Wochenendlektüre: Mehr Pisten für Pedelecs!

22.07.2017 08:56

Mehr Pisten für Pedelecs!

Alle eBiker, die an diesem Prachtwetterwochenende ein platter Reifen, ein Rahmenbruch, oder eine Grippe plagt, können wir wenigstens mit einem interessanten Lesetipp vertrösten. Die anderen sollten sich das Lesestück vormerken und nach getaner Schönwetterfahrt zu Gemüte führen. Denn es geht um nichts weniger als die Frage:

„Wo sollen die schnellen Räder eigentlich fahren?“

Gestellt hat sie STERN-Autor Gernot Kramper, und obwohl er eigentlich Redakteur im Autoressort ist, macht er sich in diesem Fall stark für die Anliegen einer wachsenden eBike-Community. Wir von ELEKTROFAHRRAD24 finden: ein guter und wichtiger Artikel.

Städtischer Radweg

Boomtown eBike-Branche

Der eBike-Markt boomt, anders kann man es nicht nennen. Der Zweirad-Industrie-Verband (ZIV) schätzt, dass inzwischen ca. drei Millionen mit einem Elektromotor ausgestattete Fahrräder auf Deutschlands Wegen unterwegs sind. Allein im Jahr 2016 wurden laut ZIV stolze 605.000 Pedelecs verkauft. Und wie wir eBike-Begeisterten wissen, sind dies längst nicht mehr bessere Rollatoren für schwächelnde Rentner. Das eBike ist in der Mitte der Gesellschaft angekommen und bedient vom Pendler bis zum Sportler unterschiedlichste Nutzer.

Rollende Revolution ohne Revolte

Ein schöner Nebeneffekt dieser Entwicklung ist, dass sich hier quasi ohne Kämpfe eine Revolution in Sachen Nachhaltigkeit abspielt, die nicht nur niemanden Verzicht auf irgendetwas abverlangt, sondern auch noch jede Menge Spaß mit sich bringt. Unsere Umwelt wird geschont, unsere Städte werden entlastet – nur rollt mit der unaufhaltsamen eBike-Welle die Frage auf uns zu, wo die schnellen Räder eigentlich fahren sollen.

Mit leiser Ironie kritisiert Kramper aber auch fragwürdige Entwicklungen, wie zum Beispiel jene, dass ausgerechnet im Hamburger Flachland vermehrt eMTBs in der 45-km/h-Variante auf Rad- und Fußwegen unterwegs seien.

Tempo 25 vs. Tempo 250  

Die Haltung der Politik, die ja sonst quer durch alle Spektren Sonntagsreden zum Thema Nachhaltigkeit hält, muss verblüffen. Statt Begeisterung werden Bedenken laut, ob diese Geschosse mit ihrem aberwitzigen Tempo von 25 km/h nicht viel zu schnell seien. (Aber Tempo 250 auf der Autobahn geht in Ordnung.)

Vom Rand der Erde zum Delirium furiosum

Nein, sind sie nicht – eine Gesellschaft, die ihren Mitgliedern immer mehr Mobilität, Flexibilität und Schnelligkeit abverlangt, sollte sich nicht mit Fragen buchstäblich aufhalten, die ein wenig nach jenen Zeiten klingen, als man Segelschiffe für gefährlich hielten, weil sie am Rand der Erde hinunter fallen könnten oder als man befürchtete, Eisenbahnfahrten könnten aufrund ihrer Geschwindigkeit ein Delirium furiosum auslösen.

Pedelec-Pisten statt gemischter Zonen

Das Problem ist die Infrastruktur. Viele Radwege gleichen eher Verkehrsberuhigungsmaßnahmen denn Verkehrsadern. Wenn aber Pedelecs eine ernstzunehmende Alternative zu PKW sein sollen, bräuchte es Verkehrswege, die Tempo-25-tauglich sind und Überholmanöver erlauben – Pedelec-Pisten! Stattdessen werden gemischte Zonen, die gleichzeitig von Spaziergängern, Kinderwagen, Hunden und Rollerskatern genutzt werden, als Radwege deklariert. Dies verlangt natürlich nach Schrittgeschwindigkeit – die sich je nach Auslegung der Gerichte bei unter 20 km/h und nicht höher als 5 km/h bewegt. So taugt selbst das schnellste eBike nichts.

Die Elektroradrevolution schreitet voran, unaufhaltsam. Und so steht als Fazit des Artikels die weise Warnung, dass sich Nutzer dieses Fortbewegungsmittels weiterhin nicht geeigneter Verkehrsnetze bedienen, wenn ihnen keine angemessene Infrastruktur geboten wird. Wer soll da eigentlich Rücksicht nehmen? Die Pedelecfahrer oder die Verkehrspolitik?