superpedestrian Copenhagen Wheel oder Wie aus Omas Drahtesel eine fliegende Untertasse wurde*

27.09.2017 10:29

Die dänische Hauptstadt gilt insbesondere unter Radfahrern als Mekka einer nachhaltigen Verkehrspolitik – „Radfahren in Kopenhagen“ hat sogar seinen eigenen Wikipedia-Eintrag!

Kein Wunder, das so ziemlich das geilste Teil in Sachen „kann einfach alles“, „Copenhagen Wheel“ getauft wurde.

superpedestrian-Copenhagen-Wheel-Scheibe

Erdacht und designt wurde es von superpedestrian, einer Ausgründung des renommierten Massachusetts Institute of Technology (MIT), die sich zudem den Chefentwickler des Segway ins Boot holten.

Und so ist die 7,5 kg schwere Scheibe ein wahres Wunderwerk der Technik geworden. Sie beherbergt nicht nur Akku, Sensoren und Controller – nein, auch den Motor. Das war’s! Kein zusätzliches Kabelgefrickel, keine zusätzlichen Bauteile.

superpedestrian-Copenhagen-Wheel-Innenleben 

Das Copenhagen Wheel-Prinzip

Im Inneren befinden sich diverse Sensoren, die die Vielzahl an Fahrdaten messen, welche Fahrer, Fahrrad und Umgebung produzieren. Aktuelles Drehmoment, Kassettendrehzahl, Tretleistung, Pedalstellung und dreidimensionale Beschleunigung – aus alledem errechnet eine Software während der Fahrt das optimale Motorverhalten.

superpedestrian Copenhagen Wheel im Wirkprinzip

So verstärkt das Copenhagen Wheel die eigene Kraft um das Zehn- bis Zwanzigfache und beschleunigt bis 25 km/h – so weit, so eBike. Anders als bei herkömmlichen Elekrofahrrädern beträgt die Reichweite aber nur 50 km. (Dies dürfte, neben dem happigen Preis von rund 1500 $, eines der Hauptargumente gegen den Kauf der roten Untertasse darstellen.) Immerhin kann Energie beim Bergab Fahren oder auch einfach, indem man die Pedale nach hinten tritt, rekuperiert werden. Kinetische wird in elektrische Kraft übersetzt und die Reichweite erhöht. Typische Stadtfahrten, die von häufigem Stop-and-Go charakterisiert werden, ziehen allerdings ordentlich Strom.

Diebstahlsicherung und Pannenservice

Dass das Design nicht nur rein visuell ein Objekt der Begierde darstellt, dürfte klar sein. Um es gegen allzu begehrliche Blicke mit anschließender Einheimsung zu schützen, gibt es eine eigens programmierte Bluetooth-Verbindung zwischen Wheel, Smartphone und Cloud, die vor Fremdzugriff geschützt sein soll. So erfolgt bereits das Einschalten des Systems automatisch, und stellt man das Rad ab und entfernt sich, schaltet es sich auch wieder von alleine ab.

Für wen ist das Copenhagen Wheel und wo kann man es kaufen?

Apropos: welches Rad eigentlich? Fahrradhändler wird freuen, dass das Copenhagen Wheel quasi jede Rostlaube* zum eBike aufwerten kann. Voraussetzung ist, dass die jeweiligen Spezifikationen des für den Umbau vorgesehenen Rades an superpedestrian übermittelt werden. Binnen 48 Stunden wird eine Version gebaut, die mit Größe, Achsenbreite und -länge, Gangschaltung und Bremstyp harmoniert.

Ein weiterer Vorteil der Superscheibe ist die Smartphone-App, die sämtliche Fahrdaten säuberlich aufbereitet darstellt. Die gefahrene Strecke wird übrigens dreidimensional, d.h. inklusive Höhenprofil, gemessen. Und falls es mal zu Zwischenfällen wie Stürzen, technischen Defekten oder Kurzschlüssen kommen sollte, liefert das System binnen Millisekunden Assistenz, indem es die Leistung drosselt oder sich abschaltet. Die App kennt Reparaturlösungen für über 200 mögliche Defekte.

Falls gar nichts mehr geht, sendet man das Wheel zu superpedestrian. Sobald das System per App die Nachricht über einen irreparablen Defekt erhält, wird ein Ersatzrad zum Kunden verschickt.

Erste Fahrtests beschreiben die Beschleunigung als „beeindruckend, sanft und sehr sensibel.“

Fangt also schon mal an, für Omas 80. zu sparen!

*Diese Aussagen können Spuren von Ironie enthalten.