E-Lastenfahrräder als Option für den Kindertransport

Broschüre rät: So fahren Kinder sicher bei euch im E-Lastenrad

Wer von der Familienkutsche spricht, meint mittlerweile nicht mehr zwangsläufig ein Auto. Immer mehr Menschen nutzen für das Befördern von Kindern ein Lastenfahrrad mit elektrischem Antrieb. Dafür sprechen zahlreiche praktische Aspekte. Gleichzeitig stellt das Radeln mit dem Nachwuchs im Cargobike aber auch besondere Anforderungen an das Gefährt und die Fahrenden. Da kann der eine oder andere Tipp nicht schaden. Ein paar davon hat die Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt) jetzt in einer entsprechenden Broschüre mit dem Titel „Kinderbeförderung auf Lastenfahrrädern“ veröffentlicht. Das Dokument könnt ihr kostenfrei von der Homepage der Einrichtung herunterladen.

Auf insgesamt 20 Seiten skizziert die BASt, über welche technischen Details ein E-Lastenrad unbedingt verfügen sollte, damit ihr damit sicher eure Kinder von A nach B bringt. Es wird aufgeführt, worauf ihr bei der Fahrt im Straßenverkehr besonders achten solltet und wie ihr euch fahrerisch auf diese Aufgabe vorbereiten könnt. Der Inhalt der Broschüre hat einen empfehlenden Charakter. Das heißt, dass die Autoren auf gesetzliche Vorgaben wie relevante Bestimmungen der Straßenverkehrsordnung (StVO) eingehen. Andere Punkte skizzieren sie dagegen eher in Form einer Idealvorstellung. Für euch haben wir einmal die zentralen Aussagen zusammengefasst.

Wer darf wen chauffieren?

Bereits ab einem Alter von neun Monaten dürft ihr Kinder im Lastenrad mitnehmen. Das geht hinauf bis zum vollendeten siebten Lebensjahr. Diese Obergrenze legt die StVO fest. Dort ist ebenfalls gesagt, dass die fahrende Person mindestens 16 Jahre alt sein muss. Mit dem Alter ist je stets auch ein Gewicht verbunden. Achtet daher stets darauf, mit wie vielen Kindern ihr unterwegs seid, wie viel diese ungefähr wiegen und haltet das gegen das maximal zulässige Gesamtgewicht des jeweiligen E-Cargobikes. Denkt bei der Rechnung auch an euer eigenes Körpergewicht.

Was braucht ein für den Kindertransport genutztes E-Cargobike?

Die Kinder brauchen im Lastenrad ihren eigenen Platz. Ein in die Ladefläche hineingelegtes Kissen genügt dafür keinesfalls. Stattdessen sollte für jedes Kind ein separater Sitz vorhanden sein. Zum Sitz gehört ein eigenes Gurtsystem. Als Mindeststandard empfiehlt die Borschüre eine Dreipunktsicherung, bei der die Gurte über den Schultern und zwischen den Beinen verlaufen. Damit der Gurt nicht einschneidet und im Ernstfall den nötigen Halt bietet, sollte er mindestens 2,5 Zentimeter breit und fest mit dem Lastenrad verbunden sein. Die Gurte erfordern einen fest verschließbaren Ankerpunkt, an dem sie sicher einrasten.

Kindersitz mit Sicherheitsgurt in einem E-Cargobike

Sicheres Gurtsystem eine der Grundanforderungen beim Kindertransport

Während der Sitz etwas ist, an das vermutlich alle von euch sofort denken, sind andere wichtige Komponenten weniger offensichtlich. Dazu zählen etwa Schutzbleche an den Rädern. Diese verhindern, dass durch das Fahren hochgewirbelte Steine möglichweise die Kinder treffen. Je nach Bauart des Lastenfahrrades bietet sich zudem eine teilweise Verkleidung der Laufräder an. So verhindert ihr, dass die Kinder während der Fahrt dort hineingreifen und sich verletzen. Generell empfiehlt sich ein gründlicher Blick in die Ladefläche. Wo besteht die Gefahr, dass sich jemand einklemmt oder auf andere Weise wehtut? Müsst ihr eventuell bestimmte Stellen mit zusätzlicher Polsterung sichern?

E-Lastenrad Ca Go FS 200 in der Family-Version

Neben den obligatorischen Kindersitzen erweist sich ein Doppelbeinständer am E-Lastenrad als äußerst praktisch.

Welche Ausstattung empfiehlt sich für die Fahrenden und die Passagiere?

Das Tragen eines Fahrradhelmes ist stets eine sinnvolle Idee – vor allem, wenn ihr mit Kindern unterwegs seid. Erfahrungsgemäß lässt sich der Nachwuchs vom Aufsetzen auch im E-Cargobike überzeugen, sobald ihr mit gutem Beispiel vorangeht. Beim Fahren auf einer offenen Ladefläche kommt der Schutz vor nasser und kalter Witterung hinzu.

Kindertransport mit dem E-Cargobike Carqon Cruise

Mit Helmen sind sowohl Fahrende als auch Kinder besser geschützt unterwegs.

Wie bereitet ihr euch auf das Fahren mit Kindern im Lastenrad vor?

Damit aus gut gemeint auch gut gemacht wird, liegt es tatsächlich nahe, sich vorab mit der fahrtechnischen Herausforderung des Beförderns von Kindern im Lastenrad vertraut zu machen. Als ersten Faktor gilt es das Gewicht der Kinder zu berücksichtigen. Je nach Typ des Cargobikes und der Anzahl der Kinder ist das gern einmal ungleichmäßig verteilt. Außerdem solltet ihr damit rechnen, dass die Kleinen nicht ständig ruhig in einer Position verharren. Sie reagieren auf ihre Umgebung, greifen mal nach etwas, das gerade vorbeizischt oder drehen sich um und möchten mit euch reden. In der Broschüre ist gut beschrieben, wie ihr alltägliche Manöver wie das Anhalten und Losfahren, abruptes Bremsen, eine enge Kurvenfahrt oder einen Slalom um Hindernisse herum üben könnt.

Am besten wählt ihr dafür eine sichere, verkehrsberuhigte Umgebung. Plant ruhig etwas Zeit dafür ein, damit ihr die einzelnen Situationen mit und ohne aktivierten E-Antrieb absolvieren könnt. Für das Training genügen auch Getränkekästen oder größere Fässer als Kinder-Ersatz. Zudem verziehen die euch auch mal ein Versteuern. Solch eine Probe ist aus unserer Sicht wirklich nützlich, um ein gutes Gefühl für das veränderte Fahrverhalten und die Dimensionen eines Lastenrades zu erhalten.

Fokus auf speziellem Typ von Lastenfahrrädern

Aufgrund dieser und weiterer Informationen kann sich das Lesen der Broschüre „Kinderbeförderung auf Lastenfahrrädern“ als sehr nützlich erweisen. Ein kleines Manko ist die Tatsache, dass Broschüre fast ausschließlich Lastenfahrräder thematisiert, deren Ladebereich, in dem die Kinder sitzen, sich vor den Fahrenden befindet. Viele Tipps lassen sich aber auch auf Longtail-Cargobikes übertragen, bei denen die Kinder auf einem verlängerten Gepäckträger hinter den Fahrenden Platz finden.

 

Bilder: Shimano; Carqon; Ca Go Bike GmbH

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