ZIV kontra Verkehrswacht

27.08.2018 19:59

"Steigende Unfallzahlen mit Pedelecs lassen die Vermutung zu, dass die Sicherheit der Nutzer wenig im Mittelpunkt steht. Dabei könnte neben mehr Aufklärung und Fahrtrainings auch die Entwicklung von Sicherheitstechnik zur Senkung der Unfallzahlen beitragen.“ Solche und ähnliche Aussagen, die die Deutsche Verkehrswacht vergangene Woche im Rahmen ihrer Meldung zu vermehrten Sicherheitsbedenken macht, haben den Zweirad-Industrie-Verband aufgerüttelt. Derlei Meldungen sind nicht neu. Diesmal stellt die Deutsche Verkehrswacht fest, das es „abgesehen vom seltenen Antiblockiersystemen (ABS) für Pedelecs praktisch keine Fahrerassistenzsysteme gebe. Man forsche zwar an Radar-, Sensor- und Kameragestützten Sicherheits-Systemen. Deren Serienreife sei aber nicht absehbar. Zur Zeit sei das Unfallrisiko mit Pedelecs (E-Bikes) sei dreimal so hoch wie mit klassischen Rädern."

Unfallrisiko bei E-Bikes

"Wir brauchen auch von Herstellern mehr Ideen und Investitionen in Sicherheit. Damit würden sie besonders den Bedürfnissen älterer Pedelec-Nutzer entgegenkommen, " so Prof. Kurt Bodewig, Präsident der Deutschen Verkehrswacht (DVW).

Der Zweirad-Industrie-Verband (ZIV) sah sich daraufhin veranlasst, in einem offenen Brief sein Unverständnis über die Aussagen der Deutschen Verkehrswacht Kund zu tun. Laut ZIV sei es vollkommen falsch, dass die Industrie zu wenig für die Sicherheit von E-Bike-Fahrern tue. "Zudem wird anhand ungestützter Thesen behauptet, dass Pedelecs ein höheres Unfallrisiko als normale Fahrräder haben. Auch dies ist nicht richtig und bereits widerlegt“, erklärte der Geschäftsführer des ZIV, Siegfried Neuberger.

Fahrradunfall

Quelle: Pixabay / Hans

Schon mehrmals hat sich der ZIV über die Unfallzahlen mit E-Bikes geäußert und deutlich vor Fehlinterpretationen und Falschauslegungen gewarnt. Per se wiesen E-Bikes keineswegs ein größeres Unfallrisiko auf, als Fahrräder ohne Elektromotor. Eine Studie der TU Chemnitz, die im Auftrag der Unfallforscher der Versicherer entstand, würde das belegen.

Zahlen geben verzerrtes Bild

Die stetig wachsende Zahl von E-Bikes und vor allem auch die intensive Benutzung und die zurückgelegten Distanzen wirken sich auf die Unfallzahlen aus. Nimmt man sich die reine Statistik her, steigt natürlich das Unfallrisiko durch die gesteigerte Kilometerleistung. Dass man mit E-Bikes automatisch schnell führe, sei laut ZIV nicht belegt. Tatsächlich läge die Durchschnittsgeschwindigkeit nur um rund zwei km/h höher als beim normalen Fahrrad. Denn so würden E-Biker den Motor hauptsächlich dafür benutzen, um ähnliche Geschwindigkeiten zu erreichen, aber eben mit einem geringeren körperlichen Aufwand als beim normalen Bike.

Der ZIV fordert deshalb mehr für den Schutz für Radfahrer im Straßenverkehr im Allgemeinen zu tun. Den bei 70 Prozent der Fahrradunfälle handle es sich eben nicht um „Alleinunfälle“.