VELLO, das selbstladende Klapprad, und andere alternative Lademethoden

26.04.2018 17:26

Ganz schön flott ... Bildquelle: vello.bike

Ganz schön flott ... Bildquelle: vello.bike

Eine Frau sitzt an einem Brunnenrand, die Augen geschlossen, ihr Gesicht der Sonne zugewandt. Sie trägt eine schwarze Lederhose. Eine andere steigt in einen Zug ein: sie ist groß, schlank, blond. Sie trägt Radlerhosen aus schwarzem Leder. Später sehen wir sie wieder, inzwischen hat sie die Radlerhosen eingetauscht, gegen Hotpants aus schwarzem Leder.

Falls irgendwer bis hierher noch ruhig Blut bewahren konnte: jetzt kommt die Erinnerung, dass wir uns nach wie vor auf einem Elektrofahrradblog befinden.

Das VELLO – klein, aber oho!

Insofern ist es schade, dass diese nicht gerade dezente „Sex sells“-Herangehensweise eher vom Produkt ablenkt, als den Fokus darauf zu lenken. Denn die solcherart beworbenen E-Bikes sind auch nicht ohne, wenn man sie denn erstmal wahrgenommen hat. Finden nicht nur wir: auch der reddot award kürte das VELLO 2015 zum „best of the best“, und der Euopean Product Design Award zählte es 2017 unter die „Winner“.

Konzentrieren wir uns also lieber auf das Rad’l als auf’s Madl, und zwar speziell auf die Elektrovariante, denn das VELLO gibt es sowohl mit also auch ohne Antriebsunterstützung.

Vieles spricht für das Wiener Faltrad: mit gerade mal 11,9 kg ist es ultraleicht. Dank eines revolutionären und umgehend patentierten Faltsystems braucht es nur zwei Schritte zu seiner vollen Entfaltung. Sein gliederloses Design sorgt für maximale Stabilität, Sicherheit und Fahrdynamik. Was es aber unter allen anderen vergleichbaren Elektrofahrrädern heraushebt, ist seine supereffiziente Energierückgewinnung dank der sogenannten K.E.R.S.-Technologie.

Intelligente Energierückgewinnung dank K.E.R.S.-Technologie

Das Kinetic Energy Recovery System bewirkt, dass überschüssige kinetische Energie in elektrische Energie umgewandelt wird und während der Fahrt die Akkus lädt. Vier Sensoren ermöglichen eine punktgenaue Energierückgewinnung und angepasste Tretunterstützung. Bei Bergabfahrten, Bremsmanövern oder Rückenwind lässt sich der Akku zu fast 100% wieder aufladen. Und das ganze ohne klobige Apparaturen: Akku, Motor und Steuerung sind formschön in der hinteren Radnabe untergebracht. Die Herstellerbehauptung „durch die intelligente Selbstladung beträgt die Reichweite von 50 km bis unendlich“ lassen wir in ihrer Schönheit einfach mal so stehen, handelt es sich doch um das Schlaraffenland eines jeden E-Bike-Fahrers.

Durchdachte Details im Dienst der Dimensionierung

Daneben überzeugt VELLO mit durchdachten Details wie einer magnetischen Verbindung, die eine sekundenschnelle und intuitive Faltung erlaubt. Gleichzeitig fungiert der patentierte Magnet-Link auch als Federung. Erstaunlich sind die ultraleichten und vollständig faltbaren Schutzbleche. Auch der Lenker lässt sich wie ein paar Schmetterlinksflügel hoch- und runterklappen. Alles in allem ist das VELLO somit in gefaltetem Zustand vier Mal kleiner als zuvor.

Dass es das alles dann noch in den vier verschiedenen Ausstattungsvarianten Urbano, Speedster, Rocky und Bike+ erhältlich ist, die optisch alle überzeugen, ist auch keine Selbstverständlichkeit angesichts des ansonsten eher spartanischen Rufs, in dem Klappräder früher standen.

Einzelheiten zum VELLO findet man zuhauf auf der Hersteller-Website, inklusive Filmchen, welches wir uns heute mal verkneifen, denn wir wollen das VELLO heute noch in einen größeren Zusammenhang stellen: die Suche nach alternativen Lademethoden.

Alternativen zum Li-Ion-Akku

Alternative Lademethoden für E-Bikes waren schon öfter Thema im ELEKTROFAHRRAD24-Blog. Wozu dit Janze? Nun, so weitverbreitet der Li-Io-Akku auch ist, darf er doch als „Achillesferse der Neuzeit“ gelten. Warum, haben wir in zwei Posts ausführlich dargelegt: „Der Lithium-Ionen-Akku – Geschichte, Potential, Risiken“ sowie „Der Lithium-Ionen-Akku – Alternativen, Marktprognosen und Auswirkungen auf den E-Bike-Markt“.

Alternative Lademethoden

Solarenergie

Doch es wird eben nicht nur nach alternativen Ladezellen gesucht, sondern parallel nach alternativen Lademethoden für selbige. Hier ist zum einen Die Sonne als Energielieferant immer wieder im Fokus der Entwickler, die auf Solar-Tankstellen, Solar-Garagen und Solar-Bikeports verfallen sind. Sogar ein portables Solar-Ladegerät gibt es bereits. Erst kürzlich stellten wir das KVAERN vor, ein E-Bike mit Solar-Ladestation, die sich tagsüber auflädt und abends das E-Bike selbst.

Daneben gibt es immer wieder auch Ansätze, die Solarpanele direkt ins Rad zu integrieren, so zum Beispiel beim Dutch Solar Cycle bzw. dem daraus hervorgegangenen Bike 4 All, bei dem die Solarpaneele äußerst dekorativ zwischen den Speichen angebracht werden sollten. Leider scheint es die Entwicklung nicht über einen Protoyp hinaus geschafft zu haben. Auch das E-V Sunny war ein schicker Ansatz, ist aber ebenfalls schon wieder Geschichte. Wie eine Reminiszenz an den Science-Fiction-Klassiker Tron wirkt der Look des ELE, dessen Solarpaneele sich seitlich zur Radachse wegklappen ließen, um das Sonnenlicht optimal absorbieren zu können. Doch auch hierbei handelte es sich nur um eine Designstudie.

Den Reigen der solargespeisten Pedelecs macht das LEAOS Solar komplett, dessen Macher nicht nur eine Vorliebe für Vokale hegen, sondern auch die interessante Idee, die Solarrezeptoren direkt auf dem eigenwillig geformten Rahmen anzubringen.

Wasserstoffenergie

Physiker werden jetzt wahrscheinlich lachen, aber wessen Allgemeinbildung in Sachen Wasserstoff sich auf Wasserstoffperoxid und die Wasserstoffbombe beschränkt, den dürfte die Idee eines Wasserstoff-E-Bikes leicht gruseln. Beides assoziiert ziemlich schlimme Konsequenzen, für Haare insbesondere und den Planeten insgesamt. Doch mit dem Wasserstoffrad H2.4 2014 scheint man endlich eine friedliche Nutzung fürs Hydrogen gefunden zu haben.

Windenergie

Hier sind uns noch keine interessanten Ansätze, wie z. B. der theoretisch denkbare Einsatz von Kleinstwindgeneratoren untergekommen. Falls Ihr welche kennt, schreibt sie bitte in die Kommentare!


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