkt die Reichweite eines E-Bike-Akkus im Winter“ erfahren.
Weitere Faktoren, die die Reichweite beeinflussen:
- Gelände/Topografie
- Streckenbelag (Asphalt vs. Schotter)
- Gewählter Gang und passende Unterstützung für das Gelände
- Luftdruck im Reifen
- Antriebsart
- Sitzposition
- Kleidung (Windwiederstand)
Ein E-Bike kann euch auf Strecken mit einer Länge von 40 Kilometer bis hinauf auf mehr als 200 Kilometer unterstützen – je nach Batteriegröße und Fahrbedingungen. Ein Modell mit einem 500-Wattstunden-Akku bringt euch auf flacher Strecke im Eco-Modus locker 120 Kilometer weit. Dieselbe Akkukapazität reicht in den Alpen im Turbo-Modus vielleicht nur für 50 Kilometer. Der Unterschied ist gewaltig – und genau deshalb sind pauschale Herstellerangaben oft wenig hilfreich.
Wichtig zu wissen: Die Reichweite sinkt nicht linear mit dem Batteriestand. Innerhalb der letzten 20 Prozent der Akkuladung reduzieren viele Systeme automatisch die maximale Unterstützung, um den Akku zu schonen. Plant also lieber etwas Puffer ein.
Reichweiten nach Akkugröße und Hersteller
🔋 Deine Akku-Reichweite
Reichweiten-Übersicht nach Herstellern: Bosch, Shimano, Yamaha, Giant, TQ und Mahle
*** Beachtet bitte, dass die berechneten Daten nur Schätzwerte und Annäherungen darstellen. Da die genauen Ergebnisse stark von deiner individuellen Nutzung und äußeren Bedingungen abhängen, können die tatsächlichen Werte abweichen.
4. Finde passende Reichweite mit dem Bosch Reichweiten-Rechner
Trotz aller Komplexität gibt es hilfreiche Tools, mit denen ihr die Batterieleistung beim E-Bike gut einschätzen könnt. Dazu zählt zum Beispiel der Reichweiten-Assistent von Bosch. Dieses kostenlose Online-Tool berechnet die zu erwartende Reichweite eures E-Bikes basierend auf eueren individuellen Parametern – und das deutlich präziser als jede Pauschalangabe.
5. E-Bike-Akku-Reichweite erweitern: Range Extender, Ersatzakkus & Ladegeräte
Manchmal reicht auch der größte Akku nicht aus – etwa bei Mehrtagestouren, Alpen-Überquerungen oder wenn ihr einfach maximale Flexibilität haben möchtet. In diesen Fällen könnt ihr auf verschiedenen Wegen die E-Bike-Reichweite über die Standard-Akkukapazität hinaus erweitern.
Dual-Battery-Systeme und Range Extender
Ein Dual-Battery-System ermöglicht den gleichzeitigen Betrieb von zwei Akkus am E-Bike. Beide Akkus werden parallel entladen und können, je nach Größe, die Reichweite verdoppeln.
Bosch DualBattery
- zwei Bosch Akkus kombiniert (z.B. 2× Bosch PowerTube 625 Wh = 1.250 Wh | 2x Bosch PowerPack 800 Wh = 1.600 Wh)
- beide Akkus werden automatisch parallel entladen
- Reichweite: bis zu 250+ km unter optimalen Bedingungen
- ideal für E-Mountainbikes, E-Lastenfahrräder, Reise-E-Bike
Range Extender
Ein Range Extender ist ein kleiner Zusatzakku, der direkt am E-Bike angebracht oder über einen Adapter verbunden wird, um die Kapazität des Hauptakkus zu erhöhen.
- Kapazität: meist 200 – 500 Wh, je nach Hersteller und Modell
- Funktionsweise: unterstützt den Hauptakku bei Bedarf automatisch oder per Knopfdruck
- Reichweite: zusätzliche 50 – 150 km, abhängig von Fahrstil, Gelände und Unterstützungsstufe
- Flexibilität: einfach nachrüstbar, oft tragbar für unterwegs
Praxis-Tipp: Besonders praktisch für Tages- oder Wochenendtouren, bei denen kein Zweitakku eingebaut werden kann.
Range Extender für beliebte E-Bike-Systeme
Ersatz- und Zweitakku
Alternativ bietet sich die klassische Lösung an. Das heißt, ihr nehmt einfach einen zweiten Akku zum Wechseln mit.
So funktioniert’s:
1. Ersten Akku leerfahren, alternativ bis auf 20 % – 30 %.
2. Zweiten Akku aus dem Rucksack oder der Tasche holen.
3. Akkus tauschen, Dauer ca. 30 s – 60 s.
4. Mit voller Kapazität weiterfahren.
Ersatz- und Zweitakkus für beliebte E-Bike-Systeme
6. Worauf muss ich beim E-Bike-Akku-Kauf achten?
Akkukapazität vs Gewicht
Mehr Kapazität bedeutet mehr Gewicht – das ist physikalisch unvermeidbar.
Die Ladezeit reduziert sich mit einem Schnellladegerät, das mit einem Ladestrom von sechs Ampere lädt, um etwa 30 bis 40 Prozent. Ein 625-Wh-Akku ist dann in rund drei, dreieinhalb Stunden vollständig aufgeladen.
Wichtig zu wissen:
- Die meisten Systeme laden bis zu einem Stand von 80 Prozent sehr schnell (ca. 2 – 3 Stunden bei 625 Wh).
- Die Ladung der letzten 20 Prozent dauert oft länger.
- Oftmals genügt ein Aufladen bis auf 80 Prozent, nicht immer müssen es 100 Prozent sein.
7. Diese E-Bike-Akkus empfehlen wir
Je größer der Quotient aus der Anzahl der Wattstunden und dem Gewicht bei einem E-Bike-Akku ausfällt, desto effizienter arbeitet er. Für euch bedeutet dies das Optimum an Reichweite in Bezug auf die jeweilige Kapazität. Diese Akkus bieten aktuell die höchste Energiedichte am Markt:
Yamaha Simplo-Intube Akku 630 Wh
- Hersteller: Yamaha
- Kapazität: 630 Wh
- Gewicht: ca. 3,8 kg
- Energiedichte: 166 Wh/kg
- Akkutyp: Yamaha Simplo-Intube Akku
Giant EnergyPak Smart Integrated 625
- Hersteller: Giant
- Kapazität: 625 Wh
- Gewicht: ca. 3,6 kg
- Energiedichte: 174 Wh/kg
- Range Extender kompatibel
Bosch PowerTube 750
- Hersteller: Bosch
- Kapazität: 750 Wh
- Gewicht: ca. 4,4, kg
- Energiedichte: 170 Wh/kg
Bilder: Bosch eBike Systems; KTM Sportmotorcycle GmbH; MAHLE GmbH; Shimano Europe B.V.; TQ-Systems GmbH; Elektrofahrrad24.de; Yamaha Motor Europe N.V.















