Continental 48 V Antriebssystem

Continental: RĂŒckzug aus E-Bike- und Pedelec-Markt

Paukenschlag bei Continental: wie das Unternehmen mitteilt, wird es seine E-Bike-Sparte im ersten Quartal 2020 einstellen. Als Grund wurden wirtschaftliche ErwÀgungen genannt. Rund 100 BeschÀftigte der Hannoveraner Continental Bicycle Systems GmbH & Co KG hatten erst am Vortag von der Entscheidung erfahren.

Wie Pressesprecherin Antje Lewe ausgewÀhlten Redakteuren mitteilte, hat Continental entschieden,

[…] dass wir unser GeschĂ€ft mit E-Bike- und Pedelec-Systemen zum Jahresende 2019 aus wirtschaftlichen GrĂŒnden einstellen und derzeit bevorzugt in andere Wachstumsfelder investieren. Diese Entscheidung haben wir im Rahmen unseres strategischen Portfoliomanagements getroffen. Wir werden die Konstruktionsarbeiten fĂŒr unsere 48V Revolution, 48V Prime und 36V eBike-Systeme jetzt abschließen und die Produktion innerhalb des ersten Quartals 2020 auslaufen lassen. Ein Service-Team wird bis 2022 weiterhin bestehen, um die gesetzlichen Garantie- und GewĂ€hrleistungsansprĂŒche auf bereits ausgelieferte sowie alle aus vertraglichen Verpflichtungen heraus noch zu liefernde 48V Revolution, 48V Prime und 36V Antriebseinheiten bzw. deren Ersatzteilversorgung zu gewĂ€hrleisten.“

Lewe wollte keinen Zusammenhang zwischen der Entscheidung zur Abwicklung und den jĂŒngst veröffentlichten Unternehmenszahlen sehen, fĂŒr die sich Continental erst vor wenigen Tagen eine „solide operative Leistung in schwachem Marktumfeld“ attestiert hatte. Da Continental der einzige Dax-notierte Autozulieferer ist, gilt die Unternehmens-Bilanz jedoch als Gradmesser fĂŒr die Branchenstimmung. Und so vermeldet Continental einerseits ein leichtes Umsatzplus im dritten Quartal um 3 Prozent auf 11,1 Milliarden Euro, aber eben auch Verluste im Nettoergebnis von 1,99 Milliarden Euro. Die nun bekanntgegebene Einstellung der E-Bike-Antriebssparte gehört zum  globalen „Strukturprogramm ‚Transformation 2019–2029‘“.

Weiterhin prÀsent in Sachen ElektromobilitÀt dank Vitesco Technologies

Ganz lassen von der ElektromobilitĂ€t wird Continental aber auch zukĂŒnftig nicht. Denn da wĂ€re ja noch das AntriebsgeschĂ€ft Vitesco Technologies, das einen voll-integrierten E-Antrieb in Serie bringen und profitabel werden soll. Andreas Wolf, CEO von Vitesco Technologies, wertet es als positives Signal, „dass sich kĂŒrzlich zwei fĂŒhrende Automobilhersteller fĂŒr die innovative elektrischen Achsantriebstechnologie von Vitesco Technologies entschieden haben.“

Auswirkungen auf die Kooperation von Continental mit Kalkhoff

Noch im Juli hatten wir ĂŒber die vielversprechende Zusammenarbeit zwischen Continental und dem in Cloppenburg ansĂ€ssigen E-Bike-Hersteller Kalkhoff berichtet, der zur Derby Cycle Corporation gehört.

Auf Nachfrage bei Kalkhoff versicherte Pressesprecher Arne Sudhoff, dass man aufgrund der Leistung und des sehr guten Preis-Leistungs-VerhĂ€ltnis der Continental-Antriebe an die Kooperations-E-Bikes glaube. Deswegen werde man diese auch wie geordert weiter produzieren. Continental bietet bis 2022 einen Wartunsgsservice an. DarĂŒber hinaus möchte Kalkhoff selbst diesen Service anbieten.

Continental 48V-Antriebssystem

Continental 48V eBike-System

Erst vor zwei Jahren hatte Continental sein 48V-System vorgestellt und als revolutionĂ€r beworben. Es umfasste zwei damals neue Motoreinheiten: 48V Revolution und 48V Prime. 48V Revolution war „der weltweit erste 48V Motor mit integriertem, stufenlosem Automatikgetriebe komplett in einer Antriebseinheit.“ Mit seinem 2-in-1-Antrieb und dem so genannten Continuous Variable Planetary (CVP) Getriebe mit 380 % Übersetzungsbereich setzte der 48V Revolution einen neuen Standard fĂŒr integrierte eBike-Systeme und ermöglichte ein vollautomatisches Fahrerlebnis. Als ErgĂ€nzung zum 48V Revolution stellt Continental darĂŒber hinaus den 48V Prime Motor vor, der fĂŒr E-Bikes mit konventioneller Schalttechnologie vorgesehen war. Die Integration von Motor und Getriebe in einer Einheit sollte den Herstellern mehr Gestaltungsfreiheit fĂŒr die Schaffung eines aufgerĂ€umten und attraktiveren Premium-Produkts bieten und fĂŒr Fahrer*innen die KomplexitĂ€t der SchaltvorgĂ€nge sowie den laufenden Wartungs- und Serviceaufwand vereinfachen.

Eventuell zeigen ja andere Hersteller Interesse an der Übernahme der 48V-Revolution-Technologie.

E-Bike-Reifensparte von Umstrukturierungen unberĂŒhrt

Eine gute Nachricht können wir zum Schluss vermelden: die Continental-Fahrradreifen-AktivitĂ€ten bleiben von der Entscheidung unberĂŒhrt. So z. B. der speziell fĂŒr E-Bikes entwickelte Continental E.Contact Pannenschutzreifen, der durch SaftyPlusBreaker Technologie und einen geringen Rollwiderstand ĂŒberzeugt. Dies macht den pannensicheren Allrounder besonders akku- und umweltschonend. Neuartige,  dreidimensionale Profilrillen sind so angeordnet, dass sich keine kleinen Fremdkörper darin festsetzen können. Des weiteren sorgt die spezielle Lammellenstruktur fĂŒr noch mehr Bodenhaftung, da sie sich optimal mit dem Untergrund verzahnt.

 

 

 

 

 

 

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5 thoughts on “Continental: RĂŒckzug aus E-Bike- und Pedelec-Markt”

  1. Unglaublich !
    Da kaufen Leute sicj vertrauensvoll ein teures E-Bike mit Continental Motor und bekommen das blaue vom Himmel versprochen wie toll wie gut und zukunftstrĂ€chtig diese FahrrĂ€der und diese Antriebe sind und dann Zack weg damit weil die Herren und Damen in den FĂŒhrungsabteilungen ihre Gewinn-Gier nicht befriedigt bekommen.
    Die Mitarbeiter schmeisst man raus und freut sich das man das“schlechte GeschĂ€ft“ rechtzeitig abgewĂŒrgt hat.
    Dann soll man sich noch Fahrad Reifen von denen kaufen ?
    Hat mich sehr enttĂ€uscht die „Firma “ Continental.

    1. Hallo Andreas, um ehrlich zu sein, hat uns dies auch sehr ĂŒberrascht. Die Entscheidung halten wir fĂŒr falsch, da eBike Antriebe in der Zukunft eine immer wichtigere Rolle spielen werden. Schade, dass die Fahrradsparte im Continental-Konzern so wenig Lobby hatte. Conti wĂ€re zumindest im Wettbewerb mit Bosch ein guter Counterpart gewesen. Man hat aber schon die vergangenen Jahte gespĂŒrt, dass die Entwicklung eher halbherzig vorangetrieben wurde – von Dynamik war da wenig zu spĂŒren. Trotzdem ein Verlust, den wir sehr bedauern.

  2. Ich gebe A. Vogt in allen Punkten Recht – nur um die Geldgier der AktionĂ€re und der Scheffler- Bande zu befriedigen wird dabei auch die Existenz einiger „Abnehmer“ der Conti-Produkte mit in Frage gestellt – Wir haben uns vor einem halben Jahr zwei Pedelecs von Technibike zugelegt – hervorragende RĂ€der mit sehr gut funktionierender Technik, wenn auch teuer. Die Entscheidung von Conti bringt diesem neuen und noch kleinen Hersteller wahrscheinlich nun echte Probleme – im Aufbau befindlich haben sie bei ihrem Konzept voll auf Conti gesetzt – und werden nun ziemlich sicher Absatzprobleme bekommen. Aber warum soll man sich um die Kunden kĂŒmmern – wichtig ist, die geldgeilen Investoren zu befriedigen. Leider in allen MĂ€rkten und bei fast allen Produkten ein Trend. Ich hoffe nun, das unsere Bikes trotzdem lange halten – und fĂŒr Technibike, das sie diese „Überraschung“ irgendwie kompensieren können.

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